Zwei Kinder vor dem NSV-Kindergarten in der Bahnhofstraße, ca. 1940-1945

Archiv der Stadtmusik

»NSV-Kindergarten« steht in großen Buchstaben an die Hausfassade geschrieben. »NSV« ist die Abkürzung für »Nationalsozialistische Volkswohlfahrt« und ist eine Parteiorganisation der NSDAP. Seit 1907 existiert die Kinderschule in der Bahnhofstraße. Ursprünglich wurden die Kinder von Ordensschwestern vom heiligen Vincenz von Paul betreut, doch das änderte sich in der NS-Zeit. Die Nonnen wurden durch Erzieherinnen ersetzt.

Zwei Jungs stehen vor dem weißen Lattenzaun, der das Grundstück des Kindergartens eingrenzt. Der Größere von beiden hält einen Lederball in den Händen. Es handelt sich um die beiden Brüder Waldemar Zepf (1937-2024) und Lothar Zepf (1936-2022).

Standort des Fotografen: 47.885476, 8.340922

2 Fotos: Luftschutzbund, ca. 1935-1939

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Das nationalsozialistische Deutschland rüstet auf. 1935 wird die Allgemeine Wehrpflicht, die während der Weimarer Republik abgeschafft war, wieder eingeführt. Damit besteht für alle Männer ab dem 18. Lebensjahr die Verpflichtung zum Wehrdienst. Eine Verweigerung ist nicht möglich.

Bereits 1933 war der Reichsluftschutzbund gegründet worden. Er bildet Luftschutzhelfer*innen aus. Das Ausbildungsprogramm umfasst das luftschutzmäßige Herrichten von Häusern und Wohnungen, die Brandbekämpfung, der Gasschutz, die Erste Hilfe und das Meldewesen. Die Teilnahme an den Lehrgängen war bis 1935 freiwillig und ist seitdem auch verpflichtend möglich. Auch diese 12 Frauen werden ausgebildet. Zusammen mit zwei Uniformträgern, die vermutlich den Lehrgang leiten und von außen kommen, stellen sie sich zu einem Gruppenfoto auf.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Caroline Greuter (verh. Auer), 2 ???, 3 Mina Rappenegger (verh. Schreiber, 1917-2004), 4 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Anna Beha (1903-?), 2 Hedwig Limb (verh. Vogt, 1919-2010), 3 Maria Faller (verh. Selb, 1919-1967), 4 ???, 5 ???, 6 Erna Bader (geb. Mutterer, 1908-1969)
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Gertrud Brugger (verh. Heitzmann, 1921-2005), 2 ??? Gebert, 3 [Alma Egle?], 4 Johanna Egle (verh. Theiler, 1924-2014)

Standort des Fotografen: evtl. am Reichberg

Stadtmusik bei einem Nazi-Aufmarsch in der Unteren Hauptstraße, 1939

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Ewald Hepting und Daniela Scherzinger zur Verfügung.

Die Häuser in der Unteren Hauptstraße sind mit Hakenkreuzfahnen beflaggt. Die Stadtmusik führt einen Nazi-Aufmarsch an, der durch die Straße zieht, vorbei an der Bäckerei Straub (Untere Hauptstr. 6) und dem Friseurgeschäft Limb (Untere Hauptstr. 4). Vorneweg wird der Schellenbaum getragen. Zwei Jungs laufen nebenher, einer trägt die Uniform der Hitlerjugend.

Der Spalierbaum am linken Bildrand ist noch kahl. Das Foto wird vermutlich anlässlich »Führers Geburtstag« am 20. April 1939 aufgenommen. Denn an diesem Tag ist alljährlich Beflaggung angeordnet und Hitlers 50. Geburtstag 1939 ist sogar ein staatlich verordneter Feiertag.

Bei der Stadtmusik sind u.a. zu sehen: Dirigent Rupert Hepting (Klarinette), August Limb (Trommel) und Konrad Sibold (Piccoloflöte).

Standort des Fotografen: 47.883036, 8.343764

Waldbad mit Hakenkreuzfahnen, ca. 1935

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Lore Fehrenbach und Michael Fehrenbach zur Verfügung.

