Umzugswagen »Rosenkorb« in der Maienlandstraße zur Stadterhebung, 27. Mai 1951

Foto Leofa, Neustadt | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Der Festzug eilt durch die regennasse Maienlandstraße. Regenschirme sind aufgespannt, die Straße glänzt vom Regen – ausgerechnet an diesem besonderen Tag spielt das Wetter nicht mit. Löffingen feiert die Wiedererlangung seiner Stadtrechte, doch die Feierlichkeiten fallen im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Vor dem Haus Honold (Maienlandstr. 2) zieht der Festwagen »Rosenkorb« vorbei. Von hinten ist vor allem die große Fahne mit dem Löffinger Wappen zu sehen. Auf dem von einem kräftigen Pferd gezogenen Wagen türmt sich ein gewaltiger Berg aus Rosen. Die Blüten sind allerdings nicht echt: Fritz Adrion sen. (1897-1971) und Rosa Adrion (geb. Berger, 1898-1973), und ihre Familie haben sie in mühevoller Arbeit aus Papier gefertigt.

Auch das Haus Honold (Maienlandstr. 2) ist für den Festtag geschmückt. Eine Reisiggirlande hängt an der Fassade, daneben weht die badische Fahne in Gelb-Rot-Gelb. Baden-Württemberg gibt es noch nicht: Löffingen gehört 1951 zum Land Baden. Am 9. Dezember 1951 folgt die Volksabstimmung über die Bildung eines »Südweststaates«. Im folgenden Jahr schließen sich Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern dann zum neuen Land Baden-Württemberg zusammen.

Hinter dem »Rosenkorb« folgt die Stadtmusik. Die Musiker scheinen angesichts des Dauerregens weniger um ihre Uniformen als um ihre Instrumente besorgt zu sein. Statt gemächlich zu paradieren, wird an diesem nasskalten Maitag eher zügig marschiert.

Standort des Fotografen: 47.884323, 8.343460

4 Fotos: Umzugswagen »Santa Maria« in der Bahnhofstraße, Fasnacht 1961

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Helga Küßner und Christa Egle zur Verfügung.

Mit voller Kraft voraus steuert die »Santa Maria« durch die Bahnhofstraße. Der Umzugswagen des Fußballclubs ist als Dampfschiff gestaltet, mit Bullaugen, Anker, Schornstein, Mast und bunten Wimpeln. Gezogen wird das Narrenschiff von einem Traktor, an dessen Steuer Franz Isele (1933-2014) sitzt. Neben dem Wagen läuft »Kapitän« Hans Müller (1926-2014) und navigiert seine ungewöhnliche Besatzung durch das Städtchen.

An Bord sind u.a. zu sehen: Ernst Wehrle (»Wehrli Schniider«), Erich Adrion (»Drilli«, 1926-2001), Anton Maier, Bruno Schwanz, Erich Riedlinger (1936-1997), Hans Küßner (1937-2020), Emil Kopp (1932-2022)

An Bord herrscht ausgelassene Stimmung. Einige der Fußballer haben sich als Frauen verkleidet, andere geben mit breitkrempigen Hüten und dunklen Bärten finstere Seemänner oder Piraten. Gleich zwei Akkordeons sorgen für die passende musikalische Begleitung. Welche Lieder erklingen, wissen wir nicht – Seemannsromantik liegt Anfang der 1960er-Jahre jedenfalls im Trend. Freddy Quinn besingt seit Jahren die Ferne und das Meer, und mit »Seemann (Deine Heimat ist das Meer)« landet Lolita 1960 einen großen Schlagererfolg.

So verwandelt sich die Bahnhofstraße für einige Minuten in eine Hafenstraße. Die Fußballer gehen auf große Fahrt – auch wenn ihre »Santa Maria« das Baarstädtchen vermutlich nicht weiter verlässt als bis zum Ende der Umzugsstrecke.

