Reiter und Umzugswagen in der Oberen Hauptstraße zur Stadterhebung, 27. Mai 1951

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Ein Reiter in mittelalterlich anmutender Rüstung zieht durch die Obere Hauptstraße, hinter ihm folgt ein von zwei Pferden gezogener Festwagen. Schon auf den ersten Blick ist klar: Hier soll ein Kapitel aus der frühen Stadtgeschichte lebendig werden. Auf dem mitgetragenen und auf dem Foto schwer zu entziffernden Schild ist zumindest die Jahreszahl »1250« deutlich zu erkennen.

Anlässlich der Wiederverleihung der Stadtrechte wird ein großer Festumzug veranstaltet, bei dem zahlreiche Gruppen und Wagen Szenen aus der Geschichte Löffingens darstellen. Das Programmheft verrät, was hier gemeint ist: »Verleihung des freien Marktrechtes – Minnesänger Wachsmut von Künsingen – 1250«. Der Reiter verkörpert offenbar den Minnesänger, während der Wagen die mittelalterliche Szenerie ergänzt.

Minnesang bezeichnet die höfische, gesungene Liebeslyrik des Mittelalters, die vor allem im 12. und 13. Jahrhundert ihre Blüte erlebt. Wachsmut von Künsingen soll in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gelebt haben. Über seine Person ist nur wenig bekannt. Ein Bezug zu Löffingen oder zur Baar lässt sich nicht nachweisen; in der neueren Forschung wird er vielmehr dem Gebiet des heutigen Luxemburg zugeordnet. Wie kommt er dann in den Löffinger Festzug? Bereits 1885 erschien ein Aufsatz über einen angeblichen »Minnesänger der Baar«, der aus Löffingen stammen soll. Auch Karl Hasenfuß nimmt 1953 in seine Stadtchronik ein Wachsmut von Künsingen zugeschriebenes Minnelied auf. Die Vorstellung von einem heimischen Minnesänger verfestigte sich in der lokalen Geschichtserzählung.

Überhaupt bewegt sich der Festzug von 1951 bei der Darstellung des Mittelalters auf unsicherem historischen Boden. Schriftliche Belege für die Stadtgründung durch Graf Heinrich von Fürstenberg oder für eine Verleihung des Marktrechts im Jahr 1250 fehlen. Beim großen Jubiläumsumzug wird Geschichte deshalb nicht nur rekonstruiert, sondern auch mit einer Portion Phantasie ausgeschmückt.

Standort des Fotografen: 47.884496, 8.345928

Umzugswagen »Römerwache« in der Bahnhofstraße, Fasnacht 1952

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Mitten durch die Bahnhofstraße verläuft plötzlich der Limes. Zwei Ochsen ziehen einen Umzugswagen, auf dem sich ein römischer Wachturm erhebt. Oben hat eine ganze »Römerwache« Aufstellung genommen. Männer und Frauen in antik anmutenden Kostümen blicken von der Plattform herab, einer der Wächter steht unten am Wagen und hält die Stellung. Hinter dem Wagen folgt der weitere Narrenumzug in der verschneiten Straße.

1.Reihe: 1 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???

Die Fasnacht steht in diesem Jahr unter dem Motto »Als die Römer frech geworden«. Dazu passt die »Römerwache« natürlich bestens. Ganz neu ist die Gruppe allerdings nicht. Kostüme und Wagen kommen bereits im Vorjahr beim Festumzug zur Stadterhebung 1951 zum Einsatz. Es wäre auch zu schade, wenn die aufwendigen Verkleidungen und der mächtige Wagen nach nur einem einzigen Auftritt wieder in der Versenkung verschwänden. So erhält das Ganze 1952 ein närrisches zweites Leben.

Der Wagen stellt einen römischen Wachturm aus dem 3. Jahrhundert dar. Für einen Augenblick wird die Bahnhofstraße damit zur Grenze des Römischen Reiches umgedeutet. Im Hintergrund ist der »neue Benzbau« (Ringstr. 8) zu erkennen, ein Mehrfamilienhaus für Arbeiter des Sägewerks Benz und ihre Familien. Daneben steht das Haus des Revierförsters Franz Rappenegger und seiner Ehefrau Josefa Rappenegger (geb. Roth) (Ringstr. 6).

