3 Fotos: Tanzstunde im Haus Adrion in der Alenbergstraße, ca. 1952

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Wenn Fritz Adrion (1897–1971) nicht als Gipsermeister auf Baustellen zugange ist, verwandelt er sein Zuhause in eine kleine Schule der feinen Lebensart. Im Haus der Familie Adrion (Alenbergstr. 21) gibt es einen Raum mit blank gescheuertem Dielenboden. Dort treffen sich an den Abenden der Woche Jugendliche – aufgeregt, herausgeputzt, ein wenig unsicher.

Fritz Adrion bringt ihnen nicht nur Walzer, Foxtrott und Tango bei. Mindestens ebenso wichtig ist ihm, wie man sich als junge Dame oder junger Herr der frühen 50er Jahre zu benehmen hat. Teil der Tanzstunde ist auch Anstandsunterricht. Der Krieg ist erst wenige Jahre vorbei, das Land ist nach all dem nationalsozialistischen Heldenlärm auf der Suche nach anderen Idealen. Die »Halbstarken«, die ein paar Jahre später Furore machen werden, sind noch weitgehend Zukunftsmusik. Die Jugendlichen von 1952 bekommen noch gute Manieren, gepflegte Kleidung und respektvolles Auftreten eingeimpft.

Zur Musik aus dem Grammophon – manchmal auch live zu Musikinstrumenten – drehen die Paare ihre ersten vorsichtigen Runden. Der Höhepunkt jedes Kurses ist das festliche Tanzkränzchen. Dann erscheinen alle in ihrem besten Sonntagsstaat, und die Nervosität steigt. Es wird getanzt, gelacht – und für die Ewigkeit posiert. Die Gruppe rückt zusammen, die Mädchen in Kleidern, die Jungen im Jackett, und für einen Augenblick scheint die Welt der Erwachsenen ganz nah.

erstes Bild
1.Reihe, v.l.n.r.:
1 ???, 2 ???
2.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???
3.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???, 11 ???, 12 ???, 13 ???, 14 ???

zweites Bild
1.Reihe, v.l.n.r.:
1 ???, 2 ???, 3 ???
2.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???
3.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???, 11 ???, 12 ???, 13 ???

drittes Bild
1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???
2.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???
3.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???, 11 ???, 12 ???

Standort des Fotografen: 47.886388, 8.342925

3 Fotos: »Laternenbrüder« und Narrenpolizist, Fasnacht 1957

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Heike Soldan-Bölle und Rita Willmann zur Verfügung.

Sechs »Laternenbrüder« sitzen gemütlich um einen Tisch. Der Narrenvater Josef Heiler, der von 1950 bis 1958 amtiert, fehlt in der Runde. Alle tragen ihre blauen Fuhrmannskittel und die typischen schwarzen Rundhüte – das traditionelle Gewand des Narrenrates. Die Männer lehnen sich vor, tauschen Blicke und Kommentare aus und scheinen angeregt in der frisch erschienenen Narrenzeitung zu blättern. Auf dem Tisch stehen Bierflaschen, Gläser und ein Aschenbecher, und mittendrin thront das wichtigste Symbol der Runde: die Laterne.

Sie erinnert an die Entstehung der »Laternenbrüder«. Bereits im Vormärz gab es einen solchen Verein, der aber aufgelöst wurde. Als 1886 in Löffingen ein Fastnachtsspiel aufgeführt wurde, blieb am Ende genau ein einziger Pfennig Überschuss. Dieser Pfennig wurde in eine Laterne gesteckt und damit zum Grundkapital des 1889 wiedergegründeten Narrenrates. Seither gehört die Laterne zu jeder Sitzung dazu.

Rechts steht Narrenpolizist Fritz Göpper (1900-?), mit einem Notizblock in der Hand. Ob er die Namen der »Laternenbrüder« notiert, weil sie sich nicht an die närrische »Polizeisperre« gehalten haben? Oder weil sie ohne den Narrenvater zu einer konspirativen Sitzung zusammengekommen sind?

V.l.n.r.: 1 Edmund Laufer (1922-1990), 2 Julius Limb (1883-1968), 3 Hermann Geisinger (1926-1989), 4 Hans Strobel (1913-1964), 5 Karl Koch (1910-?), 6 Karl Guth

Standort des Fotografen: ???

2 Fotos: Klassentreffen des Jahrgangs 1913/14, 1953

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Marietta und Robert Rosenstiel zur Verfügung.

