Sterbebildchen für Kriegsgefallenen Hermann Nägele, 1942

Verlag Rombach & Co, Freiburg im Breisgau | Diese Fotos stellte dankenswerterweise Michael Guth zur Verfügung.

Nur 28 Jahre alt wird Hermann Nägele (1914-1942). Sein Sterbebildchen zeigt ihn in Wehrmachtsuniform mit Stahlhelm, den Blick seitlich gerichtet. Daneben stehen die nüchternen Lebensdaten: geboren am 9. Februar 1914, »gefallen am 11. März 1942 im Osten«. Die Innenseiten verbinden das Porträt mit religiösen Gebeten und Trostworten. Auf der Vorderseite ist Christus bei einem verwundeten Soldaten dargestellt; darunter heißt es: »Christus unser Glaube / Sterben unser Los / Wiedersehen unsere Hoffnung.«

Hermann Nägele wuchs als Sohn des Schotterwerkbesitzers Konrad Nägele und dessen Ehefrau Sofie Nägele (geb. Eckert) in der Oberen Hauptstraße auf. Zu seinen Geschwistern gehört seine Zwillingsschwester Mathilde Nägele (verh. Gottschalk, 1914-2006). Nach dem Besuch der Volksschule erlernte Hermann Nägele einen Beruf und arbeitete als Schmied im väterlichen Schotterwerk in Detzeln bei Waldshut.

Am 11. November 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und kam zunächst zu einem Infanterieregiment nach Konstanz. Später wurde er in Frankreich eingesetzt. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 nahm er ab dem folgenden Tag am Krieg im Osten teil. Dieser Feldzug war von Beginn an nicht nur ein militärischer Eroberungskrieg, sondern zugleich ein nationalsozialistischer Vernichtungskrieg gegen die Bevölkerung. Hermann Nägele wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Am 11. März 1942 starb er bei einem Gefecht bei Gruzdevo (russisch Груздево). Das Sterbebildchen spricht, wie üblich, vom »Gefallenen« und versucht, den Tod religiös zu deuten und den Angehörigen Trost zu geben. Gerade solche kleinen Erinnerungsbilder zeigen, wie der Krieg bis in die einzelnen Löffinger Familien hineinwirkt – und wie ein junger Mann mit 28 Jahren weit entfernt von seiner Heimat ums Leben kommt.

Zwei Männer am Bahnhof, ca. 1940-1945

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Es sieht nach einem Abschied aus. Ein älterer Mann steht vor dem Löffinger Bahnhofsgebäude und unterhält sich mit einem jüngeren Mann. Dieser trägt einen langen Mantel, Feldmütze und militärische Ausrüstung – unübersehbar ist, dass die Aufnahme während des Zweiten Weltkrieges entsteht.

Vermutlich ist er (Hermann ???) für einige Tage auf Heimaturlaub in Löffingen und muss nun wieder zu seiner Einheit zurückkehren. In Kriegszeiten bekommen Abschiede am Bahnhof eine besondere Bedeutung: Niemand kann wissen, wann – und ob – man sich wiedersehen wird. Möglicherweise wird der Urlauber deshalb bis zum Zug begleitet.

Auch am linken Bildrand herrscht Aufbruchsstimmung. Ein Junge läuft mit einer Ledertasche und einem verschnürten Paket am Bahnhof entlang. Hinter den beiden Männern steht ein Auto. Der Bahnhof ist ein Ort des Kommens und Gehens, der Abreise und der Rückkehr.

Das Foto erhält noch aus einem anderen Grund dokumentarischen Wert. Das Bahnhofsgebäude, vor dem die beiden Männer stehen, existiert nicht mehr lange: Bei einem Luftangriff am 22. Februar 1945 wird es vollständig zerstört.

Standort des Fotografen: 47.883783, 8.342082

Familie Hepting mit Verwandten vor dem Haus Benz in der Oberen Hauptstraße, ca. 1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Hepting zur Verfügung.

