4 Fotos: Oberschwester Hildegard der TV-Serie »Schwarzwaldklinik« mit dem Löwen am Rathaus, 1985

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Eine gelbe Telefonzelle steht unmittelbar beim Rathaus – und davor streift ein ausgewachsener Löwe umher. Mittendrin: Oberschwester Hildegard, gespielt von Eva Maria Bauer (1923-2006). Für die Dreharbeiten zur Fernsehserie »Schwarzwaldklinik« verwandelt sich Löffingen für kurze Zeit in eine Filmkulisse. Gedreht wird für die Folge »Die fromme Lüge«, die als 14. Folge der ersten Staffel am 4. Januar 1986 ausgestrahlt wird. In der Handlung reißt ein Löwe aus einem Zirkus aus und sorgt in der Umgebung für Aufregung. Löffinger Statist*innen spielen Passant*innen, die beim Anblick des Tieres erschrocken das Weite suchen. Bei einem Kameraschwenk ist sogar kurz das Gasthaus »Löwen« am Rathausplatz zu erkennen – ein passender Hintergrund für eine Szene mit einem echten Löwen.

Oberschwester Hildegard sucht in Panik Schutz in einer Telefonzelle, die eigens für die Dreharbeiten beim Rathaus aufgestellt wurde. Auch die Ausstattung ist auf den Drehort abgestimmt: In der Kabine ist Werbung für die Volksbank Löffingen angebracht, außerdem ein Aufkleber der Kurverwaltung Löffingen. So können aufmerksame Fernsehzuschauer*innen erkennen, wo die Szene aufgenommen wird.

Doch die vermeintlich sichere Zuflucht erweist sich als weniger zuverlässig als gedacht. Löwe »Ken« schleicht nicht nur um die Kabine herum, sondern richtet sich plötzlich auf und lehnt sich gegen die Glasscheibe. Die Lokalzeitung berichtet später, ein wenig mehr Druck hätte genügt, und das Tier wäre mitsamt der Scheibe Oberschwester Hildegard entgegengekommen. Die Szene wird deshalb nur ein einziges Mal gedreht.

In der fertigen Folge wandert der Löwe schließlich weiter zum »Hüsli«, dem Wohnhaus der Familie Brinkmann. Während die Erwachsenen in Aufregung geraten, begegnet Angie dem Tier erstaunlich furchtlos. Haushälterin Käti erschrickt beinahe zu Tode, und Zivi Mischa versucht, das Mädchen zu retten – wofür er einen schmerzhaften Kratzer am Hintern davonträgt.

Standort des Fotografen: 47.883729, 8.344304

Hochzeitsgesellschaft Hasenfratz / Münzer vor dem Gasthaus in Unadingen, 27. März 1965

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Hans-Peter Hepting und Christa Egle zur Verfügung.

Kein Zweifel: Hier wird Hochzeit gefeiert. In der Mitte steht die Braut Ursula Hasenfratz (geb. Münzer) mit einem großen Blumenstrauß im Arm. Bei dem jungen Mann im schwarzen Anzug neben ihr hat sie sich untergehakt – Kurt Hasenfratz ist der Bräutigam. Auch viele der Hochzeitsgäste haben sich mit kleinen Blumen oder Festabzeichen am Revers für den besonderen Tag herausgeputzt.

Ursula Hasenfratz wurde in Heidelberg geboren und kam im Alter von sechs Jahren nach Hüfingen, wo sie aufwuchs. Kurt Hasenfratz wurde in Oberndorf geboren und wuchs bei Adoptiveltern in Unadingen auf. Das Paar gibt sich in der Konvikt-Kapelle in Donaueschingen das Ja-Wort. Die Braut ist zu diesem Zeitpunkt schwanger. In der konservativ-katholisch geprägten Zeit wird von einer schwangeren Braut erwartet, nicht in Weiß zu heiraten. Entsprechend trägt Ursula Hasenfratz ein dunkles festliches Kleid.

