Hochzeitsgesellschaft Wiedemann/Benitz hinter der Festhalle, 1952

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Feierlich hat sich die Hochzeitsgesellschaft hinter dem Mitteltrakt zwischen Festhalle und Volksschule zum Erinnerungsfoto versammelt. Im Mittelpunkt stehen Maria Benitz (1911-?) und Eduard Wiedemann (1904-?), die an diesem Tag heiraten. Die Braut trägt ein helles Kleid mit Schleier und hält ihren Brautstrauß vor sich, der Bräutigam steht dicht an ihrer Seite. Rundherum haben sich zahlreiche Verwandte beider Familien aufgestellt – Erwachsene, ältere Familienangehörige und auch einige Kinder.

Mit auf dem Foto ist Stadtpfarrer Karl Weickhardt (1905-1977), der das Paar zuvor in der katholischen Pfarrkirche St. Michael getraut hat. Für das Gruppenbild nutzt man die Treppe und den Platz hinter der Festhalle, sodass auch die große Zahl der Hochzeitsgäste gut ins Bild passt. Rechts im Hintergrund ist das Heimatmuseum zu erkennen. In seinen Fenstern hängen verschiedene Wappen als Glasmalereien.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Hedwig Benitz (geb. Steidlinger, 1900-1995), 4 ???, 5 Franz Benitz (1945-2005), 6 Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???, 11 ???, 12 ???, 13 Anna Benitz (geb. Manz, 1910-1974), 14 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz (1897-1981), 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 Pfarrer Karl Weickhardt (1905-1977), 8 Wilhelm Vogt (1880-1964), 9 Braut Maria Wiedemann (geb. Benitz, 1911-?), 10 Bräutigam Eduard Wiedemann (1904-?), 11 ???, 12 Paul Benitz (1899-1979), 13 ???, 14 ???, 15 Albert Benitz (1905-1996), 16 ???, 17 ???, 18 ???, 19 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Margarete Benitz (geb. Nober, 1924-2016), 4 Joseph Benitz jr. (1928-2012)

Standort des Fotografen: 47.882660, 8.347995

Hochzeitsgesellschaft Meßmer / Kaier, 22. November 1927

Fotograf: Leo Molitor, Neustadt | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Heute wird im Gasthaus »Linde« Hochzeit gefeiert – und diesmal ist der Wirt selbst der Bräutigam. Ernst Meßmer jr. (1897-1950), Sohn der Wirtsleute Ernst Meßmer sen. (1869-1943) und Josephine Meßmer (geb. Benitz, 1867-1932), heiratet Paula Kaier (1903-1984). Für das Erinnerungsfoto versammelt sich die Hochzeitsgesellschaft auf dem heutigen »Linden«-Parkplatz.

Braut und Bräutigam stehen in der Mitte der großen Gruppe. Die Braut trägt ein helles Brautkleid mit Schleier und hält einen üppigen Blumenstrauß in den Händen. Der Bräutigam ist in einen dunklen Anzug gekleidet. Um sie herum haben sich Angehörige beider Familien aufgestellt. Unter den Gästen befindet sich auch Stadtpfarrer Josef Schlitter (1877-1942), der das Paar in der Pfarrkirche getraut hat. Zwei weitere Geistliche sind ebenfalls auf dem Foto zu sehen. Ihre Anwesenheit verweist auf die enge Bindung der Familie Meßmer an die katholische Kirche und das katholische Milieu.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 »Linden«-Wirt Ernst Meßmer sen. (1869-1943), 4 ???, 5 ???, 6 »Linden«-Wirtin Josephine Meßmer (geb. Benitz. 1867-1932), 7 Stadtpfarrer Josef Schlitter (1877-1942), 8 ???, 9 ???, 10 Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Braut Paula Meßmer (geb. Kaier, 1903-1984), 5 Bräutigam Ernst Meßmer jr. (1897-1950), 6 Joseph Benitz (1897-1981), 7 Hedwig Benitz (geb. Steidlinger, 1900-1995), 8 ???, 9 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Vikar ???, 2 Vikar ???, 3 ???, 4 Paul Benitz (1899-1979), 5 ???, 6 Albert Benitz (1905-1996), 7 ???, 8 ???, 9 Franz Benitz (1908-1944), 10 ???

