Hochzeitsgesellschaft Hasenfratz / Münzer vor dem Gasthaus in Unadingen, 27. März 1965

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Hans-Peter Hepting und Christa Egle zur Verfügung.

Kein Zweifel: Hier wird Hochzeit gefeiert. In der Mitte steht die Braut Ursula Hasenfratz (geb. Münzer) mit einem großen Blumenstrauß im Arm. Bei dem jungen Mann im schwarzen Anzug neben ihr hat sie sich untergehakt – Kurt Hasenfratz ist der Bräutigam. Auch viele der Hochzeitsgäste haben sich mit kleinen Blumen oder Festabzeichen am Revers für den besonderen Tag herausgeputzt.

Ursula Hasenfratz wurde in Heidelberg geboren und kam im Alter von sechs Jahren nach Hüfingen, wo sie aufwuchs. Kurt Hasenfratz wurde in Oberndorf geboren und wuchs bei Adoptiveltern in Unadingen auf. Das Paar gibt sich in der Konvikt-Kapelle in Donaueschingen das Ja-Wort. Die Braut ist zu diesem Zeitpunkt schwanger. In der konservativ-katholisch geprägten Zeit wird von einer schwangeren Braut erwartet, nicht in Weiß zu heiraten. Entsprechend trägt Ursula Hasenfratz ein dunkles festliches Kleid.

Für das Gruppenfoto hat sich die Hochzeitsgesellschaft vor dem Gasthaus »Ochsen« in Unadingen versammelt. Der Eingang ist mit einer Reisiggirlande geschmückt, aus der geöffneten Tür schauen weitere Gäste heraus. Rechts und links rahmen Fenster mit hölzernen Fensterläden den Eingang ein. An der Fassade hängt ein rundes Werbeschild »Trink Coca-Cola« – ein kleines zeittypisches Detail, das die Aufnahme in die Nachkriegsjahrzehnte verweist. Links ragt ein VW Käfer ins Bild. Gut möglich, dass er an diesem Tag eine besondere Aufgabe übernimmt und als Hochzeitsauto dient.

Im Jahr 2025 können Ursula Hasenfratz und Kurt Hasenfratz das Fest ihrer Diamantenen Hochzeit feiern.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Braut Ursula Hasenfratz (geb. Münzer, geb. 1946), 5 Bräutigam Kurt Hasenfratz, 6 ???, 7 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Elisabeth Hepting (geb. Münzer, 1897-?), 5 ???, 6 ???, 7 ???, 9 ???
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???
5.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???
6.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???

Standort des Fotografen: Unadingen

Männergruppe im Gasthaus XXX, ca. 1925-1930

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Eng zusammengerückt sitzt eine Männergesellschaft an einem langen Tisch. Ob es sich um einen regelmäßigen Stammtisch, eine gesellige Runde oder vielleicht doch um eine Arbeitsbesprechung handelt, ist nicht bekannt. Auffällig ist jedenfalls, dass mit Bürgermeister Adolf Kuster (1874-1946) und den Lehrern Eugen Steidlinger (1873-1939) und Alfred Zwingert (1880-1938) mehrere bekannte Persönlichkeiten des Städtchens vertreten sind. Auch ein uniformierter Mann sitzt mit am Tisch. Zu welcher Organisation er gehört, lässt sich auf dem Foto nicht sicher erkennen. Denkbar wäre etwa ein Beschäftigter der Reichsbahn.

Der Aufnahmeort bleibt also vorerst ein Rätsel. Dabei bietet die Wirtsstube zahlreiche Hinweise. Der untere Teil der Wände ist mit Holz vertäfelt, links steht ein aufwendig verzierter Kachelofen. An den Wänden hängen Reklametafeln für »Fürstenberg Bier« und »Stern-Brezel«, außerdem ein Werbeplakat des Löffinger Maschinenhändlers Christian Faller. Rechts ist ein Fahrplan der Reichsbahn angebracht. Ob die Aufnahme deshalb im Bahnhofslokal entsteht? Dagegen spricht, dass die Fenster nicht recht zu bekannten Ansichten des 1945 zerstörten Bahnhofsgebäudes passen.

Schade ist, dass auch die an der Wand befestigte Zeitung nicht besser zu erkennen ist. Wären Schlagzeilen oder Erscheinungsdatum lesbar, ließe sich die Aufnahme genau datieren. Adolf Kuster ist von 1920 bis 1933 Bürgermeister in Löffingen. Alfred Zwingert wird 1932 zum Oberlehrer in Bühlertal ernannt und verlässt das Städtchen. Das Foto muss also davor entstanden sein. Es bleibt nur die Einordnung zwischen 1925 und 1930 – und die Hoffnung, dass vielleicht jemand die Wirtsstube oder weitere Männer der Runde erkennt.