Die Angehörigen des Jahrgangs 1913/14 sind zu einem Klassentreffen zusammengekommen. Ob sie sich in einem Gasthaus (vielleicht in der »Linde«?) oder in einer Privatwohnung versammeln, lässt sich auf dem Foto nicht eindeutig erkennen. Rund 40 Jahre alt sind sie nun – die gemeinsame Schulzeit liegt schon weit zurück.

Mit dabei ist auch Heinrich (»Henner«) Jäger. Er liegt, in eine karierte Decke gehüllt, in seinem Rollstuhl. Seit einer schweren Rheuma-Erkrankung im Jahr 1933 ist er auf Unterstützung angewiesen. Dass seine ehemaligen Klassenkamerad*innen ihm die Teilnahme am Klassentreffen ermöglichen, verleiht dem Treffen eine besondere Note – obwohl es nicht besonders sein sollte: Ein Stück gelebte Inklusion, lange bevor der Begriff üblich wurde. Die fröhliche Stimmung und das enge Beisammensein der Gruppe spiegeln die Verbundenheit wider, die trotz der vielen Jahre geblieben ist.

1.Reihe, sitzend/liegend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 [Karl Rosenstiel?], 3 ???, 4 Heinrich (»Henner«) Jäger (1913-1978), 5 Johanna Ganter (verh. Rebholz, 1913-2003)
2.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Hans Strobel (1913-1964), 4 ???, 5 ???, 6 Willy Butsch (1913-1991), 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???, 11 Josef Benz (»Diesebeppi«, 1914-1962), 12 Karl Müller (1913-1971)

Zum Jahrgang gehören u.a.: Alfons Benz (1913-1985, Seppenhofen), Hildegard Benz (geb. Wiegele, 1914-2006), Emma Binder (geb. Limb, 1913-2005), Anna Frei (geb. Dreher, 1914-1991, Seppenhofen), Annemarie Fürstenwerth, Franz Schlatter (1914-1994, Seppenhofen), Hilda Schulz (geb. Schultheiß)

Standort des Fotografen: ???

4 Fotos: Eierlaufen der Kinder in der Kirchstraße, Fasnacht 1958

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Der »Fasnet Zieschdig« gehört traditionell den kleinen Närrinnen und Narren. Nachdem der Kinderumzug vorüber ist, verlagert sich das Geschehen in die Kirchstraße, wo die »Laternenbrüder« eine Reihe von Spielen organisieren. Besonders beliebt: das Eierlaufen. Zwischen dicht gedrängten Zuschauer*innen treten die Kinder an, viele von ihnen kostümiert – mal im Wintermantel, mal als Pilz, »Chinesin« oder Cowboy. Die »Laternenbrüder« achten darauf, dass die Absperrung hält und niemand auf die Fahrbahn drängt. Schließlich brauchen die Eierläufer*innen genügend Raum, um ihre fragile Fracht zu balancieren.

Mit angespannter Miene und fester Hand starten die Teilnehmenden. Jeder Schritt muss sitzen. Der Blick bleibt auf den Löffel geheftet, auf dem ein Ei liegt, das bei der geringsten Unachtsamkeit davonrollen und runterfallen würde. Die hölzerne Fasnachtsbühne bleibt ungenutzt – vielleicht auch, weil Schneematsch liegt und die Fahrbahn der Straße weniger rutschig ist. Die Bilderserie fängt die Dynamik des Moments ein: Konzentration, Gelächter und das angespannte Mitfiebern des Publikums.

erstes Bild: Narrenräte Josef Guth und Karl Guth; eierlaufende Kinder, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Anni Jordan, 3 Hedwig Geisinger, 4 ???

zweites Bild: eierlaufende Kinder, v.l.n.r.: 1 Bärbel Benz, 2 Gretel Jordan, 3 Angela Reichenbach, 4 Rosmarie Hauser; Zuschauer*innen, v.l.n.r.: Monika (?) Bader, Gerda Kuttruff (verh. Müller), Rosmarie Guth, Luzia Bader, Wolfgang Schmidt, Herbert van Dungen

drittes Bild: eierlaufende Kinder, v.l.n.r.:1 Barbara (?) Gwinner; Narrenräte Karl Guth und Hans Strobel

viertes Bild: eierlaufende Kinderm v.l.n.r.: 1 Ursula Schelling, 2 ???, 3 ???, 4 Hildegard Hepting; Zuschauer*innen, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Gottfried Hermann

Standort des Fotografen: 47.882945, 8.344387

3 Fotos: Sackhüpfen von »Laternenbrüdern« und Kindern in der Kirchstraße, Fasnacht 1958

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

In der Kirchstraße herrscht ausgelassene Stimmung. Der Schnee und das nasskalte Schmuddelwetter scheinen niemanden zu stören: Zu groß ist der Spaß, den das Sackhüpfen verspricht. Eine gepflasterte Rinne dient als Ziellinie – mehr braucht es nicht, um Kinder und Erwachsene gleichermaßen in Bewegung zu bringen.

