Seifenkistenrennen in der Alenbergstraße, Fasnacht 1928

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Die Fasnacht fällt in diesem Jahr aus, weil man »keine Lust und keine Ideen« hatte, wie es in den Annalen der »Laternenbrüder« heißt. Stattdessen wird ein Seifenkistenrennen veranstaltet, das sich großem Zuspruch bei Jung und Alt erfreut. Getreu der Devise »Runter geht’s immer« sausen die Wagen die Alenbergstraße hinunter, um beim »Scharfen Eck« irgendwie die Kurve zu erwischen. Ein Narrenpolizist steht an der Kreuzung und gibt vor, den Verkehr zu regeln. Da kann man nur hoffen, dass er rechtzeitig zur Seite springt und nicht umgefahren wird.

Die neugierigen Zuschauer haben sich auf dem »Spritzestägli« in Sicherheit gebracht. Im Hintergrund sind, auf dem Foto völlig überbelichtet, die Häuser der Vorstadtstraße zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.884440, 8.345467

Narrengruppe vor dem Gasthaus »Adler«, Fasnacht 1928

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Die Chronik der »Laternenbrüder« berichtet, dass 1928 die Fasnacht ausfiel, weil man »keine Lust, keine Ideen« hatte. Aber echte Fasnachtsnarren haben natürlich immer Lust und auch jederzeit Ideen! Und die Kinder haben sowieso Freude an der Verkleidung – egal ob als Clown oder Trachtenmädchen!

1.Reihe, v.l.n.r.: ???, Eugen Hepting (1921-2011), Else Ganter (verh. Egle, 1923-2011), ???, ???

2.Reihe, v.l.n.r.: ???, Schneidermeister Hermann Ganter (1895-1957), ???, Elisabeth Hepting (geb. Münzer, 1897-?), Anna Ganter geb. Hepting (1900-?)

Standort des Fotografen: 47.883588, 8.343783

Hochzeitsgesellschaft Isele / Bader neben dem Gasthaus »Gebert«, 3. Juni 1929

Fotograf: Leo Molitor, Neustadt
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Elisabeth und Franz Isele zur Verfügung.

Vor dem Ökonomiegebäude des Gasthauses »Gebert« (Obere Hauptstr. 9b) hat sich eine Hochzeitsgesellschaft für ein Gruppenfoto versammelt. Es ist der 3. Juni 1929. Das Brautpaar steht mittig in der ersten Reihe, eingerahmt von zwei Blumenmädchen in weißen Kleidchen. Die Braut trägt ebenfalls ein weißes Brautkleid, das ihr bis zu den Knien reicht. Der Bräutigam Adolf Isele (1903-1961) stammt aus Bonndorf, wo er am 13. Juni 1903 geboren wurde. Er ist Werkmeister von Beruf. Die Braut Anna Bader (1903-1959) wurde am 23. August 1903 geboren. 1930 kommt der Sohn Franz zur Welt und 1933 wird die Tochter Lore geboren.

Die Iseles sterben beide jung. Anna Isele stirbt 1959 im Alter von nur 56 Jahren. Zwei Jahre später stirbt Adolf Isele 58-jährig.

1.Reihe, v.l.n.r.: ???, Elisabeth Benz (verh. Gebert, 1887-1958), Agnes Bader (verh. Vetter, 1907-1998), Anna Benz (geb. Bader, 1870-1951), ???, Braut Anna Isele geb. Bader (1903-1959), Bräutigam Adolf Isele (1903-1961), ???, Konrad Bader (1868-1958), Sophie Bader (verh. Gremper, 1905-1984), Elisabeth Bader (verh. Obert, 1909-1997), ???
2.Reihe, v.l.n.r.: Maria Glunk (geb. Bader, 1866-1956), Erna Bader (geb. Rudolf), Josef Bader (1900-1988), ???, Hilde Selb (geb. Laufer), Fritz Selb, ???, ???, ???, Franz Bader (1901-1986), ???, ???
3.Reihe, v.l.n.r.: ???, ???, ???, ???, Karl Bader (1902-1971), ???, ???, ???, ???, ???

Standort des Fotografen: 47.884426, 8.346865

2 Fotos: Aufführung auf der Fasnachtsbühne auf dem Rathausplatz, Fasnacht 1927

Diese Fotos stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz sowie Georg Willmann zur Verfügung.

