Investitur von Pfarrer Winkel vor dem Pfarrhaus, 26. April 1936

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Festlich ist der Eingang des katholischen Pfarrhauses (Untere Hauptstr. 10) geschmückt. Eine Reisiggirlande mit weißen Papierblüten rahmt die Haustür ein, links und rechts des Treppenaufgangs stehen junge Tännchen. Davor hat sich der Kirchenchor versammelt. Die Sänger halten ihre aufgeschlagenen Liederbücher in den Händen, während Stadtpfarrer Robert Winkel (1897-1972) erhöht vor dem Eingang steht und den musikalischen Gruß entgegennimmt.

Der Anlass ist die feierliche Investitur des bisherigen Pfarrverwesers als Stadtpfarrer der katholischen Kirchengemeinde Löffingen. Passender könnte der Tag kaum gewählt sein: Es ist der Sonntag vom Guten Hirten. In der Chronik des Kirchenchores heißt es: »Da das Fest gerade auf den Sonntag des guten Hirten fiel, begrüßte der Kirchenchor den hochwürdigen Herrn Stadtpfarrer am Eingang seines Hauses bei der Abholung mit dem 32. Psalm ›Der Herr ist mein Hirt‹.« Geleitet wird der Chor von Hauptlehrer Emil Willig. Auch die anschließende Festmesse umrahmt der Kirchenchor musikalisch.

Hinter der feierlichen Zeremonie liegt eine dramatische Vorgeschichte. Am 23. Juni 1934 war Stadtpfarrer Guido Andris (1879-1974) von den Nationalsozialisten gewaltsam aus Löffingen vertrieben worden. Danach blieb die Pfarrstelle zunächst unbesetzt. Erst am 17. Januar 1935 übernahm Robert Winkel als Pfarrverweser die Leitung der Gemeinde. Mehr als ein Jahr später, am 3. April 1936, ernannte ihn Erzbischof Conrad Gröber zum Stadtpfarrer. Am 26. April wird er schließlich durch Dekan Bernhard Kromer aus Friedenweiler feierlich in sein Amt eingeführt.

Robert Winkel wurde am 31. August 1897 in Gernsbach bei Rastatt geboren und wuchs seit 1904 in Freiburg auf. Am 18. Juni 1922 empfing er durch Erzbischof Karl Fritz die Priesterweihe. Seine erste Stelle führte ihn nach Kirrlach bei Waghäusel, anschließend war er von 1923 bis 1931 Kaplan der Herz-Jesu-Gemeinde in Mannheim. Es folgten Stationen als Pfarrverweser in Kappel am Rhein, Spechbach bei Heidelberg und Steinbach bei Bühl, bevor er nach Löffingen kam.

Standort des Fotografen: 47.882621, 8.343363

Brautpaar Hepting / Jonner, ca. 1932

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Feierlich stehen Rupert Hepting (1905-1990) und Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995) für ihr Hochzeitsfoto beisammen. Die Braut trägt ein dunkles, langes Kleid, dazu einen weißen Schleier und einen üppigen Brautstrauß. Der Bräutigam hat sich im dunklen Anzug mit Fliege herausgeputzt und hält seinen Zylinder in der Hand. Vermutlich entsteht die Aufnahme beim Alenbergwäldchen.

Dass die Braut nicht in Weiß heiratet, ist zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches. Ein dunkles Festkleid ist praktischer und lässt sich auch nach der Hochzeit noch zu besonderen Anlässen tragen. Der helle Schleier und der Brautstrauß machen dennoch auf den ersten Blick deutlich, dass hier Hochzeit gefeiert wird.

Rupert Hepting ist Landwirt und Drechsler von Beruf. Gemeinsam mit seiner Ehefrau übernimmt er das elterliche Anwesen Haus Nr. 251 (Dittishauser Str. 7). Dort gründen die beiden ihre Familie und verbringen viele Jahrzehnte miteinander. Was an diesem Tag als gemeinsamer Lebensweg beginnt, hält mehr als ein halbes Jahrhundert: 50 Jahre später können Rupert und Sofie Hepting gemeinsam das Fest der Goldenen Hochzeit feiern.

Standort des Fotografen: ???

Joseph Benitz beim Angeln an der Gauchach, August 1935

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Mitten im flachen Wasser der Gauchach steht Weinhändler Joseph Benitz (1897-1981) und hält konzentriert seine lange Angelrute über den Bach. Damit er trockenen Fußes im Wasser stehen kann, trägt er hohe Watistiefel. Jackett und Hut wirken für einen Angelausflug beinahe elegant – offenbar muss man auch beim Fischen nicht auf eine gewisse Form verzichten.