Für das Familienfoto rücken mehrere Generationen zusammen. Rupert und Sofie Hepting stehen mit ihren Kindern Ewald und Inge vor dem Haus Benz in der Oberen Hauptstraße. Mit dabei sind Sofies Mutter Katharina Jonner sowie weitere Verwandte.

Dass inzwischen Krieg herrscht, ist auf dem Familienbild unübersehbar. Rupert Hepting (links) trägt ebenso wie der rechts stehende Hermann ??? Wehrmachtsuniform. Zwischen den beiden Soldaten stehen die Frauen und Kinder in ihrer Alltags- und Sonntagskleidung – eine familiäre Momentaufnahme, in die der Zweite Weltkrieg hineinragt.

Zu Besuch ist auch die Nichte Margret Bammert, Tochter von Adolf Bammert und Agathe Bammert (geb. Jonner), die mit ihrer Familie in Neustadt lebt. Noch nicht identifiziert sind Else ??? und Hermann ???.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Margret Bammert, 2 Inge Hepting (verh. Mayer, geb. 1939), 3 Ewald Hepting (1933-2010)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Rupert Hepting (1905-1990), 2 Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995), 3 Katharina Jonner (geb. Thoma, 1875-1955), 4 Else ???, 5 Hermann ???

Im Hintergrund steht das Anwesen des Landwirts Otto Benz (Obere Hauptstr. 14). Bis 1929 bewirtschaftet er einen Hof in der Bittengasse. Nachdem dieser beim Großbrand in der Kirchstraße zerstört worden ist, errichtet er hier in der Oberen Hauptstraße einen Neubau. Links daneben ist das Haus Berger (Obere Hauptstr. 16) zu erkennen. Ein großes Werbeschild an der Fassade wirbt für Autoreifen – ein kleines Detail, das auf das Geschäft von Schlossermeister und Automechaniker Leopold Berger hinweist.

Standort des Fotografen: 47.884618, 8.348240

Heinrich Fehrenbach als Soldat, ca. 1943/44

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Bölle zur Verfügung.

Ernst blickt Heinrich Fehrenbach (1925-1944) in die Kamera. Der junge Soldat trägt Uniform und Feldmütze der Wehrmacht. Sein Gesicht wirkt noch sehr jugendlich – und tatsächlich ist er gerade einmal 18 oder 19 Jahre alt. Die Aufnahme entsteht während seiner Militärzeit bei den Gebirgsjägern.

Heinrich Fehrenbach wurde am 30. Juni 1925 als Sohn des Sägearbeiters Ernst Fehrenbach (1902-?) und seiner Ehefrau Anna Fehrenbach (geb. Leithold, 1902-?), geboren. Er wuchs in der Vorstadtstraße auf, besuchte die Volksschule und war Ministrant. Im Mai 1943 wird er zunächst zum Reichsarbeitsdienst (RAD) eingezogen, im August folgt die Einberufung zur Wehrmacht. Er kommt zu den Gebirgsjägern nach Garmisch und wird später in Südfrankreich und an der Ostfront in Russland eingesetzt.

Im März 1944 ist Heinrich Fehrenbach zum letzten Mal auf Heimaturlaub in Löffingen. Danach kehrt er an die Front zurück. Sein letzter Brief nach Hause datiert vom 26. September 1944. Nur wenige Tage später, am 2. Oktober, wird er bei Galambod schwer verwundet. Granatsplitter treffen ihn an Kopf, Brust und Oberarmen. Der 19-Jährige stirbt noch am selben Tag und wird dort beerdigt. Galambod gehört damals zu Ungarn, heute liegt der Ort in Rumanien (Porumbeni).

Im Totenbuch wird besonders seine Religiosität hervorgehoben. Heinrich Fehrenbach sei »eifrigster Ministrant« gewesen und habe in seinen Feldpostbriefen immer wieder darum gebeten, für ihn zu beten.

Standort des Fotografen: ???

