Witterschneekreuzkapelle auf einem Ölbild von Nikolaus Ganter, 1855

Privat
Die Abbildung wurde den Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar, Band 55, März 2012 entnommen.

Der Maler Nikolaus Ganter (1809-1886) fertigte 1855 dieses Ölgemälde in den Maßen 25 x 35 cm. Zu sehen ist die holzverschindelte Witterschneekapelle, die wenige Jahre zuvor 1846/47 gebaut worden war. Deutlich zu erkennen ist an ihrer Rückseite eine kleine Apsis, in der sich das Gnadenkreuz befand. Dieser Anbau gehörte ursprünglich zum Vorgängerbau, der offenen, überdachten Kapelle. Nach dem Bau der neoromanischen Wallfahrtskirche Witterschnee in den Jahren 1894-1897 und der Überführung des Gnadenkreuzes in das neue Gotteshaus wurde die Apsis der Kapelle entfernt.

Im Vordergrund stellt Nikolaus Ganter Pilger auf dem Weg zur Wallfahrtskapelle dar. Sie sind im Stile der Biedermeierzeit gemalt. Ein Mann schleppt sich auf Krücken, offenbar auf Heilung hoffend. Rechts ist ein Haus dargestellt, das direkt am Stettbach steht, und eine Mühle sein könnte. Im Hintergrund sind einige Häuser am Alenberg und daneben das Städtchen zu erkennen. In der Ferne am Horizont grüßt der schneebedeckte Gipfel des Säntis in den Schweizer Alpen.

Nikolaus Ganter wurde 1809 in Bubenbach als Sohn von Andreas und Rosina Ganter geboren. 1838 heiratete er Juliane geb. Kleiser und zog mit ihr nach Friedenweiler, wo sie eine Wirtschaft betrieben. Neben seiner Tätigkeit als Gastwirt malte er Dorfansichten seiner Heimat, Höfe, aber auch Porträts sowie Bilder für Kreuzwegstationen für Kirchen und Kapellen. Er starb 1886 in Friedenweiler.

Standort des Malers: 47.893780, 8.332222

Andachtsbild zur Wallfahrtsgeschichte des Witterschnees, 1898

Institut für religiöse Volkskunde der Universität Freiburg

Die geschichtliche Entwicklung der Wallfahrten zum Schneekreuz wird auf diesem Andachtsbildchen visualisiert. Gedruckt wurde das »Andenken zur Wallfahrt« im Jahr 1898, als die neue Wallfahtskirche vollendet und im Herbst gesegnet wurde. In der Bildmitte ist das Gnadenkreuz dargestellt, wie es in der alten Kapelle zu sehen war, bevor es in die neue Kirche überführt wurde. Vier weitere Darstellungen zeigen wie in einem Comicstrip Ansichten aus den Jahren 1740, 1752, 1846 und 1898.

Oben links ist das Holzkreuz mit der Christusfigur zu sehen, das 1740 von einem Mann nach seiner Errettung aus dem Schneesturm gestiftet worden war. Als Standort für das »Schneekreuz« wählte er einen Lindenbaum. Unter ihm hatte er etwas Schutz gefunden, bevor er das Feierabendglöckchen des Städtchens und die Stimmen der ihn schließlich rettenden Waldarbeiter vernommen hatte.

Oben rechts ist eine stilisierte Ansicht des Kreuzes aus dem Jahr 1752 abgebildet. Das Holz des Kreuzes war morsch geworden und umgefallen. Die unversehrt gebliebene Christusfigur soll der Ziegler bei sich aufbewahrt und schließlich ein neues Kreuz mit dem alten Korpus errichtet haben. Um es vor Witterungseinflüssen zu schützen, stand das Kreuz nun in einer überdachten Nische. Davor wurden Kniebänke aufgestellt.

Unten links ist die holzverschindelte Wallfahrtskapelle zu sehen, die Mitte des 19. Jahrhunderts vor dem alten Lindenbaum gebaut wurde. Sie war notwendig geworden, da die Anzahl der Menschen, die zum Schneekreuz pilgerten, stetig zugenommen hatte.

Unten rechts ist eine Ansicht der neuen neoromanischen Wallfahrtskirche abgedruckt, die in den Jahren 1894-1898 erbaut wurde. Der über 200 Jahre alte Lindenbaum musste dem Neubau des Gotteshauses weichen und wurde gefällt. Im Oktober 1898 wurde die Kirche gesegnet und damit für die Pilger freigegeben.

Standort des Künstlers: 47.893246, 8.336147

Mehrbildkarte mit Witterschneekapelle und Gesamtansicht, ca. 1897

Verlag J. A. Binders Nachfolger, Bonndorf
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Werner Lubrich zur Verfügung.

Die Mehrbildkarte wurde am 10. September 1897 geschrieben. »Bin morgen 9 Uhr in Bonndorf, 12 Uhr in Stühlingen. Abends 7 Uhr in Radolfzell«, teilte der Kartenschreiber mit.

Die Karte zeigt eine Gesamtansicht des Städtchens, die weitgehend dem Ölgemälde von H. Glunk aus dem Jahre 1861 entspricht (hier). Das kleine Bild links zeigt eine Ansicht der 1846/47 gebauten Witterschneekapelle, die auch als Andachtsbild Verbreitung fand (hier). Die lithografische Darstellung ist nicht realistisch: In Wirklichkeit war die Vorderseite der Kapelle nicht offen, sondern wie heute auch mit Holztüren verschlossen.