Aus einem Fenster des Rathauses fällt der Blick auf das närrische Treiben, das unten auf dem Rathausplatz stattfindet. Mit dem Rücken zum Fotografen ist die »Schnitterin« zu sehen, die Brunnenfigur, die auf dem Rathausbrunnen steht. Der Brunnen selbst ist nicht zu erkennen, da er mit der Fasnachtsbühne überbaut ist. Einige Narren haben die Bühne in Besitz genommen. Es handelt sich um die Gruppe, die ihren Umzugswagen mit dem Lied »Zu Mantua in Banden« betitelt hat. Die Zuschauer recken die Köpfe, um ihre Darbietung zur Tiroler Aufstandsbewegung 1809 zu verfolgen.

Bei dem bunten Treiben auf dem Platz werden die Details im Hintergrund leicht übersehen. Das Gasthaus »Ochsen« (Rathausplatz 12) wurde kurz zuvor umgebaut. Der einstige Ökonomieteil mit seinem großen Scheunentor ist verschwunden. Statt dessen wurde die Gaststube erweitert und weitere Fenster in die Fassade hineingebrochen. Die Außenmauer ist noch nicht wieder verputzt, sodass in der rechten Gebäudehälfte deutlich das Mauerwerk zu erkennen ist.

Standort des Fotografen: 47.883910, 8.344587

Narrengruppe vor dem »Gebertsaal« in der Oberen Hauptstraße, Fasnacht 1929

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Petra Nobs zur Verfügung.

Vor dem 1925/26 erbauten »Saalbau Gebert« (Obere Hauptstr. 11) steht eine bunte Schar Närrinnen und Narren. Sie sind teilweise nur leicht bekleidet, obwohl Schnee liegt und es bitterkalt zu sein scheint. Vermutlich feiern sie im »Gebertsaal« und treten nur für das Gruppenfoto kurz heraus vor die Tür. Offenbar hat der Fotograf keine Kameraausrüstung mit Blitzlicht.

Wer erkennt die Närrinnen und Narren? Eventuell handelt es sich um die Mitglieder des Kirchenchores.

1.Reihe, v.l.n.r.: ???, Elsa Häusle, [Hilde Häusle?], Sofie Hepting geb. Jonner (1909-1995)
2.Reihe, v.l.n.r.: ???, ???, ???, Johanna Ganter (verh. Rebholz, 1913-2003), Albert Benitz (1905-1996)
3.Reihe, v.l.n.r.: August Limb (1884-1976), Fritz Seilnacht (2.v.r.), ???
4.Reihe, v.l.n.r.: ???, ???, Ernst Krauß (1897-1978)

Standort des Fotografen: 47.884407, 8.347041

Umzugswagen des Turnerbundes in der Oberen Hauptstraße, Fasnacht 1927

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Auch der Turnerbund beteiligt sich am Fasnachtsumzug mit einem eigenen Wagen. Er wird von vier Pferden gezogen. Die Turner auf dem Wagen tragen ihre weiße Sportkleidung. Vorneweg marschiert ein Turner, der ein Schild mit dem Turnerkreuz trägt. Es setzt sich aus vier »F« zusammen, die für den Wahlspruch »Frisch, fromm, fröhlich, frei« stehen. Auf dem Pferd reitet Jakob Schreiber. Dahinter auf dem Wagen steht vorne links Anselm Zepf (1898-1989).

Das Motto der diesjährigen Fasnacht lautet: »Das altdeutsche Lied in Wort, Bild und Sang«. Die Turner beteiligen sich mit dem Turnvater-Jahn-Lied »Der Ruf ist erklungen«. Sie hätten aber auch ihr eigenes Gründungslied von 1905 zum Besten geben können. Es beginnt mit den Zeilen: »In Löffingen allgemein – / es sollt zwar anders sein – / denn nirgends ist was los, / sind lauter Latschi bloß! / Des Ding muaß anders sein, / mir gründen en Turnverein!«

An Fasnacht 1927 veranstaltet der Turnerbund auch zum ersten Mal seinen »Bunten Abend«, eine Tradition, die bis heute existiert. Veranstaltungsort ist der neu erbaute »Gebertsaal«.