Standort des Fotografen: 47.884009, 8.341860

Maienlandstraße mit viel Schnee, 1968

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Susanne Obergfell zur Verfügung.

Die Perspektive ist bewusst gewählt: Rechts ragt ein mächtiger Schneeberg ins Bild und macht sofort deutlich, worum es dem Fotografen geht. Die weiße Pracht soll festgehalten werden. Entlang der Maienlandstraße türmen sich hohe Schneewälle, während die Straße selbst bereits freigeräumt ist.

Der Blick fällt auf das Haus Lehmann (Maienlandstr. 12). Der Seitengiebel ist mit Holzschindeln verkleidet, zwei große Scheunentore markieren den früheren Ökonomiebereich des Gebäudes. Die Landwirtschaft ist bereits aufgegeben. Auch die alte »Miste« hat ausgedient: Wo früher der Mist lagerte, türmt sich nun ebenfalls Schnee. Davor steht eine kleine Personengruppe und unterhält sich. Am Wohnbereich sind die Fensterläden verschwunden – ein kleines Zeichen dafür, dass sich auch an den alten Bauernhäusern nach und nach Veränderungen und Modernisierungen durchsetzen.

Weiter unten, vor dem Haus Egle (Maienlandstr. 8), parkt ein Auto.

Standort des Fotografen: 47.885718, 8.342305

Sofie Hepting mit ihren Kindern in der verschneiten Dittishauser Straße, ca. 1943

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Der Schnee knirscht unter den Schuhen, die Straße ist weiß bedeckt, und mitten im Wintervergnügen hat Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909–1995) ihre drei Kinder auf einen Schlitten gesetzt. Noch einen kleinen Schubs — dann kann die Fahrt losgehen. Trotz Kriegszeit fängt das Foto einen unbeschwerten Moment ein. Es ist ein echtes Alltagsfoto. Sofie Hepting trägt Kittelschürze und Kopftuch — Kleidung, die verrät, dass sie eigentlich mitten in der Arbeit steckt. Neben Haushalt gehört auch die Landwirtschaft zum Alltag der Familie.

V.l.n.r.: 1 Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995), 2 Ewald Hepting (1933-2010), 3 Inge Hepting (verh. Mayer, geb. 1939), 4 Rita Hepting (geb. 1941)

In der Dittishauser Straße säumen hohe Schneewälle den Straßenrand, Autos gibt es kaum, und der Schlitten gehört im Winter ganz selbstverständlich zum Alltag. Neben dem Haus Hepting (Dittishauser Str. 7) ist das Nachbarhaus Sperer (Dittishauser Str. 9) zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.885212, 8.348863

2 Fotos: Demetriusstraße mit viel Schnee, ca. 1955

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Dicht gedrängt reihen sich die Häuser der Demetriusstraße aneinander, ihre Dächer und markanten Staffengiebel tragen schwere Schneelasten. Vor den Häusern türmen sich hohe Schneeberge. Der Blick geht vom Haus Kopp (Demetriusstr. 10) in Richtung Mailänder Tor.

Die Häuser entlang der Demetriusstraße bilden einen Teil des mittelalterlichen Stadtrings von Löffingen. Trotz aller Veränderungen ist diese historische Struktur bis heute gut ablesbar. Die Gebäude im Vordergrund wurden allerdings beim Großbrand von 1921 zerstört und anschließend in veränderter Form wiederaufgebaut. Auch das Mailänder Tor blieb vom Großbrand und Wiederaufbau nicht unberührt. Im Zuge des Wiederaufbauprogramms wurde das alte Torgebäude abgebrochen und beim Neubau die Tordurchfahrt vergrößert und verbreitert, um den Anforderungen des modernen Verkehrs gerecht zu werden. So verband man historische Bausubstanz mit den praktischen Bedürfnissen des 20. Jahrhunderts – der Charakter des alten Stadtrings blieb dennoch erhalten.

Standort des Fotografen: 47.884148, 8.344080

Geschwister Rebholz in der Alenbergstraße, Fronleichnam 1958

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilie Runge zur Verfügung.