Am 27. Juni 1935 (Peter und Paul) wird das Waldbad eröffnet. Ein Jahr zuvor war mit dem Bau der Anlage begonnen worden. Das Schwimmbecken ist 45 Meter lang, 25 Meter breit und bis zu 3 Metern tief. Es fasst beinahe 1,8 Millionen Liter Wasser, das filtriert und auf bis zu 20° Celsius erwärmt wird. In der Lokalzeitung wird das Bad in höchsten Tönen gepriesen: »Die herrliche Lage des Bades am dunklen Tannenwald, das klare aus einer Waldquelle fließende Wasser, die prächtigen Badekabinen und Anlagen werden dem ersten öffentlichen Bad unserer Gemeinde viel Besucher von hier und auswärts sichern.«

Das Bad dient der NSDAP-Ortsgruppe und dem nationalsozialistischen Bürgermeister Heinrich Andris auch als Beweis für die Aufbauleistung im »Dritten Reich«. Am Eingangsgebäude sind Hakenkreuzfahnen gehisst.

Standort des Fotografen: 47.899760, 8.332327

Narrengruppe »Russisches Ballett« vor dem Café Ritter, Fasnacht 1934

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Lore Fehrenbach und Michael Fehrenbach sowie Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

»Internationaler Zirkus« lautet das Motto der diesjährigen Fasnacht. Diese Narrengruppe, angeführt von Fritz Adrion, stellt das »Russische Ballett« dar. Zwar ist ein Zirkus nicht gerade der typische Auftrittsort eines Ballett-Ensembles, aber international ist das »Russische Ballett« allemal! Die Gruppe steht vor dem Café Ritter (Rathausplatz 5), in dessen Schaufenster eine Hakenkreuz-Fahne als Dekoration hängt. Es ist »Fasnet Mändig«, den 12. Februar 1934.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1. Alma Egle, 2. Gertrud Schmid (verh. Faller, 1925-2005), 3. Mathilde Geisinger (verh. Schmid, 1926-1989), 4. ???, 5. ???, 6. ???, 7. Anna Kuster (verh. Karrer), 8. ???, 9. ???, 10. Fritz Adrion
2.Reihe, v.l.n.r.: 1. Anna Köpfler (verh. Zepf), 2. Maria Ganter (verh. Fehrenbach), 3. ???, 4. Gertrud Limb (verh. Geisinger, 1923-2011), 5. Anna Gebert, 6. ? [Gebert???], 7. Maria Gebert (verh. Egle, 1922-2012)
3.Reihe, v.l.n.r.: 1. Hedwig Strobel (1923-2007), 2. ???, 3. Lisbeth Strobel, 4. Margret Kaltenbrunner (verh. Schneider), 5. Josefa Gebert (verh. Mayer)
4.Reihe, v.l.n.r.:

Standort des Fotografen: 47.883953, 8.343882

2 Fotos: Hochzeitszug Eggert / Klaus beim Rathaus, 31. Mai 1943

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Klaus Eggert zur Verfügung.

Ein Hochzeitszug zieht Mitten durch das Städtchen. Braut und Bräutigam kommen mit ihrer Hochzeitsgesellschaft von der katholischen Pfarrkirche her, wo das Paar getraut wurde, und gehen in Richtung Gasthaus »Linde«, wo die Hochzeitsfeier stattfinden wird. Der Bräutigam ist Willi Eggert (1912-?), der Sohn des verstorbenen Schrankenwärters Konrad Eggert (1870-1942) und dessen Ehefrau Theodora (geb. Frei, 1877-1964). Die Braut ist Emma Eggert (geb. Klaus, 1918-1950), die gebürtig aus Engen stammt und als Kontoristin in der Weinhandlung Hogg / Benitz arbeitet.

Die Fotos werden aus dem Haus Rebholz am oberen Rathausplatz aus aufgenommen. An der Fassade des Rathauses, an der die Hochzeitsgesellschaft soeben vorüber zieht, ist das Schwarze Brett der NSDAP-Ortsgruppe angebracht. Ein »Aufruf« und ein NS-Propagandaplakat sind angeschlagen. Es ist schon dreieinhalb Jahre Krieg. Die Zeit der »Blitzkriege« und »Blitzsiege« ist vorbei. Die Schlacht von Stalingrad ist verloren und die deutsche 6. Armee vernichtet. Die Stimmung in großen Teilen der Bevökerung verschlechtert sich, Zweifel am »Endsieg« breiten sich aus.