In seiner Freizeit zieht es Joseph Benitz immer wieder an die Gauchach. Er lässt Weinfässer und Geschäftskorrespondenz hinter sich und steht mitten im Bach. Zwischen bewaldeten Hängen und Wiesen sucht er sich einen ruhigen Platz und versucht sein Glück. Das Wasser ist klar und flach. Ob an diesem Augusttag tatsächlich ein Fisch anbeißt, verrät das Foto allerdings nicht.

Standort des Fotografen: ???

3 Fotos: Prozession mit Primizant Franz Benitz vom Bahnhof zur Pfarrkirche, 6. April 1935

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Ein »großer Bahnhof« wird Franz Benitz (1908-1944) bei seiner Ankunft in Löffingen bereitet. Ministranten, Geistliche, Familienangehörige und zahlreiche Gemeindemitglieder holen den Neupriester am Bahnhof ab und begleiten ihn in feierlicher Prozession zur katholischen Pfarrkirche St. Michael. Franz Benitz ist erst wenige Tage zuvor, am 31. März 1935, durch den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber zum Priester geweiht worden. Am folgenden Tag wird er in seiner Heimatgemeinde die Primiz feiern.

Obwohl es bereits April ist, liegt noch Schneematsch auf dem Boden. Die Häuser entlang des Weges sind festlich herausgeputzt: Reisiggirlanden und Fahnen schmücken die Fassaden. Kurz vor der Pfarrkirche entstehen mehrere Aufnahmen. Zu sehen sind das katholische Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) und der »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8). Am rechten Bildrand fällt der Blick auf die weniger repräsentative Rückseite der Ökonomie des Gasthauses »Sonne« (Kirchstr. 29). Vor dieser Kulisse ziehen Ministranten und Geistliche vorüber – ein feierlicher kirchlicher Zug mitten durch das vertraute Straßenbild.

Am Vorabend der eigentlichen Primiz findet in der katholischen Pfarrkirche St. Michael zunächst eine Andacht statt. Erst am nächsten Tag steht Franz Benitz selbst am Altar, zelebriert erstmals in seiner Heimatgemeinde die Messe und erteilt den Primizsegen. Nicht nur für ihn, sondern auch für seine Familie und die katholische Gemeinde ist dies ein besonderes Ereignis – und die große Beteiligung beim Einzug zeigt, welche Bedeutung eine Heimatprimiz besitzt.

Bei den Zuschauer*innen am Straßenrand sind u.a. zu erkennen: Hilda Schultheiß (verh. Vögtle), Josefa Roth (verh. Rappenegger)

Standort des Fotografen: 47.882660, 8.343996

Gläubige vor der Kirche Witterschneekreuz, 19. September 1937

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Dicht gedrängt stehen die Gläubigen vor der Wallfahrtskirche Witterschneekreuz. So viele Menschen sind gekommen, dass längst nicht alle im Kircheninneren Platz finden. Vor allem Männer und »Jungmänner« aus Löffingen und der Umgebung nehmen an der Wallfahrt teil, dazwischen sind auch einige Frauen zu erkennen. Am rechten Bildrand steht eine große Limousine – mit ihr ist Erzbischof Conrad Gröber (1872-1948) zur Kirche gefahren.

Der Freiburger Erzbischof ist an diesem Sonntag zu Gast in Löffingen. Am Vormittag spendete er in der Pfarrkirche St. Michael das Sakrament der Firmung. Am Nachmittag begann um 14.30 Uhr eine weitere große kirchliche Veranstaltung: die Wallfahrt der Männer und »Jungmänner« zum Witterschneekreuz. Gröber hielt zunächst in der Pfarrkirche die Wallfahrtspredigt. Anschließend setzte sich die Prozession in Bewegung. Während die Gläubigen zu Fuß durch das Städtchen und das Maienland hinauszogen, legte der Erzbischof den Weg mit dem Auto zurück.

An der Wallfahrtskirche angekommen, kann die Menschenmenge nicht vollständig aufgenommen werden. Es findet aber ohnehin nur eine kurze Segensandacht statt. Das Foto vermittelt eindrucksvoll, welche Anziehungskraft das Witterschneekreuz als Wallfahrtsort besitzt und welche Bedeutung der Besuch eines Erzbischofs für die katholische Gemeinde hat.