V.l.n.r.: 1 Lehrer Eugen Steidlinger (1873-1939), 2 ???, 3 ???, 4 ??? (verwackelt), 5 ???, 6 Lehrer Alfred Zwingert (1880-1938), 7 ???, 8 ???, 9 Bürgermeister Adolf Kuster (1874-1946), 10 ???

Standort des Fotografen: ???

5 Fotos: »Wieberfasnet« im Gasthaus »Linde«, Fasnacht 1962

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Für einen Abend verwandelt sich die Wirtsstube des Gasthauses »Linde« in ein Klassenzimmer. Sechs »Schülerinnen« haben auf einfachen Bänken Platz genommen und breiten ihre Hefte und Bücher vor sich aus. Dann betritt die »Lehrerin« den Raum – heute in Gestalt von Maria Hall. Die Klasse erhebt sich und der Unterricht kann beginnen.

Doch mit einer gewöhnlichen Schulstunde hat das Ganze natürlich wenig zu tun. Die Frauen führen einen Sketch bei der »Wieberfasnet« auf, die seit 1954 stattfindet und damit bereits zum neunten Mal gefeiert wird. Das Programm wird von Frauen für Frauen gestaltet. Der Mimik der Lehrerin nach zu urteilen, erweist sich ihre Klasse als ausgesprochen anstrengend: Mal scheinen die Schülerinnen begriffsstutzig, mal bringen sie ihre Lehrerin mit Fragen an den Rand des Nervenzusammenbruchs.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Marta Adrion, 2 Ursula Kopp, 3 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Margret Adrion, 2 Luise? Kienzler, 3 Olga Streit

Auch die Ausstattung der Wirtsstube fällt ins Auge. In der Ecke stehen ein großer Radioapparat und darüber ein Fernsehgerät. Radio und Fernsehen halten damit längst Einzug in die Gaststube – zu einer Zeit, in der noch keineswegs jeder Haushalt einen eigenen Fernseher besitzt. Bei besonderen Übertragungen kann das Gasthaus so zum gemeinschaftlichen Fernsehraum werden. Fußballspiele, Unterhaltungssendungen oder aktuelle Nachrichten lassen sich gemeinsam verfolgen. Ob auf diesem Bildschirm im Jahr zuvor etwa die Bilder vom Bau der Berliner Mauer zu sehen waren, wissen wir nicht – möglich wäre es jedenfalls.

Für die »Wieberfasnet« bleibt der Fernseher an diesem Abend jedoch dunkel. Das Unterhaltungsprogramm findet unmittelbar davor statt – und wird von den Frauen selbst bestritten.

Standort des Fotografen: 47.884277, 8.346539

2 Fotos: Stadtmusik in einem Gasthaus, ca. 1955-1960

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Hilde Adrion und Inge Maier zur Verfügung.

Die Instrumente sind beiseitegelegt, nun wird angestoßen. Musiker der Stadtmusik sitzen in ihren Uniformen an langen Tischen und stärken sich bei Bier und anderen Getränken. Die Gaststube ist holzvertäfelt. Gerahmte Bilder schmücken die Wände; eines zeigt eine Frau in Schwarzwaldtracht. Es handelt sich um Werbung der Brauerei Rothaus. Bierflaschen, Gläser und Aschenbecher stehen auf den Tischen.

Wo die Aufnahme entsteht, ist nicht bekannt. Vermutlich wird das Foto auswärts aufgenommen. Nach einem Auftritt stärken sich die Musiker noch einmal, bevor sie die Rückfahrt nach Hause antreten.

oberes Foto
1.Reihe, linke Tischseite, v.l.n.r.:
1 Adolf Heizmann (1909-1960), 2 Franz Rappenegger
2.Reihe, rechte Tischseite, v.l.n.r.: 1 Franz Faller (1916-1986), 2 August Limb (1884-1976), 3 Rupert Hepting (1905-1990), 4 Edmund Jordan (»Bartli«, 1907-1970), 5 Johann Maier, 6 Konrad Sibold, 7 Josef Hasenfratz (»Milli Sepp«), 8 Johann Beha (»de Fehri«)

unteres Foto
1.Reihe, linke Tischseite, v.l.n.r.: 1 August Limb (1884-1976), 2 Rupert Hepting (1905-1990), 3 Edmund Jordan (»Bartli«, 1907-1970), 4 Johann Maier, 5 Konrad Sibold
2.Reihe, rechte Tischseite, v.l.n.r.: 1 Ewald Hepting (1933-2010), 2 Walter Müller, 3 Hans Kaufmann (1930-2003), 4 Adolf Heizmann (1909-1960)

Standort des Fotografen: ???