Zunächst starten die »Laternenbrüder«. Mit breitem Grinsen und unter großem Jubel der Umstehenden steigen sie in die groben Jutensäcke. Einige wirken erstaunlich gelenkig, andere weniger – doch gerade das sorgt für Lacher in der ganzen Straße. Die Kinder feuern die Erwachsenen begeistert an und versuchen, ihnen nach dem Zieleinlauf die Säcke abzunehmen.

Denn dann sind die Kinder an der Reihe, sie springen los, wild entschlossen, als Erste ins Ziel zu hüpfen. Ihre Bewegungen verschwimmen auf den Aufnahmen – ein Zeichen dafür, wie rasant es zugeht. Zwischen ihnen stehen Zuschauer*innen dicht gedrängt, manche unter Regenschirmen. An der Ziellinie steht ein Narrenpolizist, der den Wettkampf überwacht.

erstes Bild: »Laternenbrüder«: Josef Guth, ???, Hans Müller, Karl Guth, ???, Karl Koch, Hans Strobel; zuschauende Kinder: Werner Adrion, Rolf Imbery, Barbara? Gwinner, Anni Jordan, Hedwig Geisinger, Wolfgang Schmidt; zuschauende Erwachsene: Paula Müller, Hilde Keller und Ernst Keller, Ernst Heiler und ??? Heiler, Elise Göpper

zweites Bild: sackhüpfende Kinder: Rita Rappenegger; zuschauende Kinder: Ursula Schelling, Wolfgang Schmidt, Marlies Schreiber, Lucia Bader, Irmentrude Eggert, Monika Frey, Edeltraud Armbruster, ??? Münzer, Annemarie Vogt

drittes Bild: Narrenpolizist Fritz Göpper

Standort des Fotografen: 47.882957, 8.344426

2 Fotos: Umzugswagen in der Rötengasse, Fasnacht 1957

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfgung.

Durch die Rötengasse rollt ein festlich geschmückter Umzugswagen, der in Form eines Schiffes gestaltet ist: Aufgebaut ist ein simpler Boots­körper aus Holz, vorne ein angedeuteter Bug, dahinter ein Segelmast mit weißem Segel. Über den Wagen hinweg sind Girlanden aus Papierblumen gespannt, die im Wind flattern.

Auf dem »Schiff« steht eine Gruppe Närrinnen und Narren – junge Frauen und Männer. Einige tragen sichtbar das kleine Schild um den Hals, das sie als »20-Jährige« ausweist. Doch offenbar sind nicht alle Teil des Jahrgangs: Man erkennt auch jüngere Kinder, die wohl als Verstärkung mitfahren. Kostümiert sind sie als »Spanierinnen« und »Spanier« – mit weiten Röcken, gestickten Westen, Tüchern und Sombreros, einige mit Tamburin oder Kastagnetten in der Hand. Einzelne scheinen zu singen oder zu rufen, was darauf hindeutet, dass Musik und Stimmung eine zentrale Rolle spielen. Es ist »Fasnet-Mändig«, der Höhepunkt der närrischen Tage, an dem der große Umzug durch die Straßen zieht. Die Sonne scheint von einem ungewöhnlich klaren Winterhimmel – ein seltener Glücksfall an Fasnacht.

zweites Bild
V.l.n.r.:
1 ???, 2 Edmund Kaltenbrunner, 3 Franz Schweizer (1938-1915), 4 Heinz Egle (verdeckt), 5 Irma Benz (verh. Fritsche), 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???

Auf der Fasnachtsbühne in der Kirchstraße werden die 20-Jährigen später einen Stierkampf aufführen. Aber keine Sorge! Der Stier ist nicht echt…

Standort des Fotografen: 47.885203, 8.341670

Musikkapelle im Gasthaus »Löwe«, Fasnacht 1957

Dieses Foto stellte dankenwerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Wenn an Fasnacht in den Gasthäusern gefeiert wird, darf Livemusik nicht fehlen. Im Gasthaus »Löwe« spielt heute diese Musikkapelle auf.