Männergruppe im Pavillon auf dem Alenberg, März 1944

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

Eigentlich sind es noch keine Männer. Gerade einmal 16 oder 17 Jahre alt, drängen sich die Jugendlichen im Eingang des hölzernen Pavillons auf dem Alenberg zusammen. Einer legt seinem Freund den Arm um die Schulter, ein anderer verbirgt lachend das Gesicht in den Händen. Sie hängen miteinander herum und genießen einen unbeschwerten Moment. Doch schon am nächsten Tag beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt: Ihre Einberufung zum Reichsarbeitsdienst steht an.

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) ist keineswegs nur ein Arbeitseinsatz. Seit 1935 ist er für junge Männer verpflichtend und streng militärisch organisiert. Neben körperlicher Arbeit gehören Drill, Lagerleben und nationalsozialistische Erziehung dazu. Im Krieg wird der RAD immer stärker für militärische Aufgaben herangezogen und dient zugleich als Vorbereitung auf den anschließenden Kriegsdienst. 1944 werden angesichts des wachsenden Soldatenbedarfs auch die jüngeren Jahrgänge immer früher eingezogen.

Für die Jugendlichen auf dem Foto ist der RAD deshalb meist nur eine Zwischenstation. Danach folgt die Einberufung zur Wehrmacht. Walter Köpfler (1927-1944) meldet sich freiwillig zur Waffen-SS und wird SS-Panzergrenadier. Noch im selben Jahr wird der 17-Jährige schwer verwundet und stirbt in Belgien an seinen Verletzungen. Die anderen überleben den Kriegsdienst. Bis sie aber alle wieder zurück in Löffingen sind, vergehen Jahre. Rudolf Egle (1927-1992) gerät in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrt erst 1954 nach Hause zurück. Ein Wiedersehen dieser Runde, so wie sie hier im Frühjahr 1944 zusammensitzt, wird es nach dem Krieg nicht mehr geben.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Walter Maier (1927-?), 2 Ernst Egle (1927-1947), 3 Rudolf Egle (1927-1992), 4 Walter Köpfler (1927-1944)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Franz Rosenstiel (1927-2006), 2 Ernst Egy

Standort des Fotografen: 47.885695, 8.344761

2 Fotos: Familie Rosenstiel vor ihrem Haus in der Oberen Hauptstraße, 1942

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

Familie Rosenstiel hat sich vor ihrem Haus (Obere Hauptstr. 45) versammelt. Der Landwirt Robert Rosenstiel (1900-?) und seine Ehefrau Lina Rosenstiel (geb. Winterhalder, 1901-?) stehen mit weiteren Personen vor der Haustür. Die (Schwieger-)Mutter Sofie Winterhalder (geb. Widmann, 1870-1945) sitzt auf der Treppe in der Sonne. Ein Spalierbaum zieht sich über die Fassade und rahmt die Szene ein. Bemerkenswert an dieser Aufnahme ist der Mann im hellen Anzug: Leo Mientki, ein Zwangsarbeiter aus Polen, der der Familie Rosenstiel zugeteilt worden war.

Entsprechend der nationalsozialistischen Rassenideologie gelten Polen als »minderwertige« slawische Bevölkerung. Der Umgang mit den sogenannten »Ostarbeitern« ist reglementiert und man soll Distanz wahren. Umso bemerkenswerter ist es, dass Leo Mientki hier ganz selbstverständlich Teil der Gruppe ist und gemeinsam mit der Familie vor dem Haus fotografiert wird – nicht heimlich hinter verschlossenen Türen, sondern vor aller Augen sichtbar vor der Haustür.

Leo Mientki ist einer von 420 ausländischen Zwangsarbeiter*innen, die in Löffingen ausgebeutet werden. Er wurde am 16. Mai 1912 in Kartschin (Kreis Konitz) geboren. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde er zur Zwangsarbeit in das Deutsche Reich verschleppt. Der 28-Jährige kam zunächst in das Kriegsgefangenenlager Stalag VB bei Villingen. Von dort wurde er am 1. August 1940 nach Löffingen überstellt und der Familie Rosenstiel als landwirtschaftlicher Arbeiter zugewiesen. Nach dem Ende des NS-Regimes bleibt Leo Mientki noch einige Monate in Löffingen. 1946 kehrt er nach Polen zurück.