Es ist Fronleichnam. Ein kunstvoll gelegter Blumenteppich zieht sich scheinbar endlos die Prozessionsstrecke entlang. Auch durch die Alenbergstraße verläuft das bunte Band aus Blütenblättern, die zu Ornamenten und Mustern gelegt sind. Am Straßenrand stecken junge Zweige im Pflaster. Sie rahmen den Weg der Prozession ein und verdecken zugleich manches, was man dem »Herrgott« lieber nicht zeigen will – etwa Misthaufen oder unaufgeräumte Hofecken.

Auch das Haus Rebholz (Alenbergstr. 14) ist festlich geschmückt. An der Fassade hängt eine selbstgebundene Reisiggirlande, darüber flattert eine Kirchenfahne in den Farben Weiß und Gelb im Wind. Die ganze Straße scheint sich für den hohen Feiertag herausgeputzt zu haben.

Neben dem Blumenteppich stehen die Geschwister Klemens Rebholz (geb. 1949) und Cäcilie Rebholz (verh. Runge, geb. 1953). Die beiden rücken eng zusammen und posieren stolz für die Kamera. Klemens trägt einen dunklen Anzug, vermutlich denselben, den er zu seiner Erstkommunion getragen hat. Cäcilie erscheint dagegen ganz in Weiß: Sommerkleid, Kniestrümpfe, helle Schuhe und ein Kranz im Haar. In der Hand hält sie ein kleines Körbchen mit Blütenblättern, die sie während der Prozession auf den Weg streut.

Die Aufnahme zeigt nicht nur zwei Kinder an einem Sommertag, sondern auch, wie viel Mühe und Gemeinschaftssinn in die Vorbereitung des Fronleichnamsfestes gesteckt wird. Stundenlang werden Blüten gesammelt, Zweige geschnitten und Girlanden gebunden, damit sich die Straßen des Städtchens für einen Tag in einen festlichen Prozessionsweg verwandeln.

Standort des Fotografen: 47.885696, 8.343741

Haus Ganter in der Seppenhofer Straße mit Pfarrkirche, ca. 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Der Blick fällt über eine Wiese hinweg auf das Haus Ganter (Seppenhofer Str. 1). Aufgenommen ist das Foto aus dem Bereich des heutigen Pfarrwegs – damals noch kein ausgebauter Straßenzug, sondern eher ein Wiesenrand, an dem sogar noch Bretter lagern. Das Haus gehört dem Schneidermeister Edmund Ganter (1879-1956) und seiner Ehefrau Maria Ganter (geb. Bader, 1881-1962). Auffällig ist der Giebel im Dachgeschoss: Er wurde erst nachträglich im Zuge eines Dachausbaus ergänzt und fehlt auf älteren Aufnahmen um die Jahrhundertwende noch.

Rechts schließt sich die katholische Kaplanei (Seppenhofer Str. 3) an. Im Erdgeschoss ist noch das große Scheunentor zu sehen, das erst später durch Fenster ersetzt wird. Im Hintergrund erhebt sich der Turm der katholischen Pfarrkirche St. Michael. Der rund 57 Meter hohe Kirchturm zeigt hier noch sein unverputztes Mauerwerk – ein Zustand, der sich erst 1961 im Zuge einer Renovierung ändert. Auch die freie Fläche im Vordergrund bleibt nicht lange unbebaut: Ab 1949 entstehen hier nach und nach neue Gebäude, darunter das Haus Gwinner (Seppenhofer Str. 2) und um 1960 das neue katholische Pfarrhaus (Pfarrweg 3).

Standort des Fotografen: 47.881570, 8.343957

Familie Hepting mit Täufling und Hebamme in der Dittishauser Straße, Februar 1941

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Die kleine Taufgesellschaft ist auf dem Heimweg. Der Schnee liegt hoch in der Dittishauser Straße, es herrschen Winter und Kälte. Vorsichtig trägt die Patin das Neugeborene im Arm – warm eingehüllt, geschützt vor der Februarkälte. Die kleine Rita Hepting, geboren am 2. Februar 1941, wird an diesem Tag getauft.