Ursula Glunk mit Kuh im Maienland, 1986

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Ursula Glunk zur Verfügung.

Ursula Glunk führt eine junge Kuh über das Grundstück des elterlichen Anwesens in der Maienlandstraße. In der einen Hand hält sie den Strick, in der anderen einen Stock. Noch muss sich das Tier daran gewöhnen, ruhig neben einem Menschen herzugehen.

Diese Übung ist im bäuerlichen Alltag wichtig. Schließlich muss die Kuh später nicht nur auf die Weide oder zurück in den Stall geführt werden. Auch der Weg zum Farrenstall in der Bittengasse steht ihr bevor, wo der städtische Zuchtbulle untergebracht ist.

Im Hintergrund sind das Gasthaus »Pilgerhof« und benachbarte Häuser zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.886555, 8.342219

Jugendspieler des Fußballclub auf dem oberen Rathausplatz, 1993

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Dicht gedrängt stellen sich die Jugendspieler des Fußballclubs mit ihren Trainern auf dem oberen Rathausplatz zum Gruppenfoto auf. Statt Fußballtrikots tragen sie Freizeitkleidung. Sporttaschen sind keine zu sehen. Im Hintergrund steht das Gasthaus »Ochse«.

Offenbar geht es heute nicht auf den grünen Rasen, sondern auf Reisen. Die Jungen warten auf die Busse, die sie zu einer gemeinsamen Ausflugsfahrt abholen. Für viele gehört eine solche Unternehmung zu den Höhepunkten des Vereinsjahres: Gemeinsam unterwegs zu sein, stärkt den Zusammenhalt mindestens ebenso wie Training und Wettkampf. Wohin die Reise führt, ist leider nicht überliefert.

1.Reihe, hockend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Nils Frei, 4 ??? Ganter, 5 Torsten Zahn, 6 ???, 7 ???, 8 Konrad Krämer, 9 ???, 10 Fritz Autenrieth (Dittishausen)
2.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Thomas Pfaff, 3 ???, 4 Dominik Ikic, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 Daniel Egy, 9 Denis Leber, 10 Martin Lauble (Reiselfingen), 11 ???, 12 Bertil Weißenberger, 13 Volker Egy
3.Reihe, stehend, v.l.n.r.:

Standort des Fotografen: 47.883917, 8.344833

2 Fotos: Handharmonikaspielring im Gasthaus »Traube«, 1993

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Die Mitglieder des Handharmonikaspielrings sind zur Generalversammlung im Gasthaus »Traube« zusammengekommen. Nach der Sitzung stellt sich eine Gruppe für den Fotografen auf – vermutlich der Vorstand oder ein Teil der besonders aktiven Vereinsmitglieder. Man sitzt und steht dicht beieinander in der Gaststube, zwischen gedeckten Tischen und gemusterten Vorhängen. Im Hintergrund ist ein Zigarettenautomat zu erkennen.

Der Handharmonika-Spielring blickt inzwischen auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Bereits 1936 wurde in Löffingen erstmals ein Verein gegründet. Nach Krieg und finanziellen Schwierigkeiten kam es 1957 im Gasthaus »Hirschen« in Seppenhofen zur Wiedergründung als »Handharmonika-Spielring Löffingen, Seppenhofen und Reiselfingen«. Seit 1968 trägt der Verein den Namen »Handharmonika-Spielring Löffingen und Umgebung«.

1993 ist der Verein breit aufgestellt. Es gibt ein Konzertorchester, ein Seniorenorchester und ein Jugendorchester. Damit reicht das musikalische Leben von den älteren Spieler*innen bis zum Nachwuchs. Erster Vorsitzender des Vereins ist Heinrich Wider und Dirigent des Orchesters ist Egon Oschwald. Die beiden prägen den Verein seit Jahrzehnten und sind auch auf diesem Foto zu sehen.

