Blick in die Kirchstraße, 1930

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Ulrike Rheiner zur Verfügung.

Neu erbaut sind die drei Häuser auf der rechten Straßenseite. Sie waren allesamt beim Großbrand am 20. April 1929 abgebrannt. Das Feuer war im Anwesen von Sattlermeister Ernst Geisinger (Kichstr. 21) ausgebrochen und hatte auf die Nachbarhäuser übergegriffen. Beim Wiederaufbau erstand die Stadtgemeinde einen Teil des Brandplatzes, um eine breitere Zufahrt zum Farrenstall in der Bittengasse zu ermöglichen.

Vorne rechts steht das Haus von Ernst Geisinger, an dessen Fassade »Möbelhandlung«, »Sattlerei und Tapezier.« geschrieben steht. Wie auch die anderen Neubauten hat es Staffelgiebel, um eine erneute Brandkatastrophe zu verhindern. Ernst Geisinger (1876-1930) stirbt am 13. März 1930 kurz nach dem Weideraufbau im Alter von nur 54 Jahren. Das Gebäude wird daraufhin von Sattlermeister Karl Koch erworben, der das Erdgeschoss umbaut und den Ökononmiebereich entfernt. Die Stalltür und die beiden kleinen Stallfenster werden durch ein weiteres Rundbogenfenster ersetzt.

Im Hintergrund rechts ist der Rohbau der Festhalle zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.883022, 8.344050

Hexenbrunnen in der Kirchstraße, ca. 1988

Werner-Verlag, Überlingen
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Die Kirchstraße hat sich herausgeputzt. Im Zuge der Stadtsanierung wurde sie neu gestaltet, ein Teil der Fahrbahn wurde wieder mit Kopfsteinpflaster versehen, andere Abschnitte wurden frisch geteert. Auch neue, aber historisch anmutende Straßenlaternen wurden aufgestellt, um ein bisschen Altstadt-Flair in die frührere Hafnergasse zu zaubern. Die Häuser mit den Staffelgiebeln und die Hexe auf dem 1975 errrichteten Hexenbrunnen tun ihr übriges, dass das Bild ein echtes Postkartenmotiv wird.

Das Haus von Adolf Sibold (Kirchstr. 19) wurde nach dem Brand 1982 neu errichtet. Im Erdgeschoss befindet sich eine Filiale des Drogeriemarkts »Schlecker«. Im Haus Stephanie (Kirchstr. 21) hat ein italienisches Eiscafé eröffnet. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel könnte man glatt denken, man sei auf einer italienischen Piazza.

Standort des Fotografen: 47.882974, 8.344186

Bombenschaden am Haus Laufer, Februar 1945

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Beate und Franz Hofmeier zur Verfügung.

Nicht nur der Farrenstall in der Bittengasse ging bei den Fliegerangriffen am 22. Februar 1945 in Flammen auf, auch die angrenzenden Häuser in der Kirchstraße wurden teilweise schwer beschädigt. Auf dem Foto ist die Rückseite des Hauses von Landwirt Johann Laufer und dessen Ehefrau Antonie geb. Schmidt (Kirchstr. 17) zu sehen. Das Dach ist abgedeckt. Die Fensterscheiben sind zu Bruch gegangen oder ganz aus dem Rahmen gedrückt worden. Im 1. Stock sind die Jalousien heruntergelassen, um die Glasscheiben zu schützen.

Standort des Fotografen: 47.883060, 8.345171

Kirchstraße mit Hexenbrunnen bei starkem Schneefall, ca. 1988-1992

Sammlung Familie Waßmer

»Löffingen, vor dem Klimawandel«, werden vielleicht nachfolgende Generationen beim Betrachten dieses Fotos denken, das Ende der 1980er Jahre aufgenommen wurde. Starker Schneefall verwandelt die Kirchstraße in eine Märchenlandschaft. Auch die Hexe auf dem Hexenbrunnen wird mehr und mehr zugeschneit.

Die – noch kleinen – Bäume in der Straße zeigen an, dass das Foto relativ kurze Zeit nach der Sanierung der Kirchstraße entstanden ist. Am linken Bildrand ist außerdem das Haus Freund zu sehen, bevor es 1992 grundlegend saniert und umgebaut wird.

Standort des Fotografen: 47.882990, 8.344207

Lagertor der Raiffeisen-Zentralgenossenschaft in der Kirchstraße, 1989

Stadtarchiv

Im Haus Laufer in der Kirchstraße hatte die Raiffeisen-Zentralgenossenschaft ihren Sitz. Im Erdgeschoss befanden sich die Lagerräume der landwirtschaftlichen Produkte. Durch die Öffnung konnten die Waren direkt auf die Fahrzeuge der Landwirte verladen werden.

Die Raiffeisen-Zentralgenossenschaft war die Nachfolgeorganisation der Badischen landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft. Gegründet wurde sie als genossenschaftliche Selbsthilfeorganisation der badischen Landwirte.

Standort des Fotografen: 47.883272, 8.344903

Rückseite vom Haus Laufer in der Bittengasse, 1973

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Brigitte und Günter Leber zur Verfügung.

Anfang der 1970er Jahre gab es im Städtchen noch ein paar Landwirtschaften. Die Häuser der Kirchstraße hatten ihre Misthaufen teilweise rückseitig in der Bittengasse, wie auf diesem Foto zu sehen ist. Dieser Misthaufen gehörte zum landwirtschaftlichen Anwesen von Adolf Sibold, das 1982 abbrannte.

