Haus Koch in der Kirchstraße, ca. 1976

Stadtarchiv

Rund 50 Jahre ist es alt, das Haus Koch (Kirchstr. 21). Es wurde nach dem Großbrand vom 20. April 1929 errichtet, der mehrere Gebäude in der Kirchstraße zerstörte. Ursprünglich verfügte das wiederaufgebaute Haus in der linken Hälfte noch über einen Ökonomiebereich, der später zugunsten der gewerblichen Nutzung aufgegeben wurde. Die Ladenzeile im Erdgeschoss wurde erweitert, im ersten Obergeschoss ein zusätzliches Fenster eingefügt und die Dachgaube verlängert.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme gehört das Haus dem Sattlermeister Karl Koch (1910-?). Die Beschriftung an der Fassade weist auf sein Geschäft hin: »K. Koch«, dazu die angebotenen Waren »Teppiche« und »Gardinen«.

Wenige Jahre später ändert sich dieses Bild. An die Stelle des bisherigen Schriftzugs tritt »Koch-Stephani«: Anita Stephani (geb. Koch, geb. 1948) führt das Geschäft weiter und erweitert das Sortiment um Spielwaren, Korbwaren und Lederwaren.

Standort des Fotografen: 47.883079, 8.344557

Rückseite von Benz-Villa in der Bonndorfer Straße, ca. 1925-1930

Stadtarchiv

Die Villa wurde in den 1920er Jahren vom Sägewerksbesitzer Josef Benz (1882-1932) erbaut. Es handelt sich um zwei nahezu identische Villen, die nebeneinander stehen. Zu sehen ist hier nicht die Straßenfront, sondern die Rückseite der Villa Bonndorfer Straße 8, die (später) dem Sohn Hans Benz (1914-1957) gehört.

Der Bau zeichnet sich durch ein breit gelagertes, leicht geschwungenes Walmdach aus, das dem Haus eine weiche, fast organische Form verleiht. Aus dem Dach treten mehrere Gauben mit steilen Giebeln hervor, die zusätzlichen Wohnraum im Dachgeschoss schaffen und die Dachfläche gliedern. Zwei helle Kamine durchstoßen die Dachfläche und setzen vertikale Akzente.

Die Fassade ist zweigeteilt: Während das Erdgeschoss hell verputzt ist, ist das Obergeschoss mit Holzschindeln verkleidet – ein Gestaltungselement, das auch die Nähe zur Holzindustrie widerspiegelt. Die regelmäßig angeordneten Fenster sind mit Klappläden versehen. Auffällig sind zudem zwei spitz zulaufende Fenster, die dem Bau einen leicht historisierenden Charakter verleiht.

Im Hintergrund ist das Schrankenwärterhaus an der Seppenhofer Straße zu erkennen. Die Bonndorfer Straße existiert zu diesem Zeitpunkt noch nicht; der Verkehr verläuft stattdessen über die Seppenhofer Straße in Richtung Seppenhofen.

Standort des Fotografen: 47.880013, 8.345410

Haus Butsch in der Demetriusstraße, ca. 1976

Stadtarchiv

Fotografien von der Jahrhundertwende bis in die Gegenwart zeigen, dass das Haus Butsch (Demetriusstr. 15) über lange Zeit hinweg erstaunlich unverändert geblieben ist. Auch die Fassade hat sich über Jahrzehnte kaum gewandelt. Seit 1957 ist dort der Schriftzug »Metzgerei Butsch« zu lesen; zuvor stand an gleicher Stelle in identischer Schrifttype »Metzgerei Werne«.

Im Jahr 1957 übernahm Metzgermeister Willy Butsch (1913-1991) das Anwesen und das Geschäft. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Emma Butsch (geb. Satler, 1911-2006) führte er die Metzgerei über viele Jahre. Eine Modernisierung erfolgte um 1964, als im Erdgeschoss ein breites Schaufenster eingebaut wurde. Abgesehen von diesem Eingriff blieb die äußere Gestaltung jedoch erhalten. 1972 ging der Betrieb an die nächste Generation über: Metzgermeister Dieter Butsch (1940–2023) übernahm das Geschäft und führt es seitdem gemeinsam mit seiner Ehefrau Uta Butsch.

