Turnernachwuchs bei einem Ausflug, 1936

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

Der Nachwuchs des Turnerbundes hat sich zu einem gemeinsamen Ausflug versammelt. Rund 60 Kinder, Mädchen und Jungen, posieren dicht gedrängt für das Gruppenfoto. Die Sonne fällt durch das Blätterdach der Bäume, das Licht zeichnet helle Flecken auf die weißen Sommerkleider der Mädchen und die Hemden der Jungen. Vorn sitzen die Kleinsten, dahinter reihen sich die älteren Kinder auf, zwei Betreuer*innen rahmen die Gruppe links und rechts ein.

Zwei Fahnen werden mitgeführt – ein sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zum Turnerbund. Solche Ausflüge gehörten fest zum Vereinsleben: Neben dem sportlichen Training stehen auch Wanderungen auf dem Programm. 1936, im Jahr der Olympischen Spiele in Berlin, ist das Turnen bereits stark vom Zeitgeist geprägt. Die nationalsozialistische Ideologie hat längst auch das Vereinswesen erfasst, und sportliche Aktivitäten werden zunehmend in den Dienst der »Volksgemeinschaft« gestellt. Einige der älteren Jungen (besonders in der mittleren und oberen Reihe) scheinen hellbraune Hemden mit dunklen Halstüchern zu tragen – typische Merkmale der Uniformen der Hitlerjugend.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 Franz Rosenstiel (1927-2006)
2.Reihe, v.l.n.r.:
1 ???, 2 Irma Schmid (verh. Adrion, 1927-2019), 3 ???, 4 ???, 5 Gertrud Schmid (verh. Faller, 1925-2005)
3.Reihe, v.l.n.r.:
4.Reihe, v.l.n.r.:
5.Reihe, v.l.n.r.:
6.Reihe, v.l.n.r.:
7.Reihe, v.l.n.r.:

Standort des Fotografen: ???

Unterer Rathausplatz mit Mailänder Tor und Demetriusbrunnen, 1936

Sammlung Familie Waßmer

Auf dem unteren Rathausplatz parkt ein elegantes Automobil, ein zeittypischer Wagen der 1930er Jahre, vor dem ein Mann posiert. Das Fahrzeug verleiht der Szene einen Hauch von mondäner Modernität. Es handelt sich um einen DKW F5 oder ein ähnliches Modell der Firma »Auto Union«, deren Emblem, vier ineinander verschlungene Ringe, zu erkennen ist. Charakteristisch für diesen Fahrzeugtyp sind der Kühlergrill, die geschwungenen Kotflügel und die schlichte, aber elegante Karosserie.

Im Hintergrund ragt das Mailänder Tor auf, flankiert von den Häusern der Demetriusstraße mit ihren markanten Staffelgiebeln, die nach dem verheerenden Großbrand von 1921 neu erbaut wurden. Die Architektur mit den steilen Giebeln und den reich verzierten Fassaden, wie dem Erker und der Altane, zeugt vom Wiederaufbauwillen der Stadt und dem Bestreben, ein Stück Altstadt aus den Ruinen wiedererstehen zu lassen. Über den beiden Durchgängen für Fußgänger sind seit 1930 die Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges angebracht.

Im Zentrum des Platzes steht der Demetriusbrunnen, der durch das parkende Automobil teilweise verdeckt ist. Seine Brunnenfigur wird später einen Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg überstehen, während der Brunnen selbst zerstört wird.

Standort des Fotografen: 47.883712, 8.343681

Umzugswagen in der Unteren Hauptstraße, Fasnacht 1936

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Am Rande der Umzugsstrecke am »Fasnet Mändig« hat dieser Umzugswagen neben der Bäckerei Straub (Untere Hauptstr. 6) geparkt. Er ist mit Löwen und Schwänen sowie einer Reisiggirlande verziert. Auf dem Karren steht eine kostümierte Gruppe von Närrinnen und Narren, die in edle Gewänder gekleidet sind. Das Motto der Fasnacht 1936 lautet: »Sagen und Märchen des deutschen Volkes«. Doch stammt das Foto wirklich von 1936? Und welche Geschichte stellt die Narrengruppe wohl dar?