Auf der kleinen Bühne sitzen drei Musiker mit ihren Instrumenten – eine Posaune und ein Saxophon sind zu sehen. Neben ihnen steht ein Schlagzeug, an dem wohl der vierte Musiker spielt, der auf dem Foto fehlt. Zwischen Notenständern und Bierflaschen herrscht ausgelassene Stimmung. Zwei Frauen haben sich zu den Musikern auf die Bühne gesetzt; eine von ihnen trägt ein auffälliges weißes Kleid mit aufgemalten Noten und einem Violinschlüssel – ganz im Zeichen der Musik. Ihr Lächeln und die lockere Haltung der Gruppe zeigen, dass hier nicht nur musiziert, sondern auch gefeiert wird.

V.l.n.r.: 1 Waldemar Zepf (1937-2024), 2 ???, 3 Lothar Zepf, 4 ???, 5 [Werner Zepf]

Standort des Fotografen: 47.883830, 8.345087

Närrisches Treiben im Gasthaus »Gebert«, Fasnacht 1956

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Lydia Zepf zur Verfügung.

Eng ist es in der Wirtsstube des Gasthauses »Gebert« (Obere Hauptstr. 9), wo sich Närrinnen und Narren dicht an dicht drängen. Einige stehen, andere sitzen auf Stühlen und Bänken, alle lachen, reden durcheinander, singen oder schunkeln zur Musik. Die niedrige Decke ist mit Girlanden geschmückt, zwischen den Holzbalken hängen Lampen, die warmes Licht über die fröhliche Gesellschaft werfen. Es ist Fasnacht – und im »Gebert« herrschen Ausgelassenheit und Lebensfreude. Mehrere Mitglieder der Hexengruppe sind auf dem Foto zu sehen.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Fritz Egle (1929-2017), 2 Florian Wendelgass (1929-?), 3 Ruth Malenk (verh. Wendelgass)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Alfred Fehrenbach, 2 Eugen Zimmermann, 3 Dietmar Münzer?, 4 Bruno Schwanz, 5 Dieter Gauger, 6 Ferdinand Schultheiß (halb verdeckt)
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Gottfried Vogelbacher (1933-2008), 2 Albin Zepf (1934-2009), 3 ???, 4 Anselm Heiler, 5 Walter Müller, 6 Paula Müller, 7 Alfons Schlenker, 8 Otto Schwanz

Standort des Fotografen: 47.884495, 8.346634

Sechs Närrinnen beim »Bunten Abend«, Fasnacht 1954

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Am 21. Februar 1954 findet in der Festhalle der traditionelle »Bunte Abend« des Turnerbunds statt – ein Höhepunkt der Löffinger Fasnacht. Auf der Bühne reiht sich ein Programmpunkt an den nächsten: Sketche, Musik, Tanz, Parodie. Mitten drin: diese sechs Närrinnen in karierter Kleidung (halblange Hosen und Blusen), schwarzen Westen und weißen Gymnastikschuhen, die eine Art Revuetanz aufführen. Im Gleichschritt heben sie die Beine, lachen ins Publikum, und der Applaus ist ihnen sicher.

V.l.n.r.: 1 Irma Hasenfratz (geb. Zepf), 2 ???, 3 Hanni Sibold (verh. Thoma, geb. 1930), 4 Margareta Senn (geb. Zepf, 1932-2021), 5 ???, 6 Friedel Sibold (verh. Bölle)

Standort des Fotografen: 47.882871, 8.347787

Fünf Mädchen auf der Treppe beim Gasthaus »Pilgerhof«, ca. 1958

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Christa Strobel zur Verfügung.

Neben dem Gasthaus »Pilgerhof« in der Maienlandstraße zieht sich eine lange Treppe hinauf zum Alenberg. Über grobe Steinstufen und einfache Holzstufen führt der Weg nach oben. Doch an diesem Sommertag interessiert die fünf Mädchen weniger der Aufstieg – sie haben es sich auf den unteren Stufen gemütlich gemacht.