Aber heute geht es nicht um Politik, sondern um das private Glück zweier Menschen, die sich geloben, füreinander da zu sein, »in guten und in schlechten Zeiten«.

Standort des Fotografen: 47.884075, 8.344566

Turnernachwuchs vor der Festhalle, 10. Juni 1934

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Lore Fehrenbach und Michael Fehrenbach zur Verfügung.

Im Juni 1934 veranstaltet der Turnerbund eine von der Deutschen Turnerschaft angeordnete Werbewoche. Dazu findet am Sonntag, den 10. Juni ein Schau- und Werbeturnen mit allen Jugendabteilungen statt – und zwar auf einer Lichtung oberhalb der »Hasle«. 85 Kinder und Jugendliche nehmen daran teil. Das Gruppenfoto wird vor oder nach den Wettkämpfen vor der Festhalle aufgenommen, die noch nicht verputzt ist. Das Bild zeigt den Nachwuchs des Turnerbundes.

1.Reihe, v.l.n.r.:
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Maria Gebert, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 Hedwig Schropp, 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???, 11 ???, 12 Gertrud Schmid (verh. Faller, 1925-2005), 13 ???, 14 ???, 15 Gertrud Limb (verh. Geisinger, 1923-2011), 16 Hildegard Heizmann, 17 Irma Egle (verh. Steiger, 1922-2020)
3.Reihe, v.l.n.r.:
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 Eugen Hepting (1921-2011), 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???, 11 ???
5.Reihe, v.l.n.r.:
6.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 Hermann Sibold (geb. 1927), 10 ???, 11 ???, 12 ???, 13 ???, 14 ???
7.Reihe (Jugendliche und Erwachsene), v.l.n.r.: 1 ???, 2 Alfred Köpfler, 3 Wilhelm Fehrenbach (1908-1943), 4 ???, 5 ???, 6 Fahnenträger August Fehrenbach, 7 Fahnenträger Christian Schmid (1916-1940), 8 ???, 9 Karl Hall, 10 Alma Egle (verh. Spadinger), 11 Karl Götz, 12 Oberturnwart Anselm Zepf

Darüber hinaus sind u.a. zu sehen: Irma Schmid (verh. Adrion, 1927-2019)

In einem Zeitungsartikel heißt es über den Ablauf der Veranstaltung: »Um 8 Uhr fand vor dem Jahndenkmal inmitten einer feierlichen Waldesstille eine schlichte, aber eindrucksvolle Schlageterehrung statt, wobei die Turnerjugend vom Vorstand und Turnwart auf die Bedeutung dieses Freiheitshelden hingewiesen wurden. Ein flotter Werbemarsch duch die Straßen des Städtchens um die Mittagsstunde zeigte der Bevölkerung eine Jugend, die gewillt ist, sich schon frühzeitig körperlich und geistig zu schulen, um gerüstet zu sein für den Kampf ums Dasein. In dem eigentlichen volkstümlichen Turnen am Nachmittag auf dem alten Festplatz zeigte die muntere Schar oft ganz hervorragende Leistungen, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Vom Kleinsten, der schwere Mühe hatte, in der Kolonne Schritt zu halten, bis zu den Jungturnern gaben alle das Beste.«

Deutlich wird dabei, dass auch das – an sich unpolitische – Turnen in den Dienst der NS-Ideologie gestellt wird. Zu nennen ist hierbei insbesondere die Verehrung für Albert Leo Schlageter (1894-1923), der verschiedenen Freikorps und der rechtsextremistischen Großdeutschen Arbeiterpartei angehört hatte und als militanter Aktivist gegen die französisch-belgische Ruhrbesetzung zum Tode verurteilt und hingerichtet worden war. Die NS-Propaganda begründet einen »Schlageter-Kult«. Die Instrumentalisierung des Turnens wird aber auch deutlich, wenn in dem Zeitungsartikel ein »Kampf ums Dasein« beschworen wird, auf den sich der Turnernachwuchs vorbereite.

Standort des Fotografen: 47.882994, 8.347561

Feuerwehrkommandant Josef Fritsche, ca. 1933-1939

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Lore Fehrenbach und Michael Fehrenbach zur Verfügung.