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Elisabeth Hepting (geb. Münzer), 2 Cäcilie Rosenstiel, 3 Anna Studer, 4 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Albert Benitz, 3 Erna Bader (geb. Mutterer), 4 Karl Beha, 5 Else Egle (geb. Hauser), 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 Engelbert Müller, 10 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Karolina Auer, 2 ???

Im Hintergrund ist die »Metzgerei« und »Wursterei« Seilnacht (Untere Hauptstr. 3) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.883241, 8.343585

Schulklasse des Jahrgangs 1921/22 mit Lehrer Willig, 1936

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gertrud Heitzmann zur Verfügung.

Es ist Frühjahr 1936 und das Ende des Schuljahres 1935/36 naht. Die Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 1921/22 werden aus der Volksschule entlassen. Für ein letztes Gruppenfoto stellen sie sich mit ihrem Lehrer Emil Willig (1900-?) auf die Treppenstufen vor der Volksschule bei der »Hasle«.

Dabei besuchen diese Schulkinder niemals diese Schule, sondern verbringen ihre gesamte achtjährige Schulzeit noch im Rathaus. Denn erst wenige Monate nach ihrer Entlassung wird die neue Volksschule im August 1936 eingeweiht. Vor allem die Schüler*innen, die in der ersten Reihe stehen, leben gefährlich: Ein Schritt nach vorne und sie stürzen in die Tiefe, da noch keine Eisengitter auf dem Boden vor ihnen angebracht sind.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Hedwig Thoma (1921-2006), 2 ???, 3 Mathilde Wider (verh. Schwörer, 1921-2015), 4 Hilde Götz, 5 Gertrud Heizmann (verh. Reichenbach), 6 Luise Kopp (verh. Rappenegger, 1921-2010), 7 ???, 8 ???, 9 Konrad Kuster (1921-2011), 10 ???, 11 Fritz Straub (1921-2007), 12 ???, 13 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Gertrud Brugger (verh. Heitzmann, 1921-2005), 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 Franz Kuster
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Maria Häusle (verh. Kuster, 1921-2006), 3 Maria Honold (verh. Göhry, 1921-1997), 4 Agathe Köpfler (verh. Jordan, 1922-1982), 5 ???, 6 ???, 7 ???
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 Irma Egle (verh. Steiger, 1922-2009), 2 Elisabeth Gebert (verh. Keller, 1921-2006), 3 ???, 4 Veronika Schmid, 5 ???, 6 ???, 7 Eugen Hepting (1921-2011), 8 Karl Heiler (1921-2007), 9 ???, 10 Eugen Biedermann (1921-1943), 11 ???

Oberlehrer Emil Willig stammt gebürtig aus Freiburg und ist seit 1935 Lehrer in Löffingen.

Zu dem Jahrgang gehören außerdem: Karl Benz (1921-2010), Richard Zepf (1922-2005), Martin Mayer (1922-2008), Hans Geisinger (1921-1993), Heinrich Göhry (1922-1944), Johannes Schmitt (1921-1942, gefallen).

Standort des Fotografen: 47.882361, 8.347689

Narrengruppe auf dem unteren Rathausplatz, Fasnacht 1936

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Was mag das für eine selbstgebastelte Maschine sein, die diese Narren mit sich führen? Auf die Räder eines Kinderwagens montiert, schieben sie das Ding über den unteren Rathausplatz und liefern eine Show ab. Die Lacher der umstehenden Schaulustigen sind ihnen sicher. Es ist »Fasnet Mändig«, der 24. Februar 1936, wie oben rechts auf das Foto gestempelt ist. »Sagen und Märchen des deutschen Volkes« lautet das Motto der diesjährigen Fasnacht.

Im Hintergrund sind die Bäckerei und das Café Ritter (Rathausplatz 5) zu sehen und die Häuser Fürst und Hasenfratz in der Demetriusstraße.

Standort des Fotografen: 47.883836, 8.343912

Urkunde zur Einweihung der Schule, 29. August 1936

Stadtarchiv

Diese Urkunde wird anlässlich der Einweihung des neuen Schulgebäudes an der »Hasle« am 29. August 1936 ausgestellt. Verfasst wird sie vom damaligen Bürgermeister Heinrich Andris, der von 1935 bis 1942 amtiert und überzeugter Nationalsozialist ist. Die Grußbotschaft richtet sich an die »Deutsche Jugend« und ist inhaltlich wie sprachlich vollständig in die propagandistische Rhetorik des NS-Staates eingebettet. Schon die Anrede stellt die Schulkinder nicht als Individuen, sondern als Teil einer ideologisch definierten »Volksgemeinschaft« dar.

