Kurgäste vor dem Fritschi-Brunnen, ca. 1955

Sammlung Familie Waßmer

Drei Kurgäste, die zu Besuch in Löffingen sind, lassen sich am »Fritschi-Brunnen« fotografieren. Auf der Brunnensäule steht ein Blumentopf. Der Brunnen dient nicht mehr nur als Viehtränke, sondern auch als pittoreskes Fotomotiv am »Scharfen Eck«. Im Hintergrund ist das Haus von Landwirt Ernst Faller (1889-1961) und Agathe Faller (geb. Benz, 1890-1971) zu sehen (Obere Hauptstr. 6). Davor ist ein Holzkarren geparkt.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht das Haus Himmelseher (Obere Hauptstr. 7), in dem sich seit 1927 die Apotheke von Erwin Himmelseher (1875-1949) befindet. Nach seinem Tod gehört es seiner Witwe Sofie Himmelseher (geb. Jordan, 1881-?). 1964 übernimmt die Apotheke Helene Knödler.

Standort des Fotografen: 47.884431, 8.345676

Umzugswagen in der Vorstadtstraße, Fasnacht 1964

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Am Haus von Blechnermeister Anton Geisinger und seiner Ehefrau Olga geb. Schmutz (Vorstadtstr. 14) zieht der Narrenumzug vorüber. Statt eines liebevoll gestalteten und phantasievoll geschmückten Umzugwagens rollt gerade ein Anhänger mit einem großen Misthaufen durch das Bild des Fotografen. »Ergebnis der Narrenversammlung« lautet der Titel.

Das diesjährige Fasnachtsmotto deutet auf einige Unstimmigkeiten unter den Närrinnen und Narren hin. »Kunterbunt ohne Narrenvater in närrischer Rund«, lautet das Motto 1964. Der Posten des Narrenvaters ist vakant. 1963/64 amtierte Alfred Köpfler (1923-1981). Auf ihn folgt erst 1965/66 Arno Adrion (1924-1993).

Der Umzugswagen mit dem Misthaufen nimmt aber offenbar gar nicht die Laternenbrüder ins Visier, sondern den Gemeinderat, der quasi als Narrenrat verspottet wird. Hintergrund ist eine umstrittene Gemeinderatsentscheidung. Heißt es nicht schon in einem Narrenspruch: »Im G’mondrot, im G’mondrot, do häts so g’schiedi Lit, ‘s ganz Johr sin si närrisch, a de Fasnet aber nit.« Zu den Initiatoren dieses Umzugswagens zählen Johann Fehrenbach und Hugo Schropp.

Standort des Fotografen: 47.884698, 8.347473

Frau mit Kind vor dem Haus Geisinger in der Maienlandstraße, 1937

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Paula Veith zur Verfügung.

Eine Frau steht vor dem Haus Geisinger (Maienlandstr. 12). Sie hält ein kleines Mädchen auf den Armen, das eine Schleife in den Haaren trägt. Das Mädchen ist Paula Schweizer (verh. Veith, 1934-2020), die im Haus gegenüber aufwächst. Das Haus Geisinger im Hintergrund hat einen Hausnamen: »s’Schlosser-Viktore Hus« oder auch »d’Strähli«.

Über den Werkstattfenstern im Erdgeschoss hängt ein Schild. Darauf ist zu lesen: »Viktor Geisinger Sattler Tapeziergeschäft«. Viktor Geisinger wurde am 22. Juli 1872 als Sohn des Schlossermeisters Wilhelm Geisinger (1841-1900) und dessen Ehefrau Josefa (geb. Häusle, 1843-?) geboren. Josefa Geisinger hatte das Haus in der Maienlandstraße von ihren Eltern geerbt. Viktor Geisinger wuchs an der Seite von sechs Geschwistern auf: Emil (geb. 1869), Johann (geb. 1870), Josef (geb. 1873), August (1875-1903), Robert (1877-1918) und Maria (geb. 1879). Lange blieb Viktor Geisinger Junggeselle, bis der 47-Jährige schließlich am 7. Januar 1920 Maria (geb. Wenzinger, 1874-1939) heiratete, die aus Unadingen stammte. Das Paar blieb kinderlos. Der Sattler fertigt auch Bettmatratzen und hobelt dazu Seegras vor dem Haus. Viktor Geisinger stirbt am 18. Februar 1941 im Alter von 68 Jahren. Als Todesursache wird im Sterbebuch der katholischen Pfarrei »Asthma infolge Sattlerarbeiten (Staub!)« angegeben.

Standort des Fotografen: 47.885428, 8.342483

Unbekanntes Haus, ca. 1913

Sammlung Familie Waßmer

Die Ansicht dieses Hauses wird als Bildpostkarte versendet. Am 17. August 1914 wird sie auf dem Postamt in Löffingen abgestempelt. Adressiert ist sie an Emil Nägele, der sich zu diesem Zeitpunkt als Zugführer im hessischen Gießen aufhält. Der Erste Weltkrieg hat vor wenigen Wochen begonnen.