Das Foto hält damit nicht nur eine Familienszene fest, sondern verweist zugleich auf die Geschichte der nationalsozialistischen Zwangsarbeit, die auch den Alltag in Löffingen in den Kriegsjahren prägt.

oberes Bild
V.l.n.r.:
1 Lina Rosenstiel (geb. Winterhalder, 1901-?), 2 Elisabeth Hepting (geb. Münzer, 1897-?), 3 Robert Rosenstiel (1900-?), 4 Sofie Winterhalder (geb. Widmann, 1870-1945), 5 Leo Mientki (1912-?)

unteres Bild
V.l.n.r.:
1 Robert Rosenstiel (1900-?), 2 Lina Rosenstiel (geb. Winterhalder, 1901-?), 3 Elisabeth Hepting (geb. Münzer, 1897-?), 4 Leo Mientki (1912-?), 5 Sofie Winterhalder (geb. Widmann, 1870-1945)

Standort des Fotografen: 47.885238, 8.352759

8 Fotos: Begrüßung des Heimkehrers Rudolf Egle vor seinem Elternhaus, Januar 1954

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Hans-Martin Konhäuser, Theo Walz und Robert Rosenstiel zur Verfügung.

Ein besonderer Tag für Löffingen: Im Januar 1954 kehrt Rudolf Egle (1927-1992) aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft in seine Heimat zurück. Der Sohn von August Egle und Klara Egle ist der letzte Kriegsheimkehrer des Städtchens – entsprechend groß ist der Empfang. Vor seinem Elternhaus (Demetriusstr. 14) hat sich eine Menschenmenge versammelt. Ein festlich geschmückter Eingang mit der Aufschrift »Herzlich willkommen« spannt sich über die Haustür. Vertreter der Gemeinde, Nachbarn und zahlreiche Neugierige sind gekommen, um den Heimkehrer zu begrüßen. Eine Schar Kinder drängt sich in der vordersten Reihe, um ja nichts zu verpassen.

Bürgermeister Paul Benitz (1899-1979) heißt Rudolf Egle offiziell willkommen. Ein Präsentkorb wird von zwei Mädchen in Tracht überreicht, Blumen wechseln die Hände. Die Szenen wirken feierlich – und zugleich persönlich, beinahe intim. Nach Jahren der Ungewissheit ist der Sohn, Nachbar und Freund endlich wieder da. Ein Wiedersehen mit seinem Vater August Egle bleibt ihm allerdings verwehrt: Er war bereits 1946 verstorben.

Auch Thaddäus Winter (1913-1977) gehört zu den Gratulanten. In welcher Funktion er auftritt, ist unklar. Vielleicht als Vertreter der DRK-Ortsgruppe?

viertes Foto
V.l.n.r.:
1 Thaddäus Winter (1913-1977), 2 Ferdinand Egle (1919-2010), 3 Rosalie Konhäuser (geb. Egle, 1917-2014), 4 Klara Egle (geb. Wintermantel, 1889-1964), 5 Rudolf Egle (1927-1992), 6 »Relli« (Kleinkind), 7 Willi Konhäuser (1920-?), 8 ??? (Präsentkorb), 9 Erika Kienzle (verh. Schweizer, geb. 1941, Präsentkorb) 

Standort des Fotografen: 47.883802, 8.343686

Sterbebildchen für Kriegsgefallenen Eugen Biedermann, 1943

Verlag Spannagel & Todt, Villingen
Diese Fotos stellte dankenswerterweise Michael Guth zur Verfügung.