Standort des Fotografen: 47.884795, 8.348797

Glockenweihe vor der katholischen Pfarrkirche, 1922

Stadtarchiv

Fünf Jahre ist es her, dass die katholische Pfarrgemeinde St. Michael drei Kirchenglocken an die Rüstungsindustrie abgab, damit aus dem enthaltenen Kupfer Waffen für den Ersten Weltkrieg produziert werden konnten. 1922 ist es schließlich soweit und die Pfarrgemeinde erhält ein neues Geläut. Hergestellt wurden die drei neuen Glocken von der Glockengießerei Grüninger in Villingen.

Zwanzig Jahre später fallen auch diese Glocken der Kriegsabgabe zum Opfer und werden wiederum eingeschmolzen.

Standort des Fotografen: 47.882757, 8.344229

Umzugswagen »Im Krug zum Grünen Kranze« in der Oberen Hauptstraße, Fasnacht 1927

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

»Im Krug zum Grünen Kranze« lautet der Titel dieses geschmückten Umzugswagens, der vor dem Haus Bader in der Oberen Hauptstraße steht. Das diesjährige Motto der Fasnacht widmet sich dem »altdeutschen Lied in Wort, Bild und Sang«. Dazu passt das bekannte Volkslied aus der Zeit der Romantik, in dem die zufällige Begegnung von zwei Männern in einem Gasthaus geschildert wird, die mehrere Gläser Wein zusammen trinken und sich anfreunden. Passenderweise steht Weinhändler Joseph Benitz (1897-1981) vor dem Umzugswagen und hält einen Weinkrug in den Händen.

Auf dem vorderen Pferd sitzt Karl Glunk (1897-1980).

Standort des Fotografen: 47.884836, 8.348993

Krankenhaus in der Seppenhofer Straße, ca. 1921-1925

Cramers Kunstanstalt K.G., Dortmund / Stadtarchiv

In den Jahren 1890/91 war das Krankenhaus in der Seppenhofer Straße erbaut worden. Es war aber damals noch bedeutend kleiner als auf dem Foto, das in den frühen 1920er Jahren aufgenommen wird. Ursprünglich enthielt es neben den Kellerräumen eine Waschküche, im Erdgeschoss die Küche mit Nebenraum, vier Zimmer, ein Baderaum und eine Toilette und im 1. Obergeschoss fünf Krankenzimmer, ein Arztzimmer und eine Toilette. Über eine Galerie war der Neubau mit dem alten Krankenhaus verbunden, das am rechten Bildrand zu sehen ist, wenngleich es von einem Baum verdeckt wird.

1921 vergrößerte die Stadt das Krankenhaus durch einen Anbau in westlicher Richtung. Nach dem Abschluss der Baumaßnahmen entsteht dieses Foto. Durch den Umbau wurden im Erdgeschoss vier Zimmer und ein Baderaum und im 1. Obergeschoss drei Zimmer, ein Operationssaal, ein Verbandszimmer und ein Baderaum hinzugewonnen. Das Dachgeschoss wurde ausgebaut, darin befindet sich eine Kapelle und ein Mädchenzimmer. Der Eingang zum Krankenhaus wurde zur Straßenseite verlegt und mit einer Altane versehen, auf der der Schriftzug »Krankenhaus« angebracht ist.

Das Foto wird von der gegenüberliegenden Straßenseite aus aufgenommen. Der Fotograf wählt einen tiefen Kamerastandort und fotografiert mit Untersicht, sodass die Wiese im Vordergrund die Seppenhofer Straße gänzlich verdeckt. Offenbar will er den Eindruck erwecken, das Krankenhaus liege ganz im Grünen, was der Genesung der Patienten förderlich sei.

Standort des Fotografen: 47.881509, 8.345082

Blick von der »Breiten« auf das Städtchen mit Neujahrsgruß, ca. 1927/28

Verlag A. Rebholz / Sammlung Familie Waßmer

»Herzliche Glückwünsche zum Jahreswechsel« ist auf diese Ansichtskarte gedruckt, die das Städtchen vom Gewann »Breiten« aus zeigt. Der Sägearbeiter Alois Breimaier schickt die Neujahrsgrüße nach Oggelshausen in Oberschwaben. Da die Briefmarke nicht mehr erhalten ist, ist auch kein Poststempel mehr vorhanden, sodass unklar ist, zu welchem Jahreswechsel Alois Breimaier die Karte versendet.