Standort des Fotografen: 47.884299, 8.346942

4 Fotos: Abholung von Primizant Franz Benitz am Bahnhof, 6. April 1935

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Feierlich zieht eine große Prozession vom Bahnhof in Richtung Städtchen. Vorneweg gehen die Ministranten in ihren weißen Chorhemden, dahinter folgt eine Gruppe von Geistlichen. In ihrer Mitte steht derjenige, dem an diesem Tag die besondere Aufmerksamkeit gilt: Franz Benitz (1908-1944) in schwarzer Soutane. Am Vorabend seiner Heimatprimiz wird der Neupriester am Bahnhof abgeholt und von Familie, Geistlichkeit und Gemeinde zu einer Andacht in der katholische Pfarrkirche St. Michael begleitet.

Zahlreiche Löffinger*innen säumen die Bahnhofstraße. Auch aus den geöffneten Fenstern des »neuen Benzbaus« (Ringstr. 8) verfolgen Bewohner*innen den vorbeiziehenden Zug. Die Angehörigen der Familie Benitz haben sich festlich gekleidet.

Frühlingshaft ist das Wetter an diesem Apriltag allerdings nicht. Die Bäume sind noch kahl, auf der Straße liegt Schneematsch. Festtagskleidung, Chorhemden und Soutanen treffen auf nasses, kaltes Aprilwetter. Dennoch haben sich viele Menschen eingefunden, denn eine Primiz ist für eine katholisch geprägte Gemeinde ein besonderes Ereignis – auch in der NS-Zeit.

Franz Benitz wurde am 31. März 1935 durch den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber zum Priester geweiht. Am 7. April feiert er in seiner Heimatgemeinde Löffingen seine erste Messe. Geboren wurde er am 2. April 1908 als Sohn des Weinhändlers Joseph Benitz und dessen Ehefrau Anna Benitz (geb. Glunk). Er wuchs in einer tief im katholischen Milieu verwurzelten Familie auf. Nach der Priesterweihe wirkt er als Vikar in Sinzheim bei Rastatt, Weingarten bei Karlsruhe, Schwetzingen und Mannheim. Am 5. Dezember 1940 wird Franz Benitz zur Wehrmacht eingezogen und verbringt als Sanitäts-Obergefreiter rund drei Jahre an der Ostfront in der Sowjetunion. Dort erkrankt er an Fleckfieber. Während eines Heimaturlaubs in Löffingen bricht die Krankheit aus. Er wird in das Lazarett nach Donaueschingen gebracht, wo er am 30. März 1944 stirbt – nur wenige Tage vor seinem 36. Geburtstag. Beigesetzt wird er auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde.

Bei den Familienangehörigen sind Joseph Benitz (1897-1981), Hedwig Benitz (geb. Steidlinger, 1900-1995), Paul Benitz (1899-1979) und Albert Benitz (1905-1996) zu erkennen.

Unter den Zuschauer*innen am Straßenrand stehen u.a. Hilda Schultheiß (verh. Schulz) und Josepha Roth (verh. Rappenegger, 1915-1993).

Standort des Fotografen: 47.883737, 8.342193

Haus Benitz in der Alenbergstraße, ca. 1923-1927

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Noch ist das Wohn- und Geschäftshaus Benitz (Alenbergstr. 7/9) ein Neubau. Nach dem verheerenden Großbrand vom 28. Juli 1921, bei dem Familie Benitz gleich drei Häuser verliert, entsteht das stattliche Doppelhaus nach Plänen der Wiederaufbaukommission unter Leitung des Freiburger Architekten Carl Anton Meckel (1875-1938). Anfang 1923 werden die Wohn- und Geschäftsräume nach und nach bezogen.

