Sofie Hepting mit ihren Kindern in der verschneiten Dittishauser Straße, ca. 1943

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Der Schnee knirscht unter den Schuhen, die Straße ist weiß bedeckt, und mitten im Wintervergnügen hat Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909–1995) ihre drei Kinder auf einen Schlitten gesetzt. Noch einen kleinen Schubs — dann kann die Fahrt losgehen. Trotz Kriegszeit fängt das Foto einen unbeschwerten Moment ein. Es ist ein echtes Alltagsfoto. Sofie Hepting trägt Kittelschürze und Kopftuch — Kleidung, die verrät, dass sie eigentlich mitten in der Arbeit steckt. Neben Haushalt gehört auch die Landwirtschaft zum Alltag der Familie.

V.l.n.r.: 1 Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995), 2 Ewald Hepting (1933-2010), 3 Inge Hepting (verh. Mayer, geb. 1939), 4 Rita Hepting (geb. 1941)

In der Dittishauser Straße säumen hohe Schneewälle den Straßenrand, Autos gibt es kaum, und der Schlitten gehört im Winter ganz selbstverständlich zum Alltag. Neben dem Haus Hepting (Dittishauser Str. 7) ist das Nachbarhaus Sperer (Dittishauser Str. 9) zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.885212, 8.348863

Narrengruppe »Störche«, Fasnacht 1970

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Sonja Schwörer geb. Vogt zur Verfügung.

Mitten im Schnee sind fünf Störche gelandet – zumindest auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen erkennt man die Vogt-Geschwister, die sich für die Fasnacht 1970 in Vögel verwandelt haben. Die mit unzähligen weißen Stoffschuppen besetzten Kostüme lassen fast ein echtes Federkleid entstehen. Schwarze Kopfbedeckungen mit langen Schnäbeln vervollständigen den Eindruck. Dass die Störche ausgerechnet in einer tief verschneiten Winterlandschaft posieren, hat seinen eigenen Witz – schließlich verbindet man die Zugvögel eher mit Frühling und warmen Temperaturen.

V.l.n.r.: 1 Rainer Vogt, 2 Wolfgang Vogt, 3 Barbara Vogt, 4 Karin Vogt, 5 Harald Vogt (geb. 1954)

Die Kostüme wurden von der Mutter der Kinder, Elisabeth Vogt (geb. Hermann, 1929-1969), genäht. Allein die Vielzahl der einzeln aufgenähten »Federn« lässt erahnen, wie viel Arbeit und Geduld in dieser Verkleidung steckt. Die Kinder traf im Vorjahr ein schwerer Schicksalsschlag: Ihre Mutter starb am 8. Mai 1969 im Alter von nur 39 Jahren. Umso bemerkenswerter ist es, dass die von ihr genähten Kostüme nun bei dieser Fasnacht getragen werden.

Standort des Fotografen: ???

2 Fotos: Demetriusstraße mit viel Schnee, ca. 1955

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Dicht gedrängt reihen sich die Häuser der Demetriusstraße aneinander, ihre Dächer und markanten Staffengiebel tragen schwere Schneelasten. Vor den Häusern türmen sich hohe Schneeberge. Der Blick geht vom Haus Kopp (Demetriusstr. 10) in Richtung Mailänder Tor.

Die Häuser entlang der Demetriusstraße bilden einen Teil des mittelalterlichen Stadtrings von Löffingen. Trotz aller Veränderungen ist diese historische Struktur bis heute gut ablesbar. Die Gebäude im Vordergrund wurden allerdings beim Großbrand von 1921 zerstört und anschließend in veränderter Form wiederaufgebaut. Auch das Mailänder Tor blieb vom Großbrand und Wiederaufbau nicht unberührt. Im Zuge des Wiederaufbauprogramms wurde das alte Torgebäude abgebrochen und beim Neubau die Tordurchfahrt vergrößert und verbreitert, um den Anforderungen des modernen Verkehrs gerecht zu werden. So verband man historische Bausubstanz mit den praktischen Bedürfnissen des 20. Jahrhunderts – der Charakter des alten Stadtrings blieb dennoch erhalten.