Für das Gruppenfoto hat sich die Hochzeitsgesellschaft vor dem Gasthaus »Ochsen« in Unadingen versammelt. Der Eingang ist mit einer Reisiggirlande geschmückt, aus der geöffneten Tür schauen weitere Gäste heraus. Rechts und links rahmen Fenster mit hölzernen Fensterläden den Eingang ein. An der Fassade hängt ein rundes Werbeschild »Trink Coca-Cola« – ein kleines zeittypisches Detail, das die Aufnahme in die Nachkriegsjahrzehnte verweist. Links ragt ein VW Käfer ins Bild. Gut möglich, dass er an diesem Tag eine besondere Aufgabe übernimmt und als Hochzeitsauto dient.

Im Jahr 2025 können Ursula Hasenfratz und Kurt Hasenfratz das Fest ihrer Diamantenen Hochzeit feiern.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Braut Ursula Hasenfratz (geb. Münzer, geb. 1946), 5 Bräutigam Kurt Hasenfratz, 6 ???, 7 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Elisabeth Hepting (geb. Münzer, 1897-?), 5 ???, 6 ???, 7 ???, 9 ???
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???
5.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???
6.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???

Standort des Fotografen: Unadingen

Männergruppe im Gasthaus XXX, ca. 1925-1930

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Eng zusammengerückt sitzt eine Männergesellschaft an einem langen Tisch. Ob es sich um einen regelmäßigen Stammtisch, eine gesellige Runde oder vielleicht doch um eine Arbeitsbesprechung handelt, ist nicht bekannt. Auffällig ist jedenfalls, dass mit Bürgermeister Adolf Kuster (1874-1946) und den Lehrern Eugen Steidlinger (1873-1939) und Alfred Zwingert (1880-1938) mehrere bekannte Persönlichkeiten des Städtchens vertreten sind. Auch ein uniformierter Mann sitzt mit am Tisch. Zu welcher Organisation er gehört, lässt sich auf dem Foto nicht sicher erkennen. Denkbar wäre etwa ein Beschäftigter der Reichsbahn.

Der Aufnahmeort bleibt also vorerst ein Rätsel. Dabei bietet die Wirtsstube zahlreiche Hinweise. Der untere Teil der Wände ist mit Holz vertäfelt, links steht ein aufwendig verzierter Kachelofen. An den Wänden hängen Reklametafeln für »Fürstenberg Bier« und »Stern-Brezel«, außerdem ein Werbeplakat des Löffinger Maschinenhändlers Christian Faller. Rechts ist ein Fahrplan der Reichsbahn angebracht. Ob die Aufnahme deshalb im Bahnhofslokal entsteht? Dagegen spricht, dass die Fenster nicht recht zu bekannten Ansichten des 1945 zerstörten Bahnhofsgebäudes passen.

Schade ist, dass auch die an der Wand befestigte Zeitung nicht besser zu erkennen ist. Wären Schlagzeilen oder Erscheinungsdatum lesbar, ließe sich die Aufnahme genau datieren. Adolf Kuster ist von 1920 bis 1933 Bürgermeister in Löffingen. Alfred Zwingert wird 1932 zum Oberlehrer in Bühlertal ernannt und verlässt das Städtchen. Das Foto muss also davor entstanden sein. Es bleibt nur die Einordnung zwischen 1925 und 1930 – und die Hoffnung, dass vielleicht jemand die Wirtsstube oder weitere Männer der Runde erkennt.

V.l.n.r.: 1 Lehrer Eugen Steidlinger (1873-1939), 2 ???, 3 [Alfred Köpfler (1880-1939)?], 4 ???, 5 Lehrer Alfred Zwingert (1880-1938), 6 ???, 7 ???, 8 Bürgermeister Adolf Kuster (1874-1946), 9 [Konrad Bader (1868-1958)?]

Standort des Fotografen: ???

Haus Benitz in der Alenbergstraße, ca. 1923-1927

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Noch ist das Wohn- und Geschäftshaus Benitz (Alenbergstr. 7/9) ein Neubau. Nach dem verheerenden Großbrand vom 28. Juli 1921, bei dem Familie Benitz gleich drei Häuser verliert, entsteht das stattliche Doppelhaus nach Plänen der Wiederaufbaukommission unter Leitung des Freiburger Architekten Carl Anton Meckel (1875-1938). Anfang 1923 werden die Wohn- und Geschäftsräume nach und nach bezogen.