Das Gebäude bildet den mittelalterlichen Stadtring. Seine Geschichte lässt sich weit in die Vergangenheit zurückverfolgen. Bereits 1494 ist an dieser Stelle das »11. Gut« des Klosters Friedenweiler erwähnt, das auch als »Uli Mayers Gut« bezeichnet wird. Dabei handelt es sich jedoch um einen Vorgängerbau, denn beim Stadtbrand von 1535 wurde das gesamte Städtchen – mit Ausnahme der Kirche – zerstört.

Standort des Fotografen: 47.883658, 8.343690

Kühe am Ratzer-Brunnen in der Dittishauser Straße, ca. 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Zwei Kühe stehen am »Ratzer-Brunnen« in der Dittishauser Straße, der auch als Viehtränke dient. Der Platz um den Brunnen ist mit Kopfsteinpflaster befestigt, damit der Boden nicht aufweicht und matschig wird. Die Tiere gehören zum landwirtschaftlichen Anwesen der Familie Hepting und sind aus dem nahegelegenen Stall ein paar Meter über die Straße zum Brunnen getrieben worden.

Im Vordergrund ist der kleine Ewald Hepting (1933-2010) zu sehen, der eine Geisel in der Hand hält. Das Foto dürfte gestellt sein: Der Junge posiert für die Kamera, treibt die Kühe aber nicht wirklich.

Der Chronist Leo Ratzer (1881-1948), der im benachbarten Haus (Dittishauser Str. 1) wohnt, beschreibt 1938 in einem Artikel, wie der zunehmende Autoverkehr das Leben von Mensch und Tier verändert. Sein Beitrag trägt den Titel »Der Verkehr auf der Landstraße vor 50 Jahren und heute«. Darin heißt es:
»Heute nimmt auch das störrischste Ochsenvieh kaum mehr Notiz von dem oft ohrenbetäubenden Verkehr; viel lästiger ist ihm das Ungeziefer in den Sommermonaten. Man kann hier seit zwei Jahren einen alten Ochsen beobachten, der seinen Weg von und zum Brunnen ganz allein, hart an einem Gartenzaun vorbei, nimmt und die Straße vollkommen außer Acht lässt. Dieses brave Tier könnte manchem Zeitgenossen als Beispiel in der Verkehrsdisziplin dienen – hier spricht der natürliche Instinkt.«

Standort des Fotografen: 47.884780, 8.348525

5 Fotos: Volkstrauertag auf dem unteren Rathausplatz, November 1999

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Traditionell findet das Totengedenken am Volkstrauertag auf dem unteren Rathausplatz statt. Am Mailänder Tor befinden sich seit 1930 die Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Der 1954 geschaffene Demetriusbrunnen erinnert zudem an die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Kirchgang versammelt sich hier die Gemeinde.

Der Volkstrauertag wurde 1922 als Gedenktag für die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs eingeführt. In der Bundesrepublik Deutschland wird er seit 1952 als staatlicher Gedenktag begangen und erinnert heute allgemein an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Dieses Gedenken ist jedoch nicht unproblematisch. Lange Zeit wurde pauschal der Gefallenen gedacht – und damit auch Soldaten eingeschlossen, die Teil eines verbrecherischen Angriffskrieges waren. Spätestens seit der Wehrmachtsausstellung von 1995, die in verschiedenen Städten gezeigt wurde und eine öffentliche Debatte entfachte, ist bekannt, dass nicht nur SS und Waffen-SS, sondern auch Teile der Wehrmacht an Kriegsverbrechen beteiligt waren und Mitverantwortung für den Holocaust trugen. Der Volkstrauertag steht seither stärker im Spannungsfeld zwischen persönlichem Gedenken, historischer Aufarbeitung und kritischer Erinnerungskultur.

Auf den Fotos ist die Gedenkfeier zu sehen: Die Stadtmusik spielt, die Feuerwehr tritt an und senkt die Fahne. Während sich die Anwesenden zum stillen Gedenken versammeln, hält Bürgermeister Frank Schmitt (1963-2005) eine Ansprache. Für ihn ist es eine Premiere: Erst seit Kurzem ist er Bürgermeister von Löffingen.

