Sofie Hepting mit ihren Kindern bei einer Schafherde, ca. 1943

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Ein Sommertag irgendwo außerhalb des Städtchens. Das Gras steht hoch auf der Weide, darüber spannt sich ein weiter Himmel mit einzelnen Wolken. Mitten in der Landschaft zieht eine große Schafherde gemächlich über die Wiese. Die Tiere grasen friedlich, nur der Hütehund bleibt aufmerksam. Selbst als der zehnjährige Ewald Hepting (1933-2010) ihn streichelt, lässt er die Herde nicht aus den Augen. Wachsam sitzt er im Gras und erfüllt seine Aufgabe mit stoischer Ruhe.

Weiter hinten zwischen den Schafen stehen Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995) und ihre kleine Tochter Inge Hepting (verh. Mayer, geb. 1939). Vielleicht handelt es sich um einen Sonntagsspaziergang oder einen kleinen Ausflug hinaus aufs Feld. Möglicherweise entsteht die Aufnahme im »Schlempental«.

Standort des Fotografen: ???

Luise Bader mit ihren Kindern, ca. 1954

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Irmgard Timm zur Verfügung.

Eine fünfköpfige Familie lässt sich im Garten fotografieren. Luise Bader (geb. Straub, 1914-2009) steht hinter ihren vier Kindern – und doch zugleich in ihrer Mitte. Ihr Ehemann und der Vater der Kinder, Konrad Bader (1915-1946), ist zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre tot. Er starb am 26. Dezember 1946 im Alter von nur 31 Jahren. Die vier Kinder wurden zwischen 1940 und 1946 geboren; das jüngste war erst drei Monate alt, als der Vater starb.

Was folgt, ist eine enorme Lebensleistung: Luise Bader zieht ihre Kinder allein groß, sorgt für ihren Lebensunterhalt und gibt ihnen zugleich Halt und Geborgenheit. Das Foto lässt etwas von dieser Fürsorge erahnen.

V.l.n.r.: 1 Irmgard Bader (verh. Timm, geb. 1942), 2 Conrad Bader (geb. 1945), 3 Luise Bader (geb. Straub, 1914-2009), 4 Siegfried Bader (geb. 1940), 5 Cäcilia Bader (geb. 1946)

Vervollständigt wird die Szene von zwei Kätzchen, die ebenfalls ihren Platz im Familienbild gefunden haben.

Standort des Fotografen: ???

Kühe am Ratzer-Brunnen in der Dittishauser Straße, ca. 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Zwei Kühe stehen am »Ratzer-Brunnen« in der Dittishauser Straße, der auch als Viehtränke dient. Der Platz um den Brunnen ist mit Kopfsteinpflaster befestigt, damit der Boden nicht aufweicht und matschig wird. Die Tiere gehören zum landwirtschaftlichen Anwesen der Familie Hepting und sind aus dem nahegelegenen Stall ein paar Meter über die Straße zum Brunnen getrieben worden.

Im Vordergrund ist der kleine Ewald Hepting (1933-2010) zu sehen, der eine Geisel in der Hand hält. Das Foto dürfte gestellt sein: Der Junge posiert für die Kamera, treibt die Kühe aber nicht wirklich.

Der Chronist Leo Ratzer (1881-1948), der im benachbarten Haus (Dittishauser Str. 1) wohnt, beschreibt 1938 in einem Artikel, wie der zunehmende Autoverkehr das Leben von Mensch und Tier verändert. Sein Beitrag trägt den Titel »Der Verkehr auf der Landstraße vor 50 Jahren und heute«. Darin heißt es:
»Heute nimmt auch das störrischste Ochsenvieh kaum mehr Notiz von dem oft ohrenbetäubenden Verkehr; viel lästiger ist ihm das Ungeziefer in den Sommermonaten. Man kann hier seit zwei Jahren einen alten Ochsen beobachten, der seinen Weg von und zum Brunnen ganz allein, hart an einem Gartenzaun vorbei, nimmt und die Straße vollkommen außer Acht lässt. Dieses brave Tier könnte manchem Zeitgenossen als Beispiel in der Verkehrsdisziplin dienen – hier spricht der natürliche Instinkt.«

Standort des Fotografen: 47.884780, 8.348525

Umzug auf dem oberen Rathausplatz, ca. 1956

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Eng gedrängt stehen die Zuschauer*innen auf dem oberen Rathausplatz. Kinder recken die Hälse oder werden auf den Arm genommen, Erwachsene blicken in Richtung Festumzug. Gerade zieht ein festlich geschmückter Wagen vorbei, gezogen von zwei Pferden. Tannenreisig und kleine Bäumchen verleihen ihm einen beinahe waldartigen Charakter. Der Reiter ist Hermann Fehrenbach.