Das Gebäude überragt die benachbarten Häuser der Alenbergstraße deutlich. Für den Fotografen ist die Familie auf beide Balkone getreten. Unten stehen mehrere Angehörige um Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), oben haben die beiden erwachsenen Söhne Joseph Benitz und Paul Benitz Platz genommen. So wird aus der Aufnahme zugleich ein Familienfoto und ein stolzes Bild des gerade erst wiederaufgebauten Hauses.

Unterer Balkon, v.l.n.r.: 1 Albert Benitz (1905-1996), 2 ???, 3 Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), 4 ???
Oberes Balkon, v.l.n.r.:
1 Joseph Benitz (1897-1981), 2 Paul Benitz (1899-1979)

Besonders interessant ist eine handschriftliche Ergänzung auf dem Abzug. Quer über die Fassade steht in blauer Schrift: »Weinkellerei – Joseph Hogg – Branntweine«. Offenbar dient das Foto als eine Art Entwurf: Familie Benitz plant, mit einer großen Werbeschrift auf die im Haus betriebene Weinhandlung aufmerksam zu machen. Noch existiert die Beschriftung nur auf dem Foto – auf Aufnahmen von 1927 ist sie dann tatsächlich an der Fassade angebracht.

Standort des Fotografen: 47.885040, 8.344570

»Baaremer Quartett«, ca. 1930

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Vier Männer sitzen nebeneinander auf einer Gartenbank und schauen ausgesprochen ernst drein. Dabei sorgen sie sonst gerade für gute Unterhaltung: Als »Baaremer Quartett« treten die vier Sänger bei Festen und geselligen Veranstaltungen auf. Sie sind gewissermaßen die Löffinger Ausgabe der berühmten »Comedian Harmonists«. Doch von ausgelassener Sangesfreude ist auf dieser Momentaufnahme wenig zu spüren.

V.l.n.r.: 1 Metzgermeister Fritz Seilnacht (1901-1987), 2 Schneidermeister Hermann Ganter (1895-1957), 3 Friseurmeister Julius Limb (1883-1968), 4 Kaufmann Albert Benitz (1905-1996)

Schon die unterschiedlichen Berufe der Sänger zeigen: Das gemeinsame Singen ist kein Broterwerb, sondern Freizeitvergnügen – allerdings offenbar auf einem Niveau, das ihnen Auftritte und einen eigenen Namen einbringt. Bis 1939 tritt das »Baaremer Quartett« gemeinsam auf.

Standort des Fotografen: ???

Familie Benitz vor ihrem Haus, April 1935

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Familie Benitz hat sich vor ihrem Haus in der Alenbergstraße zum Gruppenfoto versammelt. Im Mittelpunkt sitzt Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), umgeben von ihren Kindern, Schwiegertöchtern und Enkelkindern. Die Haustür hinter ihnen ist mit Reisiggirlanden und weißen Papierblumen geschmückt, zwei Tännchen rahmen den Eingang ein. Der Anlass ist ein besonderer: Franz Benitz (1908-1944), rechts in der hinteren Reihe, feiert seine Heimatprimiz. Am 31. März 1935 wurde der 27-Jährige durch den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber zum Priester geweiht. Eine Woche später, am 7. April, zelebriert er in seiner Heimatgemeinde Löffingen erstmals die Messe. Familie und katholische Kirchengemeinde feiern den Neupriester, und auch das Elternhaus wird für diesen Tag festlich geschmückt.

