Männergruppe im Pavillon auf dem Alenberg, März 1944

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

Eigentlich sind es noch keine Männer. Gerade einmal 16 oder 17 Jahre alt, drängen sich die Jugendlichen im Eingang des hölzernen Pavillons auf dem Alenberg zusammen. Einer legt seinem Freund den Arm um die Schulter, ein anderer verbirgt lachend das Gesicht in den Händen. Sie hängen miteinander herum und genießen einen unbeschwerten Moment. Doch schon am nächsten Tag beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt: Ihre Einberufung zum Reichsarbeitsdienst steht an.

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) ist keineswegs nur ein Arbeitseinsatz. Seit 1935 ist er für junge Männer verpflichtend und streng militärisch organisiert. Neben körperlicher Arbeit gehören Drill, Lagerleben und nationalsozialistische Erziehung dazu. Im Krieg wird der RAD immer stärker für militärische Aufgaben herangezogen und dient zugleich als Vorbereitung auf den anschließenden Kriegsdienst. 1944 werden angesichts des wachsenden Soldatenbedarfs auch die jüngeren Jahrgänge immer früher eingezogen.

Für die Jugendlichen auf dem Foto ist der RAD deshalb meist nur eine Zwischenstation. Danach folgt die Einberufung zur Wehrmacht. Walter Köpfler (1927-1944) meldet sich freiwillig zur Waffen-SS und wird SS-Panzergrenadier. Noch im selben Jahr wird der 17-Jährige schwer verwundet und stirbt in Belgien an seinen Verletzungen. Die anderen überleben den Kriegsdienst. Bis sie aber alle wieder zurück in Löffingen sind, vergehen Jahre. Rudolf Egle (1927-1992) gerät in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrt erst 1954 nach Hause zurück. Ein Wiedersehen dieser Runde, so wie sie hier im Frühjahr 1944 zusammensitzt, wird es nach dem Krieg nicht mehr geben.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Walter Maier (1927-?), 2 Ernst Egle, 3 Rudolf Egle (1927-1992), 4 Walter Köpfler (1927-1944)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Franz Rosenstiel (1927-2006), 2 Ernst Egy

Standort des Fotografen: 47.885695, 8.344761

Familie Hepting beim Gräberbesuch auf dem Friedhof, ca. 1930-1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Still stehen drei Angehörige der Familie Hepting vor einem Grab. Der Mann links hat seinen Hut abgenommen und hält ihn vor sich in den Händen, die Frau in der Mitte blickt zu Boden. Auch der jüngere Mann rechts verharrt schweigend. Für einen Moment wird ein sehr persönlicher Augenblick des Gedenkens fotografisch festgehalten – Aufnahmen auf dem Friedhof sind eher selten.

Um welches Grab es sich handelt und wem der Besuch gilt, ist bislang nicht bekannt. Frisch angelegt scheint es nicht zu sein. Auch an Allerheiligen entsteht das Foto nicht: Die Bäume tragen noch dichtes Laub, und auf den Gräbern blühen Blumen. Alle drei sind dunkel gekleidet. Ob dies Ausdruck der Trauer ist oder ihrer gewöhnlichen sonntäglichen Kleidung entspricht, lässt sich nicht entscheiden.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???

Im Hintergrund steht die Friedhofskapelle. Sie wurde 1862 errichtet – als Ersatz der Antoniuskapelle an der Landstraße nach Rötenbach, die bereits 1842 abgebrochen worden war. Sogar deren Glöcklein fand in der neuen Kapelle eine weitere Verwendung.

Standort des Fotografen: 47.885312, 8.347165

Luftbild vom Neubaugebiet Reichberg, 18. Mai 1992

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Regina Hasenfratz zur Verfügung.

Haus reiht sich an Haus auf dem Reichberg. Aus der Luft lässt sich besonders gut erkennen, wie weit sich das Neubaugebiet inzwischen ausgedehnt hat. Zwischen den Einfamilienhäusern liegen Straßen, Gärten, Garagen und Fußwege. Manche Grundstücke sind noch frisch angelegt, auf anderen sind Büsche, Sträucher und Bäume bereits kräftig gewachsen.

