Stadtmusik beim Hochzeitszug in der Unteren Hauptstraße, ca. 1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Feierliche Musik schallt durch die Untere Hauptstraße. Die Stadtmusik marschiert im Gleichschritt voran und führt einen Hochzeitszug zur katholischen Pfarrkirche St. Michael an. Direkt hinter den Musikern folgen das Brautpaar und die Festgesellschaft, festlich gekleidet und auf dem Weg zur Trauung. Soeben kommt der Zug am »alten Benzbau« (Untere Hauptstr. 8) vorbei. Im Hintergrund ist bereits der untere Rathausplatz mit seinen markanten Staffelgiebeln zu erkennen.

Es ist keineswegs alltäglich, dass ein Hochzeitszug von der Stadtmusik angeführt wird. Vermutlich gehört der Bräutigam selbst den Musikern an oder die Familie der Braut steht der Kapelle auf andere Weise besonders nahe. Dass die Stadtmusik zur Hochzeit aufspielt, ist jedenfalls eine besondere Ehre und verleiht dem Fest einen besonders feierlichen Charakter. Vorneweg marschiert Dirigent Rupert Hepting (1905-1990), der die Stadtmusik bis 1964 leitet. Mit sicherem Schritt gibt er den Takt vor – und sorgt dafür, dass der Hochzeitszug im ganzen Städtchen auch gehört wird.

Standort des Fotografen: 47.882895, 8.343659

Sofie Hepting mit ihren Kindern in der verschneiten Dittishauser Straße, ca. 1943

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Der Schnee knirscht unter den Schuhen, die Straße ist weiß bedeckt, und mitten im Wintervergnügen hat Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909–1995) ihre drei Kinder auf einen Schlitten gesetzt. Noch einen kleinen Schubs — dann kann die Fahrt losgehen. Trotz Kriegszeit fängt das Foto einen unbeschwerten Moment ein. Es ist ein echtes Alltagsfoto. Sofie Hepting trägt Kittelschürze und Kopftuch — Kleidung, die verrät, dass sie eigentlich mitten in der Arbeit steckt. Neben Haushalt gehört auch die Landwirtschaft zum Alltag der Familie.

V.l.n.r.: 1 Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995), 2 Ewald Hepting (1933-2010), 3 Inge Hepting (verh. Mayer, geb. 1939), 4 Rita Hepting (geb. 1941)

In der Dittishauser Straße säumen hohe Schneewälle den Straßenrand, Autos gibt es kaum, und der Schlitten gehört im Winter ganz selbstverständlich zum Alltag. Neben dem Haus Hepting (Dittishauser Str. 7) ist das Nachbarhaus Sperer (Dittishauser Str. 9) zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.885212, 8.348863

2 Fotos: Freunde im Waldbad, ca. 1950-1955

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Hermann Egle und Beatrix Russo zur Verfügung.

Vier junge Leute stehen eng beieinander, legen sich die Arme über die Schultern und lachen in die Kamera. Man spürt sofort ihre Vertrautheit. Es ist kein steifes Gruppenfoto, sondern eine Momentaufnahme von Freundschaft.

V.l.n.r.: 1 ??? Hasenfratz, 2 Julius Wider (Seppenhofen), 3 Else Ganter (verh. Egle, 1923-2011), 4 Andreas Nobs (»Pan«, 1926-2005)

Dass die Aufnahme im Waldbad entsteht, wirft Fragen auf. Das 1935 eröffnete Bad war während des Zweiten Weltkriegs verwahrlost und wurde erst 1955 wieder offiziell eröffnet. Möglicherweise ist das Bad zu diesem Zeitpunkt also noch gar nicht regulär für Besucher*innen geöffnet. Auffällig ist auch die Kleidung: Nur Andreas Nobs ganz rechts trägt einen Bademantel, darunter ist Badekleidung zu erkennen. Die anderen drei sind vollständig angezogen. Das spricht eher für ein Treffen am Waldrand als für einen klassischen Badetag.

Gerade das macht den Reiz der Fotos aus: Sie erzählen weniger vom Waldbad selbst als von einer Freundschaft. Vielleicht ist das Wasser an diesem Tag fast nebensächlich — wichtiger ist, dass man zusammen ist.

