
Verlag A. Rebholz, Löffingen | Dieses Foto stellte dankenswerterweise Käthe Kaufmann zur Verfügung.
Der Meiler ist inzwischen vollständig aufgeschichtet und abgedeckt. Wie ein mächtiger Hügel erhebt er sich auf dem »Kohlplatz« im Stadtwald. Die Holzscheite im Innern sind unter einer dichten Schicht aus Reisig, Erde und Rasensoden verschwunden. Nun beginnt der entscheidende Teil der Arbeit: Im Innern soll das Holz langsam verkohlen, ohne offen zu verbrennen.
Vor dem Meiler hat sich die Köhler-Familie Nägele für den Fotografen aufgestellt. Ganz links steht Konrad Nägele (1885-1960), in der Mitte seine Ehefrau Sophie Nägele (geb. Eckert, 1886-?), und rechts seine Mutter Ludowika Nägele (geb. Winter, 1853-1932). Sein Vater Peter Nägele (1850-1910) starb 1910 und ist daher nicht mit auf dem Bild. Die beiden Frauen halten lange Arbeitsgeräte in den Händen. Das Foto zeigt damit zugleich, dass die Köhlerei keineswegs allein Sache der Männer ist: Die ganze Familie lebt und arbeitet während der Saison auf dem Kohlplatz.
Sobald der Meiler angezündet ist, muss er über Tage hinweg aufmerksam beobachtet werden. Zu viel Luft könnte das Holz in Brand setzen, zu wenig den Verkohlungsprozess ersticken. Deshalb verbringen die Nägeles im Sommer mit ihren Kindern viel Zeit im Wald und leben zeitweise in der Köhlerhütte. Aus dem Arbeitsplatz wird für einige Monate ein zweites Zuhause – erfüllt vom Geruch nach Rauch und Holzkohle, der sich in Kleidung und Haaren festsetzt.
Standort des Fotografen: 47.909612, 8.323702