Von 1928 bis zu seinem Tod 1939 ist Josef Fritsche (1891-1939) der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr. Auf dem Porträtfoto ist er in Uniform zu sehen. An seiner Schirmmütze ist ein Polizeiadler und eine Kokarde angebracht, was darauf hindeutet, dass das Foto in der NS-Zeit aufgenommen wird.

Josef Fritsche wurde am 10. Januar 1891 in Löffingen geboren. Im Ersten Weltkrieg war er Soldat (Feldartillerie-Regiment 30) und kämpfte an der Front. Dabei zog er sich eine Gasvergiftung zu. Für seine militärischen Verdienste wurde er mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Nachdem er in die Heimat zurückgekehrt war, heiratete er 1921 Maria geb. Ganter (1893-1965), mit der er drei Kinder bekam.

Gemeinsam betreiben die Fritsches das Gasthaus der verstorbenen Schwiegereltern Heinrich und Franziska Ganter geb. Frey (Obere Hauptstr. 4). Außerdem führen sie eine Landwirtschaft. Nach schwerer Krankheit infolge seiner Kriegsverletzung stirbt Josef Fritsche am 2. Januar 1939 im Alter von 48 Jahren im Krankenhaus in Donaueschingen. Die Beerdigung findet auf dem Friedhof in Löffingen statt.

Sein Nachfolger als Feuerwehrkommandant wird Uhrmachermeister Wilhelm Maier (1896-1953).

Standort des Fotografen: ???

Aufmarsch des BDM in der Unteren Hauptstraße, 1935

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rosel Konhäuser zur Verfügung.

Zu welchem Anlass im nationalsozialistischen Festkalender dieser Aufmarsch durch das Städtchen zieht, ist unklar. Der 1. Mai, der seit 1933 als »Tag der nationalen Arbeit« groß begangen wird, scheidet aus: Zu warm sind die Menschen auf dem Foto angezogen und zu wenig frühlingshaft sind die Bäume und Gärten im Hintergrund.

Denkbar wäre der »Heldengedenktag«, der am 5. Sonntag vor Ostern begangen wird, oder der »Gedenktag für die Gefallenen der Bewegung« am 9. November, mit dem das NS-Regime alljährlich an den gescheiterten Hitler-Putsch in München 1923 erinnert.

Das Foto zeigt den Aufmarsch des »Bund Deutscher Mädel« (BDM), des weiblichen Zweiges der »Hitlerjugend« (HJ). Darin sind im Sinne der totalitären Ziele des NS-Regimes die Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren organisiert. Zu diesem Zeitpunkt ist die Mitgliedschaft noch freiwillig, verpflichtend wird sie ab 1. Dezember 1936. Die Mädchen ziehen gerade am katholischen Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) vorüber, aus dem im Vorjahr Stadtpfarrer Guido Andris (1879-1974) gewaltsam vertrieben wurde. Hinter dem BDM folgt eine Musikkapelle.

Standort des Fotografen: 47.882782, 8.343563

Ehepaar Schmid mit Kindern und Enkeln, 1938

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Bernhard Adrion und Heike Soldan-Bölle zur Verfügung.

Im Jahre 1904 hatten der Malermeister Karl Schmid (1878-1955) und seine Ehefrau Ernestine geb. Link (1884-1958) in Unterbränd geheiratet. Das junge Paar war dann nach Löffingen gezogen und hatte 12 Kinder miteinander bekommen, sechs Söhne und sechs Töchter. Geboren zwischen 1903 und 1924 liegen zwischen dem ältesten und dem jüngsten Kind rund 20 Jahre Altersunterschied.

Mittlerweile sind die meisten Kinder erwachsen, einige haben ihrerseits schon wieder Kinder. Dass die ganze Familie zusammen gekommen ist, lässt vermuten, dass ein Familienfest, vermutlich der 60. Geburtstag von Karl Schmid, gefeiert wird. Geboren wurde er am 12. Dezember 1878 in Unterbränd. Zeit also für ein Familienfoto! Und wo könnte sich die Familie besser aufstellen als auf den Treppenstufen vor dem Schuleingang?