Auch an den Dächern lassen sich unterschiedliche Bauphasen ablesen. Viele der älteren Häuser aus den 1970er- und frühen 1980er-Jahren tragen dunkle Dächer, während bei jüngeren Neubauten rote Dachziegel das Bild bestimmen. Zu sehen sind die Häuser in der Wachtbuckstraße, der Martinstraße und einem kleinen Teil der Gallusstraße. Am unteren Bildrand beginnt bereits wieder die freie Landschaft. Noch reichen hier Wiesen und Felder bis unmittelbar an die Bebauung heran. Doch auch diese Flächen werden in den kommenden Jahren teilweise zu Baugrundstücken.

Der Fotograf betrachtet diese Entwicklung aus ungewöhnlicher Perspektive. Er ist mit einem Segelflugzeug vom Flugplatz Reiselfingen gestartet und zieht seine Kreise über Löffingen. Dabei hält er das Städtchen und seine Neubaugebiete aus der Luft fest.

5 Fotos: Gewichtheber beim »Bunten Abend« in der Festhalle, Fasnacht 1957

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Mit erstaunlicher Leichtigkeit stemmt ein Gewichtheber die schwere Hantel über den Kopf. Wenig später hält sein Partner das mächtige Gerät sogar mit nur einer Hand in die Höhe. Beide treten beim traditionellen »Bunten Abend« des Turnerbundes in der Festhalle auf – allerdings nicht gerade im klassischen Sportdress, sondern gekleidet mit weißem Hemd, Krawatte und weiter Bundfaltenhose. Nur die Hosenträger und die unterschiedlich gebundenen Krawatten helfen dabei, die beiden Akteure auseinanderzuhalten. Zu sehen sind Ferdinand Schultheiß (geb. 1939) und Manfred Wagner (genannt »Bär», geb. 1939). Er ist aktiver Gewichtheber in Donaueschingen.

Die Darbietung lebt offensichtlich vom Gegensatz zwischen scheinbar ungeheuren Gewichten und müheloser Körperkraft. Dass hier ein wenig getrickst wird, darf wohl vermutet werden. Die großen Scheiben sehen jedenfalls beeindruckend schwer aus – und gerade darin liegt der Witz der Nummer.

Der »Bunte Abend« bietet ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm aus Sketchen und turnerischen Einlagen. Die beiden Gewichtheber verbinden Sport und Komik auf besonders wirkungsvolle Weise: das Publikum darf staunen, lachen und darüber rätseln, wie schwer diese Hanteln tatsächlich sind.

Standort des Fotografen: 47.882909, 8.347878

5 Fotos: »Wieberfasnet« im Gasthaus »Linde«, Fasnacht 1962

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Für einen Abend verwandelt sich die Wirtsstube des Gasthauses »Linde« in ein Klassenzimmer. Sechs »Schülerinnen« haben auf einfachen Bänken Platz genommen und breiten ihre Hefte und Bücher vor sich aus. Dann betritt die »Lehrerin« den Raum – heute in Gestalt von Maria Hall. Die Klasse erhebt sich und der Unterricht kann beginnen.

Doch mit einer gewöhnlichen Schulstunde hat das Ganze natürlich wenig zu tun. Die Frauen führen einen Sketch bei der »Wieberfasnet« auf, die seit 1954 stattfindet und damit bereits zum neunten Mal gefeiert wird. Das Programm wird von Frauen für Frauen gestaltet. Der Mimik der Lehrerin nach zu urteilen, erweist sich ihre Klasse als ausgesprochen anstrengend: Mal scheinen die Schülerinnen begriffsstutzig, mal bringen sie ihre Lehrerin mit Fragen an den Rand des Nervenzusammenbruchs.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Marta Adrion, 2 Ursula Kopp, 3 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Margret Adrion, 2 Luise? Kienzler, 3 Olga Streit

Auch die Ausstattung der Wirtsstube fällt ins Auge. In der Ecke stehen ein großer Radioapparat und darüber ein Fernsehgerät. Radio und Fernsehen halten damit längst Einzug in die Gaststube – zu einer Zeit, in der noch keineswegs jeder Haushalt einen eigenen Fernseher besitzt. Bei besonderen Übertragungen kann das Gasthaus so zum gemeinschaftlichen Fernsehraum werden. Fußballspiele, Unterhaltungssendungen oder aktuelle Nachrichten lassen sich gemeinsam verfolgen. Ob auf diesem Bildschirm im Jahr zuvor etwa die Bilder vom Bau der Berliner Mauer zu sehen waren, wissen wir nicht – möglich wäre es jedenfalls.

