Fronleichnamsschmuck vor dem Haus Adrion in der Alenbergstraße, ca. 1955-1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Genoveva Kinast zur Verfügung.

Vor dem Haus Adrion (Alenbergstr. 21) ist zur Fronleichnamsprozession ein besonders aufwändiger Schmuck aufgebaut. Vor Birkenzweigen erhebt sich ein großes Kreuz, an das sich eine menschliche Figur klammert. Fast scheint es, als halte sich ein Schiffbrüchiger an einem rettenden Felsen fest. Das Kreuz erscheint hier nicht nur als religiöses Symbol, sondern als letzter Halt und Rettung in existenzieller Not.

Rund um die Figur sind zahlreiche Kalk- und Tuffsteine aufgebaut, die wie eine felsige Landschaft wirken. Dahinter hängt an der Hausfassade ein Sinnspruch, eingerahmt von einer Reisiggirlande. Der Text ist nur teilweise lesbar: »Wer ist Gott – außer Go[tt] / Fels und Rettung ohne Kre[uz] / Dein Name sei gepriesen in E[wigkeit]«. Vermutlich handelt es sich um eine freie religiöse Dichtung, die das Motiv von Gott als »Fels« und »Rettung« aufgreift.

Die Prozession selbst macht hier keinen Halt. Es handelt sich nicht um einen offiziellen Stationenaltar, sondern um eine private, mit großer Mühe gestaltete Dekoration entlang der Prozessionsstrecke.

Standort des Fotografen: 47.886485, 8.343054

Geschwister Rebholz in der Alenbergstraße, Fronleichnam 1958

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilie Runge zur Verfügung.

Es ist Fronleichnam. Ein kunstvoll gelegter Blumenteppich zieht sich scheinbar endlos die Prozessionsstrecke entlang. Auch durch die Alenbergstraße verläuft das bunte Band aus Blütenblättern, die zu Ornamenten und Mustern gelegt sind. Am Straßenrand stecken junge Zweige im Pflaster. Sie rahmen den Weg der Prozession ein und verdecken zugleich manches, was man dem »Herrgott« lieber nicht zeigen will – etwa Misthaufen oder unaufgeräumte Hofecken.

Auch das Haus Rebholz (Alenbergstr. 14) ist festlich geschmückt. An der Fassade hängt eine selbstgebundene Reisiggirlande, darüber flattert eine Kirchenfahne in den Farben Weiß und Gelb im Wind. Die ganze Straße scheint sich für den hohen Feiertag herausgeputzt zu haben.

Neben dem Blumenteppich stehen die Geschwister Klemens Rebholz (geb. 1949) und Cäcilie Rebholz (verh. Runge, geb. 1953). Die beiden rücken eng zusammen und posieren stolz für die Kamera. Klemens trägt einen dunklen Anzug, vermutlich denselben, den er zu seiner Erstkommunion getragen hat. Cäcilie erscheint dagegen ganz in Weiß: Sommerkleid, Kniestrümpfe, helle Schuhe und ein Kranz im Haar. In der Hand hält sie ein kleines Körbchen mit Blütenblättern, die sie während der Prozession auf den Weg streut.

Die Aufnahme zeigt nicht nur zwei Kinder an einem Sommertag, sondern auch, wie viel Mühe und Gemeinschaftssinn in die Vorbereitung des Fronleichnamsfestes gesteckt wird. Stundenlang werden Blüten gesammelt, Zweige geschnitten und Girlanden gebunden, damit sich die Straßen des Städtchens für einen Tag in einen festlichen Prozessionsweg verwandeln.

Standort des Fotografen: 47.885696, 8.343741

Vier Musiker an Fronleichnam, 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Vier junge Musiker stehen geschniegelt in dunklen Uniformröcken mit doppelter Knopfreihe, breiten Gürteln und auffälligen, glänzenden Helmen. In ihren Händen halten sie Blasinstrumente, wie Trompete und Horn. Unten auf dem Foto steht in schwungvoller Handschrift: »Frohnleichnahm 1935« – mit gleich zwei überflüssigen »h«. Das menschliche Gedächtnis – und manchmal auch die Rechtschreibung – irrt eben gelegentlich.

Die vier Musiker gehören der Stadtmusik an, die bis 1920 bei der Feuerwehr eingegliedert ist. Die alten Uniformen werden weiter genutzt, deswegen auch die Feuerwehrhelme. Fronleichnam ist ein Hochfest mit feierlicher Prozession, bei der Musik nicht fehlen darf.

Die Szene wirkt wie ein spontaner Schnappschuss am Rande der Feierlichkeiten. Die jungen Männer schauen nicht alle selbstbewusst in die Kamera: Einer blickt abgelenkt zur Seite, ein anderer blickt lächelnd gen Himmel. Gerade diese leichte Unbeholfenheit verleiht dem Bild seinen Charme. Es zeigt nicht nur vier Musiker in einem festlichen Moment, aber mit ganz und gar menschlicher Ausprägung.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 August Kuster jr. (Jahrgang 1924/25)

Standort des Fotografen: ???

Haus Ganter in der Alenbergstraße, Fronleichnam 1941

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Das Haus Ganter (Alenbergstr. 14) ist an Fronleichnam festlich geschmückt. Unterhalb der Fenster im ersten Obergeschoss hängen sechs Reisigkränze an der Fassade. In der Haustür stehen Blechnermeister Otto Ganter, seine Ehefrau Johanna Ganter (geb. Selb, 1875-1962) sowie ihre Tochter Johanna Ganter (verh. Rebholz). Das Haus ist das Elternhaus der Ehefrau und Mutter. Ihr Vater Josef Selb (1839-1916) war Glasermeister von Beruf, weshalb der Hausname »s’Glasers« lautet.

In der Zeit des Nationalsozialismus ist das Schmücken von Wohnhäusern zu katholischen Feiertagen keine Selbstverständlichkeit, sondern Ausdruck von innerer Distanz zum Regime. Otto Ganter war vor 1933 Vorsitzender der Zentrumspartei. Er und seine Tochter Johanna gehören dem Kirchenchor an; Johanna Ganter wirkt seit 1937 zudem als Organistin der katholischen Pfarrgemeinde.

Standort des Fotografen: 47.885579, 8.343861

Kindergruppe im Garten der Bäckerei Willmann in der Unteren Hauptstraße, ca. 1952

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Irmgard Timm zur Verfügung.

Es ist Fronleichnam. Im Garten der Bäckerei Willmann vormals Straub (Untere Hauptstr. 6) steht eine Schar Kinder. Sie sind miteinander verwandt, da sie die Kinder der Straub-Töchter Maria Willmann (geb. Straub, 1911-2001) und Luise Bader (geb. Straub, 1914-2019), also Cousins und Cousinen sind. Drei der Mädchen tragen weiße Kleidchen und Haarkränze. Vielleicht handelt es sich um Kommunionkleider, die anlässlich des Fronleichnamsfestes noch einmal angezogen werden?

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Cäcilia (Cilla) Bader (geb. 1946), 2 Willi Willmann (geb. 1944), 3 Conrad Bader (geb. 1945)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Irmgard Bader (verh. Timm, geb. 1942), 3 Marlies Willmann (verh. Rothfuß, geb. 1939), 4 Siegfried Bader, 5 Gisela Willmann (geb. 1943)

Standort des Fotografen: 47.883275, 8.343584

Fronleichnamsschmuck in der Alenbergstraße, ca. 1950

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Genoveva Kinast zur Verfügung.

In der NS-Zeit wurden die Prozessionen an Fronleichnam von den staatlichen Behörden behindert und eingeschränkt. In der Nachkriegszeit wird wieder an das religiöse Brauchtum angeknüpft. Nicht nur durch die Innenstadt führt die Prozession der katholischen Kirchengemeinde, sondern auch über den Alenberg.

Der gesamte Weg ist mit einem Blumenteppich versehen. Zweige mit jungem Grün sind links und rechts der Straße in das Pflaster gesteckt, um die Prozessionsstrecke einzurahmen. Zwischen dem Haus Gaede (Alenbergstr. 23) und dem Haus Zimmermann (Alenbergstr. 24) ist in diesem Jahr ein besonders aufwändig gestalteter Fronleichnamsschmuck installiert: Eine Art Ehrenpforte, von zwei Säulen getragen und von einem begrünten Bogen überspannt, der von einem kleinen Kreuz gekrönt wird.

Sie Säulen aus Gips sind vermutlich von der Gipser-Familie Adrion geschaffen worden, die gleich nebenan im Haus Alenbergstr. 21 wohnt.

Standort des Fotografen: 47.886412, 8.343143

Ratzer-Brunnen in der Oberen Hauptstraße an Fronleichnam, ca. 1950

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Genoveva Kinast zur Verfügung.

An der Kreuzung von Dittishauser Straße und Oberer Hauptstraße steht der sogenannte Ratzer-Brunnen – benannt nach der Familie Ratzer, die seit Generationen im zweigeschossigen Wohnhaus in der Dittishauser Straße 1 lebt.

Heute zeigt sich der Brunnen besonders festlich geschmückt, denn die katholische Pfarrgemeinde feiert das Fronleichnamsfest. Da der Brunnen an der Prozessionsstrecke liegt, wurde über dem Brunnentrog eine Statue des auferstandenen Christus angebracht. In der Hand trägt er eine Fahne – Symbol seines Sieges über den Tod. Der Platz um den Brunnen ist liebevoll gestaltet: Die gepflasterten Rinnen der Dittishauser Straße und der Oberen Hauptstraße rahmen ein kleines Dreieck, in dem ein kunstvoller Blumenteppich ausgelegt wurde.

Im Hintergrund ist das Haus Bader (Obere Hauptstraße 17) zu erkennen.

Stanort des Fotografen: 47.884855, 8.348609

Drei Frauen in der Oberen Hauptstraße, Mai 1951

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gabi Senn zur Verfügung.

Drei junge Frauen spazieren bei schönstem Frühlingswetter durch die Obere Hauptstraße. Das Gasthaus »Linde« (Obere Hauptstr. 10) im Hintergrund ist festlich geschmückt. Eine Fahne in den Farben blau-weiß flattert im Wind und eine lange Reisiggirlande schmückt die Fassade. Heute ist Donnerstag, der 24. Mai 1951, und die katholische Gemeinde feiert Fronleichnam. Der Prozessionsweg ist von grünen Ästen und Zweigen gesäumt, die links und rechts in das Straßenpflaster gesteckt sind. Dieser Schmuck ist nichts außergewöhnliches, sondern jedes Jahr zu sehen, und würde wohl kaum rechtfertigen, dass die drei Frauen sich fotografieren lassen.

Die drei posieren neben einer Ehrenpforte, die auf Höhe vom Haus Selb (Obere Hauptstr. 12) und vom »Gebertsaal« (Obere Hauptstr. 11) die Straße überspannt. Sie gehört nicht zur jährlichen Dekoration für Fronleichnam, aber ein anderes wichtiges Ereignis wirft seine Schatten voraus: Am 27. Mai 1951 bekommt Löffingen seine Stadtrechte wieder verliehen und erwartet zahreiche auswärtige Gäste! Anlässlich der Stadterhebung wird auch ein großer Festumzug stattfinden. Leider wird das Wetter, ganz anders als am heutigen Fronleichnamstag, nicht mitspielen…

V.l.n.r.: 1 Irma Zepf (verh. Hasenfratz, geb. 1937), 2 Margarete Zepf (verh. Senn, 1932-2021), 3 Lotte Groß (verh. Ratzer, 1930-2025)

Standort des Fotografen: 47.884438, 8.347476

Fronleichnamsaltar beim Gasthaus »Linde«, ca. 1960

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christoph Müller und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Beim Gasthaus »Linde« (Obere Hauptstr. 10) ist ein prachtvoll geschmückter Fronleichnamsaltar aufgebaut. Der Altar ist kunstvoll gestaltet und von Blumenarrangements umgeben. Besonders beeindruckend ist der Blumenteppich im Vordergrund, der das letzte Abendmahl Jesu detailreich darstellt. Die verschiedenen Farben und Muster aus Blütenblättern bilden ein wahres Kunstwerk.

Am rechten Bildrand erkennt man das Gasthaus »Linde«, das mit einer Kirchenfahne geschmückt ist. Bäume, rahmen den Altar ein. Ein Kastanienbaum steht in voller Blüte. Fronleichnam ist ein religiöser Feiertag. Darüber hinaus ist es aber auch ein gesellschaftliches Ereignis, schließlich stellen die katholischen Einwohner*innen in den 1960er Jahren noch die überragende Mehrheit der Bevölkerung.

Standort des Fotografen: 47.884355, 8.346859

Fronleichnamsprozession auf dem oberen Rathausplatz, ca. 1950

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Dr. Konrad Schlude zur Verfügung.

Auf dem oberen Rathausplatz sind am Laden von Kaufmann Robert Sauter (1900-1945) die Rollläden heruntergelassen. Der Ladenbesitzer ist zu diesem Zeitpunkt tot, denn er starb am 19. Oktober 1945 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Betrieben wird der Laden aber weiterhin von seiner Ehefrau Justina Sauter (geb. Brett, 1900-1994). Dass das Geschäft heute geschlossen ist, liegt daran, dass Feiertag ist.

Die katholische Pfarrgemeinde feiert Fronleichnam. Die Häuser im Städtchen sind entlang der Prozessionsstrecke mit Fahnen und Girlanden geschmückt. Der Weg, auf dem das Allerheilige in der Monstranz duch die Straßen getragen wird, ist mit einem Blumenteppich versehen. Eine Gruppe junger Frauen schreitet gerade darüber. Sie tragen eine Marienstatue. Vielleicht gehören sie der Jungfrauenkongregation an.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 Agathe Köpfler (verh. Jordan, 1922-1982), 8 ???, 9 ???

Eine der Frauen ist vermutlich Magdalena Glunk (verh. Schlude, 1931-2019).

Standort des Fotografen: 47.883956, 8.344880

Fronleichnamsaltar vor der »alten Sonne«, ca. 1960

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Daniela Scherzinger zur Verfügung.

Die katholische Kirchengemeinde feiert das Fronleichnamsfest. Das Städtchen ist entlang der Prozessionsstrecke festlich geschmückt. Mehrere Stationenaltäre sind aufgebaut, wie hier auf dem oberen Rathausplatz vor der »alten Sonne« (Rathausplatz 9-10).

Ein Blumenteppich führt zum Altar hin. Die bunten Blüten formen einen Kelch, über dem eine Eucharistie im Strahlenkranz schwebt. Der Altar wird von Nadelbäumen eingerahmt, die in das Straßenpflaster gesteckt sind. Die Fassade im Hintergrund ist mit Reisiggirlanden und kleinen Fähnchen geschmückt. Eine Gruppe Jungen steht – festlich gekleidet – neben dem Altar und betrachtet den Blumenteppich.

Zu sehen sind u.a. Werner Hasenfratz, Heinz Hauger und Bernhard Adrion.

Standort des Fotografen: 47.883835, 8.344747

Bei Adrions auf dem Balkon in der Alenbergstraße, 1957

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Ein herrlicher Ausblick, mag der Mann gerade denken, als er seinen Blick schweifen lässt. Vom Balkon des Hauses Adrion (Alenbergstr. 21) aus genießt er die freie Sicht über die Häuser in der Maienlandstraße hinweg rüber zum »Ochsenberg« und nach »Stettholz« und weiter in Richtung Schwarzwald. Neben ihm steht eine Frau.

Es ist Frühling – ja fast schon Sommer! Denn heute ist Fronleichnam, wie an den Maien und dem Häuserschmuck unten in der Maienlandstraße zu erkennen ist. Und 1957 ist dieser katholische Feiertag recht spät an der Reihe: Heute ist bereits der 20. Juni! Und morgen beginnt der Sommer! Ob es sich bei dem Mann und der Frau um Kurgäste handelt?

In der Maienlandstraße sind die Häuser Benz (Maienlandstr. 27) und Fehrenbach (Maienlandstr. 29) zu sehen. Hinter der Frau ragt der Seitengiebel des Hauses Vogel (Alenbergstr. 27) ins Bild.

Standort des Fotografen: 47.886430, 8.342913