Standort des Fotografen: 47.884148, 8.344080

Kindergruppe mit Schneekirche, ca. 1939

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Der Winter ist außergewöhnlich schneereich. Hinter dem Haus von Familie Hepting türmen sich gewaltige Schneemassen – genug, um daraus ein begehbares Bauwerk zu errichten. Fotografisch festgehalten wird nicht etwa ein gewöhnliches Iglu, sondern eine kunstvoll geformte Schneekirche. Deutlich zu erkennen sind ein turmartiger Aufbau, ein Langhaus und eine gerundete Ausbuchtung, die fast wie eine Apsis wirkt.

In der Öffnung der Schneekirche sind drei Personen zu erkennen. Einer von ihnen ist der kleine Ewald Hepting (1933-2010). Alle drei scheinen stolz auf das winterliche Bauwerk zu sein.

Ob die Schneekirche bewusst als Nachbildung der Wallfahrtskirche Witterschneekreuz, meist schlicht das »Schneekreuz«, gestaltet wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Ähnlichkeit ist jedoch auffällig – und der Gedanke naheliegend. Vielleicht ist es genau dieser lokale Bezug, der die Erbauer inspiriert hat. So wird aus Schnee nicht nur ein Spielplatz, sondern ein kleines architektonisches Kunstwerk.

Standort des Fotografen: 47.885543, 8.348717

4 Fotos: Schneeberge bei der Ziegelhütte, 1952

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Die Ziegelhütte liegt weit außerhalb des Städtchens, hinter der Wallfahrtskirche Witterschneekreuz im Tal in Richtung Stadtwald. Benachbarte Höfe gibt es nicht. Nur die Jungviehweide, die Stadtsäge und das Waldbad befinden sich in der Nähe. Wer hier lebt, führt ein beinahe abgeschiedenes Dasein – erst recht in einer Zeit ohne Auto, in der man nicht einfach schnell für Besorgungen ins Städtchen fährt.

Der Winter 1952 zeigt diese Abgeschiedenheit besonders eindrücklich. Rund um die Ziegelhütte türmen sich gewaltige Schneemassen. Schon beim Öffnen der Haustür wird klar, wie tief der Schnee liegt: Wege sind kaum gebahnt, Zäune und Geländekanten verschwinden unter einer geschlossenen weißen Decke. Selbst Gebäude und Holzstapel sind nur noch als sanfte Erhebungen im Schnee zu erkennen.

Unter diesen Bedingungen sind Ski das wohl praktischste Fortbewegungsmittel – nicht nur für Wintersport und Freizeitvergnügen, sondern vermutlich auch für ganz alltägliche Wege. Auf zwei der Fotos werden Ski und Stöcke demonstrativ im Schnee aufgestellt, fast wie ein stilles Denkmal dieses Ausnahme-Winters. Offenbar ist der Schneefall in diesem Jahr so außergewöhnlich, dass man ihn für die Nachwelt festhalten will. Interessant sind dabei auch die alten Skibindungen, die von der damaligen Ausrüstung erzählen.

Und mitten in dieser winterlichen Einsamkeit steht ein Hund in der offenen Tür – wachsam, ruhig und offenbar bestens an die Schneemassen gewöhnt.

Standort des Fotografen: 47.897690, 8.336010

Unterer Rathausplatz mit viel Schnee, ca. 1985

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Wenn das mal kein neues Ansichtskartenmotiv ist! Der untere Rathausplatz liegt tief verschneit. Vor der Metzgerei Butsch und rund um den Demetriusbrunnen türmen sich hohe Schneeberge. Auf den Dächern des Straßenzugs in der Demetriusstraße liegt eine geschlossene weiße Schneedecke. Sogar auf den Stufen der markanten Staffengiebel hat sich eine feine Schicht Schnee abgesetzt. Nur die Straße selbst ist bereits freigeräumt: Zwischen Café Fuß und Rathaus kommt der dunkle Asphalt wieder zum Vorschein.

Über dem Städtchen spannt sich ein hellblauer Winterhimmel. Die Sonne scheint mild, lässt den Schnee glitzern und taucht die Hausfassaden in ein warmes, fast postkartenhaftes Licht.