Andachtsbild mit der Witterschneekapelle, ca. 1850

Kunsthaus Gebrüder Carl & Nikolaus Benziger, Einsiedeln

»Abbildung der neuen Witterschnee-Kreuzkapelle in Löffingen auf dem bad. Schwarzwalde«, lautet der Titel dieses Andachtsbildchens. Gedruckt und vertrieben wurde es von dem 1833 gegründeten Kunsthaus Gebrüder Carl und Nikolaus Benziger im schweizerischen Marienwallfahrtsort Einsiedeln, das Jahrzehntelang eines der führenden katholischen Verlagshäuser im deutschsprachigen Raum war.

Die Lithografie zeigt die verschindelte Holzkapelle mit Türmchen und offener Vorderfront. Irrtümlich könnte man meinen, dass es sich um eine Ansicht der offenen, überdachten Nische aus dem Jahre 1792 handelt. Tatsächlich ist aber die 1846/47 gebaute Wallfahrtskapelle dargestellt, die heute noch steht, eben die »neue Witterschnee-Kreuzkapelle«, wie der Titel sagt. Die Kapelle war und ist vorne geschlossen. Die lithografische Abbildung ist nicht realistisch. Die Vorderfront wurde als offen dargestellt, um einen Blick auf das Gnadenkreuz im Inneren zu ermöglichen. Auch die Größenverhältnisse zwischen den Pilgern im Vordergrund und der monumentalisierten Kapelle entsprechen nicht der Wirklichkeit.

Auf dem Andachtsbildchen ist ein Bibelvers abgedruckt: »Kommet zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken.« Tatsächlich kamen immer mehr Pilger zum Witterschneekreuz, sie suchten Trost und Heilung, zumal auch von Wundern berichtet wurde, die sich ereignet hätten.

Standort des Künstlers: 47.893220, 8.336221

Ölgemälde von H. Glunk, 1861

Das Original befindet sich im Besitz von Christel Wehrle.
Sammlung Familie Waßmer

Der Maler H. Glunk malte 1861 vom Reichberg aus dieses Ölbild. Die Stadtansicht, die sich ihm bot, war neu. Erst seit 1857 stand der Kirchturm am Westgiebel des Langhauses. Bis 1845 hatte er an der Südseite des Kirchenschiffes gestanden, in den zehn Jahren dazwischen hatte eine Lücke im Panorama geklafft.

Deutlich wird außerdem, wie weit sich zu Zeiten Glunks die Bebauung bereits über den mittelalterlichen Stadtkern hinaus ausgedehnt hatte. Häuserzeilen erstreckten sich in der Vorstadt, sie reihten sich auf dem Alenberg und im Maienland. Zwei Häuser standen im heutigen Pfarrweg. In der Straße nach Seppenhofen sind die 1840 erbaute Kaplanei und etwas abseits ein kleines Gebäude zu erkennen, das ab 1871 als Krankenhaus dienen sollte. Zu sehen sind auch die beiden Barockhäuser am Ortseingang. Die Pfarrscheune daneben mit ihren hohen Scheunentoren musste im Jahre 1900 dem Bau der Eisenbahn weichen. Die Bahngleise zerschnitten später die Wiese im Vordergrund.

Die Identität des Malers H. Glunk ist unbekannt. Eventuell handelt es sich bei ihm um Heinrich Glunk, der am 30. Juni 1827 als Sohn des Schneidermeisters Jacob Glunk und dessen Ehefrau Maria Agatha geb. Müller in Löffingen geboren wurde. Familie Glunk lebte in der heutigen Demetriusstraße. Heinrich Glunk studierte und wurde Schullehrer. 1860 heiratete er in Mannheim. Er starb am 26. Februar 1868 im Alter von 40 Jahren.  Es ist gut möglich, dass er dieses Ölgemälde schuf.

Standort des Malers: 47.880673, 8.342872

Stadtansicht auf einem Stich, ca. 1833-1835

Stadtarchiv

Mit dem Bau des Rathauses 1832 veränderte sich die Gesamtansicht des Städtchens. Der neue Rathausturm überragte die Dächerlandschaft des Altstadtrings.

Im Mittelpunkt des Stiches steht aber nicht das Rathaus, sondern der wieder aufgebaute Kirchturm in seiner vollen Länge und Pracht. 1809 hatte man den barocken Zwiebelturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael wegen Baufälligkeit abtragen müssen. Man ersetzte ihn durch diesen achteckigen Turmhelm, dessen Spitze ein Kreuz und eine Wetterfahne schmückte.

Links im Vordergrund sind die beiden Barockhäuser zu erkennen, die 1788 und 1803 erbaut wurden (Untere Hauptstr. 10). Vor dem Langhaus der Kirche steht das Fürstliche Jägerhaus (Seppenhofer Str. 1), das 1847 abbrennt und an dessen Stelle im selben Jahr ein neues Haus gebaut wird.

Rechts im Hintergrund sieht man das 1823 erbaute Gasthaus »zur Linde« (Obere Hauptstr. 10). Dahinter sind auf dem Hügel in der Ferne Häuser von Dittishausen angedeutet. Auffallend ist, dass der Alenberg zur dieser Zeit nicht bewaldet war und offenbar landwirtschaftlich genutzt wurde.

Der Stich wird sehr unterschiedlich datiert: Karl Hasenfuß gibt in seiner Chronik das Jahr »1790« an. Emil Ketterer datiert das Bild in seiner Chronik »um 1815«. Dabei dürfte der Stich vermutlich aus den Jahren 1833-1835 stammen.

Standort des Künstlers: 47.881234, 8.343258