Standort des Fotografen: 47.883316, 8.342488

Umzugswagen »Rosenkorb« in der Maienlandstraße zur Stadterhebung, 27. Mai 1951

Foto Leofa, Neustadt | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Der Festzug eilt durch die regennasse Maienlandstraße. Regenschirme sind aufgespannt, die Straße glänzt vom Regen – ausgerechnet an diesem besonderen Tag spielt das Wetter nicht mit. Löffingen feiert die Wiedererlangung seiner Stadtrechte, doch die Feierlichkeiten fallen im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Vor dem Haus Honold (Maienlandstr. 2) zieht der Festwagen »Rosenkorb« vorbei. Von hinten ist vor allem die große Fahne mit dem Löffinger Wappen zu sehen. Auf dem von einem kräftigen Pferd gezogenen Wagen türmt sich ein gewaltiger Berg aus Rosen. Die Blüten sind allerdings nicht echt: Fritz Adrion sen. (1897-1971) und Rosa Adrion (geb. Berger, 1898-1973), und ihre Familie haben sie in mühevoller Arbeit aus Papier gefertigt.

Auch das Haus Honold (Maienlandstr. 2) ist für den Festtag geschmückt. Eine Reisiggirlande hängt an der Fassade, daneben weht die badische Fahne in Gelb-Rot-Gelb. Baden-Württemberg gibt es noch nicht: Löffingen gehört 1951 zum Land Baden. Am 9. Dezember 1951 folgt die Volksabstimmung über die Bildung eines »Südweststaates«. Im folgenden Jahr schließen sich Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern dann zum neuen Land Baden-Württemberg zusammen.

Hinter dem »Rosenkorb« folgt die Stadtmusik. Die Musiker scheinen angesichts des Dauerregens weniger um ihre Uniformen als um ihre Instrumente besorgt zu sein. Statt gemächlich zu paradieren, wird an diesem nasskalten Maitag eher zügig marschiert.

Standort des Fotografen: 47.884323, 8.343460

4 Fotos: Umzugswagen »Santa Maria« in der Bahnhofstraße, Fasnacht 1961

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Helga Küßner und Christa Egle zur Verfügung.

Mit voller Kraft voraus steuert die »Santa Maria« durch die Bahnhofstraße. Der Umzugswagen des Fußballclubs ist als Dampfschiff gestaltet, mit Bullaugen, Anker, Schornstein, Mast und bunten Wimpeln. Gezogen wird das Narrenschiff von einem Traktor, an dessen Steuer Franz Isele (1933-2014) sitzt. Neben dem Wagen läuft »Kapitän« Hans Müller (1926-2014) und navigiert seine ungewöhnliche Besatzung durch das Städtchen.

An Bord sind u.a. zu sehen: Ernst Wehrle (»Wehrli Schniider«), Erich Adrion (»Drilli«, 1926-2001), Anton Maier, Bruno Schwanz, Erich Riedlinger (1936-1997), Hans Küßner (1937-2020), Emil Kopp (1932-2022)

An Bord herrscht ausgelassene Stimmung. Einige der Fußballer haben sich als Frauen verkleidet, andere geben mit breitkrempigen Hüten und dunklen Bärten finstere Seemänner oder Piraten. Gleich zwei Akkordeons sorgen für die passende musikalische Begleitung. Welche Lieder erklingen, wissen wir nicht – Seemannsromantik liegt Anfang der 1960er-Jahre jedenfalls im Trend. Freddy Quinn besingt seit Jahren die Ferne und das Meer, und mit »Seemann (Deine Heimat ist das Meer)« landet Lolita 1960 einen großen Schlagererfolg.

So verwandelt sich die Bahnhofstraße für einige Minuten in eine Hafenstraße. Die Fußballer gehen auf große Fahrt – auch wenn ihre »Santa Maria« das Baarstädtchen vermutlich nicht weiter verlässt als bis zum Ende der Umzugsstrecke.

Standort des Fotografen: 47.884009, 8.341860

Umzugswagen »Santa Maria« in der Unteren Hauptstraße, Fasnacht 1961

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elisabeth Müller zur Verfügung.