Auch das Städtchen selbst hat sich herausgeputzt: Das Rathaus ist beflaggt, die »alte Sonne« mit Girlanden geschmückt. Ein Umzug, wie er nur zu besonderen Anlässen stattfindet.

Vermutlich wird das Foto anlässlich des Kreisfeuerwehrtages 1956 aufgenommen. Für den Festumzug zum 100-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr im Juni 1963 passt die warme Kleidung der Menschen nicht. Sicher ist die Datierung jedoch nicht.

Standort des Fotografen: 47.884073, 8.344932

2 Fotos: Kinder mit Rehkitz im Stettholz, 1971

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilie Runge zur Verfügung.

Sommer 1971 im »Stettholz«. Die Sonne steht hoch, das Gras ist trocken, hinter der Hecke blitzt ein weiß verputztes Wohnhaus (Stettholz 2) mit braunen Fensterläden hervor. Eigentlich prägen Kühe, Stallgeruch und landwirtschaftliche Maschinen den Alltag auf den Aussiedlerhöfen – doch an diesem Tag sorgt ein ganz anderes Tier für Aufregung.

Mitten im Gras steht ein kleines Rehkitz. Sein geflecktes Fell leuchtet im Sonnenlicht, die dünnen Beine wirken noch etwas wackelig. Und doch scheint es keine Angst zu haben. Neugierig streckt es den Kopf nach oben, während eine junge Frau ihm vorsichtig ein Fläschchen hinhält. Offenbar wird es mit der Hand aufgezogen.

Vier Kinder haben sich um das Tier geschart. Ein Junge mit Brille und karierten Kniestrümpfen beobachtet das Geschehen aufmerksam. Zwei Mädchen im Sommerkleid streicheln behutsam über das weiche Fell. Ein weiterer Junge schaut halb verborgen hinter ihnen hervor. Ein Rehkitz auf einem Bauernhof ist keine Alltäglichkeit – deswegen ist auch schnell ein Fotoapparat zur Hand, um den besonderen Moment festzuhalten.

Der Aussiedlerhof gehört Adolf Heiler, der auch Tierpfleger im »Wildpark« ist. Hin und wieder nimmt er ein besonders pflegebedürftiges Tier für einige Zeit mit auf seinen Hof, um es rund um die Uhr zu pflegen. 

V.l.n.r.: 1 Rudolf Heiler, 2 Ute Heiler, 3 Petra Zepf, 4 Rainer Zepf, 5 Cäcilia Rebholz (verh. Runge)

Standort des Fotografen: 47.895790, 8.326115

4 Fotos: Narrenumzug auf dem oberen Rathausplatz, Fasnacht 1930

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Der obere Rathausplatz ist voller Menschen. Fast scheint es, dass alle Einwohner*innen des Städtchens auf den Beinen sind. Es ist der 2. März 1930, wie auf den Fotos notiert ist, ein Sonntag – und in Löffingen wird Fasnacht gefeiert. Das Motto lautet: »Generalmusterung und Besuch Seiner Majestät des Kaisers«. Der musste zwar im November 1918 abdanken und verschwand ins niederländische Exil, aber anlässlich der närrischen Tage kehrt er nach Löffingen zurück.

Auf den Fotos sind freilich keine einzelnen Narrengruppen oder Details wie Kostüme zu erkennen. Zu sehen ist vor allem die dichte Menschenmenge, die die Umzugstrecke einrahmt und sich rund um den Rathausbrunnen drängt. Männer, Frauen und Kinder stehen Schulter an Schulter, viele mit Hüten und Mänteln, einige auf Fensterbänken oder erhöhten Standpunkten, um besser sehen zu können. Stimmengewirr, Gelächter und Musik liegen in der Luft. Pferde, die vor einen Holzkarren gespannt sind, warten geduldig am Rand des Menschenauflaufs, während sich der Platz immer mehr füllt und das närrische Treiben seinen Lauf nimmt.