Für Anna Benitz ist es ein Familienfest nach Jahren, in denen sie bereits schwere Schicksalsschläge hinnehmen musste. Seit 1919 ist sie Witwe. Mit ihrem Mann, dem Weinhändler Joseph Benitz (1859-1919), hatte sie sieben Kinder. Zwei von ihnen leben 1935 nicht mehr: Friedrich Benitz (1902-1908) starb bereits als Kind, die Tochter Anna (1896-1922) im Alter von 26 Jahren. Beim Großbrand von 1921 traf es die Familie besonders hart: Gleich vier ihrer Häuser wurden zerstört. Das Wohn- und Geschäftshaus in der Alenbergstraße, vor dem die Familie sich nun versammelt, entstand beim anschließenden Wiederaufbau.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz (1928-2012), 2 Hedwig Benitz (geb. Steidlinger, 1900-1995), 3 Elisabeth Benitz (verh. Burger, 1930-2019), 4 Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), 5 Josefine Benitz (geb. Klaus, 1903-1991), 6 Anna Maria Benitz (1934-2021), 7 Maria Benitz (verh. Wiedemann, 1911-?)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz (1897-1981), 2 Albert Benitz (1905-1996), 3 Paul Benitz (1899-1979), 4 Franz Benitz (1908-1944)

Franz Benitz ist der einzige der Söhne, der Priester wird, doch die gesamte Familie ist sehr religiös und tief im katholischen Milieu verwurzelt. Familienmitglieder engagieren sich im kirchlichen Leben, etwa im Kirchenchor und im Stiftungsrat, und politisch in der Zentrumspartei. Gerade deshalb geraten sie nach der nationalsozialistischen Machtübernahme ins Visier der örtlichen Nationalsozialisten. Joseph Benitz (1897-1981) wurde im August 1933 für zwei Tage in sogenannte »Schutzhaft« genommen – eine willkürliche Inhaftierung, die der Einschüchterung politischer Gegner dient.

Als das Foto aufgenommen wird, ist es noch keine zehn Monate her, dass Stadtpfarrer Guido Andris am 23. Juni 1934 gewaltsam aus Löffingen vertrieben wurde. Joseph Benitz und Albert Benitz gehörten zu den mutigen Männern, die offen gegen das Vorgehen der Nationalsozialisten protestieren. Beide wurden daraufhin verhaftet. Vor diesem Hintergrund ist die Primiz von Franz Benitz im Frühjahr 1935 nicht nur ein Familienfest. Sie ist zugleich ein sichtbares Bekenntnis zum Katholizismus, der vom NS-Regime zunehmend unter Druck gesetzt wird.

Standort des Fotografen: 47.885270, 8.344131

Ausflug des Kirchenchores zum Feldberg, 1. August 1937

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Eng gedrängt stellt sich der katholische Kirchenchor vor dem Bismarckdenkmal auf dem Feldberg zum Erinnerungsfoto auf. Das aus Bruchsteinen errichtete Monument mit dem Bildnismedaillon Bismarcks stammt aus den Jahren 1895/96. Für einen Augenblick halten alle still – nach dem Aufstieg und vor dem gemeinsamen Rückweg.

Der Ausflug beginnt am Morgen um 9 Uhr mit der Bahnfahrt nach Bärental. Von dort wandert die Gruppe hinauf zum »Feldberger Hof«. Die Chronik des Kirchenchores schwärmt vom »sommerfrohen Wandern«, von blühenden Wiesen, einsamen Bauernhöfen und dem Wechselspiel zwischen bunten Blumen und dunklen Tannen. Im Gasthaus wartet bereits ein reichliches Mittagessen, dessen Kosten vom Stadtpfarrer und der Kirchenkasse übernommen werden.

Nach dem Essen singt das Löffinger Quartett bestehend aus Julius Limb, Hermann Ganter, Fritz Seilnacht und Albert Benitz, anschließend stimmt der ganze Chor ein. Danach geht es weiter zum Aussichtsturm und zum Bismarckdenkmal. Auf dem Berggrat eröffnet sich ein weiter Blick über den Schwarzwald.

Für einige gestaltet sich der Rückweg besonders bequem: Sie ergattern in einem Lastwagen einen, wie es die Chronik scherzhaft nennt, »feudalen Stehplatz«. Am Abend klingt der Ausflug im Gasthaus »Adler« bei Chormitglied Fritz Seilnacht aus.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Fritz Seilnacht (1901-1987), 2 Johanna Ganter (verh. Rebholz), 3 Hermann Ganter, 4 ???, 5 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 Anna Kuster (verh. Schelling, 1919-2010), 6 ???, 7 Johanna Fehrenbach (verh. Bernauer, 1912-?), 8 ???, 9 ???, 10 August Limb, 11 Luise Strobel (verh. Trescher, 1914-?)
3.Reihe: 1 Hedwig Fieger (geb. Butsch 1912-1989), Maria Kopp (verh. Kiefer, 1919-1978)
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Martha Brugger (verh. Trenkle, 1919-2013), 5 ???, 6 Maria Faller (verh. Selb), 7 ???, 8 ???, 9 Albert Benitz, 10 ???, 11 ???

Standort des Fotografen: Feldberg

Fronleichnamsprozession in der Demetriusstraße, 1939

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Der Kirchenchor biegt beim Haus Fürst (Demetriusstr. 5) in die Demetriusstraße ein. Frauen und Männer gehen in festlicher Kleidung, die Frauen tragen Hüte, die Männer schwarze Anzüge. Hinter ihnen folgen die Ministranten mit Kreuz und Fahnen sowie die Erstkommunikantinnen in ihren weißen Gewändern. Gemeinsam tragen sie eine Girlande aus Reisig.

Ende der 1930er Jahre ist die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession keine Selbstverständlichkeit mehr. Die kirchenfeindliche Haltung des NS-Regimes macht sich auch in Löffingen bemerkbar. Zwischen der katholischen Kirchengemeinde und der Stadtverwaltung kommt es zu Auseinandersetzungen über die Streckenführung. Die Prozession darf nicht mehr wie früher durch die Hauptstraße ziehen und wird auf Seitenstraßen verwiesen. Zugleich nimmt die Zahl der Teilnehmer*innen ab. Wer mitgeht, bekennt sich sichtbar zum katholischen Glauben und zum katholischen Milieu.

Auffällig ist, dass vor dem Haus Fürst jeder Festschmuck fehlt. Keine »Maien« sind in das Hofpflaster gesteckt, um den Weg der Prozession mit jungem Grün zu säumen. Das dürfte kein Zufall sein: Schmiedemeister Otto Fürst gilt als »alter Kämpfer« der nationalsozialistischen Bewegung. Bereits am 1. November 1930 trat er der Löffinger NSDAP-Ortsgruppe bei (Mitgliedsnummer 358.280). Aus seiner antiklerikalen Haltung macht Fürst keinen Hehl. Schon 1928 warf er die Fensterscheiben des Pfarrhauses ein. 1934 beteiligte er sich an der Vertreibung von Stadtpfarrer Guido Andris. Aus der katholischen Kirche trat er aus.

Bei den Mitgliedern des Kirchenchores sind u.a. zu sehen: Julius Limb, Hermann Ganter, Ernst Meßmer, Albert Benitz, Otto Ganter und Hedwig Limb (verh. Vogt).

Standort des Fotografen: 47.884332, 8.344581

Trachtengruppe bei der Stadterhebung in der Oberen Hauptstraße, 27. Mai 1951

Sammlung Familie Waßmer

Regen glänzt auf dem Asphalt der Oberen Hauptstraße. Es ist der 27. Mai 1951 – ein großer Tag für Löffingen: die Stadterhebung wird gefeiert. Doch statt frühsommerlicher Sonne herrscht nasskaltes Schmuddelwetter. Der Festumzug muss trotzdem stattfinden.

Unter der mit Tannengrün geschmückten Ehrenpforte – aufgespannt auf Höhe des »Gebertsaals« – bleiben Mitglieder der Trachtengruppe stehen und nutzen den Moment für ein Erinnerungsfoto. Vorne stehen Anna Benitz (geb. Manz, 1910–1974) und Albert Benitz (1905–1996), Arm in Arm. Das Ehepaar lächelt unbeirrt in die Kamera.

