Stadtmusik beim Umzug auf dem unteren Rathausplatz, Fasnacht 1956

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Dicht gedrängt stehen die Zuschauer*innen am Straßenrand und verfolgen den Narrenumzug. Warm eingepackt trotzen sie der winterlichen Kälte. Eine geschlossene Schneedecke liegt auf dem unteren Rathausplatz, auch die Dächer in der Demetriusstraße sind weiß. Selbst der Adler auf dem Kriegerdenkmal für den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 trägt eine Haube aus Schnee.

Vom Mailänder Tor kommend marschiert die Stadtmusik über den Rathausplatz. Vorneweg geht Dirigent Rupert Hepting. Unter den Musikern sind Franz Rosenstiel (Posaunist), [Ernst Heiler] (Hornist), Konrad Sibold und Hans Kaufmann (Hornist) zu erkennen.

Hinter der Stadtmusik folgen die weibliche Narrenpolizei und die Hanselegruppe. Weiter hinten ist eine Pferdekutsche zu erkennen, in der vermutlich die Ehrennarrenräte Platz genommen haben. Trotz Schnee und Kälte säumen zahlreiche Menschen die Umzugsstrecke.

Standort des Fotografen: 47.883714, 8.344179

Narrengruppe auf dem unteren Rathausplatz, Fasnacht 1992

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Ein Mann sitzt mitten auf dem unteren Rathausplatz auf einem Stuhl und lässt die närrische Behandlung über sich ergehen. Es ist Ehrennarrenrat Hugo Schropp (1925-1998). Eine Frau legt ihm ein Tuch um den Hals, eine andere kniet zu seinen Füßen. Vor ihm steht ein kleiner Schemel, daneben liegen Bürsten und weiteres Handwerkszeug bereit. Offenbar sollen ihm zunächst die Schuhe geputzt werden – doch dabei wird es wohl nicht bleiben.

Es ist »Schmutziger Dunschdig«, und eine Gruppe Närrinnen des Turnerbundes zieht mit einem Kinderwagen durch das Städtchen. Daran verkündet ein Schild selbstbewusst: »Mir machet alles – mir fanget ganz unne aaah!« Tatsächlich scheint das Angebot von der Schuhpflege bis zur Körperpflege zu reichen. Ob Hugo Schropp noch rasiert, gewaschen oder auf andere Weise herausgeputzt wird, bleibt der Fantasie der Närrinnen überlassen.

Die Gruppe hat sichtlich Freude an ihrer Darbietung. Auch der unfreiwillige Kunde nimmt die Behandlung gelassen hin und macht gute Mine zum bösen Spiel.

V.l.n.r.: Maria Jaschke, Hella Schreiber, Renate Fehrenbach, Waltraud Knöpfle, Lydia Kaiser
Im Hintergrund ist Willi Fehrenbach (1941-2018) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.883742, 8.343876

Idealisierte Ansicht vom unteren Rathausplatz, ca. 1930

Sammlung Familie Waßmer

Ein Pferdefuhrwerk holpert zwischen der Bäckerei Ritter und dem Rathaus hindurch. Ein weiteres Gespann fährt die Demetriusstraße hinunter, zwei Schuljungen tollen mit einem Hund am Brunnen herum, ein Briefträger geht am Haus Willmann vorüber. Frauen stehen beieinander und unterhalten sich. Alles wirkt beschaulich und fügt sich zum Bild einer vermeintlich »guten alten Zeit«.

Geschaffen wird die Radierung von dem Berliner Grafiker und Maler Heinz Wehlisch (1925-?), der sich auf historische Stadt- und Ortsansichten spezialisiert. Als Vorlage dienen ihm offenbar ältere Postkarten oder Fotografien. Seine Beschriftung »Löffingen um 1910« führt jedoch in die Irre: Zu sehen ist das Städtchen nach dem Wiederaufbau infolge des Großbrandes von 1921. Auch die 1930 am Mailänder Tor angebrachten Gefallenentafeln und die Madonnenfigur über dem Torbogen sind bereits dargestellt.

Mit der historischen Wirklichkeit nimmt es der Künstler ohnehin nicht allzu genau. Die Straßenszene ist stark idealisiert, die Figuren dienen vor allem der Belebung des Platzes. Auch der Demetriusbrunnen entspricht in seinen Einzelheiten weder dem 1912 errichteten und 1945 zerstörten Brunnen noch seinem 1954 geschaffenen Nachfolger. Wehlisch entwirft keine genaue Momentaufnahme, sondern ein nostalgisches Bild des alten Löffingen.