Das Gebäude überragt die benachbarten Häuser der Alenbergstraße deutlich. Für den Fotografen ist die Familie auf beide Balkone getreten. Unten stehen mehrere Angehörige um Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), oben haben die beiden erwachsenen Söhne Joseph Benitz und Paul Benitz Platz genommen. So wird aus der Aufnahme zugleich ein Familienfoto und ein stolzes Bild des gerade erst wiederaufgebauten Hauses.

Unterer Balkon, v.l.n.r.: 1 Albert Benitz (1905-1996), 2 ???, 3 Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), 4 ???
Oberes Balkon, v.l.n.r.:
1 Joseph Benitz (1897-1981), 2 Paul Benitz (1899-1979)

Besonders interessant ist eine handschriftliche Ergänzung auf dem Abzug. Quer über die Fassade steht in blauer Schrift: »Weinkellerei – Joseph Hogg – Branntweine«. Offenbar dient das Foto als eine Art Entwurf: Familie Benitz plant, mit einer großen Werbeschrift auf die im Haus betriebene Weinhandlung aufmerksam zu machen. Noch existiert die Beschriftung nur auf dem Foto – auf Aufnahmen von 1927 ist sie dann tatsächlich an der Fassade angebracht.

Standort des Fotografen: 47.885040, 8.344570

Familie Hepting mit Verwandten vor dem Haus Benz in der Oberen Hauptstraße, ca. 1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Hepting zur Verfügung.

Für das Familienfoto rücken mehrere Generationen zusammen. Rupert und Sofie Hepting stehen mit ihren Kindern Ewald und Inge vor dem Haus Benz in der Oberen Hauptstraße. Mit dabei sind Sofies Mutter Katharina Jonner sowie weitere Verwandte.

Dass inzwischen Krieg herrscht, ist auf dem Familienbild unübersehbar. Rupert Hepting (links) trägt ebenso wie der rechts stehende Hermann ??? Wehrmachtsuniform. Zwischen den beiden Soldaten stehen die Frauen und Kinder in ihrer Alltags- und Sonntagskleidung – eine familiäre Momentaufnahme, in die der Zweite Weltkrieg hineinragt.

Zu Besuch ist auch die Nichte Margret Bammert, Tochter von Adolf Bammert und Agathe Bammert (geb. Jonner), die mit ihrer Familie in Neustadt lebt. Noch nicht identifiziert sind Else ??? und Hermann ???.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Margret Bammert, 2 Inge Hepting (verh. Mayer, geb. 1939), 3 Ewald Hepting (1933-2010)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Rupert Hepting (1905-1990), 2 Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995), 3 Katharina Jonner (geb. Thoma, 1875-1955), 4 Else ???, 5 Hermann ???

Im Hintergrund steht das Anwesen des Landwirts Otto Benz (Obere Hauptstr. 14). Bis 1929 bewirtschaftet er einen Hof in der Bittengasse. Nachdem dieser beim Großbrand in der Kirchstraße zerstört worden ist, errichtet er hier in der Oberen Hauptstraße einen Neubau. Links daneben ist das Haus Berger (Obere Hauptstr. 16) zu erkennen. Ein großes Werbeschild an der Fassade wirbt für Autoreifen – ein kleines Detail, das auf das Geschäft von Schlossermeister und Automechaniker Leopold Berger hinweist.

Standort des Fotografen: 47.884618, 8.348240

2 Fotos: Stadtmusik in einem Gasthaus, ca. 1955-1960

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Hilde Adrion und Inge Maier zur Verfügung.

Die Instrumente sind beiseitegelegt, nun wird angestoßen. Musiker der Stadtmusik sitzen in ihren Uniformen an langen Tischen und stärken sich bei Bier und anderen Getränken. Die Gaststube ist holzvertäfelt. Gerahmte Bilder schmücken die Wände; eines zeigt eine Frau in Schwarzwaldtracht. Es handelt sich um Werbung der Brauerei Rothaus. Bierflaschen, Gläser und Aschenbecher stehen auf den Tischen.