Standort des Fotografen: 47.899900, 8.332150

3 Fotos: Badegäste im Waldbad, ca. 1955

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Kinderstimmen hallen über das Wasser. Es wird geplanscht, getaucht, gesprungen und gelacht. Das Waldbad ist an einem warmen Sommertag fest in Kinderhand. Überall tummeln sich junge Badegäste im Wasser oder am Beckenrand, während Erwachsene eher selten zu sehen sind. Nur auf einem der Fotos steht ein Mann am Rand des Beckens. Sommerlich gekleidet ist er nicht — er trägt einen schwarzen Anzug und wirkt fast fehl am Platz zwischen all den Badenden.

Erst 1955 ist das Waldbad wieder öffentlich zugänglich. Während des Zweiten Weltkriegs verwahrloste das 1935 eröffnete Bad. Zehn Jahre nach Kriegsende kann hier nun endlich wieder geschwommen, gespielt und die Freizeit genossen werden. Das Becken wird vom dunklen Tannenwald eingerahmt, der dem Bad seinen Namen gibt.

Noch wirkt die Anlage schlicht. Liegewiesen, Beckenrand und Umkleidegebäude sind funktional gehalten — Luxus sucht man hier vergeblich. Doch genau das scheint niemanden zu stören. Entscheidend ist vor allem eines: Das Becken ist wieder mit Wasser und das Bad mit Leben gefüllt. 1969/70 wird die Anlage dann grundlegend modernisiert; dabei erhält das Waldbad auch eine Wasserheizung.

Standort des Fotografen: 47.899808, 8.332274

5 Fotos: Auftritt der Waldbadener bei der Waldbadparty, August 1983

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Am Beckenrand wird es eng. Fünfzehn Männer und Frauen in weiß-rot geringelten Badekostümen von anno dazumal nehmen Aufstellung. Dann geht es los: Die »Waldbadener« beginnen ihren Auftritt bei der Waldbadparty des Sportvereins – und das Publikum ist sofort begeistert.

Mit viel Witz, Tempo und Körpereinsatz liefert die Truppe um Gruppenführer Andreas Nobs (»Pan«, 1926-2005) eine Show, die es in sich hat. Synchron springen die Akteur*innen ins Wasser, turnen akrobatische Figuren am Beckenrand und im Wasser und wagen sogar Saltos. Selbst ein Sonnenschirm mit der Aufschrift »Afri Cola« geht unfreiwillig baden. Andreas Nobs feuert seine Truppe immer wieder lautstark an.

Die mehrfach verschobene Waldbadparty findet an diesem Augustabend endlich bei gutem Wetter statt – und zahlreiche Besucher*innen strömen ins Waldbad. Der Sportverein Löffingen, in dem Fußballclub, Skiclub, Tischtennisverein und Volleyballclub zusammengeschlossen sind, hat ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt. Doch die »Waldbadener« gehören ohne Zweifel zu den Höhepunkten des Abends.

Den Schlusspunkt ihres Auftritts setzt die Gruppe mit einer Fackeleskorte durchs Schwimmbecken – ein spektakuläres Finale, das den Gästen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.

Standort des Fotografen: 47.899908, 8.332740

Narrengruppe »Störche«, Fasnacht 1970

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Sonja Schwörer geb. Vogt zur Verfügung.

Mitten im Schnee sind fünf Störche gelandet – zumindest auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen erkennt man die Vogt-Geschwister, die sich für die Fasnacht 1970 in Vögel verwandelt haben. Die mit unzähligen weißen Stoffschuppen besetzten Kostüme lassen fast ein echtes Federkleid entstehen. Schwarze Kopfbedeckungen mit langen Schnäbeln vervollständigen den Eindruck. Dass die Störche ausgerechnet in einer tief verschneiten Winterlandschaft posieren, hat seinen eigenen Witz – schließlich verbindet man die Zugvögel eher mit Frühling und warmen Temperaturen.

