Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.
Auf dem Schild, das am rechten Rand ins Bild ragt, ist der »Sarotti-Mohr« zu sehen. Seit 1918 war er die Markenfigur der Schokoladenfabrik Sarotti und avancierte innerhalb kürzester Zeit zu einer der erfolgreichsten Werbefiguren in der ausgehenden Kolonialzeit. In den 1960er Jahren gewann er zusätzliche Popularität durch Fernsehspots. In der Unteren Hauptstraße hängt er am Haus Willmann (Untere Hauptstr. 6). Er macht Werbung für die Bäckerei, die von Bäckermeister Wilhelm Willmann (1910-1999) und seiner Ehefrau Maria Willmann geb. Straub (1911-2001) betrieben wird.
Vor der Bäckerei steht eine Sitzbank auf dem gepflasterten Gehweg. Von hier lässt sich die gesamte Untere Hauptstaße überblicken. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist das Haus Maier (Untere Hauptstr. 5) zu sehen. Das Uhrengeschäft wird mittlerweile von der nächsten Generation weitergeführt: Heinz und Emilie Albrecht haben das Geschäft modernisiert und frisch renoviert. Daneben steht das Kaufhaus »KONSUM« (Untere Hauptstr. 7) mit breitem Schaufenster und Markise. Den Abschluss der Straße bildet das Gasthaus »Sonne« (Kirchstr. 29), das an der Einmündung zur Kirchstraße steht. Der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael ist unübersehbar.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.
Tritt man aus dem Schatten des mächtigen Rathausbaus heraus, dann öffnet sich die Straße zum unteren Rathausplatz. Links ist das Kriegerdenkmal vom Jahr 1896 zu sehen. Während der NS-Zeit war das schmiedeeiserne Gitter, das es umfasste, für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen und stattdessen drumherum ein Ehrenhain angelegt worden. Dieser wiederum verschwand in der Nachkriegszeit. Mit einem schmucklosen Maschendrahtzahn ist das Kriegerdenkmal jetzt einhegt. Mächtig ragt das Doppelhaus von Friseurmeister Julius Limb (Untere Hauptstr. 4) und vom Gasthaus »zum Adler« (Untere Hauptstr. 2) aus der umgebenden Bebauung heraus. Im Erdgeschoss des »Adlers« befindet sich unterdessen eine Filiale der Bezirkssparkasse Neustadt.
Neben dem Demetriusbrunnen ist das Haus Butsch (Demetriusstr. 15) zu erkennen. Metzgermeister Willy Butsch übernahm 1955 die Metzgerei von der Familie Werne. Es folgt das Haus Egle mit dem »Modewaren«-Laden von Klara Egle (Demetriusstr. 14). Am rechten Bildrand ragt die Werbung vom Café Fuß (Rathausplatz 5) ins Bild, die neben dem Fallrohr der Dachrinne angebracht ist. Dargestellt ist eine Tasse Kaffee und darunter steht geschrieben: »BÄCKEREI Wein Bier«. Eine kleine Stofffahne darunter wirbt darüber hinaus für »Eis«. Die Kugel dürfte vermutlich nicht mehr als 10 Pfennig kosten.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.
Das Schild mit der Brezel am rechten Bildrand gehört zur Bäckerei Willmann (Untere Hauptstr. 6). »Brot & Feinbäckerei« ist darauf zu lesen. Der Blick fällt auf die gegenüber liegende Straßenseite zum Haus Zimmermann (Untere Hauptstr. 7). Seit vielen Jahrzehnten befindet sich in dem einstigen Fruchtkasten der Fürstenbergischen Herrschaft ein Kaufhaus: zunächst das Kaufhaus »zum Kasten«, später das Kaufhaus Zimmermann. An der Fassade sind noch die Buchstaben »A. Zimmermann« zu erkennen, obwohl die Letter abmontiert sind. