3 Fotos: Prozession mit Primizant Franz Benitz vom Bahnhof zur Pfarrkirche, 6. April 1935

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Ein »großer Bahnhof« wird Franz Benitz (1908-1944) bei seiner Ankunft in Löffingen bereitet. Ministranten, Geistliche, Familienangehörige und zahlreiche Gemeindemitglieder holen den Neupriester am Bahnhof ab und begleiten ihn in feierlicher Prozession zur katholischen Pfarrkirche St. Michael. Franz Benitz ist erst wenige Tage zuvor, am 31. März 1935, durch den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber zum Priester geweiht worden. Am folgenden Tag wird er in seiner Heimatgemeinde die Primiz feiern.

Obwohl es bereits April ist, liegt noch Schneematsch auf dem Boden. Die Häuser entlang des Weges sind festlich herausgeputzt: Reisiggirlanden und Fahnen schmücken die Fassaden. Kurz vor der Pfarrkirche entstehen mehrere Aufnahmen. Zu sehen sind das katholische Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) und der »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8). Am rechten Bildrand fällt der Blick auf die weniger repräsentative Rückseite der Ökonomie des Gasthauses »Sonne« (Kirchstr. 29). Vor dieser Kulisse ziehen Ministranten und Geistliche vorüber – ein feierlicher kirchlicher Zug mitten durch das vertraute Straßenbild.

Am Vorabend der eigentlichen Primiz findet in der katholischen Pfarrkirche St. Michael zunächst eine Andacht statt. Erst am nächsten Tag steht Franz Benitz selbst am Altar, zelebriert erstmals in seiner Heimatgemeinde die Messe und erteilt den Primizsegen. Nicht nur für ihn, sondern auch für seine Familie und die katholische Gemeinde ist dies ein besonderes Ereignis – und die große Beteiligung beim Einzug zeigt, welche Bedeutung eine Heimatprimiz besitzt.

Bei den Zuschauer*innen am Straßenrand sind u.a. zu erkennen: Hilda Schultheiß (verh. Vögtle), Josefa Roth (verh. Rappenegger)

Standort des Fotografen: 47.882660, 8.343996

Hochzeitsgesellschaft Hasenfratz / Münzer vor dem Gasthaus in Unadingen, 27. März 1965

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Hans-Peter Hepting und Christa Egle zur Verfügung.

Kein Zweifel: Hier wird Hochzeit gefeiert. In der Mitte steht die Braut Ursula Hasenfratz (geb. Münzer) mit einem großen Blumenstrauß im Arm. Bei dem jungen Mann im schwarzen Anzug neben ihr hat sie sich untergehakt – Kurt Hasenfratz ist der Bräutigam. Auch viele der Hochzeitsgäste haben sich mit kleinen Blumen oder Festabzeichen am Revers für den besonderen Tag herausgeputzt.

Ursula Hasenfratz wurde in Heidelberg geboren und kam im Alter von sechs Jahren nach Hüfingen, wo sie aufwuchs. Kurt Hasenfratz wurde in Oberndorf geboren und wuchs bei Adoptiveltern in Unadingen auf. Das Paar gibt sich in der Konvikt-Kapelle in Donaueschingen das Ja-Wort. Die Braut ist zu diesem Zeitpunkt schwanger. In der konservativ-katholisch geprägten Zeit wird von einer schwangeren Braut erwartet, nicht in Weiß zu heiraten. Entsprechend trägt Ursula Hasenfratz ein dunkles festliches Kleid.

Für das Gruppenfoto hat sich die Hochzeitsgesellschaft vor dem Gasthaus »Ochsen« in Unadingen versammelt. Der Eingang ist mit einer Reisiggirlande geschmückt, aus der geöffneten Tür schauen weitere Gäste heraus. Rechts und links rahmen Fenster mit hölzernen Fensterläden den Eingang ein. An der Fassade hängt ein rundes Werbeschild »Trink Coca-Cola« – ein kleines zeittypisches Detail, das die Aufnahme in die Nachkriegsjahrzehnte verweist. Links ragt ein VW Käfer ins Bild. Gut möglich, dass er an diesem Tag eine besondere Aufgabe übernimmt und als Hochzeitsauto dient.

Im Jahr 2025 können Ursula Hasenfratz und Kurt Hasenfratz das Fest ihrer Diamantenen Hochzeit feiern.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Braut Ursula Hasenfratz (geb. Münzer, geb. 1946), 5 Bräutigam Kurt Hasenfratz, 6 ???, 7 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Elisabeth Hepting (geb. Münzer, 1897-?), 5 ???, 6 ???, 7 ???, 9 ???
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???
5.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???
6.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???

Standort des Fotografen: Unadingen

Reiter und Umzugswagen in der Oberen Hauptstraße zur Stadterhebung, 27. Mai 1951

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Ein Reiter in mittelalterlich anmutender Rüstung zieht durch die Obere Hauptstraße, hinter ihm folgt ein von zwei Pferden gezogener Festwagen. Schon auf den ersten Blick ist klar: Hier soll ein Kapitel aus der frühen Stadtgeschichte lebendig werden. Auf dem mitgetragenen und auf dem Foto schwer zu entziffernden Schild ist zumindest die Jahreszahl »1250« deutlich zu erkennen.

Anlässlich der Wiederverleihung der Stadtrechte wird ein großer Festumzug veranstaltet, bei dem zahlreiche Gruppen und Wagen Szenen aus der Geschichte Löffingens darstellen. Das Programmheft verrät, was hier gemeint ist: »Verleihung des freien Marktrechtes – Minnesänger Wachsmut von Künsingen – 1250«. Der Reiter verkörpert offenbar den Minnesänger, während der Wagen die mittelalterliche Szenerie ergänzt.

Minnesang bezeichnet die höfische, gesungene Liebeslyrik des Mittelalters, die vor allem im 12. und 13. Jahrhundert ihre Blüte erlebt. Wachsmut von Künsingen soll in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gelebt haben. Über seine Person ist nur wenig bekannt. Ein Bezug zu Löffingen oder zur Baar lässt sich nicht nachweisen; in der neueren Forschung wird er vielmehr dem Gebiet des heutigen Luxemburg zugeordnet. Wie kommt er dann in den Löffinger Festzug? Bereits 1885 erschien ein Aufsatz über einen angeblichen »Minnesänger der Baar«, der aus Löffingen stammen soll. Auch Karl Hasenfuß nimmt 1953 in seine Stadtchronik ein Wachsmut von Künsingen zugeschriebenes Minnelied auf. Die Vorstellung von einem heimischen Minnesänger verfestigte sich in der lokalen Geschichtserzählung.

Überhaupt bewegt sich der Festzug von 1951 bei der Darstellung des Mittelalters auf unsicherem historischen Boden. Schriftliche Belege für die Stadtgründung durch Graf Heinrich von Fürstenberg oder für eine Verleihung des Marktrechts im Jahr 1250 fehlen. Beim großen Jubiläumsumzug wird Geschichte deshalb nicht nur rekonstruiert, sondern auch mit einer Portion Phantasie ausgeschmückt.

Standort des Fotografen: 47.884496, 8.345928

Stadtmusik beim Umzug in der Bahnhofstraße anlässlich des Sängerfestes, 31. Juli 1927

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Die Bahnhofstraße ist festlich herausgeputzt. Girlanden aus Reisig sind entlang der Straße gespannt, an hohen Masten wehen Fahnen. Zwei Radfahrer sind am Straßenrand stehen geblieben und schauen dem herannahenden Festzug entgegen. Die Stadtmusik ist im Anmarsch. Vorneweg wird der Schellenbaum getragen, dahinter folgen die Musiker.

Anlass ist das große Sängerfest des Schwarzwaldgau-Sängerbundes, das drei Tage lang in Löffingen gefeiert wird. Zahlreiche Gesangvereine reisen dafür an. Beim großen Festumzug am 31. Juli 1927 ziehen schätzungsweise 4.000 bis 5.000 Teilnehmer*innen durch das Städtchen – für Löffingen ein außergewöhnliches Großereignis. Für drei Tage wird Löffingen damit zum Treffpunkt zahlreicher Sänger und Vereine aus der Region.

Die Aufnahme entsteht in der Bahnhofstraße beim Bahnübergang. Am rechten Bildrand ist ein Teil des katholischen Pfarrhauses (Untere Hauptstr. 10) angeschnitten. Weiter hinten ist der sogenannte »neue Benzbau« (Ringstr. 8) zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.882438, 8.343013

Umzugswagen »Rosenkorb« in der Maienlandstraße zur Stadterhebung, 27. Mai 1951

Foto Leofa, Neustadt | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Der Festzug eilt durch die regennasse Maienlandstraße. Regenschirme sind aufgespannt, die Straße glänzt vom Regen – ausgerechnet an diesem besonderen Tag spielt das Wetter nicht mit. Löffingen feiert die Wiedererlangung seiner Stadtrechte, doch die Feierlichkeiten fallen im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Vor dem Haus Honold (Maienlandstr. 2) zieht der Festwagen »Rosenkorb« vorbei. Von hinten ist vor allem die große Fahne mit dem Löffinger Wappen zu sehen. Auf dem von einem kräftigen Pferd gezogenen Wagen türmt sich ein gewaltiger Berg aus Rosen. Die Blüten sind allerdings nicht echt: Fritz Adrion sen. (1897-1971) und Rosa Adrion (geb. Berger, 1898-1973), und ihre Familie haben sie in mühevoller Arbeit aus Papier gefertigt.

Auch das Haus Honold (Maienlandstr. 2) ist für den Festtag geschmückt. Eine Reisiggirlande hängt an der Fassade, daneben weht die badische Fahne in Gelb-Rot-Gelb. Baden-Württemberg gibt es noch nicht: Löffingen gehört 1951 zum Land Baden. Am 9. Dezember 1951 folgt die Volksabstimmung über die Bildung eines »Südweststaates«. Im folgenden Jahr schließen sich Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern dann zum neuen Land Baden-Württemberg zusammen.

Hinter dem »Rosenkorb« folgt die Stadtmusik. Die Musiker scheinen angesichts des Dauerregens weniger um ihre Uniformen als um ihre Instrumente besorgt zu sein. Statt gemächlich zu paradieren, wird an diesem nasskalten Maitag eher zügig marschiert.

Standort des Fotografen: 47.884323, 8.343460

Fronleichnamsprozession in der Demetriusstraße, 1939

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Der Kirchenchor biegt beim Haus Fürst (Demetriusstr. 5) in die Demetriusstraße ein. Frauen und Männer gehen in festlicher Kleidung, die Frauen tragen Hüte, die Männer schwarze Anzüge. Hinter ihnen folgen die Ministranten mit Kreuz und Fahnen sowie die Erstkommunikantinnen in ihren weißen Gewändern. Gemeinsam tragen sie eine Girlande aus Reisig.

Ende der 1930er Jahre ist die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession keine Selbstverständlichkeit mehr. Die kirchenfeindliche Haltung des NS-Regimes macht sich auch in Löffingen bemerkbar. Zwischen der katholischen Kirchengemeinde und der Stadtverwaltung kommt es zu Auseinandersetzungen über die Streckenführung. Die Prozession darf nicht mehr wie früher durch die Hauptstraße ziehen und wird auf Seitenstraßen verwiesen. Zugleich nimmt die Zahl der Teilnehmer*innen ab. Wer mitgeht, bekennt sich sichtbar zum katholischen Glauben und zum katholischen Milieu.

Auffällig ist, dass vor dem Haus Fürst jeder Festschmuck fehlt. Keine »Maien« sind in das Hofpflaster gesteckt, um den Weg der Prozession mit jungem Grün zu säumen. Das dürfte kein Zufall sein: Schmiedemeister Otto Fürst gilt als »alter Kämpfer« der nationalsozialistischen Bewegung. Bereits am 1. November 1930 trat er der Löffinger NSDAP-Ortsgruppe bei (Mitgliedsnummer 358.280). Aus seiner antiklerikalen Haltung macht Fürst keinen Hehl. Schon 1928 warf er die Fensterscheiben des Pfarrhauses ein. 1934 beteiligte er sich an der Vertreibung von Stadtpfarrer Guido Andris. Aus der katholischen Kirche trat er aus.

Bei den Mitgliedern des Kirchenchores sind u.a. zu sehen: Julius Limb, Hermann Ganter, Ernst Meßmer, Albert Benitz, Otto Ganter und Hedwig Limb (verh. Vogt).

Standort des Fotografen: 47.884332, 8.344581

Geschwister Rebholz in der Alenbergstraße, Fronleichnam 1958

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilie Runge zur Verfügung.

Es ist Fronleichnam. Ein kunstvoll gelegter Blumenteppich zieht sich scheinbar endlos die Prozessionsstrecke entlang. Auch durch die Alenbergstraße verläuft das bunte Band aus Blütenblättern, die zu Ornamenten und Mustern gelegt sind. Am Straßenrand stecken junge Zweige im Pflaster. Sie rahmen den Weg der Prozession ein und verdecken zugleich manches, was man dem »Herrgott« lieber nicht zeigen will – etwa Misthaufen oder unaufgeräumte Hofecken.

Auch das Haus Rebholz (Alenbergstr. 14) ist festlich geschmückt. An der Fassade hängt eine selbstgebundene Reisiggirlande, darüber flattert eine Kirchenfahne in den Farben Weiß und Gelb im Wind. Die ganze Straße scheint sich für den hohen Feiertag herausgeputzt zu haben.

Neben dem Blumenteppich stehen die Geschwister Klemens Rebholz (geb. 1949) und Cäcilie Rebholz (verh. Runge, geb. 1953). Die beiden rücken eng zusammen und posieren stolz für die Kamera. Klemens trägt einen dunklen Anzug, vermutlich denselben, den er zu seiner Erstkommunion getragen hat. Cäcilie erscheint dagegen ganz in Weiß: Sommerkleid, Kniestrümpfe, helle Schuhe und ein Kranz im Haar. In der Hand hält sie ein kleines Körbchen mit Blütenblättern, die sie während der Prozession auf den Weg streut.

Die Aufnahme zeigt nicht nur zwei Kinder an einem Sommertag, sondern auch, wie viel Mühe und Gemeinschaftssinn in die Vorbereitung des Fronleichnamsfestes gesteckt wird. Stundenlang werden Blüten gesammelt, Zweige geschnitten und Girlanden gebunden, damit sich die Straßen des Städtchens für einen Tag in einen festlichen Prozessionsweg verwandeln.

Standort des Fotografen: 47.885696, 8.343741

8 Fotos: Begrüßung des Heimkehrers Rudolf Egle vor seinem Elternhaus, Januar 1954

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Hans-Martin Konhäuser, Theo Walz und Robert Rosenstiel zur Verfügung.

Ein besonderer Tag für Löffingen: Im Januar 1954 kehrt Rudolf Egle (1927-1992) aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft in seine Heimat zurück. Der Sohn von August Egle und Klara Egle ist der letzte Kriegsheimkehrer des Städtchens – entsprechend groß ist der Empfang. Vor seinem Elternhaus (Demetriusstr. 14) hat sich eine Menschenmenge versammelt. Ein festlich geschmückter Eingang mit der Aufschrift »Herzlich willkommen« spannt sich über die Haustür. Vertreter der Gemeinde, Nachbarn und zahlreiche Neugierige sind gekommen, um den Heimkehrer zu begrüßen. Eine Schar Kinder drängt sich in der vordersten Reihe, um ja nichts zu verpassen.

Bürgermeister Paul Benitz (1899-1979) heißt Rudolf Egle offiziell willkommen. Ein Präsentkorb wird von zwei Mädchen in Tracht überreicht, Blumen wechseln die Hände. Die Szenen wirken feierlich – und zugleich persönlich, beinahe intim. Nach Jahren der Ungewissheit ist der Sohn, Nachbar und Freund endlich wieder da. Ein Wiedersehen mit seinem Vater August Egle bleibt ihm allerdings verwehrt: Er war bereits 1946 verstorben.

Auch Thaddäus Winter (1913-1977) gehört zu den Gratulanten. In welcher Funktion er auftritt, ist unklar. Vielleicht als Vertreter der DRK-Ortsgruppe?

viertes Foto
V.l.n.r.:
1 Thaddäus Winter (1913-1977), 2 Ferdinand Egle (1919-2010), 3 Rosalie Konhäuser (geb. Egle, 1917-2014), 4 Klara Egle (geb. Wintermantel, 1889-1964), 5 Rudolf Egle (1927-1992), 6 »Relli« (Kleinkind), 7 Willi Konhäuser (1920-?), 8 ??? (Präsentkorb), 9 Erika Kienzle (verh. Schweizer, geb. 1941, Präsentkorb) 

Standort des Fotografen: 47.883802, 8.343686

Heimatprimiz von August Ganter in der katholischen Pfarrkirche, 7. Mai 1933

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Die große Zahl der Priester und Ministranten vor dem Hochaltar sowie die vielen brennenden Kerzen lassen erkennen, dass an diesem Tag ein besonderer Festgottesdienst gefeiert wird. Die Kirchenbänke sind mit Gläubigen voll besetzt. Denn der frisch geweihte Priester August Ganter (1907-1970) begeht seine Heimatprimiz in der katholischen Pfarrkirche St. Michael. Die Messe wird noch mit dem Rücken zur Gemeinde am Hochaltar zelebriert, die Liturgie erfolgt in lateinischer Sprache.

August Ganter wurde am 21. Juni 1907 gleich neben der Kirche in der Seppenhofer Straße geboren. Seine Eltern sind der Schneidermeister Edmund Ganter (1879-1956) und Maria Ganter (geb. Bader, 1881-1962). Nach dem Besuch des Bertholdgymnasiums und des Gymnasialkonvikts in Freiburg empfing er am 30. April 1933 die Priesterweihe. Am 7. Mai feiert der 25-jährige Neupriester nun seine Heimatprimiz.

Wenige Jahre später (1936) wird der Innenraum der Pfarrkirche grundlegend renoviert. Die Wände erhalten einen weißen Anstrich, die Wandgemälde werden übermalt, die Decke erneuert und die Kanzel vom Chorbogen in das nördliche Langhaus versetzt.

Standort des Fotografen: 47.882518, 8.344545

Haus Ganter in der Alenbergstraße, Fronleichnam 1941

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Das Haus Ganter (Alenbergstr. 14) ist an Fronleichnam festlich geschmückt. Unterhalb der Fenster im ersten Obergeschoss hängen sechs Reisigkränze an der Fassade. In der Haustür stehen Blechnermeister Otto Ganter, seine Ehefrau Johanna Ganter (geb. Selb, 1875-1962) sowie ihre Tochter Johanna Ganter (verh. Rebholz). Das Haus ist das Elternhaus der Ehefrau und Mutter. Ihr Vater Josef Selb (1839-1916) war Glasermeister von Beruf, weshalb der Hausname »s’Glasers« lautet.

In der Zeit des Nationalsozialismus ist das Schmücken von Wohnhäusern zu katholischen Feiertagen keine Selbstverständlichkeit, sondern Ausdruck von innerer Distanz zum Regime. Otto Ganter war vor 1933 Vorsitzender der Zentrumspartei. Er und seine Tochter Johanna gehören dem Kirchenchor an; Johanna Ganter wirkt seit 1937 zudem als Organistin der katholischen Pfarrgemeinde.

Standort des Fotografen: 47.885579, 8.343861

Umzug zur Stadterhebung in der Bahnhofstraße, 27. Mai 1951

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Bernhard Adrion zur Verfügung.

Leider herrscht nasskaltes Schmuddelwetter, als die Einwohner*innen Löffingens die Wiederverleihung der Stadtrechte feiern. Der große Festumzug anlässlich der Stadterhebung bewegt sich durch die Bahnhofstraße – und mittendrin rumpelt eine Postkutsche hinter einem Vierspänner über die aufgeweichte Fahrbahn. Die Pferde stapfen durch Pfützen, die Räder spritzen Schlamm, aber das historische Bild ist eindrucksvoll: Die Postkutsche erinnert an eine ganz besondere Episode in der Geschichte der Stadt – den sogenannten »Waldprozess«.

Im offiziellen Programm trägt der Wagen die Nummer 20. Dort heißt es: »1753 – Postwagen fährt zum Waldprozess nach Wien«. Gemeint ist der jahrelange Rechtsstreit, den die Stadt Löffingen im 18. Jahrhundert führte, um ihre Waldrechte zu verteidigen. Seit Jahrhunderten war der Besitz des Stadtwaldes für die Bürger überlebenswichtig – er lieferte Bauholz, Brennholz und Weiderechte. Doch diese Rechte wurden immer wieder in Frage gestellt, sodass die Stadt gezwungen war, bis vor die höchste Instanz nach Wien zu ziehen. 1753 reiste tatsächlich eine Abordnung aus Löffingen mit der Postkutsche in die kaiserliche Residenzstadt, um ihre Ansprüche geltend zu machen. Der Prozess zog sich über Jahrzehnte hin und kostete enorme Summen, brachte am Ende aber Klarheit: Die Waldrechte blieben in Löffinger Hand.

Vor der Postkutsche fährt ein weiterer Wagen mit der Aufschrift »1750 – Geigenbau in Rötenbach« und erinnert daran, dass auch das benachbarte Dorf auf eine lange Handwerkstradition zurückblickt.

Im Hintergrund des Fotos ist rechts das Haus Fehrenbach zu sehen, das der Kriegerwitwe Frieda Fehrenbach (geb. Blattert, 1911-2003) gehört. Das Haus hinten links, das zum Weberweg gehört, ist mit Reisiggirlanden geschmückt. Es ist das Anwesen von Franz Vogelbacher und seiner Ehefrau Berta Vogelbacher (geb. Hoch).

Standort des Fotografen: 47.884056, 8.341833

Spielmannszug bei der Stadterhebung in der Dittishauser Straße, 27. Mai 1951

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Bernhard Adrion und Hildegard Adrion zur Verfügung.

Anlässlich der Wiederverleihung der Stadtrechte stellt sich der Festumzug in der Dittishauser Straße auf. Ein Schild verkündet: »1808 – Der erste Spielmannszug«. Der Tambourmajor Josef Heiler II (»Stettholz-Heiler« oder »De Molker« genannt) steht an der Spitze, die Trommler sind abmarschbereit. Hinter ihnen reihen sich weitere Umzugsteilnehmer*innen auf, die gleich durch die Straßen ziehen.

Der Spielmannszug gehört zur Feuerwehr. 1907 gilt als offizielles Gründungsjahr, aber auch davor gab es schon eine Feuerwehrmusik. Während des Zweiten Weltkrieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit ruhte das Vereinsleben. Doch am 12. Mai 1950 kam es zur Neugründung, und bei der Fronleichnamsprozession im selben Jahr trat er erstmals wieder auf. Der Spielmannszug musiziert aber nicht nur bei kirchlichen Festen, sondern auch bei sonstigen Anlässen und pfeift und trommelt flotte Märsche.

Heute spielen – in alphabetischer Reihenfolge – Klaus Allinger, Karl Benz, Fritz Egle, Alfred Fehrenbach, Johann Glunk, Karl Götz, Franz Guth, Anselm Heiler, Albert Kienzler, Oswald Laufer, Adolf Rappenegger, Walter Ratzer, Walter Selb, Egon Studer, Gottfried Vogelbacher, Josef Wölfle und Albin Zepf. Ein Großteil von ihnen gehört auch der Hexengruppe an und wirkte auch an der Wiederbelebung dieser Narrengruppe nach dem Zweiten Weltkrieg mit.

V.l.n.r.: 1 Franz Guth (»de Trottewäber«), 2 Josef Heiler II, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???

Die Tamboure stehen abmarschbereit vor dem Haus von Waldwegwart Julius Zepf und seiner Ehefrau Sofie Zepf (Dittishauser Str. 19). Im Hintergrund ragt das neu erbaute Haus von Landwirt August Zepf und seiner Ehefrau Klara Zepf (Dittishauser Str. 21) auf. Das Ehepaar wohnt hier mit den Kindern seit 1945, nachdem es bei einem Bombenangriff sein Anwesen vis-à-vis des Pfarrhauses in der Unteren Hauptstraße verlor.

Standort des Fotografen: 47.885985, 8.349750