Bei strahlendem Sonnenschein liegt plötzlich das Schiff »Santa Maria« in der Unteren Hauptstraße vor Anker. Der Umzugswagen, von einem Traktor gezogen, ist mit Bullaugen, Anker, Schornstein, Mast und bunten Wimpeln als Dampfschiff gestaltet. Ob er gerade langsam durch die Straße fährt oder vor dem Geschäft »Konsum« (Untere Hauptstr. 7) einen kurzen Halt einlegt, lässt sich nicht erkennen.

An Bord drängt sich eine Schar Narren. Es sind Mitglieder des Fußballclubs, die für ihren Auftritt in Frauenkleider geschlüpft sind. Einer sitzt auf der Reling und lässt die Beine über die Bordwand baumeln, die anderen stehen dicht gedrängt dahinter. Auch der Mann vor dem Wagen gehört zur Inszenierung und gibt sich mit seiner Schirmmütze als Kapitän zu erkennen. Es ist  Kapitän ist Hans Müller (1926-2014).

Die Untere Hauptstraße bildet die Kulisse für das närrische Spektakel. Zu sehen sind der »Konsum«, das Gasthaus »Sonne«, die Brunnenstube und der Seitengiebel vom Kaufhaus Henzler – und mitten hindurch zieht das ungewöhnliche Narrenschiff. Welches Motto die Fußballer ihrem Wagen geben und wohin die närrische Seereise führen soll, ist leider nicht überliefert.

Standort des Fotografen: 47.883254, 8.343815

Umzug auf dem oberen Rathausplatz, ca. 1956

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Eng gedrängt stehen die Zuschauer*innen auf dem oberen Rathausplatz. Kinder recken die Hälse oder werden auf den Arm genommen, Erwachsene blicken in Richtung Festumzug. Gerade zieht ein festlich geschmückter Wagen vorbei, gezogen von zwei Pferden. Tannenreisig und kleine Bäumchen verleihen ihm einen beinahe waldartigen Charakter. Der Reiter ist Hermann Fehrenbach.

Auch das Städtchen selbst hat sich herausgeputzt: Das Rathaus ist beflaggt, die »alte Sonne« mit Girlanden geschmückt. Ein Umzug, wie er nur zu besonderen Anlässen stattfindet.

Vermutlich wird das Foto anlässlich des Kreisfeuerwehrtages 1956 aufgenommen. Für den Festumzug zum 100-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr im Juni 1963 passt die warme Kleidung der Menschen nicht. Sicher ist die Datierung jedoch nicht.

Standort des Fotografen: 47.884073, 8.344932

Narrengruppe »Piraten« in der Oberen Hauptstraße, Fasnacht 1997

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Eine Gruppe Piraten hat sich in den Narrenumzug am »Fasnet Mändig« gemischt. In der Oberen Hauptstraße, auf der Höhe des »Küferstüble« (Obere Hauptstr. 5), kommt der wilde Haufen zum Stehen. Das Motto der Fasnacht lautet in diesem Jahr: »Wasserwelt, wie’s euch gefällt« – und die Seeräuber liefern die passende Szenerie gleich mit.

Bis an die Zähne bewaffnet mit Säbeln, Haken und Spielzeugpistolen posieren sie vor ihrem Schiff, auf dem die Totenkopf-Flagge weht. Das Gefährt ist mit Kanone und Anker ausstaffiert. Mit breitem Grinsen und drohenden Gesten wenden sich die Piraten dem Publikum zu und lassen keinen Zweifel daran, dass sie hier das Kommando führen.

Ihre Kostüme wirken wie direkt aus einem klassischen Piratenfilm entlehnt: Kopftücher, Augenklappen, Westen und Stiefel gehören ebenso dazu wie Bärte und wilde Frisuren. Der Auftritt ist laut. Für die Zuschauer*innen am Straßenrand ist klar: Diese Piraten sind gekommen, um zu erobern – zumindest die Aufmerksamkeit des Publikums.

Wenn nicht gerade Fasnacht ist, gehören die Piraten dem Fußballclub an – und sind seine AH-Mannschaft.

V.l.n.r.: 1 Jürgen Köpfler, 2 Martin Höcklin, 3 Gerold Happle, 4 ??? (verdeckt, vorne), 5 Klaus Auer (verdeckt, hinten), 6 Ingo Küssner, 7 Rainer Knöpfle oder Frank Schreiber, 8 Rolf Schiesel

Standort des Fotografen: 47.884510, 8.345765

Umzugswagen in der Maienlandstraße, Fasnacht 1938

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Karl-Heinz Guderian zur Verfügung.