Die Aufnahme erzählt weniger von einem großen Bühnenauftritt als vom Vereinsalltag: von Sitzungen, Wahlen, Probenarbeit und den vielen Menschen, die im Hintergrund Verantwortung übernehmen. Ohne solche Abende gäbe es keine Konzerte, keine Jugendarbeit und keinen Applaus des Publikums.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Marianne Brugger, 2 Bernadette Furtwängler, 3 ???, 4 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Erster Vorsitzender Heinrich Wider, 2 Achim Schropp, 3 Steffen Hofmann, 4 Franz Scholz, 5 ???, 6 Dirigent Egon Oschwald

Standort des Fotografen: Seppenhofen

Mailänder Tor, ca. 1972

Verlag C. Revellio KG, Villingen | Dieses Foto stellte dankenswerterweise Susanne Obergfell zur Verfügung.

An einem sonnigen Tag fällt der Blick aus der Unteren Hauptstraße auf das Mailänder Tor. Der Fotograf steht etwa auf Höhe des Hauses Geisinger (Untere Hauptstr. 4). Dort befindet sich der Friseursalon von Hermann Geisinger. Ein großes Werbeschild mit der Aufschrift »Damen – Salon – Herren« weist auf das Geschäft hin. Am Balkon darüber blühen Geranien, die zusammen mit dem hellen Sonnenschein das Straßenbild prägen.

Am benachbarten Gasthaus »Adler« (Untere Hauptstr. 2) sind gleich zwei Schilder zu sehen: das alte schmiedeeiserne Wirtshausschild, das weit über den Gehweg hinausragt, und darunter das moderne Schild der »Bezirkssparkasse«. Noch befindet sich die Bankfiliale im Erdgeschoss des Gasthauses.

Auf dem unteren Rathausplatz haben sich einige Passant*innen am Demetriusbrunnen versammelt. Man plaudert miteinander. Andere schlendern in Richtung Tordurchfahrt oder gehen zu ihren geparkten Autos. Der Platz wirkt belebt, beinahe wie eine kleine Flaniermeile. Zu sehen ist u.a. Cläre Grotz.

Das Mailänder Tor, das nach dem Großbrand von 1921 in seiner heutigen Form wiederaufgebaut wurde, präsentiert sich frisch renoviert. Die frisch gestrichene Fassaden, die roten Dachziegel und die blühenden Geranien an den Fenstern verleihen dem historischen Stadttor ein besonders gepflegtes Erscheinungsbild.

Standort des Fotografen: 47.883410, 8.343849

Mehrbildkarte von der Bahnhofgaststätte, ca. 1960

Sammlung Familie Waßmer

Eine Ansichtskarte zeigt die »Bahnhof-Gaststätte« im 1957 neu eingeweihten Bahnhofsgebäude. Der alte Bahnhof war bei einem Bombenangriff 1945 komplett zerstört worden. 12 Jahre diente eine Holzbaracke als provisorisches Bahnhofsgebäude, bis der Neubau fertiggestellt war.

Im Erdgeschoss befindet sich die Gaststätte, die wie die Mehrbildkarte zeigt, auch über ein »Nebenzimmer« verfügt. Die Einrichtung wirkt funktional und nüchtern. Die Tische sind mit karierten Wachstischdecken bedeckt, auf denen Aschenbecher bereitstehen. Schlichte Holzstühle stehen um die Tische herum. Einer der Tische ist mit einem blauen Punkt markiert. Eine weitere Markierung auf der Karte findet sich auf der Außenaufnahme des Bahnhofsgebäudes. Ein × im ersten Obergeschoss markiert eines der Gästezimmer.

Die Mehrbildkarte wird am 30. März 1963 von Löffingen ins thüringische Leimbach versendet. Adressiert ist sie an die Witwe Meta Noack. Ihr Bruder Paul schreibt: »Diese Karte ist wo ich wohne, Stammtisch wo der Punkt ist«. Frankiert ist die Ansichtskarte mit einer 15-Pfennig-Briefmarke aus der Bundespost-Serie »Bedeutende Deutsche«, die Martin Luther zeigt. Für eine Inlands-Postkarte der Bundesrepublik beträgt das Porto 15 Pfennig vom März 1963 bis März 1966 – auch im Postverkehr von der Bundesrepublik in die DDR, da sie nicht als Ausland anerkannt wird.

Die vierte Ansicht auf der Mehrbildkarte zeigt die Festhalle, aufgenommen vom Schulweg aus. Betitelt ist das Foto mit »Stadthalle und Museum«. Der Kindergarten ist noch nicht gebaut.

Standorte des Fotografen: 47.883496, 8.342212, 47.883413, 8.342429 und 47.883280, 8.346340

2 Fotos: Frauengruppe im Gasthaus »Linde«, Fasnacht 1986

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zu Verfügung.

