2 Fotos: Rückseite vom Haus Nickel in der Demetriusstraße, 1976

Stadtarchiv

Seit Jahrzehnten befindet sich im Haus Nickel (Rathausplatz 4) eine Metzgerei. Schon vor dem Großbrand 1921 betrieb Metzgermeister Johann Riegger hier sein Geschäft. 1938 kaufte dann der Metzgermeister Max Rohrer das Anwesen. Und ab den 1970er Jahren führten die Tochter Edeltraud Nickel geb. Rohrer und ihr Mann Bernhard Nickel die Metzgerei weiter. Zur Demetriusstraße hin wurde ein moderner Anbau errichtet, der als Kühlraum und als Garage dient. Darüberhinaus wird der Flachbau als Terrasse genutzt. Das kleine Törchen für Fußgänger, das eine direkte Verbindung von der Demetriusstraße zum Rathausplatz ermöglicht, geht neben dem Anbau fast unter.

Im November 2009 wird das Haus bei einem Brand stark beschädigt. Bis 2013 steht ein Kran in der Demetriusstraße, der aber nur anzeigt, dass eigentlich dringende Renovierungsarbeiten durchgeführt werden müssten.

Standort des Fotografen: 47.884253, 8.344247

Aufräumungsarbeiten in der Brandruine vom Haus Riegger am Rathausplatz, August 1921

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Während der Aufräumungsarbeiten nach dem Großbrand 1921 entstand dieses Gruppenfoto. Die Reichswehrsoldaten stehen in den Trümmern des Hauses von Metzger Johann Riegger (Rathausplatz 4). Dahinter ragt die Brandwand des angrenzenden Postamts (Rathausplatz 3) auf, das von der Feuerwehr gerettet werden konnte. Für den Erhalt des Postamtes und des Rathauses wurden alle verfügbaren Kräfte genutzt, weil man befürchtete, dass beim Abbrennen dieser beiden massiven Gebäude zwangsläufig weitere angrenzende Häuser und Straßenzüge zerstört würden.

Karl Bader, der Sohn des Feuerwehrkommandanten, erinnerte sich 1971, dass es während des Brandes enorm schwierig war, andere Wehren der Umgebung herbeizurufen, da die Fernleitung des Postamtes beschädigt und deshalb ausgefallen war. »Mit der Sirene des Sägewerkes versuchte man diese Alarmierungslücke zu überbrücken und so mischte sich weiterhin Sirenengeheul mit dem Läuten der Kirchenglocken, dem Prasseln des Feuers und dem Krachen der einstürzenden Dachstühle.«

Standort des Fotografen: 47.883986, 8.344299

NS-Kundgebung mit Reichststatthalter Robert Wagner, 24. Juni 1934

Erzbischöfliches Archiv Freiburg

Nach der gewaltsamen Vertreibung des katholischen Stadtpfarrers Guido Andris (1879-1974) am 23. Juni 1934 und der Verhaftung von 16 mutigen Einwohnern, die dagegen öffentlich protestiert hatten, fand am darauffolgenden Tag eine Kundgebung auf dem Rathausplatz statt. An ihr nahm der badische Reichsstatthalter Robert Wagner (1895-1946) teil, der sich wegen der »Sonnwendfeier« am Feldberg ohnehin in der Umgebung aufgehalten hatte und spontan in das Baarstädtchen gekommen war.

Große Hakenkreuzfahnen waren an der Fassade des Rathauses angebracht. Über dem Rathausbrunnen war eine Rednertribüne aufgebaut. Am Pult steht Wagner. Um ihn hat sich eine große Schar NS-Funktionäre sowie uniformierter SA- und SS-Männer aufgebaut. Ein Pfeil auf dem Foto markiert, wo NSDAP-Ortsgruppenleiter Dr. Richard Straub (1894-1938) steht. Auf den Bildrand ist in der rechten Ecke notiert, dass sich vor der Rednerbühne Angehörige des katholischen Vereins »Deutsche Jugendkraft (DJK)« versammeln mussten. Sie werden von NS-Aktivisten eingeschlossen. Die gesamte Kundgebung dient vor allem ihrer Einschüchterung und als Machtdemonstration gegenüber der Einwohnerschaft.