1.Reihe, v.l.n.r.: Veronika Schmid, Erna Schmid (verh. (1) Kuhlmann, (2) Biethinger), Gertrud Schmid (verh. Faller, 1925-2005), Liesel Schmid (verh. Wider, geb. 1931), Hedwig Schmid (verh. Bayer, 1924-1996), ??? Schmid, Friedel Schmid, Irma Schmid (verh. Adrion, 1927-2018), Marie Schmid geb. ???
2.Reihe, v.l.n.r.: Theodor Kuhlmann (?-1942), Ernestine Schmid (geb. Link, 1884-1958), Karl Schmid (1878-1955), Berta Schmid
3.Reihe, v.l.n.r.: Hugo Schmid (1920-1941), Christian Schmid (1916-1940), Alfred Schmid, Karl Schmid, Timotheus Schmid (1903-1984), Simon Schmid (1905-1956)

Nicht auf dem Foto zu sehen ist die Tochter Helene (1907-1908), die bereits im Alter von zehn Monaten starb.

Standort des Fotografen: 47.882331, 8.347860

Prozession bei der Primiz von August Ganter, 7. Mai 1933

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Am 7. Mai 1933 feiert der frisch geweihte Priester August Ganter (1907-1970) seine Primiz in der katholischen Pfarrkirche St. Michael. Geboren wurde er am 21. Juni 1907 gleich neben der Kirche in seinem Elternhaus in der Seppenhofer Straße. Seine Eltern sind der Schneidermeister Edmund Ganter (1879-1956) und dessen Ehefrau Maria Ganter geb. Bader (1881-1962).

Der Prozessionszug biegt von der Kirche her kommend in die Untere Hauptstraße ein. Offenbar bewegt man sich in Richtung katholisches Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10). Der Fotograf steht dort auf dem Mäuerchen, um die Szene zu überblicken. Am Straßenrand stehen die Pfarrangehörigen dicht gedrängt. Im Hintergrund links ist die Rückseite des Gasthauses »Sonne« zu sehen. Girlanden schmücken die Prozessionsstrecke. Im Prozessionszug sind u.a. Franz Benitz (1908-1944), der 1935 zum Priester geweiht wird, Otto Ganter und Hafnermeister Josef Bader (1880-1959) zu erkennen.

August Ganter hatte das Bertholdgymnasium in Freiburg und das dortige Gymnasikalkonvikt besucht. Am 30. April 1933 war er zum Priester geweiht worden. Zunächst wird er Vikar in St. Märgen und Donaueschingen und schließlich Pfarrvikar in Todtnau, wo er im Februar 1940 mit der Verhaftung von Stadtpfarrer Stephan Blattmann, einem Gegner des NS-Regimes, konfrontiert wird. Ab 1942 wirkt er zunächst als Pfarrverweser, dann als Stadtpfarrer in Ewattingen. In dieser Zeit betreut er auch seelsorgerisch Robert und Magdalena Scholl, die Eltern der hingerichteten Widerstandskämpfer der »Weißen Rose« Hans Scholl und Sophie Scholl. Von 1954 bis zu seinem Tod ist der Geistliche in Obersasbach tätig. Er stirbt am 17. Juni 1970 während einer Wallfahrt nach Altötting.

Standort des Fotografen: 47.882705, 8.343550

Ausflug des »Jungmädelbundes«, ca. 1935

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Gertrud Heitzmann und Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Zu den Aktivitäten des »Bund deutscher Mädel«, dem weiblichen Zweig der »Hitlerjugend«, zählen insbesondere Ausflüge, Wanderungen und Märsche in freier Natur. Hier sind junge Mädchen zu sehen, die im »Jungmädelbund« der 10- bis 14-Jährigen organisiert sind. Sie stehen an einem Holzgatter und beobachten eine Schafherde, die weidet. Die Gruppe führt einen Wimpel mit sich, auf dem auf schwarzem Grund ein weißes Runenzeichen abgebildet ist.

Wie in der HJ gilt auch im BDM das Prinzip, dass Jugend durch Jugend geführt werden soll. Die Führerin der »Mädelschaft«, Else Häusle (verh. Weiss, 1911-?), die rechts steht, ist selbst noch sehr jung.

V.l.n.r.: ???, ???, ???, ???, ???, ???, ???, ???, ???, Gertrud Brugger (verh. Heitzmann, 1921-2005, im weißen Kleid), ???, ???, ???, ???, ???, ???, ???

Standort des Fotografen: ???