Standort des Fotografen: 47.883707, 8.343856

Rückseite vom Haus Kaltenbrunner in der Ringstraße, ca. 1976

Stadtarchiv

Rund 55 Jahre alt ist das Haus Kaltenbrunner (Demetriusstr. 11). Häufig fotografiert ist die Vorderansicht zum unteren Rathausplatz hin, wo es zusammen mit dem Mailänder Tor und dem Haus Kopp (Demetriusstr. 10) ein markantes Ensemble bildet. Deutlich seltener gerät hingegen die Rückseite ins Bild, die sich zur Ringstraße öffnet. Im Dachgeschoss ist eine Ladegaube zu erkennen. Rückseitig gehört ein kleines Gärtchen zum Anwesen, das den Übergang zur Straße auflockert.

Errichtet wurde das Haus nach dem verheerenden Großbrand von 1921, dem insgesamt 36 Gebäude zum Opfer fielen. Für die Planung des Wiederaufbaus zeichnete der Freiburger Architekt Carl Anton Meckel (1875-1938) verantwortlich. Nach dem Wiederaufbau gehörte das Haus zunächst dem Metzger Wilhelm Werne. 1952 übernahm es Metzgermeister Karl Sibold (1908-?) aus Düsseldorf.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme gehört das Haus Otto Kaltenbrunner (geb. 1940), der einen Brennstoffhandel betreibt. Erst 1980 geht das Gebäude in den Besitz von Peter Spiegel (1941-2012) über. Der Drogist und Heilpraktiker stammt ursprünglich aus Thüringen und siedelte als junger Mann nach Westdeutschland über.

Standort des Fotografen: 47.884174, 8.343652

Haus Ganter in der Seppenhofer Straße mit Pfarrkirche, ca. 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Der Blick fällt über eine Wiese hinweg auf das Haus Ganter (Seppenhofer Str. 1). Aufgenommen ist das Foto aus dem Bereich des heutigen Pfarrwegs – damals noch kein ausgebauter Straßenzug, sondern eher ein Wiesenrand, an dem sogar noch Bretter lagern. Das Haus gehört dem Schneidermeister Edmund Ganter (1879-1956) und seiner Ehefrau Maria Ganter (geb. Bader, 1881-1962). Auffällig ist der Giebel im Dachgeschoss: Er wurde erst nachträglich im Zuge eines Dachausbaus ergänzt und fehlt auf älteren Aufnahmen um die Jahrhundertwende noch.

Rechts schließt sich die katholische Kaplanei (Seppenhofer Str. 3) an. Im Erdgeschoss ist noch das große Scheunentor zu sehen, das erst später durch Fenster ersetzt wird. Im Hintergrund erhebt sich der Turm der katholischen Pfarrkirche St. Michael. Der rund 57 Meter hohe Kirchturm zeigt hier noch sein unverputztes Mauerwerk – ein Zustand, der sich erst 1961 im Zuge einer Renovierung ändert. Auch die freie Fläche im Vordergrund bleibt nicht lange unbebaut: Ab 1949 entstehen hier nach und nach neue Gebäude, darunter das Haus Gwinner (Seppenhofer Str. 2) und um 1960 das neue katholische Pfarrhaus (Pfarrweg 3).

Standort des Fotografen: 47.881570, 8.343957

2 Fotos: Kinder mit Rehkitz im Stettholz, 1971

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilie Runge zur Verfügung.

Sommer 1971 im »Stettholz«. Die Sonne steht hoch, das Gras ist trocken, hinter der Hecke blitzt ein weiß verputztes Wohnhaus (Stettholz 2) mit braunen Fensterläden hervor. Eigentlich prägen Kühe, Stallgeruch und landwirtschaftliche Maschinen den Alltag auf den Aussiedlerhöfen – doch an diesem Tag sorgt ein ganz anderes Tier für Aufregung.

Mitten im Gras steht ein kleines Rehkitz. Sein geflecktes Fell leuchtet im Sonnenlicht, die dünnen Beine wirken noch etwas wackelig. Und doch scheint es keine Angst zu haben. Neugierig streckt es den Kopf nach oben, während eine junge Frau ihm vorsichtig ein Fläschchen hinhält. Offenbar wird es mit der Hand aufgezogen.