Der Rathausplatz wird eingerahmt vom 1909 erbauten »Stadtbau« (Demetriusstr. 1), in dem sich die Gewerbliche Fortbildungsschule befindet, und vom Haus Nägele (Rathausplatz 2), das der Kaufmannswitwe Lina Nägele (geb. Ott) gehört, sowie vom Postamt (Rathausplatz 3). Die beiden letzteren Häuser waren ursprünglich ein Gebäude, wie noch an der durchgehenden Dacheindeckung zu erkennen ist. Nur die Fassadengestaltung unterscheidet sich stark. Einst war es das Fürstenbergische Amtshaus und wurde von den Einwohner*innen respektvoll »Schloss« genannt. Nach der Auflösung des Fürstentums Fürstenberg kam Löffingen zum neu gegründeten Großherzogtum Baden und das Haus diente zunächst weiterhin als Dienstgebäude. Majestäten haben hier zwar nie verkehrt, aber als herrschaftliches Gebäude ist es die perfekte Kulisse für das närrische Treiben und den fiktiven »Besuch Seiner Majestät des Kaisers«.

Standort des Fotografen: 47.883861, 8.344760

4 Fotos: Schwarzwaldverein bei der Krötenwanderung, März 1979

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Es ist dunkel, als die Gruppe am Straßenrand zusammenkommt. Die Mitglieder des Schwarzwaldvereins sind wieder unterwegs zur Krötenwanderung. Jeden Abend, pünktlich nach Einbruch der Dunkelheit, machen sie sich auf den Weg. Die Kröten sind auf ihrer alljährlichen Wanderung zu den Laichplätzen am Kirnbergsee, doch die Straße liegt genau auf ihrem Weg. Ohne Hilfe würden viele von ihnen beim Überqueren totgefahren. Also werden die Tiere vorsichtig eingesammelt, in Eimer gesetzt und über die Fahrbahn getragen. Dann geht es für sie weiter in Richtung Wasser.

Die Aktion folgt einem festen Rhythmus. Unter der Regie von Naturschutzwart Hugo Dörflinger beginnt der Einsatz gegen 20 Uhr und dauert meist eineinhalb Stunden. Naturschutz ist hier kein Schlagwort, sondern praktische Arbeit, getragen von Ehrenamtlichen. Ein unscheinbarer, aber wirkungsvoller Einsatz, der zeigt, wie sehr sich Menschen für ihre Umgebung verantwortlich fühlen

3. Bild
V.l.n.r.:
1 Hugo Dörflinger, 2 Hilde Bausch, 3 Veronika Dörflinger, 4 Brigitte Helmling, 5 Richard Kirner, 6 Gertrud Kirner

Standort des Fotografen: 47.925068, 8.356026

2 Fotos: Kälbchen auf der Dittishauser Straße, ca. 1939

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Vorsichtig tritt das Kälbchen auf das Kopfsteinpflaster, hebt den Kopf und bleibt mitten auf der Dittishauser Straße stehen. Die Sonne scheint warm, der Moment gehört ganz ihm. Verkehr gibt es hier kaum. Das junge Tier ist gerade aus dem Stall des Hauses Hepting (Dittishauser Str. 7) getreten. Solche kleinen Ausflüge gehören zum Alltag. Straße und Hof gehen ineinander über, Menschen und Tiere teilen sich den Raum ganz selbstverständlich. Am gegenüberliegenden »Ratzer-Brunnen« wird das Vieh auch ab und zu getränkt. Im Hintergrund steht ein Junge und beobachtet die Szene – vermutlich Ewald Hepting (1933-2010). In der Stalltür ist eine Frau zu sehen, wohl seine Mutter Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995). Sie behält das Kälbchen im Blick. Nach ein paar Minuten ist der kleine Ausflug vorbei. Das Kälbchen dreht um und trottet zurück in den Stall.

Rechts neben dem Haus Hepting schließt sich das Haus Sperer (Dittishauser Str. 9) an. Es gehört dem Gärtner Xaver Sperer und seiner Ehefrau Maria Sperer (geb. Lohmüller). Eine Holzbiege ist aufgeschichtet.

Standort des Fotografen: 47.885175, 8.348860

4 Fotos: Jäger nach der Treibjagd am Ochsenberg, 1974

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Beate Lubrich zur Verfügung.