Für die »Wieberfasnet« bleibt der Fernseher an diesem Abend jedoch dunkel. Das Unterhaltungsprogramm findet unmittelbar davor statt – und wird von den Frauen selbst bestritten.

Standort des Fotografen: 47.884277, 8.346539

Hochzeitszug beim Rathausportal, ca. 1951

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christoph Müller und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Eine festlich gekleidete Hochzeitsgesellschaft zieht am Rathaus entlang in Richtung unterer Rathausplatz. Am Portal steht ein geschmücktes Tännchen – ein sichtbares Zeichen dafür, dass im Rathaus eine standesamtliche Trauung stattfindet. Braut und Bräutigam befinden sich außerhalb des Bildausschnitts, sodass sich nur schwer bestimmen lässt, welches Paar hier heiratet.

Vielleicht ist die Gesellschaft auf dem Weg zur kirchlichen Trauung, vielleicht geht es bereits zum Gasthaus, in dem gefeiert wird. Neben dem Hochzeitszug läuft eine ganze Schar Kinder mit. Sie wollen einen Blick auf das Brautpaar erhaschen – und hoffen womöglich darauf, den Weg mit einem Seil versperren zu können. Erst gegen die Zahlung eines kleinen »Wegezolls« darf der Hochzeitszug dann weiterziehen.

Fast ebenso auffällig wie die Festgesellschaft sind die vier großen Zifferblätter, die an der Rathauswand lehnen. Offenbar wird die Rathausuhr gerade renoviert. Die Zeit steht gerade still.

Standort des Fotografen: 47.883718, 8.344233

20-Jährige, Fasnacht 1947

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christoph Müller und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Dicht gedrängt stellen sich die jungen Frauen und Männer des Jahrgangs 1927 zum Gruppenfoto auf. In der Mitte sitzt ein junger Mann mit dem Akkordeon. Schnee liegt auf der Straße, doch die Stimmung ist fröhlich. Die 20-Jährigen feiern, obwohl die Fasnacht von der französischen Besatzungsmacht noch nicht wieder erlaubt ist.

Nach den Kriegsjahren wollen die 20-Jährigen nicht länger auf das närrische Treiben verzichten. Statt bei der französischen Kommandantur um Erlaubnis zu bitten, suchen sie Stadtpfarrer Karl Weickhardt auf. Der Geistliche gibt ihnen seinen Segen und beruhigt sie: Sollten die Franzosen Schwierigkeiten machen, könnten sie diese zu ihm schicken.

Ganz ohne politischen Spott geht es nicht. Die Gruppe schmückt einen Leiterwagen mit Heu und einem Holzfass und nimmt damit den verbreiteten Tauschhandel sowie das Ernährungsamt aufs Korn. Dessen Mitarbeiter sollen nach einer feuchtfröhlichen Dienstfahrt mit ihrem Opel an mehreren Hausecken angeeckt und schließlich im Bombentrichter auf dem unteren Rathausplatz gelandet sein. Auf dem Wagen steht der doppeldeutige Spruch: »Helfet und schmieret, hilft es nicht bei den Karren, so hilft es bei den Herren.«

Am »alten Fasnetsuntig« ziehen die 20-Jährigen außerdem mit einem Heuwagen durch das Städtchen und sammeln Stroh für den Fasnetfunken. Ihr Ruf lautet: »Strauh, Strauh, Fasnetkiechle au!« Stroh bekommen sie reichlich, Fasnetküchle dagegen kaum. Am Abend feiern sie gemeinsam im Gasthaus »Hirschen« in Seppenhofen – heimlich hinter zugezogenen Vorhängen. Wie es der Löffinger Brauch verlangt, werden sie als 20-Jährige vereidigt.

Erst 1948 erlaubt die französische Besatzungsmacht wieder offiziell närrische Aktivitäten und die Wiedergründung der Narrenzunft.