Rechts neben der Patin geht der Vater, Rupert Hepting (1905-1990), im Anzug und mit Zylinder. Links ist die Hebamme Maria Häusle (geb. Schultheiß, 1883-1966) zu sehen, die bei der Geburt geholfen hat. Zwei Kinder, vermutlich ein Bruder und eine Cousine, laufen mit – neugierig, vielleicht auch ein wenig stolz.

Und doch fehlt jemand: die Mutter. Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995) ist nicht dabei. Sie befindet sich im Wochenbett. Nach katholischem Verständnis gilt die Frau nach der Geburt als »unrein« und darf die Kirche zunächst nicht betreten. Erst später wird sie im Rahmen der sogenannten »Aussegnung« wieder in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen. Bei der Taufe übernimmt deshalb die Patin ihre Rolle. Ein stilles Detail, das viel über religiöse Vorstellungen und soziale Regeln erzählt.

V.l.n.r.: 1 Hebamme Maria Häusle (geb. Schultheiß, 1883-1966), 2 Patin ??? mit Täufling Rita Hepting (geb. 1941), 3 Rupert Hepting (1905-1990), 4 Ewald Hepting (1933-2010), 5 Else Ganter (verh. Egle, 1923-2011)

Standort des Fotografen: 47.885203, 8.348885

Narrengruppe in der Maienlandstraße, Fasnacht 1977

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Vor dem Haus Egle (Maienlandstr. 8) hat sich eine bunte Narrengruppe in Reih und Glied aufgestellt. Die als Soldaten verkleideten Narren bilden ein Spalier entlang der Straße und salutieren den Vorübergehenden. Ihre Uniformen sind bewusst uneinheitlich und wirken wie aus verschiedenen Zeiten und Truppenteilen zusammengesucht. Schon an den Kopfbedeckungen zeigt sich die Vielfalt: Pickelhaube, Stahlhelm, Schirmmütze und Feuerwehrhelm stehen bunt zusammengewürfelt nebeneinander.

Zwischen Gewehren aus Holz und über die Schulter gehängten Feldflaschen fällt ein Akkordeon auf, das für musikalische Begleitung sorgt. Angeklebt wirkende Schnurrbärte verstärken den parodistischen Charakter der Szene. Unter den Uniformen stecken Frauen, die in der katholischen Frauengemeinschaft organisiert sind und sich mit sichtbarer Freude in die militärische Maskerade eingefügt haben.

V.l.n.r.: 1 Else Egle (geb. Ganter), 2 Lotte Ratzer, 3 Inge Mayer (geb. Hepting), 4 Maria Hall, 5 Agnes Beha, 6 Margarete Adrion, 7 ??? (verdeckt), 8 Wolfgang Streit, 9 Olga Streit, 10 Inge Streit, 11 ???, 12 ???, 13 Lore Echtle

Standort des Fotografen: 47.885277, 8.342609

Mehrbildansicht mit Haus Heiler im Pfarrweg, ca. 1923-1925

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Luzia Heiler zur Verfügung.

Mitte der 1920er Jahre fotografiert ein unbekannter Fotograf mehrere Häuser im Städtchen und verkauft die Aufnahmen zusammen mit einer Gesamtansicht in Form von Mehrbildkarten. Mehrere Hausbesitzer*innen erwerben diese Ansichten – so auch Familie Heiler, die im heutigen Pfarrweg wohnt, der damals noch einen anderen Namen trägt. Das landwirtschaftliche Anwesen auf der »Härte« gehört dem Landwirt und Schreiner Viktor Heiler (1868–1947) und seiner Ehefrau Franziska Heiler (geb. Laiz, 1868–1960). Die Aufnahme entsteht im Winter, Schnee liegt auf den Dächern und Feldern.