Stadtpfarrer Robert Winkel (1897-1972) mahnte seine Pfarrangehörigen vor dem Besuch des Erzbischofs ausdrücklich: »Nicht öhmden!« Mit »Öhmd« ist der zweite Grasschnitt des Jahres gemeint. Er forderte sie auf, an diesem besonderen Sonntag die Feldarbeit ruhen zu lassen. Wenn der Erzbischof durch Löffingen zieht, soll sich die Pfarrgemeinde offenbar von ihrer besten katholischen Seite zeigen – arbeitende Bauern auf den Wiesen hätten da ein denkbar schlechtes Bild abgegeben.

Standort des Fotografen: 47.893117, 8.337014

4 Fotos: Abholung von Primizant Franz Benitz am Bahnhof, 6. April 1935

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Feierlich zieht eine große Prozession vom Bahnhof in Richtung Städtchen. Vorneweg gehen die Ministranten in ihren weißen Chorhemden, dahinter folgt eine Gruppe von Geistlichen. In ihrer Mitte steht derjenige, dem an diesem Tag die besondere Aufmerksamkeit gilt: Franz Benitz (1908-1944) in schwarzer Soutane. Am Vorabend seiner Heimatprimiz wird der Neupriester am Bahnhof abgeholt und von Familie, Geistlichkeit und Gemeinde zu einer Andacht in der katholische Pfarrkirche St. Michael begleitet.

Zahlreiche Löffinger*innen säumen die Bahnhofstraße. Auch aus den geöffneten Fenstern des »neuen Benzbaus« (Ringstr. 8) verfolgen Bewohner*innen den vorbeiziehenden Zug. Die Angehörigen der Familie Benitz haben sich festlich gekleidet.

Frühlingshaft ist das Wetter an diesem Apriltag allerdings nicht. Die Bäume sind noch kahl, auf der Straße liegt Schneematsch. Festtagskleidung, Chorhemden und Soutanen treffen auf nasses, kaltes Aprilwetter. Dennoch haben sich viele Menschen eingefunden, denn eine Primiz ist für eine katholisch geprägte Gemeinde ein besonderes Ereignis – auch in der NS-Zeit.

Franz Benitz wurde am 31. März 1935 durch den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber zum Priester geweiht. Am 7. April feiert er in seiner Heimatgemeinde Löffingen seine erste Messe. Geboren wurde er am 2. April 1908 als Sohn des Weinhändlers Joseph Benitz und dessen Ehefrau Anna Benitz (geb. Glunk). Er wuchs in einer tief im katholischen Milieu verwurzelten Familie auf. Nach der Priesterweihe wirkt er als Vikar in Sinzheim bei Rastatt, Weingarten bei Karlsruhe, Schwetzingen und Mannheim. Am 5. Dezember 1940 wird Franz Benitz zur Wehrmacht eingezogen und verbringt als Sanitäts-Obergefreiter rund drei Jahre an der Ostfront in der Sowjetunion. Dort erkrankt er an Fleckfieber. Während eines Heimaturlaubs in Löffingen bricht die Krankheit aus. Er wird in das Lazarett nach Donaueschingen gebracht, wo er am 30. März 1944 stirbt – nur wenige Tage vor seinem 36. Geburtstag. Beigesetzt wird er auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde.

Bei den Familienangehörigen sind Joseph Benitz (1897-1981), Hedwig Benitz (geb. Steidlinger, 1900-1995), Paul Benitz (1899-1979) und Albert Benitz (1905-1996) zu erkennen.

Unter den Zuschauer*innen am Straßenrand stehen u.a. Hilda Schultheiß (verh. Schulz) und Josepha Roth (verh. Rappenegger, 1915-1993).

Standort des Fotografen: 47.883737, 8.342193

Schulklasse des Jahrgangs 1918/19 mit Lehrer Steidlinger, ca. 1933

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Ordentlich haben sich 18 Schüler*innen des Jahrgangs 1918/19 auf den Treppenstufen vor der Festhalle aufgestellt. Damit alle auf dem Klassenfoto gut zu sehen sind, verteilen sie sich auf drei Reihen. Die Jungen stehen oben, die Mädchen davor. Ganz rechts hat Oberlehrer Eugen Steidlinger (1873-1939) seinen Platz eingenommen. Ernst blickt die Klasse in die Kamera – nur einzelne Gesichter verraten ein kleines Lächeln.