Wo die Aufnahme entsteht, ist nicht bekannt. Vermutlich wird das Foto auswärts aufgenommen. Nach einem Auftritt stärken sich die Musiker noch einmal, bevor sie die Rückfahrt nach Hause antreten.

oberes Foto
1.Reihe, linke Tischseite, v.l.n.r.:
1 Adolf Heizmann (1909-1960), 2 Franz Rappenegger
2.Reihe, rechte Tischseite, v.l.n.r.: 1 Franz Faller (1916-1986), 2 August Limb (1884-1976), 3 Rupert Hepting (1905-1990), 4 Edmund Jordan (»Bartli«, 1907-1970), 5 Johann Maier, 6 Konrad Sibold, 7 Josef Hasenfratz (»Milli Sepp«), 8 Johann Beha (»de Fehri«)

unteres Foto
1.Reihe, linke Tischseite, v.l.n.r.: 1 August Limb (1884-1976), 2 Rupert Hepting (1905-1990), 3 Edmund Jordan (»Bartli«, 1907-1970), 4 Johann Maier, 5 Konrad Sibold
2.Reihe, rechte Tischseite, v.l.n.r.: 1 Ewald Hepting (1933-2010), 2 Walter Müller, 3 Hans Kaufmann (1930-2003), 4 Adolf Heizmann (1909-1960)

Standort des Fotografen: ???

Sommerrodelbahn im Wildpark, ca. 1985-1990

Sammlung Familie Waßmer

Mit Schwung geht es hinunter ins Tal. Die kleine Blechwanne der Sommerrodelbahn saust durch die Kurve, das Gras am Rand verschwimmt beinahe vor Geschwindigkeit. Vorne sitzt ein Kind und hält sich konzentriert am Bremshebel fest, hinter ihm lachen zwei Erwachsene in die Kamera. Die Aufnahme dient als Werbepostkarte. In gelber Schrift steht unten links: »Sommer-Rodelbahn im Wildpark Löffingen«.

Der Wildpark ist um eine Attraktion reicher. Die Sommerrodelbahn entwickelt sich rasch zum Besuchermagneten. Für Kinder ist die Fahrt ein kleines Abenteuer, für Jugendliche und Erwachsene ein Spaß mit Nervenkitzel. Wer oben angekommen ist, steigt meist gleich noch einmal ein.

Nicht nur die Fahrgäste haben Freude an der neuen Anlage. Auch unter Jugendlichen ist die Sommerrodelbahn beliebt – allerdings aus einem anderen Grund. Ein Ferienjob dort gilt als begehrt. Den ganzen Tag die Bahn beaufsichtigen, Schlitten anschieben und mitten im Trubel arbeiten: Für viele Jugendliche gehört das zu den attraktivsten Ferienjobs in der Gegend.

Standort des Fotografen: 47.902997, 8.346164

Aufmarsch beim Erntedankfest in der Unteren Hauptstraße, Oktober 1938

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hans-Martin Konhäuser zur Verfügung.

Es ist ein nasskalter Herbsttag. Die Fahrbahn der Unteren Hauptstraße glänzt vom Regen, am Straßenrand stehen Menschen in Mänteln. Ein organisierter Festzug zieht durch die Straße. An der Spitze marschiert eine Gruppe von Mädchen, vermutlich Angehörige des »Bund Deutscher Mädel« (BDM), der weiblichen Jugendorganisation des NS-Regimes. Hinter ihnen folgt die Stadtmusik, gefolgt von weiteren Formationen. Der Anlass ist das Erntedankfest, das im nationalsozialistischen Festkalender eine wichtige Rolle spielt. Solche Feiern dienen nicht nur der ideologischen Aufladung traditioneller Jahresfeste, sondern auch der öffentlichen Demonstration von Geschlossenheit und Gefolgschaft innerhalb der sogenannten »Volksgemeinschaft«.