Typisch für die Sprache des Nationalsozialismus sind mehrere Elemente: der Führerkult, der religiös überhöhte Glaube an die Mission des »Dritten Reiches«, das Pathos von Opfer, Erbe und Sendung, sowie die Verknüpfung von Gegenwart und mythisch überhöhter Vergangenheit (»Ahnen«, »kühle Erde«). Andris stilisiert sich selbst zum Vollstrecker eines historischen Auftrags und beansprucht, den »Willen des Führers« durch die Vollendung des Schulbaus erfüllt zu haben – obwohl der Bau bereits 1923 begonnen und der Rohbau lange vor der NS-Machtübernahme fertiggestellt worden war. In Brechtscher Manier ließe sich fragen: War nicht wenigstens ein einziger Bauarbeiter oder Handwerker daran beteiligt?

Andris‘ Formulierungen sollen Dauerhaftigkeit, Geschichtstiefe und nationale Schicksalshaftigkeit suggerieren. Besonders deutlich wird dies im Schlussteil, in dem er behauptet, seine »Seele« in das Gebäude hineingelegt zu haben und darin »immer wiederzuerkennen« zu sein. Damit verbindet sich eine Selbstüberhöhung, wie sie in vielen NS-Texten vorkommt: Der Sprecher inszeniert sich als Mittler zwischen Vergangenheit, Gegenwart und einer angeblich höheren Zukunft.

Die Schule erhält offiziell den Namen »Adolf-Hitler-Schule«. Der Festakt und die Urkunde dienen nicht nur der Einweihung eines Gebäudes, sondern vor allem der symbolischen Einbindung des Bildungswesens in die Ideologie des Regimes. Dass die Einweihung nach über einem Jahrzehnt Bauverzögerung stattfindet, wird von Andris als Erfüllung eines historischen Auftrags interpretiert – ein Beispiel dafür, wie selbst kommunalpolitische Ereignisse in der NS-Propaganda ausgeschlachte werden.

Standort des Fotografen: 47.882462, 8.347708

Frau in Tracht in der Rötengasse, 1936

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Eine junge Frau steht an einen hölzernen Gartenzaun gelehnt. Ihren linken Arm hat sie in die Hüfte gestemmt, in ihrer rechten Hand hält sie einen kleinen Blumenstrauß. Sie trägt Tracht und lächelt in die Kamera.

Wer weiß, wer die Frau ist? Könnte es Margaretha Gugelberger (1912-1989) sein?

Der Zaun gehört zum Garten der Villa Gugelberger (Maienlandstr. 6). Das Törchen führt auf die Rötengasse hinaus. Im Hintergrund ist das Haus Benitz (Alenbergstr. 7/9) zu sehen, das oben auf dem Berg thront.

Standort des Fotografen: 47.885194, 8.343081

Blick von der »Breiten« auf das Städtchen, 1936

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Diese Ansichtskarte wird am 2. Mai 1936 auf dem Postamt in Löffingen aufgegeben und nach Badenweiler versandt. Darauf zu sehen ist eine Gesamtansicht des Städtchens, die vom Gewann »Breiten« aus aufgenommen wird.

Der Blick ist so gewählt, dass neben der katholischen Pfarrkirche St. Michael die Festhalle und Volksschule (Festhallenstr. 3-7) gut im Bild zu sehen ist. Denn der Gebäudekomplex an der »Hasle« ist der ganze Stolz der Einwohner, nachdem der 1923 begonnene Bau endlich fertiggestellt ist.

Im Vordergrund sind zwei neu erbaute Häuser in der Bonndorfer Straße zu sehen (Bonndorfer Str. 2 und 3). Die Häuser in der Seppenhofer Straße und im heutigen Pfarrweg sowie die beiden Barockhäuser in der Unteren Hauptstraße sind ebenfalls gut zu erkennen. Die gleichmäßigen Wolken am blauen Himmel sind vom Verlag A. Rebholz in das Bild hineinretuschiert.

Standort des Fotografen: 47.881350, 8.340162

Narrenumzug in der Unteren Hauptstraße, Fasnacht 1936

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Genoveva Kinast zur Verfügung.