V.l.n.r.: 1 Rainer Vogt, 2 Wolfgang Vogt, 3 Barbara Vogt, 4 Karin Vogt, 5 Harald Vogt (geb. 1954)

Die Kostüme wurden von der Mutter der Kinder, Elisabeth Vogt (geb. Hermann, 1929-1969), genäht. Allein die Vielzahl der einzeln aufgenähten »Federn« lässt erahnen, wie viel Arbeit und Geduld in dieser Verkleidung steckt. Die Kinder traf im Vorjahr ein schwerer Schicksalsschlag: Ihre Mutter starb am 8. Mai 1969 im Alter von nur 39 Jahren. Umso bemerkenswerter ist es, dass die von ihr genähten Kostüme nun bei dieser Fasnacht getragen werden.

Standort des Fotografen: ???

2 Fotos: Demetriusstraße mit viel Schnee, ca. 1955

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Dicht gedrängt reihen sich die Häuser der Demetriusstraße aneinander, ihre Dächer und markanten Staffengiebel tragen schwere Schneelasten. Vor den Häusern türmen sich hohe Schneeberge. Der Blick geht vom Haus Kopp (Demetriusstr. 10) in Richtung Mailänder Tor.

Die Häuser entlang der Demetriusstraße bilden einen Teil des mittelalterlichen Stadtrings von Löffingen. Trotz aller Veränderungen ist diese historische Struktur bis heute gut ablesbar. Die Gebäude im Vordergrund wurden allerdings beim Großbrand von 1921 zerstört und anschließend in veränderter Form wiederaufgebaut. Auch das Mailänder Tor blieb vom Großbrand und Wiederaufbau nicht unberührt. Im Zuge des Wiederaufbauprogramms wurde das alte Torgebäude abgebrochen und beim Neubau die Tordurchfahrt vergrößert und verbreitert, um den Anforderungen des modernen Verkehrs gerecht zu werden. So verband man historische Bausubstanz mit den praktischen Bedürfnissen des 20. Jahrhunderts – der Charakter des alten Stadtrings blieb dennoch erhalten.

Standort des Fotografen: 47.884148, 8.344080

Kindergruppe mit Schneekirche, ca. 1939

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Der Winter ist außergewöhnlich schneereich. Hinter dem Haus von Familie Hepting türmen sich gewaltige Schneemassen – genug, um daraus ein begehbares Bauwerk zu errichten. Fotografisch festgehalten wird nicht etwa ein gewöhnliches Iglu, sondern eine kunstvoll geformte Schneekirche. Deutlich zu erkennen sind ein turmartiger Aufbau, ein Langhaus und eine gerundete Ausbuchtung, die fast wie eine Apsis wirkt.

In der Öffnung der Schneekirche sind drei Personen zu erkennen. Einer von ihnen ist der kleine Ewald Hepting (1933-2010). Alle drei scheinen stolz auf das winterliche Bauwerk zu sein.

Ob die Schneekirche bewusst als Nachbildung der Wallfahrtskirche Witterschneekreuz, meist schlicht das »Schneekreuz«, gestaltet wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Ähnlichkeit ist jedoch auffällig – und der Gedanke naheliegend. Vielleicht ist es genau dieser lokale Bezug, der die Erbauer inspiriert hat. So wird aus Schnee nicht nur ein Spielplatz, sondern ein kleines architektonisches Kunstwerk.

Standort des Fotografen: 47.885543, 8.348717

Unterer Rathausplatz mit viel Schnee, ca. 1985

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Wenn das mal kein neues Ansichtskartenmotiv ist! Der untere Rathausplatz liegt tief verschneit. Vor der Metzgerei Butsch und rund um den Demetriusbrunnen türmen sich hohe Schneeberge. Auf den Dächern des Straßenzugs in der Demetriusstraße liegt eine geschlossene weiße Schneedecke. Sogar auf den Stufen der markanten Staffengiebel hat sich eine feine Schicht Schnee abgesetzt. Nur die Straße selbst ist bereits freigeräumt: Zwischen Café Fuß und Rathaus kommt der dunkle Asphalt wieder zum Vorschein.

Über dem Städtchen spannt sich ein hellblauer Winterhimmel. Die Sonne scheint mild, lässt den Schnee glitzern und taucht die Hausfassaden in ein warmes, fast postkartenhaftes Licht.