Im Hintergrund haben zwei junge Frauen einen Regenschirm aufgespannt. Auch sie tragen Tracht. Das Wetter mag den Glanz des Festes dämpfen – die Stimmung aber offenbar nicht.

Standort des Fotografen: 47.884435, 8.347201

Familie Benitz auf einer Treppe, ca. 1930

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Klaus Eggert zur Verfügung.

Familie Benitz hat sich auf vor einem Haus versammelt. Damit alle auf dem Gruppenfoto zu sehen sind, stellt man sich vor und auf der steinernen Außentreppe auf. Die Männer tragen formelle Anzüge, Krawatten und teils Taschenuhren, die Frauen überwiegend dunkle Kleider. Das junge Mädchen im Vordergrund trägt ein Kleid mit einer Blume am Revers. Insgesamt 16 Personen sind zu sehen.

Das Foto wird anlässlich eines besonderen Ereignisses aufgenommen, etwa einer Feier oder eines Familientreffens. Paul Benitz und Josefine Benitz (geb. Klaus), die oben auf der Treppe in der Mitte stehen, heiraten am 8. Juni 1931. Vielleicht entsteht das Bild anlässlich ihrer Verlobung?

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz (1897-1981), 2 ???, 3 Emma Klaus (verh. Eggert, 1918-1950), 4 ???, 5 ???, 6 Albert Benitz (1905-1996)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), 3 ???, 4 Maria Benitz (1911-?), 5 Josefine Benitz (geb. Klaus, 1903-1991), 6 Paul Benitz (1899-1979), 7 ???, 8 ???, 9 ???
3.Reihe: 1 ???

Es gibt ein weiteres Foto (ID: 58590): Die Laternenbrüder stehen ca. 1930 auf derselben Treppe.

Standort des Fotografen: ???

Umzugswagen in der Unteren Hauptstraße, Fasnacht 1936

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Am Rande der Umzugsstrecke am »Fasnet Mändig« hat dieser Umzugswagen neben der Bäckerei Straub (Untere Hauptstr. 6) geparkt. Er ist mit Löwen und Schwänen sowie einer Reisiggirlande verziert. Auf dem Karren steht eine kostümierte Gruppe von Närrinnen und Narren, die in edle Gewänder gekleidet sind. Das Motto der Fasnacht 1936 lautet: »Sagen und Märchen des deutschen Volkes«. Doch stammt das Foto wirklich von 1936? Und welche Geschichte stellt die Narrengruppe wohl dar?

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Elisabeth Hepting (geb. Münzer), 2 Cäcilie Rosenstiel, 3 Anna Studer, 4 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Albert Benitz, 3 Erna Bader (geb. Mutterer), 4 Karl Beha, 5 Else Egle (geb. Hauser), 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 Engelbert Müller, 10 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Karolina Auer, 2 ???

Im Hintergrund ist die »Metzgerei« und »Wursterei« Seilnacht (Untere Hauptstr. 3) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.883241, 8.343585

Laternenbrüder auf einer Treppe, Fasnacht ca. 1930

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Hermann Egle und Gaby Vogt zur Verfügung.

In Fuhrmannskitteln und weißen Zipfelmützen lassen sich die »Laternenbrüder« fotografieren. Einige führen eine Laterne als Erkennungszeichen mit sich – und sei es nur in Miniaturgröße. Und eine Tabakpfeife darf offenbar auch nicht fehlen. Joseph Benitz (1897-1981) ist außerdem mit mehreren Militärorden dekoriert.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz, 2 ???, 3 Julius Limb, 4 Hermann Ganter [oder Engelbert Müller?], 5 Albert Benitz
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Wilhelm Vogt sen., 2 Heinrich Wider, 3 Paul Benitz, 4 ???, 5 Fritz Seilnacht
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ??? (am Fenster)

Das Foto wird vermutlich nicht in Löffingen, sondern auswärts aufgenommen.

Standort des Fotografen: ???