Die Gesamtansicht zeigt das Städtchen vom Gewann »Breiten« aus. Über eine verschneite Fläche hinweg sind die Häuser der Rötenbacher Straße mit dem Forstamt zu erkennen, ebenso die Bebauung der Seppenhofer Straße. Vor dem Wäldchen »Hasle« heben sich die neu errichtete Festhalle und die Volksschule ab. Der Gebäudekomplex befindet sich noch im Rohbau. Aufgrund der finanziellen Notlage der Stadtgemeinde infolge der Inflation und des Wiederaufbaus nach dem Großbrand von 1921 verzögert sich die Fertigstellung des Bauwerks um mehrere Jahre.

Standorte des Fotografen: 47.881954, 8.338886 | 47.882001, 8.344320

Haus Ganter in der Alenbergstraße, Fronleichnam 1941

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Das Haus Ganter (Alenbergstr. 14) ist an Fronleichnam festlich geschmückt. Unterhalb der Fenster im ersten Obergeschoss hängen sechs Reisigkränze an der Fassade. In der Haustür stehen Blechnermeister Otto Ganter, seine Ehefrau Johanna Ganter (geb. Selb, 1875-1962) sowie ihre Tochter Johanna Ganter (verh. Rebholz). Das Haus ist das Elternhaus der Ehefrau und Mutter. Ihr Vater Josef Selb (1839-1916) war Glasermeister von Beruf, weshalb der Hausname »s’Glasers« lautet.

In der Zeit des Nationalsozialismus ist das Schmücken von Wohnhäusern zu katholischen Feiertagen keine Selbstverständlichkeit, sondern Ausdruck von innerer Distanz zum Regime. Otto Ganter war vor 1933 Vorsitzender der Zentrumspartei. Er und seine Tochter Johanna gehören dem Kirchenchor an; Johanna Ganter wirkt seit 1937 zudem als Organistin der katholischen Pfarrgemeinde.

Standort des Fotografen: 47.885579, 8.343861

Familie Jonner mit Täufling und Hebamme in der Alenbergstraße, ca. 1936

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Der jüngste Spross der Familie Jonner ist soeben in der katholischen Pfarrkirche St. Michael getauft worden. Nun macht sich die kleine Taufgesellschaft auf den Heimweg durch die Alenbergstraße. Der Säugling wird – wie üblich – nicht von der Mutter getragen, die nach der Geburt noch im Wochenbett liegt, sondern von der Patentante. Behutsam hält sie das Neugeborene im weißen Taufkleid im Arm.

Neben ihr schreitet ein festlich gekleideter Mann, im dunklen Anzug und mit Zylinder – der Patenonkel des Kindes. Rechts von ihnen geht die Hebamme Veronika Geisinger (geb. Mauthe, 1878-1958), die nicht nur die Geburt begleitet hat, sondern traditionell auch bei der Taufe anwesend ist. In Zeiten, in denen fast ausschließlich zuhause entbunden wird, spielt die Hebamme eine herausragende Rolle: Sie sorgt für Mutter und Kind, kümmert sich in den ersten Lebenstagen – und begleitet die Familie bis zur kirchlichen Aufnahme des Neugeborenen. Die Taufe erfolgt meist sehr zeitnah nach der Geburt, auch aus Sorge, das Kind könne versterben, bevor es getauft ist.

Die Taufgesellschaft und Hebamme Geisinger teilen denselben Heimweg, denn auch sie wohnt auf dem Alenberg. Vermutlich handelt es sich bei dem Täufling um Bernhard Jonner, geboren am 16. Januar 1936 als Sohn von Wilhelm Jonner (1902-?) und Josefine Jonner (geb. Guth, 1905-?).

V.l.n.r.: 1 Patenonkel Oskar Guth, 2 Patentante Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995), 3 Hebamme Veronika Geisinger (geb. Mauthe, 1878-1958)

Standort des Fotografen: 47.884813, 8.344858