In einer gemütlichen Ecke des Gasthauses »Linde« hat sich eine Gruppe Fasnachtsnärrinnen niedergelassen. Über dem Tisch hängen bunte Papierschlangen von der Deckenlampe herab, auf der weißen Tischdecke stehen Gläser und Flaschen. Offenbar ist man schon seit geraumer Zeit beisammen. Die Stimmung ist ausgelassen.

Die Kostüme fallen bunt und phantasievoll aus. Neben einer elegant gekleideten Dame mit Federboa und breitkrempigem Hut sitzen Pierrots mit weiß geschminkten Gesichtern und schwarz-weiß gepunkteten Kostümen. Eine Frau trägt einen Strohhut und ein grell gemustertes Hawaiihemd, eine andere ist wohl als Seeräuber verkleidet.

oberes Bild
V.l.n.r.:
1 Irmgard Modrinski, 2 Gudrun Hoßbach (verdeckt), 3 Rosmarie Stuber, 4 Rosel Eggert oder [Maria Hall?], 5 Ella Petelka, 6 Anette Ratzer, 7 Renate Meder, 8 Gertrud Geisinger, 9 Heidi Kromer, 10 Inari Boehm, 11 Agnes Beha

unteres Bild
V.l.n.r.:
1 Gudrun Hoßbach, 2 Rosmarie Stuber, 3 Rosel Eggert oder [Maria Hall?], 4 Ella Petelka, 5 Anette Ratzer, 6 Renate Meder, 7 Gertrud Geisinger, 8 Heidi Kromer, 9 Inari Boehm, 10 Irmgard Modrinski

Die Gaststube mit den gerahmten Bildern an den Wänden wirkt dabei fast wie ein verlängertes Wohnzimmer. Viele Gruppen ziehen an Fasnacht von Wirtschaft zu Wirtschaft. Doch irgendwann bleibt man dort hängen, wo die Stimmung am besten ist.

Standort des Fotografen: 47.884272, 8.346529

Nachtaufnahme vom Gasthaus »Adler«, ca. 1955-1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Das Nachtleben im Städtchen wirkt überschaubar. So viel steht fest. Frisch gefallener Schnee liegt auf dem unteren Rathausplatz, bedeckt die Fahrbahn und legt sich auch auf den 1954 neu errichteten Demetriusbrunnen. Offenbar sollte hier eine stimmungsvolle Nachtaufnahme entstehen – vielleicht mit winterlich-weihnachtlicher Atmosphäre. Doch das Foto wirkt anders als erwartet.

Vor allem Stille bestimmt die Szenerie. Nur eine einzelne Straßenlaterne beleuchtet den Platz und wirft ihr kaltes Licht auf Schnee und Hausfassaden. Die Untere Hauptstraße verliert sich in der Dunkelheit. Eine zweite Lichtquelle fehlt – kein erleuchtetes Fenster, kein warmer Schein aus einer Gaststube, nichts, was Behaglichkeit ausstrahlen könnte. Die Fenster des Gasthauses »Adler« (Untere Hauptstr. 2) sind genauso dunkel wie das Schaufenster der Sparkassenfiliale im Erdgeschoss. So präsentiert sich das Städtchen menschenleer und beinahe unwirklich.

Standort des Fotografen: 47.883867, 8.343753

Schlafender Narr im Gasthaus »Ochsen«, Fasnacht 1957

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Oh, da hat es wohl jemand etwas zu wild getrieben! Mitten im närrischen Treiben im Gasthaus »Ochsen« übermannt diesen jungen Mann die Müdigkeit. Den Kopf nach hinten gelegt, die Arme verschränkt, liegt er ausgestreckt auf einer Bank oder einem Sofa und schläft tief und fest. Die Krawatte sitzt schon locker, das Hemd ist verrutscht – die langen Stunden der Fasnacht haben sichtbar ihre Spuren hinterlassen.

Dass dabei vermutlich auch Alkohol im Spiel war, liegt nahe. Besonders amüsant ist allerdings die kleine Streichholzschachtel, die auf seiner Nase steckt. Ob er sie sich selbst aufgesetzt hat oder ob andere Narren sich einen Scherz mit dem friedlich Schlafenden erlaubt haben, bleibt offen. Während ringsum weiter gelacht, musiziert und gefeiert wird, gönnt sich dieser Narr mitten im Trubel einen kurzen Schlaf – wenn auch unfreiwillig zur allgemeinen Belustigung.

Standort des Fotografen: 47.883944, 8.345250