Die Festhalle ist zu diesem Zeitpunkt noch unverputzt. Das rohe Mauerwerk und die großen Rundbogenportale bilden eine fast monumentale Kulisse für die Schulklasse.

Für Eugen Steidlinger gehört das Unterrichten seit Jahrzehnten zum Alltag. Seit 1905 ist er an der Löffinger Volksschule tätig und begleitet mehrere Generationen von Kindern durch ihre Schulzeit. Am 1. Februar 1934 geht er in den Ruhestand.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Olga Schmutz (verh. Geisinger, 1919-?), 5 ???, 6 ???, 7 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Franz Keller (1918-2006), Arthur Egle (1918-1991), 5 Viktor Sibold (1919-2000), 6 ???, 7 ???, 8 Lehrer Eugen Steidlinger (1873-1939)

Zum Jahrgang gehören u.a.: Anna Bader (1919-2003), [Hans Wehrle (1919-?)], Ferdinand Egle (1919-2010), Maria Höcklin (verh. Winter, 1919-2006), ??? Armbruster, Adolf Rappenegger (1919-2011); evtl. auch Alfons Egle (?-1944 vermisst)

Standort des Fotografen: 47.883000, 8.347660

Alemannengrab in der Alemannenstraße, April 1933

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Ein menschliches Skelett kommt beim Straßenbau am Alenberg zum Vorschein. Es liegt in einem schmalen, mit Steinen eingefassten Grab, das zuvor mit einer Steinplatte abgedeckt war. Der Fund sorgt für Aufsehen, doch völlig überraschend ist er nicht: Schon bei früheren Erdarbeiten wurden auf der Südseite des Alenbergs immer wieder Gräber entdeckt. Eine Lokalzeitung berichtet am 7. April 1933 über den neuerlichen Fund: »Das noch gut erhaltene Skelett eines erwachsenen Menschen von mittlerer Größe lag vom Westen nach Osten gerichtet, mit dem Gesicht der Erde zugewandt. Weitere Funde wies das Grab nicht auf.« Das Foto hält einen seltenen Moment fest, in dem die weit zurückliegende Vergangenheit Löffingens buchstäblich wieder ans Tageslicht kommt.

Zwei Jahre später werden bei erneuten Arbeiten am Alenberg weitere zwei Steinkistengräber freigelegt – ebenfalls ohne Beigaben. Der Löffinger Chronist Emil Ketterer vermutet deshalb in seiner 2005 erschienen Stadtchronik, dass das Gräberfeld am Alenberg aus christlicher Zeit stammt und um 650 n. Chr. angelegt wurde. Das im Heimatmuseum ausgestellte »Alemannengrab« zeigt vermutlich nicht das 1933 ausgegrabene Skelett, sondern eines der beiden Grabfunde aus dem Jahr 1935.

Die archäologischen Entdeckungen der 1930er-Jahre sind keineswegs die ersten Hinweise auf frühe Gräberfelder. Bereits 1881 stießen Arbeiter beim Anlegen eines Steinbruchs im Gewann »Käpellebuck« auf rund 30 Gräber. Sie waren mit Steinen ausgemauert und mit großen Steinplatten abgedeckt. Mit den Funden ging man damals wenig zimperlich um: Skelette und Schädel wurden teilweise zertrümmert und wieder verscharrt, Waffen und andere Beigaben als wertloses »rostiges Eisen« weggeworfen. Einige Stücke konnten nachträglich gerettet werden. Der »Kreuz«-Wirt Johann Hogg, Betreiber des Steinbruchs und selbst an Bodenfunden interessiert, sorgte dafür, dass unter anderem Reste eines Langschwertes, ein Langsax – eine lange, einschneidige Hiebwaffe –, ein Kurzschwert, zwei bronzene Ohrringe, ein Messer und ein verzierter Knopf in die Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen gelangten.

Standort des Fotografen: 47.885091, 8.346282

Eugen Steidlinger mit Enkelinnen auf der »Linden«-Wiese, Pfingsten 1939

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Zwischen seinen beiden Enkelinnen steht Oberlehrer a. D. Eugen Steidlinger (1873-1939) auf der »Linden«-Wiese. Die Mädchen haben sich fein gemacht und halten kleine Blumensträuße in den Händen. Ihr Großvater trägt Mantel und Hut und blickt ernst in die Kamera.