In ihren Kleidern und Schürzen, mit geflochtenen Zöpfen und weißen Söckchen strahlen sie in die Kamera. Manche lachen verschmitzt, andere schauen ein wenig ernster. Sie alle sind Nachbarskinder, spielen Tag für Tag miteinander und haben ein gemeinsames Ritual: Sie erwarten eine Kurgästin, die jedes Jahr ihren Urlaub in Löffingen verbringt und im »Pilgerhof« logiert. Die Mädchen haben die Dame längst ins Herz geschlossen – und wenn sie anreist, gibt es immer ein großes Hallo beim Wiedersehen!

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Elvira Heizmann (geb. 1953), 2 Erika Geisinger (geb. 1951), 3 Hedwig Trenkle (geb. 1953)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Anni Kühn (verh. Hauger, geb. 1952), 2 Christa Rogg (verh. Strobel, geb. 1952)

Standort des Fotografen: 47.886768, 8.341758

Drei Närrinnen auf der Festhallenbühne, Fasnacht 1953

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Die drei jungen Frauen auf der Bühne der Festhalle zeigen, wie viel Kreativität in der Fasnacht steckt. In aufwändigen Kleidern, die an höfische Mode des 18. Jahrhunderts erinnern, präsentieren sie sich dem Publikum. Die mittlere Närrin trägt sogar eine hohe Perücke, geschmückt mit Federn und Blüten, während ihr bodenlanges Kleid wie ein barockes Festgewand wirkt. Die beiden Frauen links und rechts daneben flankieren sie in weißen Kleidern mit bauschigen Überwürfen und schwarzen Lackschuhen.

Es ist Fasnacht 1953, und die Stimmung in der Festhalle ist ausgelassen. Auf der Bühne wird die »Große Preis-Narren-Modenschau« ausgerufen – eine Schau, die nicht nur das Auge erfreut, sondern auch prämiert wird. Man erkennt, dass viel Arbeit, Phantasie und Stolz in die Kostüme geflossen ist.

V.l.n.r.: 1 Alice Faller (verh. Schilling), 2 Anita Gaede (verh. Hoitz), 3 Angela Meßmer (verh. Hölderle, geb. 1934)

Standort des Fotografen: 47.882923, 8.347825

Umzug zur Stadterhebung in der Bahnhofstraße, 27. Mai 1951

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Bernhard Adrion zur Verfügung.

Leider herrscht nasskaltes Schmuddelwetter, als die Einwohner*innen Löffingens die Wiederverleihung der Stadtrechte feiern. Der große Festumzug anlässlich der Stadterhebung bewegt sich durch die Bahnhofstraße – und mittendrin rumpelt eine Postkutsche hinter einem Vierspänner über die aufgeweichte Fahrbahn. Die Pferde stapfen durch Pfützen, die Räder spritzen Schlamm, aber das historische Bild ist eindrucksvoll: Die Postkutsche erinnert an eine ganz besondere Episode in der Geschichte der Stadt – den sogenannten »Waldprozess«.

Im offiziellen Programm trägt der Wagen die Nummer 20. Dort heißt es: »1753 – Postwagen fährt zum Waldprozess nach Wien«. Gemeint ist der jahrelange Rechtsstreit, den die Stadt Löffingen im 18. Jahrhundert führte, um ihre Waldrechte zu verteidigen. Seit Jahrhunderten war der Besitz des Stadtwaldes für die Bürger überlebenswichtig – er lieferte Bauholz, Brennholz und Weiderechte. Doch diese Rechte wurden immer wieder in Frage gestellt, sodass die Stadt gezwungen war, bis vor die höchste Instanz nach Wien zu ziehen. 1753 reiste tatsächlich eine Abordnung aus Löffingen mit der Postkutsche in die kaiserliche Residenzstadt, um ihre Ansprüche geltend zu machen. Der Prozess zog sich über Jahrzehnte hin und kostete enorme Summen, brachte am Ende aber Klarheit: Die Waldrechte blieben in Löffinger Hand.

Vor der Postkutsche fährt ein weiterer Wagen mit der Aufschrift »1750 – Geigenbau in Rötenbach« und erinnert daran, dass auch das benachbarte Dorf auf eine lange Handwerkstradition zurückblickt.

Im Hintergrund des Fotos ist rechts das Haus Fehrenbach zu sehen, das der Kriegerwitwe Frieda Fehrenbach (geb. Blattert, 1911-2003) gehört. Das Haus hinten links, das zum Weberweg gehört, ist mit Reisiggirlanden geschmückt. Es ist das Anwesen von Franz Vogelbacher und seiner Ehefrau Berta Vogelbacher (geb. Hoch).

Standort des Fotografen: 47.884056, 8.341833