Der Umzugswagen rollt durch die Maienlandstraße. Auf seinem Aufbau prangt gut sichtbar die Jahreszahl »1525«. Wir schreiben die Fasnacht des Jahres 1938, und an diesem »Fasnet Mändig« zieht kein gewöhnlicher Narrenumzug durch Löffingen. Stattdessen wird ein großes Fasnachtsspiel in drei Akten aufgeführt. Unter dem Titel »Die rote Fasnacht 1525« greift es den Bauernkrieg auf und verwandelt das Städtchen für einen Nachmittag in eine historische Bühne. Der Wagen, den wir hier sehen, ist Teil dieser Inszenierung.

Das Spiel beginnt mit der Erbhuldigung der Löffinger an die Grafen von Fürstenberg, doch schon bald bricht Unruhe aus: Aufständische Bauern kündigen den herannahenden Bauernhaufen an. Im zweiten Akt ziehen die Bauern, angeführt von ihrem General Hans Müller von Bulgenbach, in die Stadt ein und erzwingen die Übergabe der Stadtschlüssel. Die Herrschaft scheint gebrochen – zumindest für kurze Zeit. Doch der Triumph währt nicht lange. Die Nachricht vom Anmarsch des landgräflichen Heeres bringt die Wende.

An der Straßenkreuzung von Maielandstraße und Ringstraße ist ein Misthaufen zu sehen. Am Schopf vom Haus Roth (Ringstr. 6) ist ein Hinweisschild angebracht, das den Weg zum Gasthaus »Pilgerhof« weist. Das Nachbarhaus gehört der Familie Strobel (Maienlandstr. 3).

Standort des Fotografen: 47.883953, 8.343718

Narrenschiff der 20-Jährigen in der Festhallenstraße, Fasnacht 1956

Sammlung Familie Waßmer

Das Narrenschiff »Seebär« hat sich in den Narrenumzug eingereiht und erreicht nun sein Ziel: die Festhalle. In der Festhallenstraße liegt das ungewöhnliche Gefährt vor Anker – gezogen durch die Straßen des Städtchens. An Bord stehen die Zwanzigjährigen des Jahrgangs 1936/37, angeführt von ihrem Kapitän Eugen Fehrenbach (1937-2026).

Die Stimmung auf dem Schiff ist ausgelassen. Eine Gitarre darf nicht fehlen, denn Seemannslieder gehören in diesen Jahren fest zum populären Liedgut. Gemeinsam wird gesungen, gelacht und vermutlich auch geschunkelt. Die 20-Jährigen stehen schließlich untergehakt – das Narrenschiff wird zur schwankenden Bühne für jugendlichen Übermut.

V.l.n.r.: 1 Bernd Schmid (halb verdeckt), 2 Irmgard Guth (verh. Zepf), 3 Kapitän Eugen Fehrenbach (1937-2026), 4 Bruno Schwanz, 5 Ernst Fritsche, 6 Anneliese Heizmann (verh. Scholl), 7 Emil Benz, 8 Irma Zepf (verh. Hasenfratz), 9 Ernst Meßmer, 10 ???, 11 Bruno Nägele, 12 ???, 13 Elisabeth van den Heuvel (verh. Laule)

Gebaut wurde der »Seebär« in der Scheune des Gasthauses »Linde«. Erst beim Herausziehen zeigte sich ein kleines, aber nicht unwesentliches Problem: Das Schiff war zu lang. Der Bug stieß an die gegenüberliegende Hausmauer. Kurzerhand wurde er abgetrennt und nach dem Manöver wieder angebaut.

Standort des Fotografen: 47.883504, 8.347993

Umzugswagen »Benz-Kamin« auf dem unteren Rathausplatz, Fasnacht 1985

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Nur wenige Monate ist es her, dass ein Wahrzeichen verschwunden ist, das über Jahrzehnte zur »Skyline« von Löffingen gehört hatte: Der hohe Schornstein des Sägewerks Benz wurde am 5. Oktober 1984 gesprengt und aus dem Stadtbild getilgt.