Der Ort ist Eugen Steidlinger bestens vertraut. Rund 15 Jahre zuvor entstanden auf der »Linden«-Wiese ganze Serien von Klassenfotos, auf denen der Pädagoge jeweils mit seinen Schüler*innen für den Fotografen posierte. Nun ist der langjährige Lehrer im Ruhestand und lässt sich nicht mit einer Schulklasse, sondern mit seinen Enkelinnen fotografieren.

V.l.n.r.: 1 Lioba Benitz (verh. Andritzke, geb. 1936), 2 Eugen Steidlinger (1873-1939), 3 Elisabeth Benitz (verh. Burger, 1930-2019)

Eugen Steidlinger wurde am 13. November 1873 in Stuttgart geboren. 1905 kam er von Östringen bei Bruchsal an die Volksschule Löffingen. Täglich hatte er 150 bis 160 Schulkinder zu unterrichten. Nach der Gründung der Gewerblichen Fortbildungsschule übernahm er auf Drängen der örtlichen Handwerksmeister nebenamtlich auch deren Leitung. 1922 wurde der Hauptlehrer zum Oberlehrer befördert. Bis zu seiner Pensionierung am 1. Februar 1934 begleitete er mehrere Generationen Löffinger Kinder durch ihre Schulzeit und sprang bei Erkrankungen von Kollegen auch in den Filialgemeinden Seppenhofen und Dittishausen ein. Anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums verlieh ihm die Stadt Löffingen 1930 in Anerkennung seiner Verdienste die Ehrenbürgerwürde. Auch außerhalb der Schule war Steidlinger fest im Gemeindeleben verankert: Von 1917 bis 1932 leitete er als Dirigent den katholischen Kirchenchor. Am 12. Dezember 1939 stirbt er im Alter von 66 Jahren.

Standort des Fotografen: 47.883368, 8.347403

»Baaremer Quartett«, ca. 1930

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Vier Männer sitzen nebeneinander auf einer Gartenbank und schauen ausgesprochen ernst drein. Dabei sorgen sie sonst gerade für gute Unterhaltung: Als »Baaremer Quartett« treten die vier Sänger bei Festen und geselligen Veranstaltungen auf. Sie sind gewissermaßen die Löffinger Ausgabe der berühmten »Comedian Harmonists«. Doch von ausgelassener Sangesfreude ist auf dieser Momentaufnahme wenig zu spüren.

V.l.n.r.: 1 Metzgermeister Fritz Seilnacht (1901-1987), 2 Schneidermeister Hermann Ganter (1895-1957), 3 Friseurmeister Julius Limb (1883-1968), 4 Kaufmann Albert Benitz (1905-1996)

Schon die unterschiedlichen Berufe der Sänger zeigen: Das gemeinsame Singen ist kein Broterwerb, sondern Freizeitvergnügen – allerdings offenbar auf einem Niveau, das ihnen Auftritte und einen eigenen Namen einbringt. Bis 1939 tritt das »Baaremer Quartett« gemeinsam auf.

Standort des Fotografen: ???

Narrengruppe »Eintracht«, Fasnacht 1933

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Fast wie eine kleine Theaterszene wirkt das Gruppenfoto. Vier Personen haben an einem mit weiß karierter Decke gedeckten Tisch Platz genommen. Im Mittelpunkt sitzen eine Frau und ein Mann, beide umfassen ihre Weinkrüge und blicken einander tief in die Augen. Links lehnt sich ein Mann mit Melone und kleinem Schnurrbart ins Bild – seine Aufmachung erinnert unverkennbar an Charlie Chaplin. Rechts sorgt ein Akkordeonspieler für die passende musikalische Begleitung.

Hinter der Tischgesellschaft stehen sechs weitere Männer. Mit Hüten, ungewöhnlichen Kleidungsstücken, geschminkten Gesichtern und angeklebten Nasen haben auch sie sich für die Fasnacht herausgeputzt. Die ganze Szene ist sorgfältig arrangiert. Vielleicht posieren die Beteiligten nur für das Foto, vielleicht führen sie aber auch einen kleinen Sketch auf, bei dem die beiden Trinkenden am Tisch die Hauptrollen spielen.

Wo die Aufnahme entsteht, ist nicht bekannt. Die gemusterte Tapete und die Bilder an der Wand könnten zu einer Wirtsstube ebenso gehören wie zu einem privaten Wohn- oder Geschäftsraum. Denkbar wäre beispielsweise auch die Weinhandlung Hogg – belegen lässt sich das bislang jedoch nicht.