Die Häuser entlang der Straße sind mit Reisiggirlanden geschmückt, viele tragen Flaggen. Am Gasthaus »Adler« (Untere Hauptstr. 2) und an der Bäckerei Straub ((Untere Hauptstr. 6) hängen Hakenkreuzfahnen – seit 1935 alleinige Nationalflagge des Deutschen Reiches – sowie die schwarz-weiß-rote Fahne des früheren Kaiserreichs, die von den Nationalsozialisten wieder als »Traditionsflagge« verwendet wird. Am Haus Limb ((Untere Hauptstr. 4) hingegen fehlt der politische Flaggenschmuck. Stattdessen ist quer über die Straße ein Werbebanner gespannt, das für »Essolub«, ein Motoröl des Unternehmens Esso, wirbt. Julius Limb betreibt dort einen Friseursalon, eine Drogerie und eine Tankstelle – seine Reklame steht an diesem Tag sichtbar in Konkurrenz zum staatlich inszenierten Festbild.

Das Erntedankfest 1938 findet nur einen Tag nach einem gravierenden politischen Ereignis statt: Am 1. Oktober marschiert die deutsche Wehrmacht in die Tschechoslowakei ein und besetzt das sogenannte Sudetenland. Während in Löffingen die Ernte symbolisch gefeiert wird, setzt das NS-Regime seine aggressive außenpolitische Expansion fort – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum Zweiten Weltkrieg, der weniger als ein Jahr später, am 1. September 1939, mit dem Überfall auf Polen beginnt.

Standort des Fotografen: 47.883847, 8.343898

Kindergruppe in der Demetriusstraße, ca. 1945

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gabi Senn zur Verfügung.

Hinter dem Haus Limb steht eine Schar Kinder in der Demetriusstraße. Die älteste unter ihnen, Margareta Zepf, ist bereits im Jugendalter und trägt fürsorglich ein kleineres Kind auf dem Arm.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 [Irma Zepf (verh. Hasenfratz, geb. 1937)], 3 ???, 4 Margareta Zepf (verh. Senn, 1932-2021), 5 ???, 6 ???

Im Hintergrund sind die Rückseite vom Gasthaus »Adler« (Untere Hauptstr. 2) und der Hintereingang zum Haus Limb (Untere Hauptstr. 4) zu sehen. Julius Limb (1883-1968) betreibt einen Friseursalon und eine Drogerie. Verschiedene Werbeschilder aus Emaille sind zu sehen, die u.a. Produkte von Maggi und die Zahncreme Durodont anpreisen und von Limbs Warenangebot zeugen. Vermutlich ist es Julius Limb selbst, der zur Kamera greift, um diesen Moment festzuhalten. In der Tür steht seine Ehefrau Maria Limb (geb. Nägele, 1894–?), gekleidet in einen weißen Friseurkittel, und beobachtet das Geschehen.

Ein Fotoapparat ist in der unmittelbaren Nachkriegszeit ein seltener Besitz – zählt er doch zu den Gegenständen, die von der französischen Besatzungsmacht häufig eingezogen wird.

Standort des Fotografen: 47.883413, 8.343496

Untere Hauptstraße, ca. 1955-1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre wird diese Straßenansicht der Unteren Hauptstraße aufgenommen. Links steht das Haus Straub (Untere Hauptstr. 6), in dem sich bereits seit Jahrzehnten eine Bäckerei befindet. Über dem Schaufenster ist eine Markise herausgefahren. Neben dem Eingang hängt ein Werbeschild des Schokoladenherstellers Sarotti, auf dem das Markenlogo abgebildet ist: Der »Sarotti-Mohr«, der bereits in der ausgehenden Kolonialzeit zu einer sehr populären Markenfigur avanciert war, findet ab 1964 sogar in Fernsehspots Verbreitung. Auf dem Werbeschild ist unter dem Schriftzug »Sarotti« der Namen »Willmann« zu lesen und verweist darauf, dass die Bäckerei Straub bereits der nächsten Generation gehört: Eigentümer*innen sind Bäckermeister Wilhelm Willmann (1910-1999) und Maria Willmann (geb. Straub, 1911-2001).

Rechts daneben steht das Haus Limb (Untere Hauptstr. 4), das dem Friseurmeister Julius Limb und dessen Ehefrau Maria Limb (geb. Nägele) gehört. Neben dem Friseurgeschäft betreiben die Limbs eine »Esso«-Tankstelle, die strategisch günstig an der Durchfahrtsstraße steht. Denn noch führt die B31 Mitten durch das Städtchen. Neben dem Haus Limb folgt das altehrwürdige Gasthaus »Adler« (Untere Hauptstr. 2), unschwer an seinem schmiedeeisernen Wirtshausschild zu erkennen. Die Gaststube befindet sich im ersten Obergeschoss. Seit Kurzem ist im Erdgeschoss eine Filiale der Sparkasse untergebracht.