Später findet die Ansicht weite Verbreitung. 1986 schmückt sie das Titelblatt der Festschrift des Männergesangvereins »Eintracht«. Auch Emil Ketter verwendet sie zur Illustration seiner Stadtchronik. Dort wird sie um 1930 datiert, ihr Schöpfer jedoch nur als »unbekannter Maler« bezeichnet.

Standort des Künstlers: 47.883736, 8.343648

2 Fotos: Demetriusstraße mit viel Schnee, ca. 1955

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Dicht gedrängt reihen sich die Häuser der Demetriusstraße aneinander, ihre Dächer und markanten Staffengiebel tragen schwere Schneelasten. Vor den Häusern türmen sich hohe Schneeberge. Der Blick geht vom Haus Kopp (Demetriusstr. 10) in Richtung Mailänder Tor.

Die Häuser entlang der Demetriusstraße bilden einen Teil des mittelalterlichen Stadtrings von Löffingen. Trotz aller Veränderungen ist diese historische Struktur bis heute gut ablesbar. Die Gebäude im Vordergrund wurden allerdings beim Großbrand von 1921 zerstört und anschließend in veränderter Form wiederaufgebaut. Auch das Mailänder Tor blieb vom Großbrand und Wiederaufbau nicht unberührt. Im Zuge des Wiederaufbauprogramms wurde das alte Torgebäude abgebrochen und beim Neubau die Tordurchfahrt vergrößert und verbreitert, um den Anforderungen des modernen Verkehrs gerecht zu werden. So verband man historische Bausubstanz mit den praktischen Bedürfnissen des 20. Jahrhunderts – der Charakter des alten Stadtrings blieb dennoch erhalten.

Standort des Fotografen: 47.884148, 8.344080

Unterer Rathausplatz mit viel Schnee, ca. 1985

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Wenn das mal kein neues Ansichtskartenmotiv ist! Der untere Rathausplatz liegt tief verschneit. Vor der Metzgerei Butsch und rund um den Demetriusbrunnen türmen sich hohe Schneeberge. Auf den Dächern des Straßenzugs in der Demetriusstraße liegt eine geschlossene weiße Schneedecke. Sogar auf den Stufen der markanten Staffengiebel hat sich eine feine Schicht Schnee abgesetzt. Nur die Straße selbst ist bereits freigeräumt: Zwischen Café Fuß und Rathaus kommt der dunkle Asphalt wieder zum Vorschein.

Über dem Städtchen spannt sich ein hellblauer Winterhimmel. Die Sonne scheint mild, lässt den Schnee glitzern und taucht die Hausfassaden in ein warmes, fast postkartenhaftes Licht.

Standort des Fotografen: 47.883683, 8.343611

5 Fotos: Volkstrauertag auf dem unteren Rathausplatz, November 1999

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Traditionell findet das Totengedenken am Volkstrauertag auf dem unteren Rathausplatz statt. Am Mailänder Tor befinden sich seit 1930 die Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Der 1954 geschaffene Demetriusbrunnen erinnert zudem an die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Kirchgang versammelt sich hier die Gemeinde.

Der Volkstrauertag wurde 1922 als Gedenktag für die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs eingeführt. In der Bundesrepublik Deutschland wird er seit 1952 als staatlicher Gedenktag begangen und erinnert heute allgemein an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Dieses Gedenken ist jedoch nicht unproblematisch. Lange Zeit wurde pauschal der Gefallenen gedacht – und damit auch Soldaten eingeschlossen, die Teil eines verbrecherischen Angriffskrieges waren. Spätestens seit der Wehrmachtsausstellung von 1995, die in verschiedenen Städten gezeigt wurde und eine öffentliche Debatte entfachte, ist bekannt, dass nicht nur SS und Waffen-SS, sondern auch Teile der Wehrmacht an Kriegsverbrechen beteiligt waren und Mitverantwortung für den Holocaust trugen. Der Volkstrauertag steht seither stärker im Spannungsfeld zwischen persönlichem Gedenken, historischer Aufarbeitung und kritischer Erinnerungskultur.