Wagner geht in seiner Rede auf das Verhältnis von Staat und Kirche ein, ohne die Vertreibung des Stadtpfarrers vom Vortag zu erwähnen. Er droht, die Feinde der nationalsozialistischen Ordnung würden in Zukunft mit »schonungsloser Schärfe« und mit »aller Strenge« bekämpft. Einige Einwohner zeigen ihren Unmut durch Zwischenrufe und Pfiffe.

Standort des Fotografen: 47.883917, 8.345045

Zwei Fotos vom Unfall des NSDAP-Parteiautos auf dem Rathausplatz, ca. 1933-1938

Verlag A. Rebholz / Stadtarchiv

Ganz offensichtlicht hat da jemand zu früh die Kurve nehmen wollen! In der Berichterstattung der Lokalzeitungen konnte bislang leider trotz intensiver Recherchen kein Hinweis auf diesen Verkehrsunfall gefunden werden. Vermutlich entschied man sich gegen eine Berichterstattung, da der Unfall etwas heikel erschien. Schließlich handelte es sich um ein NSDAP-Parteiauto, das mitten im Städtchen von der Straße abgekommen war. Wenn da mal nicht Alkohol am Steuer im Spiel war! 

Das Auto mit dem KFZ-Kennzeichen »IVB 153362« kam an der Hauswand vom Haus Riegger (Rathausplatz 3) zu stehen. Über der Eingangstür ist der Schriftzug »Metzgerei Johann Riegger Wursterei« zu lesen. 1938 übernahm Metzgermeister Max Rohrer das Haus und die dazugehörige Metzgerei. Rechts daneben ist der Laden von Buchbinder Anton Rebholz (Rathausplatz 2) zu sehen, der mit einer Hakenkreuz-Fahne geschmückt ist. Schaulustige stehen herum, die das Unfallgeschehen kommentieren.

Standort des Fotografen: 47.883981, 8.344419

Kinderumzug an Fasnacht beim Rathaus, ca. 1956/57

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Maria Baumann zur Verfügung.

Über den Unteren Rathausplatz zieht ein Zug kleiner Fasnachtsnarren. Im Vordergrund laufen Kinder, die im Kindererholungsheim Gugelberger im Maienland einige Wochen zur Erholung verbringen. Sie gehen an der Hand ihrer Kinderschwester Maria Frey.

Im Hintergrund sind die Häuser Rohrer und Fuß zu erkennen. An ihrer Fassade ist Werbung angebracht, die auf die Metzgerei von Max Rohrer und auf die Bäckerei und das Café von Viktor Fuß aufmerksam macht.  Schließlich handelt es sich bei der Straße um eine Durchgangsstraße. Doch gerade ist sie für den Autoverkehr gesperrt und gehört ganz allein den kleinen Narren.

Standort des Fotografen: 47.883875, 8.344039

Tanzgruppe auf der Fasnachtsbühne, ca. 1939

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Heike Soldan-Bölle zur Verfügung.

Dicht and dicht stehen die Menschen auf dem oberen Rathausplatz. Sie strecken ihre Hälse, um die Darbietungen auf der Fasnachtsbühne sehen zu können. Im Augenblick wird gerade getanzt.

Die »Schnitterin« auf dem Rathausbrunnen, die links zu sehen ist, hat wie es scheint Gesellschaft bekommen. Ein paar Meter von ihr entfernt, ragt ein Schornsteinfeger empor, als ob es sich bei ihm auch um eine Brunnenfigur handele.

Das Foto muss nach 1938 aufgenommen worden sein. Denn in diesem Jahr übernahm der aus St. Peter stammende Metzgermeister Max Rohrer (1901-1954) das Haus Rathausplatz 4. Auf dem Bild steht sein Name schon groß geschrieben auf der frisch renovierten Fassade.

Standort des Fotografen: 47.883927, 8.344812

Unterer Rathausplatz mit Demetriusbrunnen, ca. 1954-1960

Verlag A. Rebholz / Sammlung Familie Waßmer

Neu steht er da auf dem unteren Rathausplatz, der neue Demetriussbrunnen. Der alte Brunnen wurde bei einem Fliegerangriff am 25. April 1945 zerstört. Die Wucht war so groß, dass der verdohlte Stadtbach aufriss. Die Figur blieb unbeschädigt und landete im Bachbett. Oswald Laufer (geb. 1930) und Valentin Maier (1901-?) bargen die Statue und brachten sie auf das Rathaus. 1954 wurde der Brunnen wiederaufgebaut, leicht zurückgesetzt, um die Straße verbreitern zu können.