Nur 21 Jahre alt wurde Eugen Biedermann (1921-1943). Geboren wurde er am 1. Dezember 1921 in Bonndorf. Seine Eltern waren der Zimmermann Gotthard Biedermann (1876-1945), der aus Wellendingen stammte, und dessen Ehefrau Rosa Biedermann (geb. Schilling, 1881-1969). Als er ein Jahr alt war, zog die Familie nach Löffingen, dem Geburtsort seiner Mutter. Die Familie wohnte in der Kirchstraße. Eugen Biedermann besuchte bis 1936 die Volksschule. Er stammte aus einer katholischen Familie, die auch in der NS-Zeit an ihrem Glauben festhielt. Eugen Biedermann gehörte bis zu der erzwungenen Auflösung der katholischen Jugendorganisation Deutsche Jugendkraft (DJK) an. Sein Vater protestierte gegen die Vertreibung des Stadtpfarrers Guido Andris am 23. Juni 1934 und wurde deshalb verhaftet. Eugen Biedermann wollte Dekorationsmaler werden und absolvierte nach seiner Schulzeit eine Lehre bei dem Kunstmaler Danegger in Engen.

Dann musste er zum Arbeitsdienst und kam nach Straßburg. Im Sommer 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und kam im Zuge des Überfalls auf die Sowjetunion an die Ostfront. Im August 1942 war er zum letzten Mal auf Heimaturlaub. Am 18. August 1943 fiel er »bei den schweren Kämpfen« in Krasny. Am 2. September 1943 traf die Todesmitteilung bei seinen Eltern in Löffingen ein. Zu den Trauernden zählen, wie auf dem Sterbebildchen geschrieben steht, seine Eltern, Schwester und Schwager sowie seine Verlobte.

2 Fotos: Glockenabgabe für die Rüstungsindustrie, 13. April 1942

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Klaus Benitz und Maria Wider zur Verfügung.

Im April 1942 müssen die Kirchenglocken der katholischen Pfarrkirche St. Michael abgegeben werden, um sie für die Rüstungsindustrie einzuschmelzen. Nachdem sie vom Kirchturm geholt wurden, lagern sie in der Bahnhofstraße und warten auf ihre Abholung. Eine Einwohnerin nutzt die Gelegenheit und notiert die Inschriften von drei Glocken.

Die große Glocke, die dem heiligen Michael geweiht ist und im Ersten Weltkrieg nicht vom Turm geholt wurde, wiegt 39 Zentner und hat folgende Inschrift: »Wir schmolzen durch das Hochgewitter / so spricht die Wanderin mit der Zitter. / Wir alle vier stimmen rein / Dis-Akkord mitsammen ein. // Benjamin und Meinrad Grüninger gossen mich in Villingen 1835«.

Die zweite, 31 Zentner schwere Herz-Jesu-Glocke, die nach dem Ersten Weltkrieg wieder beschafft wurde, trägt die Inschrift: »Der Krieg uns nahm drei Glocken fort / Der Wald sie schenkte neu dem Ort / Herz Jesu, o Du Gottes Herz / Bewahre uns vor neuem Schmerz«. Auf der gegenüberliegenden Seite steht: »Gestiftet von der Gemeinde Löffingen nach dem Weltkriege im Jahre 1922. Der Gemeinderat: Adolf Kuster, Bürgermstr., Anton Maier, Jakob Fehrenbach, August Sibold, Karl Wölfle, Otto Ganter, Ernst Messmer, Anton Heizmann II. Der Stiftungsrat Heinr. Künzler, Dekan und Stadtpfarrer, Adolf Kuster, Brgm., Wilhelm Effinger, Josef Benz, Johann Fechtig, Wilhelm Rappenegger.«

Die drittgrößte Glocke mit einem Gewicht von 20 Zentnern, die Ave-Maria-Glocke, trägt die Inschrift »Maria, Mutter, Königin / Sei huldvoll unsere Mittlerin / O Mutter Jungfrau mild und rein / Laß uns Deine Kinder sein / Und bilde uns an Geist und Sinn / Nach Dir, o Himmelskönigin.«

Standort des Fotografen: 47.884192, 8.341687

Franz Rosenstiel mit seiner Familie bei der Einberufung, 1944

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

Franz Rosenstiel (1927-2006) ist 17 Jahre alt, als er zur Wehrmacht einberufen wird. Ein Abschiedsfoto mit seinen Eltern Robert Rosentiel und Cäcilie Rosenstiel (geb. Winterhalder) sowie seiner Schwester Friedhilde Rosenstiel (1932-2004) wird auf dem Treppenstufen vor dem Haus in der Oberen Hauptstraße aufgenommen.