Standort des Fotografen: 47.883683, 8.343611

Verkaufsausstellung des Sägewerk Benz, August 1929

Stadtarchiv

Ein sorgfältig gestalteter Messestand präsentiert die Erzeugnisse des Sägewerks Benz. Rechts steht ein großes Ausstellungszelt, davor weist ein Schild weithin sichtbar auf die »Holzindustriewerke Josef Benz Aktiengesellschaft« hin. Daneben ist eine pavillonartige Holzkonstruktion aufgebaut. Im Vordergrund sind junge Bäume, Pfähle und verschiedene Holzprodukte arrangiert, die das Sortiment des Unternehmens veranschaulichen.

Vom 23. bis 28. August 1929 beteiligt sich das Sägewerk Benz als Aussteller an einer Messe. Wo diese Verkaufsausstellung stattfindet, ist heute nicht bekannt.

Der Messeauftritt kontrastiert jedoch mit der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Erst im Vorjahr war das Sägewerk bei einem Großbrand fast vollständig eingeäschert worden. Auch finanziell befindet sich die Firma in schwierigem Fahrwasser: Im Geschäftsjahr 1928 verzeichnete sie einen Verlust von 116.000 Reichsmark, nachdem im Vorjahr noch ein Reingewinn von 26.700 Reichsmark erzielt worden war. Umso mehr dürfte die Ausstellung der Versuch sein, Kunden zu gewinnen und Zuversicht auszustrahlen.

Standort des Fotografen: ???

Junge Frau in Tracht in der Hohlgasse, ca. 1950

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Matthias von Dungen zur Verfügung.

Es ist Sommer. Der Duft von warmem Gras, Wiesenblumen und reifendem Getreide liegt in der Luft – sofern der Wind nicht den Geruch vom nahegelegenen Sägewerk Benz herüberweht. In der Hohlgasse posiert Hermine von Dungen (geb. Strobel, 1917-1998) in Tracht am Rand eines Feldes für den Fotografen. Der Blick öffnet sich hier ins Freie, auf Wiesen und Felder. Beim Haus Göpper (Hohlgasse 4) sind Obstbäume zu erkennen.

Mit dem Haus Göpper verbindet sich ein hartnäckiger Irrtum. Im Volksmund wird es bisweilen als »Henkerhaus« bezeichnet. Tatsächlich ist das Gebäude deutlich jüngeren Datums. Zwar befand sich das Haus des Scharfrichters tatsächlich in der Hohlgasse außerhalb der Stadtmauer – ebenso wie das sogenannte »Siechenhaus« für Kranke und Ausgegrenzte. Von beiden Gebäuden ist heute jedoch nichts mehr erhalten. Denn am 13. Oktober 1796 steckten französische Soldaten, die sich auf dem Rückzug befanden, das Henkerhaus und das Siechenhaus in Brand. Beide Gebäude brannten bis auf die Grundmauern nieder und wurden nicht wieder aufgebaut.

Standort des Fotografen: 47.885171, 8.337697

20-Jährige beim Sammeln für den Fasnetfunken, Fasnacht 1964

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Matthias von Dungen zur Verfügung.

Die 20-Jährigen sind während der Fasnacht gleich mehrfach gefordert. Nicht nur am »Schmutzigen Dunschdig« sind sie im Einsatz, wenn sie den Narrenbaum aufstellen und auf die Laterne der Laternenbrüder vereidigt werden. Auch am »Fasnet Mändig« beteiligen sie sich selbstverständlich am Narrenumzug. Und am »alten Fasnetsunndig« wartet bereits der nächste wichtige Brauch: Dann versteigern sie den Narrenbaum und setzen mit dem Fasnetfunken der Fasnacht symbolisch ein Ende.

Auf diesem Foto sammeln die 20-Jährigen Brennmaterial für den Funken – vor allem ausgediente Weihnachtsbäume und anderes Holz. Der Anhänger ihres Traktors ist bereits gut gefüllt. Der Traktorfahrer ist Werner Tschiggfrei, hinter ihm sitzt Herbert von Dungen. Gerade fahren sie durch die Kirchstraße und kommen am Haus Kuster (Kirchstr. 14) vorbei.

Dort lässt sich nebenbei ein baulicher Wandel ablesen: Der frühere Ökonomiebereich des Hauses war im Vorjahr abgerissen worden. Auf dem Foto ist die rechte Gebäudehälfte bereits neu aufgebaut, doch die Balkone sind noch unvollendet – die Brüstungen fehlen noch.

Standort des Fotografen: 47.883066, 8.344155