Ein kalter Wintertag im Jahr 1974 am »Ochsenberg«. Der Schnee liegt flächendeckend auf der Anhöhe, die Luft ist klar, die Schritte knirschen unter den Stiefeln. Die Treibjagd ist beendet, und die Jäger haben sich um die Strecke versammelt. In der Mitte liegen die erlegten Tiere, sorgfältig ausgelegt und mit Fichtenzweigen eingerahmt – ein stiller Moment, auch des Respekts vor den getöteten Tieren, nach der Anspannung des Jagdtages.

Ringsum stehen die Männer dicht beisammen, in schweren Mänteln, mit Hüten und Gewehren. Viele sind mit ihren Autos vorgefahren, wie der Fuhrpark im Hintergrund zeigt. Die Treibjagd dient der Bestandsregulierung und dem Schutz von Wald und Flur. Gleichzeitig ist sie eingebettet in feste Regeln und Bräuche – und auch ein gesellschaftliches Ereignis.

Zur Jagdgesellschaft gehören u.a. Ludwig Storz (1902-1987), Heinz Hauger (Treiber), Ernst Rudigier (1922-1981, Göschweiler), Karl Sibold (1937-2016), Gerhard Raufer (Göschweiler), Klaus Allinger, Rudolf Heer (Treiber, Göschweiler), Hermann Reichert und Rudolf Jordan (1942-2024).

Standort des Fotografen: 47.883285, 8.326631

Familie Benz bei der Heuernte am Ochsenberg, ca. 1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Adolf Benz zur Verfügung.

Ein sonniger Sommertag am Ochsenberg. Das Gras ist gemäht, getrocknet – jetzt muss es eingefahren werden, bevor das Wetter umschlägt. Für die Familie Benz ist das Hochsommeralltag. Gemeinsam stehen sie auf der Wiese, dicht am Ochsengespann, das den hohen Leiterwagen zieht. Die Erwachsenen führen die schweren Heugabeln und werfen die duftenden Bündel hinauf. Oben auf dem Wagen balanciert ein Junge und tritt das Heu fest, damit möglichst viel aufgeladen werden kann. Vermutlich ist es Adolf Benz (1930-2025).

Heuernte ist Familiensache – jede Hand wird gebraucht, vom jüngsten Kind bis zur Großmutter. Familie Benz wohnt in der Kirchstraße, doch ihr eigentliches tägliches Leben spielt sich draußen ab, auf den Feldern und Wiesen rund um Löffingen. Die schmale Baumallee im Hintergrund zeichnet die Landstraße nach Rötenbach nach.

Standort des Fotografen: 47.885150, 8.330410

Rupert Hepting bei der Kartoffelernte, ca. 1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Ein junger Mann läuft neben einem Kartoffelroder her, den zwei kräftige Pferde über den Acker ziehen. Die rotierenden Zinken des Geräts heben die Kartoffeln aus der Erde und schleudern sie an die Oberfläche, wo sie später von Hand aufgelesen werden. Der Landwirt ist Rupert Hepting (1905–1990).

Er lebt mit seiner Frau Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995) in der Dittishauser Straße. Sein Feld bewirtschaftet er noch ganz in der traditionellen Arbeitsweise, bevor sich in den Nachkriegsjahrzehnten immer mehr Maschinen durchsetzen. Das Foto zeigt einen Moment harter Alltagsarbeit in der Landwirtschaft.

Standort des Fotografen: ???

Kind auf dem Pferd hinter dem Gasthaus »Ochsen«, ca. 1944

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Susanne Obergfell zur Verfügung.

Hinter dem Gasthaus »Ochsen« darf sich der kleine Willi Pütz auf ein Pferd setzen. Seine Mutter steht neben ihm und hält das Tier am Zügel, damit der Junge sicher sitzen kann. Willi Pütz ist zu diesem Zeitpunkt erst kurze Zeit in Löffingen: Zusammen mit seinen Eltern war er aus dem luftkriegsgefährdeten Köln hierher evakuiert worden. Der Moment, der auf dem Foto festgehalten ist, dürfte für ihn ein kleines Abenteuer gewesen sein – und vielleicht eine willkommene Abwechslung in einer entbehrungsreichen Kriegszeit.

Standort des Fotografen: 47.883802, 8.345390