Auf dem Foto sind das Rathaus mit der Kriegerdenkmal von 1870/71 davor zu sehen. Es fristet ein trauriges Dasein, anstelle des alten schmiedeeisernen Gitters wird es von einem Maschendrahtzaun eingerahmt. Der Staffelgiebel links gehört zum Haus von Viktor Fuß (Rathausplatz 5), der darin seit 1935 seine Bäckerei und sein Café betreibt. Am der Seitenwand des Nachbarhauses (Rathausplatz 4) steht »M. Rohrer Metzgerei« geschrieben. Seit 1938 führt Metzgermeister Max Rohrer in dem Gebäude sein Geschäft. Ein Kind mit Fahrrad steht mitten auf der Straße. Der Schatten, der im Vordergrund auf die Asphaltfläche flächt, gehört zum Gasthaus »zum Adler«.

Standort des Fotografen: 47.883698, 8.343627

Laden von Anton Rebholz und Postamt am oberen Rathausplatz, ca. 1910-1916

Verlag A. Rebholz 
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Werner Lubrich zur Verfügung.

Der Briefträger Josef Zimmermann steht in der Eingangstür des Postamtes und schaut die Straße hinab. Neben ihm steht der Postkarren, mit dessen Hilfe er die Post und die Pakete zum Bahnhof transportiert. Am Türsturz ist die Jahreszahl 1900 angebracht. Darüber hängt ein Schild mit der Aufschrift: »Postamt«. 

Links daneben befindet sich der Laden von Anton Rebholz (1875-1946). Er war gebürtig aus Niedernau bei Rottenburg am Neckar und von Beruf Buchbindermeister und Fotograf. Von ihm stammen viele Löffinger Ansichtskarten, denn er fotografierte über viele Jahrzehnte hinweg und vertrieb die Karten. Im Schaufenster präsentiert er sein Sortiment, das es auf einem Schild über dem Eingang anpreist: »Bilder Spiegel Haussegen Gebetbücher Rosenkränze Andenken«. 

Das angrenzende Haus von Metzgermeister Johann Riegger brannte später beim Großbrand 1921 ab. Zu sehen ist das Törle, das vom Rathausplatz in die Hintergasse, die heutige Demetriusstraße, führt. 

Standort des Fotografen: 47.884027, 8.344596

Blick auf das frühere Amtshaus am oberen Rathausplatz, ca. 1910-1916

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Werner Lubrich zur Verfügung.

Als dieses Bild entstand, war das frühere Fürstenbergische Amtshaus bereits seit rund 50 Jahren in zwei Gebäudehälften geteilt. Die Fassaden waren unterschiedlich gestaltet, nur das durchlaufende Dach erinnerte noch an die frühere bauliche Einheit.

Rechts befand sich das »Kolonialwarengeschäft« von Ferdinand Nägele (1839-1906), das seit seinem Tod 1906 von seiner Witwe Johanna Nägele geb. Wider und seinem Sohn Karl Nägele (1879-1918) geführt wurde. Karl Nägele fiel im Ersten Weltkrieg als Soldat in Flandern im Alter von nur 39 Jahren.

In der linken Gebäudehälfte befanden sich das Postamt und der Laden von Buchbindermeister Anton Rebholz (1875-1946). Rebholz stammte gebürtig aus Niedernau bei Rottenburg am Neckar. Er war mit Wilhelmina geb. Kaiser (1880-1966) aus Unteralpfen verheiratet.

Angrenzend an das frühere Amtshaus steht das Haus des Metzgermeisters Johann Riegger (1854-1931) und seiner Ehefrau Maria geb. Diesberger. Das Gebäude brannte ein paar Jahre später beim Großbrand 1921 ab. Der Feuerwehr gelang es damals aber, das Postamt vor den Flammen zu retten und damit ein weiteres Umsichgreifen des Feuers zu verhindern.

Am Rathaus sind im Erdgeschoss noch Türen mit Holzläden zu sehen, denn die Halle diente bis zur Jahrhundertwende als Markthalle. An Markttagen wurden die Läden geöffnet und dann herrschte geschäftiges Treiben in der Halle und auf dem Marktplatz. Schön zu erkennen ist auf dem Foto der Rathausbrunnen mit der »Schnitterin«.

Standort des Fotografen: 47.884037, 8.345020