Aber wo wird das Foto aufgenommen? Steht das einstöckige Haus in Löffingen oder in einem der umliegenden Orte und wird die Bildpostkarte nur von Löffingen aus versendet? Die Hausnummer über der Tür ist die Nr. 43. Entsprechend der Nummerierung um die Jahrhundertwende ist die Nr. 43 dem Städtischen Krankenhaus in der Seppenhofer Straße zugeordnet, was hier aber nicht passt.

Es ist Winter und es liegt Schnee. Die Hausbesitzer sind vor das Haus getreten und lassen sich vor ihrem Zuhause fotografieren. Ein Mann in einem weißem Kittel und drei Frauen mit Schürze posieren mit zwei kleinen Kindern. Vermutlich gehört das Foto zu der Bilderserie von Häusern, die ca. 1913 aufgenommen werden.

Standort des Fotografen: ???

Haus Quasi in der Gartenstraße, ca. 1973

Sammlung Familie Waßmer
Verlag H. Plamper, Titisee-Neustadt

Am 20. September 1973 wird diese Ansichtskarte aus Löffingen nach Ettlingen versendet. Frankiert ist die Karte mit einer 30-Pfennig-Briefmarke der Deutschen Bundespost, auf der Bundespräsident Gustav Heinemann zu sehen ist. Die Senderin der Karte verbringt einige Urlaubstage im Haus Quasi (Gartenstr. 22).

Auf der Ansichtskarte ist eine Außenaufnahme des Gästehauses abgebildet. Einige Gartenstühle auf dem Rasen laden zum Verweilen ein. Eine zweite Abbildung zeigt den Speiseraum.

Standort des Fotografen: 47.879468, 8.346138

Unterer Rathausplatz mit viel Schnee, 1973

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willman zur Verfügung.

Der Altstadtring beim Mailänder Tor ist wieder geschlossen. Anstelle der Ruine vom 1969 abgebrannten Haus Müller (Demetriusstr. 13) steht jetzt die neu errichtete Bezirkssparkasse. Ihre Fassade erstrahlt in ähnlich leuchtendem Weiß wie die Schneemassen, die sich auf dem unteren Rathausplatz türmen. Nur das Kriegerdenkmal zur Erinnerung an die Soldaten des Deutsch-Französischen Krieges und der Demetriusbrunnen ragen aus den Schneebergen hervor. Das an die Sparkasse angrenzende Haus Egle (Demetriusstr. 14) mit seinem Modegeschäft, das in der Brandnacht durch das Löschwasser erheblich beschädigt wurde, ist ebenfalls renoviert.

Die Sonne lacht von einem strahlend blauen Himmel. Wenn die Sonne so weiter scheint, dann wird der Schnee auf den Dächern wohl bald weggetaut sein.

Standort des Fotografen: 47.883667, 8.344119

Aufführung auf der Fasnachtsbühne, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Am Sonntag, den 3. März 1935 findet auf der Fasnachtsbühne auf dem oberen Rathausplatz das große Fasnachtsspiel statt. Passend zum Motto »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus« wimmelt es auf der Bühne nur so von »Indianern«, wie sie in den Büchern von Karl May beschrieben sind. Schon der Begriff der »Entdeckung« offenbart die europäische Perspektive, denn für die indigene Bevölkerung Amerikas war die Entdeckung eine feindliche Invasion.

Die »Schnitterin« auf dem Rathausbrunnen schaut dem närrischen Treiben zu. Fast mutet die Brunnensäule wie ein Marterpfahl an. Die beste Sicht haben zweifelsohne die Zuschauer*innen, die im früheren Gasthaus »Sonne« im 1. und 2. Obergeschoss an den Fenstern stehen.

Standort des Fotografen: 47.884159, 8.344888

Haus Hall und Haus Heizmann in der Maienlandstraße, ca. 1988

Stadtarchiv

Zu Zwecken der Dokumentation werden – vermutlich im Auftrag des Denkmalamtes – einzelne Häuser und Straßenzüge des Städtchens fotografiert. Hier werden gerade die Fassaden der Häuser Hall (Maienlandstr. 20), Heizmann (Maienlandstr. 18) und Geisinger (Maienlandstr. 16) fotografisch festgehalten. Sie gehören zu diesem Zeitpunkt Maria Hall (1924-2014) und Agnes Heizmann (geb. Benz, 1927-2005) sowie Hans Geisinger (1921-1993) und Ursula Geisinger (geb. Selb, 1922-1992). Im Haus Hall war zeitweilig eine Getränkehandlung untergebracht. Im Haus Geisinger befand sich viele Jahre ein Elektrowarengeschäft. Das Hinweisschild hängt noch über der Eingangstür.

Das landwirtschaftliche Anwesen der Witwe Agnes Heizmann wird kurze Zeit später abgerissen und ein Neubau an seiner Stelle errichtet.