1.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Walter Maier (1927-?), 3 Theo Walz (1927-2015), 4 ???, 5 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Berthold Ganter (1928-2006), 2 Irma Schmid (verh. Adrion, 1927-2019), 3 Eugen Schreiber, 4 ???, 5 Lina Kirner (verh. Hörner), 6 Maria Benz (verh. Benz), 7 Lore Hahn (verh. Sibold, 1928-2022)
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Eugen Mayer, 2 ??? Längin, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???

Zum Jahrgang gehören u.a. Otto Selb (1927-2021), Elisabeth Egle (verh. Müller, 1927-2020)

Standort des Fotografen: evtl. Seppenhofen

Frauengruppe in der Alemannenstraße, ca. 1943

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christoph Müller und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Eng zusammengerückt stehen sieben junge Frauen in der Alemannenstraße vor der Kamera. Einige haben sich untergehakt, andere legen einander den Arm um die Schulter. Die Sonne scheint ihnen ins Gesicht, sie lachen und wenden sich einander zu. Die Aufnahme entsteht vermutlich auf Höhe des »Alemannengrabes«; hinter der Gruppe steigen eine Bruchsteinmauer und der Hang empor.

Die jungen Frauen gehören alle dem Geburtsjahrgang 1924/25 an. Vermutlich haben sie gemeinsam die Schulbank gedrückt und sind Freundinnen. So ungezwungen die Szene wirkt, entsteht sie doch mitten im Zweiten Weltkrieg.

Wer erkennt die jungen Frauen?

V.l.n.r.: 1 Elisabeth Kaltenbrunner (verh. Roth, 1925-?), 2 Frieda Heckle (verh. Fehrenbach, 1925-2013), 3 Johanna Egle (verh. Theiler, 1924-2014), 4 Maria Egle (verh. Geisinger), 5 Hedwig Schmid (verh. Bayer, 1924-1996), 6 Anna Kuster (verh. Karrer), 7 Elvira Egle (verh. Fischer, 1925-2020)

Standort des Fotografen: 47.885109, 8.346196

Helene Häusler als junge Frau, 1933

Fotograf: Alfred Leoni, Laufenburg | Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Bölle zur Verfügung.

Mit einem leichten Lächeln blickt Helene Häusler (verh. Krauss, 1912-2006) in die Kamera. Die 21-Jährige sitzt im Fotostudio des Fotografen Alfred Leoni in Laufenburg. Ihr Körper ist leicht zur Seite gedreht, während sie den Kopf dem Fotografen zuwendet. Eine Hand ruht auf der geflochtenen Sitzbank, die andere liegt locker auf ihrem Oberschenkel.

Die junge Frau trägt ein dunkles, langärmeliges Kleid mit weitem Ausschnitt – und dazu eine feine Halskette. Ihr dunkles Haar ist gescheitelt und seitlich in weichen Wellen zurückgenommen. Vor dem hellen Hintergrund hebt sich ihre Gestalt deutlich ab. Die sorgfältig gewählte Haltung wirkt elegant, aber nicht steif.

Helene Häusler wurde 1912 als Tochter des Schlossers Ludwig Häusler (1883-1935) und seiner Ehefrau Maria Häusler (geb. Mäder, 1888-1951), geboren. Der Vater stammt aus der Oberpfalz, die Mutter aus Löffingen. Helene Häusler wuchs in der Hintergasse auf. Sie heiratet spät: Am 13. Mai 1960 verehelicht sie sich mit dem Sattlermeister Ernst Krauss (1897-1978). Das Ehepaar wohnt zusammen in der Demetriusstraße. Helene Krauss stirbt 2006 im Alter von 94 Jahren.

Standort des Fotografen: Laufenburg

Darbietung von vier Turnern beim »Bunten Abend«, Fasnacht ca. 1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Renate Fehrenbach zur Verfügung.

Vier Turner*innen stehen in weißen Kellnerjacken auf der Bühne und halten große Flaschen in die Höhe. Mit schwarzen Fliegen, dunklen Hosen und Turnschuhen wirken sie wie eine ungewöhnliche Bedienungsmannschaft. Auf den Tischen im Hintergrund stehen weitere Flaschen bereit.

Was die vier Mitglieder des Turnerbundes beim »Bunten Abend« in der Festhalle aufführen, ist nicht überliefert. Vielleicht handelt es sich um einen kurzen Theatersketch, bei dem der Wirtshausbetrieb gehörig durcheinandergerät. Ebenso denkbar ist eine akrobatische Einlage, bei der die Flaschen als Requisiten dienen. Ihre weit auseinanderstehenden Beine und die gleichförmige Haltung lassen jedenfalls vermuten, dass gleich Bewegung in die Szene kommt.