Vier Kinder haben sich um das Tier geschart. Ein Junge mit Brille und karierten Kniestrümpfen beobachtet das Geschehen aufmerksam. Zwei Mädchen im Sommerkleid streicheln behutsam über das weiche Fell. Ein weiterer Junge schaut halb verborgen hinter ihnen hervor. Ein Rehkitz auf einem Bauernhof ist keine Alltäglichkeit – deswegen ist auch schnell ein Fotoapparat zur Hand, um den besonderen Moment festzuhalten.

Der Aussiedlerhof gehört Adolf Heiler, der auch Tierpfleger im »Wildpark« ist. Hin und wieder nimmt er ein besonders pflegebedürftiges Tier für einige Zeit mit auf seinen Hof, um es rund um die Uhr zu pflegen. 

V.l.n.r.: 1 Rudolf Heiler, 2 ???, 3 Petra Zepf, 4 ???, 5 Cäcilia Rebholz (verh. Runge)

Standort des Fotografen: 47.895790, 8.326115

Narrengruppe »Tibetanische Gua-gänmusik« in der Maienlandstraße, Fasnacht 1992

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Diese Narrengruppe präsentiert sich selbstbewusst als »Tibetanische Gua-gänmusik«. In rosafarbenen Gewändern stehen die Männer in Reih und Glied, mit Holzperlenketten um den Hals und fantasievollen Kopfbedeckungen – von Zipfelmütze über Strohhut bis hin zu selbstgebastelten »Mönchshauben«. Es sind die Mitglieder des »Wodan-Club«, die sich auch in diesem Jahr zu einer Narrengruppe zusammengetan haben.

Im Mittelpunkt stehen ihre Instrumente: eine lange Röhre, fast wie eine alpinhafte Variante eines Tempelhorns, dazu kleinere Schlaginstrumente und allerlei kurioses Zubehör. Das handgemalte Schild verrät mit einem Augenzwinkern das Programm. Hier geht es weniger um ethnografische Genauigkeit als um närrische Weltläufigkeit. Die Gruppe spielt sichtbar mit der Vorstellung fernöstlicher Klostermusik, wie man sie mit den langen, tief tönenden Hörnern des tibetischen Buddhismus verbindet – eine Fasnachtsfantasie mit bewusst überzeichneter Exotik.

V.l.n.r.: 1 Christian Fesenmeier, 2 Thomas Frei, 3 Uwe Heizmann, 4 Ralf Bednarz, 5 Harri Burger, 6 Gerd Burger (vorne), 7 Achim Gauger (hinten), 8 Dietmar Buchmeier, 9 Albert Vögt, 10 Rudolf Lasson

Im Hintergrund hängen bunte Fasnachtsbändel am Haus Waßmer (Maienlandstr. 12), als hätte das ganze Haus beschlossen, mitzufeiern. Eine ausgestopfte Hexe reitet auf einem Besenstiel. Die Sonne scheint, die letzten Schneereste schmelzen dahin. Albertina Glunk, die im Maienland wohnt, geht im Hintergrund vorüber.

Standort des Fotografen: 47.885360, 8.342469

4 Fotos: Narrenumzug auf dem oberen Rathausplatz, Fasnacht 1930

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Der obere Rathausplatz ist voller Menschen. Fast scheint es, dass alle Einwohner*innen des Städtchens auf den Beinen sind. Es ist der 2. März 1930, wie auf den Fotos notiert ist, ein Sonntag – und in Löffingen wird Fasnacht gefeiert. Das Motto lautet: »Generalmusterung und Besuch Seiner Majestät des Kaisers«. Der musste zwar im November 1918 abdanken und verschwand ins niederländische Exil, aber anlässlich der närrischen Tage kehrt er nach Löffingen zurück.

Auf den Fotos sind freilich keine einzelnen Narrengruppen oder Details wie Kostüme zu erkennen. Zu sehen ist vor allem die dichte Menschenmenge, die die Umzugstrecke einrahmt und sich rund um den Rathausbrunnen drängt. Männer, Frauen und Kinder stehen Schulter an Schulter, viele mit Hüten und Mänteln, einige auf Fensterbänken oder erhöhten Standpunkten, um besser sehen zu können. Stimmengewirr, Gelächter und Musik liegen in der Luft. Pferde, die vor einen Holzkarren gespannt sind, warten geduldig am Rand des Menschenauflaufs, während sich der Platz immer mehr füllt und das närrische Treiben seinen Lauf nimmt.