Standort des Fotografen: 47.886058, 8.342171

Haus Storz in der Maienlandstraße, ca. 1985

Sammlung Familie Waßmer

Der Pflästerer Ludwig Storz (1902-1987) wohnt seit 1958 in dem kleinen Wohnhaus (Maienlandstr. 10) zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Elisabeth Storz (geb. Thoma), die aus Wahlwies bei Stockach stammt. Neben dem Haus steht ein alter Schopf, in dem sich seine Werkstatt befindet. Ludwig Storz sammelt darüber hinaus allerlei Schrott, der sich vor dem Haus stapelt. Tatsächlich werden Leute immer wieder bei ihm fündig, wenn sie für Reparaturen irgendwelche seltenen Ersatzteile benötigen.

Das Haus ist bis Ende der 1980er Jahre nicht an die Kanalisation angeschlossen, sondern verfügt über eine Güllegrube. Nach dem Tod von Ludwig Storz 1987 zieht seine Witwe Elisabeth Storz ein Jahr später zu ihrem Bruder in ihren Heimatort. Das Haus und Grundstück werden von Hajo und Andrea Hofmann gekauft.

Standort des Fotografen: 47.885294, 8.342619

Klassentreffen des Jahrgangs 1941 am Demetriusbrunnen, 1996

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Vor 40 Jahren wurden sie aus der Volksschule entlassen. Wenn das kein Grund ist, ein Klassentreffen zu veranstalten! Und wenn man schon zusammenkommt, dann muss natürlich auch ein Gruppenfoto her. Vor dem Demetriusbrunnen lassen sich die Angehörigen des Jahrgangs 1941 fotografieren.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Hans Riedlinger, 2 Christel Kaiser (geb. Jordan, 1941-2022), 3 Karin Vögtle (geb. Schulz), 4 Brigitte Sahr (geb. Schweizer, geb. 1941), 5 Marie-Luise (Marlies) Fehrenbach geb.Laufer (geb. 1941), 6 Lisa Schwörer (geb. Radke, geb. 1941), 7 Antonie (Toni) Thomas geb. Laufer (geb. 1941), 8 Lothar Schultheiß
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Peter Kaiser (1941-2018), 3 Rudolf van den Heuvel, 4 ???, 5 Gudrun Wiek (geb. Strobel, geb. 1941), 6 ???, 7 Rita Zimmermann (geb. Hepting), 8 Anneliese Heizmann (geb. Mayer), 9 Gerd Fritsche, 10 Willi Fehrenbach (1941-2018), 11 ??? (halb verdeckt), 12 Horst Fehrenbach, 13 [Ehefrau von Horst Fehrenbach?]

Standort des Fotografen: 47.883810, 8.343801

Blumenschmuck am Haus Lehmann in der Bahnhofstraße, 1995

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Nein, das Foto wird nicht im »Geraniendorf« Unadingen aufgenommen, sondern in Löffingen. Die Geranien am Haus Lehmann (Bahnhofstr. 5) blühen so prächtig, dass sie es mit diesem Foto sogar in die Lokalzeitung schaffen. Richard Lehmann (1935-2013), eigentlich Kranführer von Beruf, hat wahrlich einen grünen Daumen. Er schmückt mit den Blumen nicht nur sein eigenes Haus, sondern hegt und pflegt auch die Geranien, die er am Geländer in der Rötengasse aufgehängt hat.

Das zweistöckige Wohnhaus wurde 1928 erbaut. Es gehörte damals zwei Schwestern: der Näherin und Damenschneiderin Amalie Suckert und der Krankenschwester Berta Suckert. Nach ihrem Tod kaufte es 1976 Richard Lehmann.

Standort des Fotografen: 47.885148, 8.341201

Ansichtskarte vom Gasthaus »Ochsen«, ca. 1930

Verlag: Lübecker Foto-Versand B. Uebelhack, Lübeck
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Matthias von Dungen zur Verfügung.

1927 wurde das Gasthaus »Ochsen« (Rathausplatz 12) umgebaut. Der Ökonomiebereich verschwand. An seine Stelle trat der »Saalbau« und eine »Autogarage«. Das Gasthaus gehört zu diesem Zeitpunkt dem Gastwirt Alfred Köpfler (1880-1939) und dessen Ehefrau Anna Köpfler (geb. Gromann, 1897-1991). Sie hatten 1920 geheiratet und dann das Gasthaus von ihren Eltern übernommen.

Nach dem Abschluss des Umbaus wird eine Werbepostkarte gedruckt, auf der zwei Ansichten zu sehen sind: Zum einen eine Außenansicht vom Gasthaus »Ochsen«, zum anderen eine Gesamtansicht des Städtchens, die vom Reichberg aus aufgenommen wird. Am rechten Bildrand ist die Festhalle und Schule an der »Hasle« zu sehen, die sich noch im Rohbau befinden. Für den »Ochsen« wird mit folgender Kurzbeschreibung geworben: »Guter Mittagstisch, schöne Fremdenzimmer, Autogarage«.