Doch an Fasnacht lebt er noch einmal auf – zumindest für ein paar fröhliche Stunden. Auf einem Umzugswagen, der am »Fasnet Mändig« über den unteren Rathausplatz rollt, ragt der »Benz-Kamin« wieder in die Höhe, liebevoll aus Backsteinattrappen nachgebaut. Mit auf dem Wagen steht ein als Sprengmeister verkleideter Narr, komplett mit Bauhelm und Lärmschutzkopfhörern. Eine humorvolle Hommage an das verschwundene Industriedenkmal – und ein Beispiel dafür, wie schnell aktuelle Ereignisse in Löffingen zum närrischen Thema werden.

Der Umzugwagen spielt zugleich auf das Sägewerk Krebs im benachbarten Rötenbach an. »… der Krebs ist nicht mehr!!!« lautet die Inschrift, die am Wagen angebracht ist. Das Sägewerk Krebs fiel 1981 einem Großbrand zum Opfer.

Standort des Fotografen: 47.883929, 8.343763

2 Fotos: Umzugswagen in der Rötengasse, Fasnacht 1957

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfgung.

Durch die Rötengasse rollt ein festlich geschmückter Umzugswagen, der in Form eines Schiffes gestaltet ist: Aufgebaut ist ein simpler Boots­körper aus Holz, vorne ein angedeuteter Bug, dahinter ein Segelmast mit weißem Segel. Über den Wagen hinweg sind Girlanden aus Papierblumen gespannt, die im Wind flattern.

Auf dem »Schiff« steht eine Gruppe Närrinnen und Narren – junge Frauen und Männer. Einige tragen sichtbar das kleine Schild um den Hals, das sie als »20-Jährige« ausweist. Doch offenbar sind nicht alle Teil des Jahrgangs: Man erkennt auch jüngere Kinder, die wohl als Verstärkung mitfahren. Kostümiert sind sie als »Spanierinnen« und »Spanier« – mit weiten Röcken, gestickten Westen, Tüchern und Sombreros, einige mit Tamburin oder Kastagnetten in der Hand. Einzelne scheinen zu singen oder zu rufen, was darauf hindeutet, dass Musik und Stimmung eine zentrale Rolle spielen. Es ist »Fasnet-Mändig«, der Höhepunkt der närrischen Tage, an dem der große Umzug durch die Straßen zieht. Die Sonne scheint von einem ungewöhnlich klaren Winterhimmel – ein seltener Glücksfall an Fasnacht.

zweites Bild
V.l.n.r.:
1 ???, 2 Edmund Kaltenbrunner, 3 Franz Schweizer (1938-1915), 4 Heinz Egle (verdeckt), 5 Irma Benz (verh. Fritsche), 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???

Auf der Fasnachtsbühne in der Kirchstraße werden die 20-Jährigen später einen Stierkampf aufführen. Aber keine Sorge! Der Stier ist nicht echt…

Standort des Fotografen: 47.885203, 8.341670

Umzugswagen der 20-Jährigen, Fasnacht 1969

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gertrud Werner zur Verfügung.

Die 20-Jährigen haben sich für ihren Umzugswagen ein aktuelles Fernsehthema vorgenommen: »Der goldene Schuß«. Die beliebte TV-Show läuft seit 1964 im deutschen Fernsehen und ist vielen Zuschauer*innen ein Begriff. Auf dem Wagen ist der Titel groß angeschlagen, daneben prangt eine Zielscheibe, wie sie in der Sendung für den berühmten Armbrustschuss verwendet wird. Schließlich lautet das diesjährige Fasnachtsmotto: »Närrischer Bildschirm«.

Der Wagen wirkt wie ein nachgebautes Fernsehstudio: Ein erhöhter Podestbereich, davor Sitzplätze, seitlich Absperrungen. Mehrere Mitwirkende haben sich als Kandidat*innen, Moderator oder Publikum verkleidet. Darüber hängt ein Schild mit der Aufschrift »Teletell 20«, das augenzwinkernd die »Technik« der 20-Jährigen bezeichnet.

Der Zug bewegt sich über den oberen Rathausplatz, vorbei am früheren Gasthaus »Sonne«.

Standort des Fotografen: 47.883766, 8.344762