Ziemlich präzise datieren lässt sich allerdings, wann die Gesamtansicht des Städtchens fotografiert wurde. Ein erster Anhaltspunkt sind die Festhalle und die Volksschule bei der »Hasle«, die sich noch im Rohbau befinden. Noch sind nicht alle Fenster eingesetzt. In der Seppenhofer Straße steht bereits das 1927 erbaute Haus von Blechnermeister Robert Geisinger (Seppenhofer Str. 4), aber das 1929 errichtete Haus »Schönblick« (Stadionstr. 6) ist noch nicht gebaut. Und in der Kirchstraße sind noch Häuser zu erkennen, die bei einem Brand 1929 zerstört werden. Folglich muss das Foto 1927/28 aufgenommen worden sein.

Standort des Fotografen: 47.880780, 8.340002

Blick vom Reichberg auf das Städtchen, ca. 1923

Verlag A. Rebholz / Stadtarchiv

Am 24. Juli 1925 sendet Oberlehrer Eugen Steidlinger (1873-1939) diese Ansichtskarte an einen befreundeten Schulrat in Baden-Baden. Beinahe auf den Tag genau vor vier Jahren sank das halbe Städtchen in Schutt und Asche. Wie die Gesamtansicht zeigt, ist der Wiederaufbau mittlerweile abgeschlossen. Das Haus Benitz (Alenbergstr. 7-9), aber auch die Häuser Kuster (Alenbergstr. 19) und Jonner (Alemannenstr. 1) zeugen davon.

In der Ringstraße ist außerdem das neuerbaute Mehrfamilienhaus für Werksangehörige der Holzindustriewerke Josef Benz AG zu erkennen, das »neuer Benzbau« genannt wird. Das Dach ist frisch gedeckt, aber Fenster scheinen noch keine eingesetzt zu sein.

Der Fotograf steht unterhalb des Reichbergs im Gewann »Im kleinen Brühl«. Sein Blick fällt über die Bahnlinie in Richtung Städtchen. Die Göschweiler Straße mit ihrer Baumallee teilt die Wiese. Häuser stehen diesseits der Bahnlinie noch keine, weder im Bereich der Göschweiler noch der Bonndorfer Straße. Zwei einsame Holzschopfs sind die einzige Bebauung. 1932/33 wird Oberlehrer Steidlinger selbst ein Wohnhaus in der Bonndorfer Straße errichten. Auf der Karte ist sein späterer Bauplatz zu sehen, was er aber 1925 noch nicht ahnt.

Standort des Fotografen: 47.880065, 8.343601

2 Fotos: Blick vom Kirchturm zum Alenberg, ca. 1926

Verlag A. Rebholz
Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Vor wenigen Jahren wütete ein Großbrand und legte das halbe Städtchen in Schutt und Asche. Mittlerweile ist der Wiederaufbau abgeschlossen. Der Schrecken ist verblasst und alles wirkt wieder friedlich. Vom Kirchturm aus hat man einen imposanten Blick in Richtung Alenberg. Man sieht gleich mehrere neugebaute Häuser am unteren Rathausplatz, in der Demetriusstraße, der Ringstraße und der Alenbergstraße, an den Staffelgiebeln zu erkennen. Blickt man auf das massive Rathausgebäude, dann überrascht es nicht, dass die Feuerwehr 1921 alles daran setzte, um dieses Gebäude zu erhalten. Ein brennendes Rathaus hätte ganz sicher ein Übergreifen des Feuers auf weitere Straßenzüge und deren Untergang bedeutet.

Ähnlich massiv wie das Rathaus ist das ehemalige Gasthaus »Sonne« (Rathausplatz 9-10), dessen Rückseite zur Eggertenstraße hin zu sehen ist. Die unbebaute Fläche zu seiner Linken dient als Schulhof, denn noch befindet sich die Volksschule im Rathausgebäude. Außerhalb des Stadtrings sind die Häuser der Vorstadtstraße und der Oberen Hauptstraße zu erkennen. Im Hintergrund sieht man den Friedhof mit der Kapelle.

Standort des Fotografen: 47.882612, 8.344053