Das diesjährige Fasnachtsmotto lautet: »Sagen und Märchen des deutschen Volkes«. Hier fährt gerade ein von Pferden gezogener Umzugswagen durch die Untere Hauptstraße, vorbei am Friseursalon Limb (Untere Hauptstr. 4) und der Bäckerei Straub (Untere Hauptstr. 6). Darauf thront eine Gruppe von sechs Frauen, die in weiße Gewänder gekleidet sind. Auch der Wagen ist weiß dekoriert und mit zwei Schwänen geschmückt. Gut möglich, dass der Wagen das Märchen »Die sechs Schwäne« der Gebrüder Grimm darstellt.

Wer erkennt die Frauen auf dem Wagen?
V.n.r.: Josefa Gebert (?), ???, ???

Standort des Fotografen: 47.883563, 8.343874

Umzugswagen vor dem Bahnhof, Fasnacht 1936

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Genoveva Kinast und Jutta Knöpfle zur Verfügung.

Vorbei am Bahnhof schlängelt sich der Narrenumzug. Das diesjährige Motto lautet »Märchen und Sagen«. Und da die Nazis seit drei Jahren an der Macht sind, sind nicht mehr nur alte Volksmärchen, etwa der Gebrüder Grimm, angesagt, sondern auch die germanische Mythologie. Schließlich muss das Fasnachtsmotto von den Behörden vorab genehmigt werden. Dieser Umzugswagen widmet sich dem nordischen Gott Thor. Das Schild am Wagen informiert in Sütterlinschrift, was genau dargestellt wird: »Im Zwergenreich ward Thors Hammer geschmiedet«. Auf dem Wagen steht Fritz Adrion sen. Der Mann neben dem Zugvieh ist ??? Rappenegger, neben dem Wagen geht Karl Glunk.

Der Umzugswagen, der dahinter zu erkennen ist, widmet sich dem »Schlaraffenland«, einem Grimm’schen Märchen.

Standort des Fotografen: 47.883338, 8.342447

Aufführung auf der Fasnachtsbühne, Fasnacht 1936

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Am »Fasnet Mändig« wird auf der Fasnachtsbühne auf dem oberen Rathausplatz ein buntes Programm geboten. Das Motto in diesem Jahr lautet: »Sagen und Märchen des Deutschen Volkes.« Eben wird das Märchen von den »Sieben Schwaben« aufgeführt.

Die sieben als tölpelhaft dargestellten Schwaben ziehen mit ihrem Speer zu einem Abenteuer aus. Höhepunkt der Erzählung ist ihr Kampf mit einem vermeintlichen Untier, das sich als Hase entpuppt. Das Publikum amüsiert sich bestimmt herrlich, denn Schwabenwitze sind in Baden immer einen Lacher gut. 

Im Hintergrund ist das Rathaus zu sehen. In dessen Erdgeschoss befindet sich seit kurzem eine Filiale der »Vorschussbank« und »Sparkasse«. Das Haus auf der rechten Seite ist die Metzgerei von Johann Riegger (Rathausplatz 3).

Standort des Fotografen: 47.883937, 8.344806

2 Fotos: Musikanten vor der Metzgerei Werne, Fasnacht 1936

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Hilde Adrion, Hermann Egle sowie Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Vor dem Eingang der Metzgerei Werne (Demetriusstr. 15) haben an Fasnacht drei Musikanten Position bezogen. Durch die offene Tür ist gerade noch die Waage auf dem Verkaufstresen zu erspähen. Im Schaufenster auf der rechten Seite sind Würste zu erkennen, die aufgereiht hängen.

Die Musikanten tragen halbe Gesichtsmasken, sind in Anzüge gekleidet und tragen dunkle Hüte auf den Köpfen. Ein Notenständer steht vor ihnen auf dem Straßenpflaster. Das Trio musiziert mit Querflöte, Geige und Klarinette. Drei Jungs haben sich neugierig zu ihnen gesellt, um dem Spiel zu lauschen – und zugleich, um auch fotografiert zu werden.

Wer kennt die drei Musikanten und die Jungs im Hintergrund?
V.l.n.r.: 1 [Johann Fehrenbach (1922-2020)], 2 ???, 3 ???, 4 Müllermeister Josef Hasenfratz, 5 ???, 6 Rupert Hepting (1905-1990)

Standort des Fotografen: 47.883730, 8.343550