Rätsel gibt außerdem die rückseitige Beschriftung »Eintracht Löffingen« auf. Sind die Männer Mitglieder des Männergesangvereins »Eintracht«, die gemeinsam Fasnacht feiern? Dann stellt sich die Frage, welche Rolle die einzige Frau in der Runde spielt. Oder bezeichnet »Eintracht« gar nicht den Verein, sondern lediglich die närrische Gemeinschaft auf dem Foto? Geradezu einträchtig sitzen und stehen sie jedenfalls beisammen.

Wer erkennt die Personen – und weiß vielleicht, wo diese Fasnachtsszene aufgenommen wird und was es mit der Beschriftung »Eintracht« auf sich hat?

1.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Paul Benitz (1899-1979), 4 [Albert Benitz?]
2.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???

Standort des Fotografen: ???

Familie Benitz vor ihrem Haus, April 1935

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Familie Benitz hat sich vor ihrem Haus in der Alenbergstraße zum Gruppenfoto versammelt. Im Mittelpunkt sitzt Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), umgeben von ihren Kindern, Schwiegertöchtern und Enkelkindern. Die Haustür hinter ihnen ist mit Reisiggirlanden und weißen Papierblumen geschmückt, zwei Tännchen rahmen den Eingang ein. Der Anlass ist ein besonderer: Franz Benitz (1908-1944), rechts in der hinteren Reihe, feiert seine Heimatprimiz. Am 31. März 1935 wurde der 27-Jährige durch den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber zum Priester geweiht. Eine Woche später, am 7. April, zelebriert er in seiner Heimatgemeinde Löffingen erstmals die Messe. Familie und katholische Kirchengemeinde feiern den Neupriester, und auch das Elternhaus wird für diesen Tag festlich geschmückt.

Für Anna Benitz ist es ein Familienfest nach Jahren, in denen sie bereits schwere Schicksalsschläge hinnehmen musste. Seit 1919 ist sie Witwe. Mit ihrem Mann, dem Weinhändler Joseph Benitz (1859-1919), hatte sie sieben Kinder. Zwei von ihnen leben 1935 nicht mehr: Friedrich Benitz (1902-1908) starb bereits als Kind, die Tochter Anna (1896-1922) im Alter von 26 Jahren. Beim Großbrand von 1921 traf es die Familie besonders hart: Gleich vier ihrer Häuser wurden zerstört. Das Wohn- und Geschäftshaus in der Alenbergstraße, vor dem die Familie sich nun versammelt, entstand beim anschließenden Wiederaufbau.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz (1928-2012), 2 Hedwig Benitz (geb. Steidlinger, 1900-1995), 3 Elisabeth Benitz (verh. Burger, 1930-2019), 4 Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), 5 Josefine Benitz (geb. Klaus, 1903-1991), 6 Anna Maria Benitz (1934-2021), 7 Maria Benitz (verh. Wiedemann, 1911-?)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz (1897-1981), 2 Albert Benitz (1905-1996), 3 Paul Benitz (1899-1979), 4 Franz Benitz (1908-1944)

Franz Benitz ist der einzige der Söhne, der Priester wird, doch die gesamte Familie ist sehr religiös und tief im katholischen Milieu verwurzelt. Familienmitglieder engagieren sich im kirchlichen Leben, etwa im Kirchenchor und im Stiftungsrat, und politisch in der Zentrumspartei. Gerade deshalb geraten sie nach der nationalsozialistischen Machtübernahme ins Visier der örtlichen Nationalsozialisten. Joseph Benitz (1897-1981) wurde im August 1933 für zwei Tage in sogenannte »Schutzhaft« genommen – eine willkürliche Inhaftierung, die der Einschüchterung politischer Gegner dient.

Als das Foto aufgenommen wird, ist es noch keine zehn Monate her, dass Stadtpfarrer Guido Andris am 23. Juni 1934 gewaltsam aus Löffingen vertrieben wurde. Joseph Benitz und Albert Benitz gehörten zu den mutigen Männern, die offen gegen das Vorgehen der Nationalsozialisten protestieren. Beide wurden daraufhin verhaftet. Vor diesem Hintergrund ist die Primiz von Franz Benitz im Frühjahr 1935 nicht nur ein Familienfest. Sie ist zugleich ein sichtbares Bekenntnis zum Katholizismus, der vom NS-Regime zunehmend unter Druck gesetzt wird.

Standort des Fotografen: 47.885270, 8.344131