Standort des Fotografen: 47.883683, 8.343611

Unimog beim Schneeräumen, ca. 1976

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilie Runge zur Verfügung.

Das Städtchen ist tief verschneit. Hohe Schneeberge säumen die Straßenränder und machen vor allem den Fußgänger*innen das Vorankommen auf den schmalen Gehwegen schwer. Der Winter hat Löffingen fest im Griff.

Beim Rathaus ist der Bauhof mit einem Unimog im Einsatz. Mittels einer Schneefräse vor der Metzgerei Nickel (Rathausplatz 4) werden die Schneemassen aufgenommen und über ein Auswurfrohr direkt auf die Ladefläche des Unimogs geschleudert, damit sie abtransportiert werden können.

Standort des Fotografen: 47.884030, 8.344617

Nachtaufnahme vom Gasthaus »Adler«, ca. 1955-1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Das Nachtleben im Städtchen wirkt überschaubar. So viel steht fest. Frisch gefallener Schnee liegt auf dem unteren Rathausplatz, bedeckt die Fahrbahn und legt sich auch auf den 1954 neu errichteten Demetriusbrunnen. Offenbar sollte hier eine stimmungsvolle Nachtaufnahme entstehen – vielleicht mit winterlich-weihnachtlicher Atmosphäre. Doch das Foto wirkt anders als erwartet.

Vor allem Stille bestimmt die Szenerie. Nur eine einzelne Straßenlaterne beleuchtet den Platz und wirft ihr kaltes Licht auf Schnee und Hausfassaden. Die Untere Hauptstraße verliert sich in der Dunkelheit. Eine zweite Lichtquelle fehlt – kein erleuchtetes Fenster, kein warmer Schein aus einer Gaststube, nichts, was Behaglichkeit ausstrahlen könnte. Die Fenster des Gasthauses »Adler« (Untere Hauptstr. 2) sind genauso dunkel wie das Schaufenster der Sparkassenfiliale im Erdgeschoss. So präsentiert sich das Städtchen menschenleer und beinahe unwirklich.

Standort des Fotografen: 47.883867, 8.343753

2 Fotos: Narrengruppe auf dem oberen Rathausplatz, Fasnacht 1994

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Es sind nicht die 20-Jährigen, die hier auf der Fasnachtsbühne auf dem oberen Rathausplatz feiern. Es sind die Zehntklässler*innen der Realschule, die am »Schmutzigen Dunschdig« nach der Schülerbefreiung die Bühne für sich erobert haben.

Ganz in Schwarz gekleidet stehen sie dicht gedrängt am Geländer, die Arme umeinander gelegt. Die Gesichter sind geschminkt. Um den Hals baumeln selbst gebastelte Medaillen als Erkennungszeichen ihrer Gruppe. Die Schüler*innen haben sich auf einen einheitlichen Look geeinigt und mischen als Clique mit eigenem Motto im närrischen Treiben mit.

oberes Foto
V.l.n.r.:
1 ???, 2 Alexandra Schweizer, 3 ???, 4 ???, 5 Daniel Egy, 6 ???, 7 ???, 8 Melanie Sibold, 9 ???, 10 ???

unteres Foto
V.l.n.r.:
1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Alexandra Schweizer, 5 ???

Standort des Fotografen: 47.883904, 8.344806

Sabine Strobel vor dem Elternhaus in der Maienlandstraße, ca. 1945

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Sabine Hornstein zur Verfügung.

Warm eingepackt sitzt die kleine Sabine Strobel (verh. Hornstein, geb. 1939) auf ihrem Schlitten im Schnee. Dicke Kleidung schützt vor der Kälte, und doch wirkt ihr Blick ein wenig fröstelnd – als hätte sie schon eine ganze Weile draußen verbracht. Hinter ihr steht ein großer Schneemann, mit Gesicht und Knöpfen versehen. Vielleicht hat Sabine ihn gemeinsam mit ihren Eltern Fritz Strobel und Anna Strobel (geb. Benz) gebaut – ein kleines Wintervergnügen in schwieriger Zeit.