Am 30. August 1944 kommt Franz Rosenstiel zunächst nach Kaufbeuren, zum Fliegerhorst der Luftwaffe. Bis zur bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8./9. Mai 1945 ist er Soldat in einem mörderischen Krieg. Nach Hause kehrt er 1946 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück.

Standort des Fotografen: 47.885238, 8.352640

Männergruppe auf dem unteren Rathausplatz, ca. 1939

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christa Egle und Hans-Peter Hepting zur Verfügung.

Acht junge Männer stehen auf dem unteren Rathausplatz. Links hinter ihnen sind die Bäckerei Ritter (Rathausplatz 5) und die Metzgerei Riegger (Rathausplatz 4) zu sehen. Recht hinter ihnen erhebt sich das Rathaus. Und ganz im Hintergrund ist das Haus Vogt (Rathausplatz 13) zu sehen. Die meisten Männer tragen Anzug, nur der Mann ganz rechts, Hermann Schultheiß, trägt Wehrmachtsuniform. Was im ersten Moment nach einem harmlosen Gruppenfoto aussieht, bekommt im zweiten Moment einen bitteren Beigeschmack. Offenbar ist schon Krieg, vielleicht entsteht das Gruppenfoto anlässlich der Einberufung eines Soldaten? Wird man sich nach dem Krieg wiedersehen?

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Fritz Schlenker (1912-?), 5 Erwin Egle (1915-1948), 6 ???, 7 ???, 8 Hermann Schultheiß

Erwin Egle, der 5. von links, stirbt am 12. Mai 1948 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Er wird nur 33 Jahre alt.

Am Rathauseck sind ein Pfeil und die Zahl »41« auf das Wand gemalt. Ob das ein Hinweis für Truppentransporte ist? 1937 war die Fassade vom Haus Ritter noch mit einer Kletterpflanze bewachsen. Das Foto wird also definitiv erst danach aufgenommen.

Standort des Fotografen: 47.883911, 8.344045

Personengruppe vor dem Haus Bader in der Talstraße, 1943

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Familie Bader (Talstraße 1) haben Urlauber zu Gast: Familie Harmsen posiert für ein Foto, zusammen mit Adolf Isele (1903-1961), der ganz rechts steht. Herr Harmsen trägt eine Wehrmachtsunifom, denn es ist Kriegszeit.

Interessant ist das Foto vor allem wegen des Hintergrunds, denn zu sehen sind die Häuser der Dittishauser Straße, von denen nur wenige Bilder bekannt sind: Links steht das Haus Welte (Dittishauser Str. 3), das dem Kraftfahrer Gerhard Welte (1911-1944) und seiner Ehefrau Frieda geb. Effinger (1910-?) gehört. Er ist Soldat und gilt seit dem 24. April 1944 als vermisst.

Rechts steht das Haus Mogel (Dittishauser Str. 5) von Landwirt und Zimmermann Max Mogel (1876-1948), der gebürtig aus Opferdingen stammt. In erster Ehe ist er mit Rosina Mogel geb. Schropp (?-?) und in zweiter Ehe mit Amalie Mogel geb. Held (1883-1962) aus Döggingen verheiratet. Ein Sohn der Mogels, Willi Mogel (1922-1942), der Panzerpionier war, starb am 14. März 1942 im Lazarett Ulm im Alter von 19 Jahren.

Hinter den Bäumen schaut außerdem die 1862 erbaute Friedhofskapelle hindurch. Sie war als Ersatz für die 1842 abgebrochene St. Antoniuskapelle, die an der Rötenbacher Straße gestanden hatte, errichtet worden. Das Glöcklein wurde von der alten Kapelle übernommen.

Standort des Fotografen: 47.884736, 8.349016