Auf dem unteren Rathausplatz ist der neue Demetriusbrunnen zu erkennen, der 1954 errichtet wurde. Der Vorgängerbrunnen wurde gegen Ende des Krieges bei einem Fliegerangriff zerstört. Die Kriegsschäden der Luftangriffe sind auch bei der Dacheindeckung des Mailänder Tores noch deutlich zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.883309, 8.343878

Kirchstraße mit Laufbrunnen, ca. 1935

Sammlung Familie Waßmer

Es ist Sommer. Der Fotograf, der vermutlich als Urlauber im Städtchen weilt, fotografiert die Kirchstraße und nimmt dabei den (unteren) Laufbrunnen in den Blick. Er fängt den Moment ein, in dem eine Frau neben der Brunnensäule steht und ihr Gesicht mit dem kühlen Wasser erfrischt. Der umliegende Platz um den Brunnen herum ist gepflastert. Darüberhinaus ist die Straße noch nicht asphaltiert. Da die Anlieger der Kirchstraße größtenteils Landwirtschaft betreiben, dient der Straßenraum als Hoffläche, auf dem Holz gelagert wird und allerlei Karren und landwirtschaftliche Geräte abgestellt sind.

Auf der linken Straßenseite ist sehr schön das Haus Kuster (Kirchstr. 14) zu sehen. »Gemüse – Conditorei & Colonialwaren« steht groß an die Fassade geschrieben. Vermutlich beginnt der Schriftzug mit »Obst«, was aber am linken Bildrand abgeschnitten ist. Josef Kuster (1877-1935) ist der Inhaber des Geschäfts, wie auf einem weiteren Werbeschild über dem Ladeneingang zu lesen ist. Er betreibt es zusammen mit seiner Ehefrau Josefa Kuster (geb. Baader, 1879-1948). Rechts daneben ist das Haus Benz (Kirchstr. 12) angebaut.

Die Häuser auf der rechten Straßenseite sind größtenteils neu gebaut. Sie brannten beim Großbrand 1929 ab und wurden beim Wiederaufbau mit den charakteristischen Staffengiebeln errichtet. Zu sehen sind die Häuser Laufer (Kirchstr. 17), Sibold (Kirchstr. 19) und Geisinger (Kirchstr. 21).

Standort des Fotografen: 47.883034, 8.344084

Hochzeitszug Maier / Wahler in der Unteren Hauptstraße, ca. 1954

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Lore Fehrenbach und Michael Fehrenbach zur Verfügung.

Die Spitze des Hochzeitszuges ist bereits auf Höhe des Gasthauses »Adler« (Untere Hauptstr. 2) angekommen. Doch die Hochzeitsfeier findet gar nicht in der dortigen Wirtsstube, sondern im Gasthaus »Ganterbräu« statt. Der Zug, in den sich die Familienangehörigen von Braut und Bräutigam eingereiht haben, zieht sich am Haus Limb (Untere Hauptstr. 4) vorbei bis zur Bäckerei Straub (Untere Hauptstr. 6).

Das frischvermählte Ehepaar sind der Sägearbeiter Franz Maier (1923-2006) und Melanie Maier (geb. Wahler, 1927-2020). Angeführt werden sie von zwei Blumenkindern (??? und ???) und zwei Brautjungfern (??? und Marlies Fritsche). Im Hochzeitszug sind u.a. Albert Fehrenbach (1919-2008) und Maria Fehrenbach (geb. Ganter, 1920-1998) zu erkennen.

Von neugierigen Kindern und anderen Passant*innen wird der Hochzeitszug begleitet. Ganz am Ende der Straße sind der »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8) und das 1952 neu erbaute Haus Adrion (Untere Hauptstr. 9) zu erkennen. Es steht an Stelle des 1945 bei einem Bombenangriff zerstörten Haus Zepf.

Standort des Fotografen: 47.883595, 8.343895