V.l.n.r.: 1 [Paula Schweizer (verh. Veith)?], 2 Elke Bleuel (geb. ???), 3 ???, 4 ???

Standort des Fotografen: 47.882868, 8.347843

Luftbild des Städtchens von Südwesten aus, 1961

Photo Moser | Verlag A. Rebholz, Löffingen | Sammlung Familie Waßmer

»Löffingen vom Flugzeug aus« lautet die Bildunterschrift der Ansichtskarte. Das Flugzeug befindet sich über dem noch unbebauten Gewann »Breiten«, das schon bald als Neubaugebiet erschlossen wird. Von hier öffnet sich ein weiter Blick über das Städtchen und seine Umgebung.

Viele markante Gebäude sind aus der Luft gut zu erkennen: die katholische Pfarrkirche St. Michael, das Rathaus und die Gasthäuser »Ochse«, »Löwe« und »Linde« sowie die »alte Sonne«. Am Rand des historischen Stadtkerns stehen die Festhalle und die Volksschule. Diesseits und jenseits der Bahnlinie befinden sich der Bahnhof und das weitläufige Sägewerk Benz. Auch neuere Gebäude prägen inzwischen das Ortsbild, darunter das mit einem Neubau erweiterte städtische Krankenhaus, die evangelische Kirche sowie der Farrenstall und der Bauhof. Die neue Trasse der Bundesstraße 31 führt den Durchgangsverkehr bereits am Städtchen vorbei.

Das Luftbild lässt sich anhand mehrerer baulicher Veränderungen recht genau datieren. Der Turm der katholischen Pfarrkirche ist frisch verputzt und gestrichen – diese Renovierungsarbeiten finden 1961 statt. Das neue katholische Pfarrhaus im Pfarrweg steht noch im Rohbau und wird erst 1962/63 bezogen. Der Kindergarten im Schulweg, dessen Bau 1964 folgt, fehlt hingegen noch.

Auch die Rückseite der Ansichtskarte liefert einen Hinweis: Sie trägt eine 15-Pfennig-Briefmarke mit dem Bild Martin Luthers aus der Serie »Bedeutende Deutsche«, die am 18. September 1961 erscheint. Die Marke belegt zwar nur, dass die Karte frühestens von diesem Zeitpunkt an verschickt werden kann. Zusammen mit dem frisch renovierten Kirchturm spricht jedoch alles dafür, dass die Luftaufnahme im Jahr 1961 entsteht.

Narrengruppe auf dem unteren Rathausplatz, Fasnacht 1992

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Ein Mann sitzt mitten auf dem unteren Rathausplatz auf einem Stuhl und lässt die närrische Behandlung über sich ergehen. Es ist Ehrennarrenrat Hugo Schropp (1925-1998). Eine Frau legt ihm ein Tuch um den Hals, eine andere kniet zu seinen Füßen. Vor ihm steht ein kleiner Schemel, daneben liegen Bürsten und weiteres Handwerkszeug bereit. Offenbar sollen ihm zunächst die Schuhe geputzt werden – doch dabei wird es wohl nicht bleiben.

Es ist »Schmutziger Dunschdig«, und eine Gruppe Närrinnen des Turnerbundes zieht mit einem Kinderwagen durch das Städtchen. Daran verkündet ein Schild selbstbewusst: »Mir machet alles – mir fanget ganz unne aaah!« Tatsächlich scheint das Angebot von der Schuhpflege bis zur Körperpflege zu reichen. Ob Hugo Schropp noch rasiert, gewaschen oder auf andere Weise herausgeputzt wird, bleibt der Fantasie der Närrinnen überlassen.

Die Gruppe hat sichtlich Freude an ihrer Darbietung. Auch der unfreiwillige Kunde nimmt die Behandlung gelassen hin und macht gute Mine zum bösen Spiel.

V.l.n.r.: Maria Jaschke, Hella Schreiber, Renate Fehrenbach, Waltraud Knöpfle, Lydia Kaiser
Im Hintergrund ist Willi Fehrenbach (1941-2018) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.883742, 8.343876