Das Haus mit dem Blumenschmuck an den Fenstern im zweiten Stockwerk gehörte Bürgermeister Edmund Laufer, der von 1965 bis 1975 amtierte und aus gesundheitlichen Gründen auf eine erneute Kandidatur verzichtete.

Standort des Fotografen: 47.883012, 8.345058

Blick in die Kirchstraße, 1973

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Brigitte und Günter Leber zur Verfügung.

Bei diesem Blick in die Kirchstraße stehen die Häuser im Vordergrund, die beim Großbrand 1929 abbrannten und dann neu mit Staffelgiebeln wiederaufgebaut wurden. Das Haus von Landwirt Adolf Sibold (Kirchstraße 19) mit seiner rötlichen Fassade brannte knappe zehn Jahre nach dem Entstehen dieser Farbfotografie erneut ab.

Im Hintergrund sind das Haus Walz mit dem Ladengeschäft, die Bäckerei Zahn und das Haus Schelling zu erkennen. Beim Haus Schelling wird gerade der Ökonomieteil umgebaut und ein Garagentor eingesetzt. Einige Jahre später wird es seinerseits durch das »Postbögle« ersetzt, um einen Durchgang von der Kirchstraße in die Bittengasse und in Richtung Postamt und Schule zu ermöglichen.

Standort des Fotografen: 47.883068, 8.344496

Anton Bader, ca. 1900

Dieses Foto stelle uns dankenswerterweise Walter Nägele zur Verfügung.

Der Landwirt Anton Bader (1832-1906), genannt »Diesebuur«, wurde am 8. Oktober 1832 geboren. Er wurde nach seinem Vater benannt, dem Bürger und Landwirt Anton Bader. Seine Mutter hieß Ursula geb. Selb. Der 31-Jährige heiratete 1864 Maria Anna geb. Benz (1835-1900), die Tochter des Sattlers Demeter Benz. Das Ehepaar bekam acht Kinder, von denen zwei im Säuglingsalter starben. Die Familie Bader lebte im Haus Kirchstr. 17. Der »Diese« starb am 7. November 1906 im Alter von 74 Jahren.

Rückseite der Häuser Sibold und Laufer, ca. 1974

Stadtarchiv

Bei den Häusern in der Kirchstraße, die den äußeren Altstadtring bilden, verläuft die Straße im Innern direkt vor ihren Hausmauern. Auf der Rückseite ihrer Anwesen in der Bittengasse verfügen sie stattdessen jeweils über ein Grundstück zur Straße hin.

Der Landwirt Adolf Sibold nutzte diese Hoffläche für seinen Landwirtschaftsbetrieb. An der rechten Begrenzung seines Grundstücks ist ein Misthaufen zu erkennen. Seine Nachbarn Laufer und Walz errichteten auf ihrer Hoffläche einstöckige Anbauten, die sie als Werkstätte, Garagen, Lagerräume und Terrassen nutzten. Durch die Vorbauten ist kaum noch vorstellbar, dass die Außenfront dieser Häuser früher die Stadtmauer bildeten.

Das Foto wurde vom Farrenstall aus aufgenommen, dessen Dach am rechten Rand in das Foto hineinragt.

Standort des Fotografen: 47.882901, 8.344986

Kühe am Brunnen in der Kirchstraße, 13. September 1936

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Anita Stephani zur Verfügung.

Der alte Steinbrunnen in der Hafnergasse (heute Kirchstraße) diente viele Jahre als Viehtränke, zu der die Tiere aus den nahe gelegenen Ställen getrieben wurden. Heute gibt es in der gesamten Straße keine einzige Landwirtschaft mehr. 1936 war dies noch ganz anders. Allein auf dem Foto sind links die landwirtschaftlichen Anwesen von Josef Heiler II, von Schmiedemeister Hermann Brunner, von Theodor Hasenfratz und Franz Zepf zu sehen. Auf der rechten Straßenseite wurden Landwirtschaften nicht nur vom Landwirt Johann Laufer  betrieben, sondern auch von Wagnermeister Adolf Schelling, von Bäckermeister Jakob Zahn und von Kaufmann Theodor Walz. Auch sie hatten neben ihrem eigentlichen Handwerks- oder Kaufmannsberuf kleinere Landwirtschaften.  

Standort des Fotografen: 47.883147, 8.344704

Oberer Brunnen in der Kirchstraße, ca. 1938-1945

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rudolf Heiler zur Verfügung.

Links im Bild steht der Landwirt Josef Heiler II (1910-?) vor seinem Haus. Er hat seine Kühe wie üblich aus dem Stall gelassen, damit sie am oberen Brunnen in der Hafnergasse trinken. Sein Sohn steht sichernd im Vordergrund, damit die Tiere nicht weglaufen. Der Platz rund um den Brunnen, der heutzutage im Stettholz steht, ist gepflastert, aber die Straße und die Hoffläche bestehen aus gestampfter Erde. Auffallend am Haus Heiler ist das steile hohe Dach mit breitem Dachüberstand. Nebenan sieht man das Haus Schlenker und das Haus Fehrenbach mit Ökonomie und Wohnhaus mit höher aufragendem Dach.

Standort des Fotografen: 47.883177, 8.344727

Haus Laufer in der Kirchstraße, ca. 1989

Stadtarchiv

Zwischen dem Eisenwarengeschäft Walz und dem Drogeriemarkt »Schlecker« steht das Haus Laufer (Kirchstr. 17). Es wurde nach dem Großbrand 1929 in der Hafnergasse erbaut. Im Feuerversicherungsbuch von 1932 wird es als zweistöckiges Wohnhaus und Ökonomiegebäude mit Ladenlokal und Magazin beschrieben. 

Standort des Fotografen: 47.883211, 8.344717