Auf den Fotos ist die Gedenkfeier zu sehen: Die Stadtmusik spielt, die Feuerwehr tritt an und senkt die Fahne. Während sich die Anwesenden zum stillen Gedenken versammeln, hält Bürgermeister Frank Schmitt (1963-2005) eine Ansprache. Für ihn ist es eine Premiere: Erst seit Kurzem ist er Bürgermeister von Löffingen.

Standort des Fotografen: 47.883707, 8.343856

2 Fotos: 20-Jährige beim Sammeln für den Fasnetfunken, Fasnacht 1973

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilie Runge zur Verfügung.

Ein letzter großer Auftritt, bevor die Fasnacht endgültig zu Ende geht: Die 20-Jährigen des Jahrgangs 1953 fahren mit einem voll beladenen Heuwagen durch das Städtchen. Der Traktor zieht gemächlich durch die Untere Hauptstraße, vorbei am Gasthaus »Adler«. Auf dem Anhänger sitzen die jungen Frauen und Männer dicht gedrängt zwischen Heu, Holz und Pappkartons, lachen in die Kamera, winken vielleicht Bekannten am Straßenrand zu.

Fast wirkt es wie eine späte Heuernte – doch das Ziel ist ein anderes. Das trockene Gras wird gebraucht für den »Fasnetfunken«, der am »alten Fasnetsunndig« auf der »Wanne« entzündet wird. Mit diesem Feuer verabschiedet sich die närrische Zeit.

Der Narrenbaum, den die 20-Jährigen am »Schmutzigen Dunschdig« unter großem Kraftaufwand aufgerichtet haben, ist bereits wieder gefällt. Ein Stück des Stammes liegt noch vor dem »Adler« auf dem Gehweg – sichtbares Zeichen dafür, dass sich der Kreis schließt. Aufstellen, feiern, abbauen, verbrennen.

Wenn der Funken schließlich lodert, ist die Fasnacht 1973 Geschichte.

Standort des Fotografen: 47.883725, 8.343923

Otto Ganter mit Gertrud Limb auf dem unteren Rathausplatz, ca. 1928

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Das Foto zeigt eine fotografische Bildsequenz, die an einen Filmstreifen erinnert. In drei aufeinanderfolgenden Aufnahmen ist dieselbe Szene festgehalten. Zu sehen sind der Blechnermeister Otto Ganter (1881-1960) und die kleine Gertrud Limb (verh. Geisinger, 1923-2011).

Während das Mädchen nahezu reglos am Rand steht, überquert Otto Ganter den unteren Rathausplatz, der verschneit ist. Die Abfolge der Bilder hält seine Bewegung Schritt für Schritt fest und verleiht der Aufnahme einen ungewöhnlich lebendigen Charakter.

Im Hintergrund sind die Häuser des Korbmachers August Egle (Demetriusstr. 14) und des Flaschnermeisters Ferdinand Willmann (Demetriusstr. 13) zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.883764, 8.343699

2 Fotos: Unterer Rathausplatz mit viel Schnee, 1979

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Schneeberge im Städtchen! Der untere Rathausplatz hat sich in eine nahezu alpine Landschaft verwandelt. Rund um das Mailänder Tor türmen sich gewaltige Schneemassen, die beim Räumen der Straßen zusammengeschoben wurden. Der Platz wirkt verwandelt und verschwindet unter dem Weiß.

Selbst der Demetriusbrunnen ist kaum noch zu erkennen. Nur die Brunnensäule mit der Figur des Demetrius ragt aus dem Schnee hervor, als würde er langsam darin versinken. Dächer, Giebel und das Tor tragen dicke Schneelasten, und das sonst so belebte Zentrum des Städtchens liegt still da. Der Winter hat Löffingen fest im Griff.

Standort des Fotografen: 47.883730, 8.343963

Klassentreffen des Jahrgangs 1943 am Demetriusbrunnen, 1983

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Der Demetriusbrunnen ist ein beliebter Ort für Erinnerungsfotos – auch beim Klassentreffen des Jahrgangs 1943. Im Sommer 1983 kommen die ehemaligen Schulkamerad*innen hier zusammen, um sich ablichten zu lassen. Jahrzehnte sind vergangen, seit sie die Schulbank gedrückt haben.