Im Hintergrund ist ihr Elternhaus (Maienlandstr. 3) zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.884395, 8.343325

Familie Hepting mit Täufling und Hebamme in der Dittishauser Straße, Februar 1941

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Die kleine Taufgesellschaft ist auf dem Heimweg. Der Schnee liegt hoch in der Dittishauser Straße, es herrschen Winter und Kälte. Vorsichtig trägt die Patin das Neugeborene im Arm – warm eingehüllt, geschützt vor der Februarkälte. Die kleine Rita Hepting, geboren am 2. Februar 1941, wird an diesem Tag getauft.

Rechts neben der Patin geht der Vater, Rupert Hepting (1905-1990), im Anzug und mit Zylinder. Links ist die Hebamme Maria Häusle (geb. Schultheiß, 1883-1966) zu sehen, die bei der Geburt geholfen hat. Zwei Kinder, vermutlich ein Bruder und eine Cousine, laufen mit – neugierig, vielleicht auch ein wenig stolz.

Und doch fehlt jemand: die Mutter. Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995) ist nicht dabei. Sie befindet sich im Wochenbett. Nach katholischem Verständnis gilt die Frau nach der Geburt als »unrein« und darf die Kirche zunächst nicht betreten. Erst später wird sie im Rahmen der sogenannten »Aussegnung« wieder in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen. Bei der Taufe übernimmt deshalb die Patin ihre Rolle. Ein stilles Detail, das viel über religiöse Vorstellungen und soziale Regeln erzählt.

V.l.n.r.: 1 Hebamme Maria Häusle (geb. Schultheiß, 1883-1966), 2 Patin ??? mit Täufling Rita Hepting (geb. 1941), 3 Rupert Hepting (1905-1990), 4 Ewald Hepting (1933-2010), 5 Else Ganter (verh. Egle, 1923-2011)

Standort des Fotografen: 47.885203, 8.348885

Haus Geiss am Reichberg, ca. 1969

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Hoch über dem Städtchen, am Rand des jungen Neubaugebiets in der »Breiten« und am »Reichberg«, steht dieses Haus wie ein selbstbewusstes Statement der späten 1950er. Klare Linien, ein flach geneigtes Dach, große Fensterflächen – die Architektur wirkt sachlich und modern. Während ringsum noch Satteldächer und traditionelle Formen dominieren, setzt das Haus Geiss (Am Reichberg 2a) einen deutlichen Akzent.

Auf der winterlichen Aufnahme liegt der Schnee schwer auf den Hecken und dem kleinen Nadelbaum im Vorgarten. Das Gebäude scheint regelrecht aus der weißen Landschaft herauszuwachsen. Hinter den breiten Fenstern mit den zugezogenen Gardinen ahnt man das Familienleben.

Hier wohnt seit Ende der 1950er Jahre der Chefarzt des Löffinger Krankenhauses, Dr. med. Otto Geiss (1929–1972), mit seiner Familie. Die Stadt hatte den Chirurgen und Gynäkologen zum 1. September 1958 berufen. Geiss stammt aus Dietenheim an der Iller und war zuvor in Ravensburg tätig. Mit ihm gewinnt das Krankenhaus einen engagierten Mediziner, unter dessen Leitung die Klinik durch mehrere An- und Umbauten erweitert und modernisiert wird. Er gilt als unermüdlich: Tag und Nacht, an Werktagen wie an Sonn- und Feiertagen ist er im Einsatz. Viele Patient*innen und Patienten schätzen seine fachliche Kompetenz, aber auch seine Zugewandtheit.

Am 4. Juli 1972 stirbt Dr. Geiss überraschend an seinem Arbeitsplatz an einem Herzschlag. Er wird nur 53 Jahre alt. Die Nachricht erschüttert nicht nur das Städtchen, sondern die gesamte Region. Zurück bleiben seine Ehefrau Hildegard und die vier Kinder Elisabeth, Monika, Bernd und Martin, zwischen neun und 17 Jahre alt.

Standort des Fotografen: 47.880113, 8.342172