Der Rathausplatz wird eingerahmt vom 1909 erbauten »Stadtbau« (Demetriusstr. 1), in dem sich die Gewerbliche Fortbildungsschule befindet, und vom Haus Nägele (Rathausplatz 2), das der Kaufmannswitwe Lina Nägele (geb. Ott) gehört, sowie vom Postamt (Rathausplatz 3). Die beiden letzteren Häuser waren ursprünglich ein Gebäude, wie noch an der durchgehenden Dacheindeckung zu erkennen ist. Nur die Fassadengestaltung unterscheidet sich stark. Einst war es das Fürstenbergische Amtshaus und wurde von den Einwohner*innen respektvoll »Schloss« genannt. Nach der Auflösung des Fürstentums Fürstenberg kam Löffingen zum neu gegründeten Großherzogtum Baden und das Haus diente zunächst weiterhin als Dienstgebäude. Majestäten haben hier zwar nie verkehrt, aber als herrschaftliches Gebäude ist es die perfekte Kulisse für das närrische Treiben und den fiktiven »Besuch Seiner Majestät des Kaisers«.

Standort des Fotografen: 47.883861, 8.344760

Umzug beim Sängerfest in der Unteren Hauptstraße, 31. Juli 1927

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Else Egle und Hermann Egle sowie Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Die Untere Hauptstraße ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Menschen drängen sich am Straßenrand, stehen Schulter an Schulter, blicken erwartungsvoll in die Straße. Zwischen ihnen zieht der Festumzug vorbei, Schritt für Schritt, begleitet von Musik, Gesang und dem Stimmengewirr der Zuschauer*innen.

Anlass ist das Schwarzwaldgau-Sängerbundesfest, das an diesem Wochenende im Städtchen gefeiert wird. Rund 3.000 Sänger aus nah und fern sind angereist, dazu kommen viele Hundert Besucher*innen. Der Festumzug am Sonntag bildet einen der Höhepunkte der drei Festtage. Schätzungsweise 4.000 bis 5.000 Teilnehmer*innen reihen sich in den Zug ein – eine Zahl, die zeigt, welche Bedeutung das Sängerwesen und das gemeinschaftliche Feiern haben.

Der Umzug bewegt sich durch die Untere Hauptstraße in Richtung Unterer Rathausplatz. Die Häuser sind festlich geschmückt: Girlanden, Kränze und Fahnen hängen an den Fassaden, aus den Fenstern schauen Neugierige herab. Die Straße selbst wird zur Bühne, das Städtchen zum Gastgeber für Gäste aus der ganzen Region.

Am oberen Bildrand ist handschriftlich das Datum 31. August 1927 vermerkt – ein Irrtum. Der Umzug findet am 31. Juli statt. Solche kleinen Ungenauigkeiten gehören zu historischen Fotografien dazu und erinnern daran, dass sie nicht nur Zeitzeugnisse, sondern auch persönliche Erinnerungsstücke sind – und dass das menschliche Gedächtnis eben manchmal irrt.

Standort des Fotografen: 47.883740, 8.343724

Haus Ganter in der Alenbergstraße, Fronleichnam 1941

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Das Haus Ganter (Alenbergstr. 14) ist an Fronleichnam festlich geschmückt. Unterhalb der Fenster im ersten Obergeschoss hängen sechs Reisigkränze an der Fassade. In der Haustür stehen Blechnermeister Otto Ganter, seine Ehefrau Johanna Ganter (geb. Selb, 1875-1962) sowie ihre Tochter Johanna Ganter (verh. Rebholz). Das Haus ist das Elternhaus der Ehefrau und Mutter. Ihr Vater Josef Selb (1839-1916) war Glasermeister von Beruf, weshalb der Hausname »s’Glasers« lautet.

In der Zeit des Nationalsozialismus ist das Schmücken von Wohnhäusern zu katholischen Feiertagen keine Selbstverständlichkeit, sondern Ausdruck von innerer Distanz zum Regime. Otto Ganter war vor 1933 Vorsitzender der Zentrumspartei. Er und seine Tochter Johanna gehören dem Kirchenchor an; Johanna Ganter wirkt seit 1937 zudem als Organistin der katholischen Pfarrgemeinde.

Standort des Fotografen: 47.885579, 8.343861