Nicht alle wohnen weiterhin in Löffingen, sodass man sich nur selten begegnet. Manche Gesichter sind sofort vertraut, andere müssen erst wieder eingeordnet werden. Zwischen Lachen, kurzen Gesprächen und dem Austausch alter Geschichten entsteht ein Moment des Wiedersehens, festgehalten vor dem Mailänder Tor und dem Demetriusbrunnen.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Gerda Bednarz (geb. Mayer), 4 ???, 5 Dagmar Schmidt (geb. Anton), 6 Monica Farace (geb. Bartz), 7 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Gerda Fehrenbach (geb. Rappenegger, geb. 1943), 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ??? Kuttruff, 7 Hedwig Beha (geb. 1943)
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Klaus Wider, 2 ???, 3 Irene Schwanz (geb. Neumann, 1943-2011), 4 Helmut Bartz (1942-2006), 5 Bernd Müller, 6 ???, 7 Wolfgang Zepf (geb. 1943)

Zum Jahrgang gehört auch Carola Hannes (geb. Auer).

Standort des Fotografen: 47.883716, 8.343757

Klassentreffen des Jahrgangs 1951/52 am Demetriusbrunnen, 2001

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Bernhard Adrion zur Verfügung.

Fünfzig Jahre sind sie alt, die Frauen und Männer, die vor vielen Jahrzehnten gemeinsam die Schulbank drückten. Jetzt stehen sie wieder Seite an Seite, versammelt am Demetriusbrunnen auf dem unteren Rathausplatz. Hinter ihnen spannt sich das farbenfrohe Ensemble der Altstadthäuser auf, mittendrin das Mailänder Tor.

Ein Klassentreffen ist immer auch eine kleine Zeitreise: Man erzählt Geschichten von früher, lacht über Streiche, erinnert sich an Lehrer*innen, die man längst vergessen glaubte. Die Gesichter sind älter geworden, doch in den Blicken blitzt ein Stück Vertrautheit auf.

V.l.n.r.: 1 Werner Maier, 2 Manfred Kienzler, 3 Veronika Ruf (geb. Kaltenbrunner, geb. 1951), 4 Walter Hauser, 5 Renate Obert (geb. Trenkle), 6 Annemarie Fischer (geb. Hryzuniak), 7 Ursula Hodel (geb. Schelling), 8 Klaus Heizmann, 9 Marietta Rosenstiel (geb. Mürb, geb. 1952), 10 Georg Dieterle, 11 Luzia Vierlinger (geb. Trenkle, geb. 1951), 12 Bernhard Adrion (geb. 1951), 13 Priska Winterhalter (geb. Nickel)

Standort des Fotografen: 47.883715, 8.343747

Klassentreffen des Jahrgangs 1913/14 am Demetriusbrunnen, 1974

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Marietta und Robert Rosenstiel zur Verfügung.

Alle paar Jahre treffen sich die Angehörigen des Jahrgangs 1913/14 zum Klassentreffen. Und jedes Mal wird ein Erinnerungsfoto aufgenommen. Diesmal stellt man sich am Demetriusbrunnen auf. Im Hintergrund ist das Mailänder Tor und die neu erbaute Sparkasse zu sehen. Die ehemaligen Klassenkamerad*innen, mittlerweile um die 60 Jahre alt, lachen in die Kamera. Viele tragen ihre Jacken über dem Arm – die Sonne scheint und es ist ein sommerlicher Tag. Teilweise sind auch die Ehepartner*innen von (verstorbenen) Klassenkamerad*innen mit dabei.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Else Scherer (verw. Strobel, geb. Gissler, 1910-2007), 4 ???, 5 ???, 6 Hilda Schulz (geb. Schultheiß), 7 ???, 8 ???, 9 Hildegard Benz (geb. Wiegele, 1914-2006)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Johanna Ganter (verh. Rebholz, 1913-2003), 2 ???, 3 ???, 4 Emma Binder (geb. Limb, 1913-2005), 5 Alfons Benz (1913-1985, Seppenhofen), 6 Franz Schlatter (1914-1994, Seppenhofen), 7 ???, 8 ???, 9 Willy Butsch (1913-1991)

Zum Jahrgang und »Anhang« gehören u.a.: Emma Butsch (geb. Satler, 1911-2006), Anna Frei (geb. Dreher, 1914-1991, Seppenhofen), Annemarie Fürstenwerth

Standort des Fotografen: 47.883709, 8.343728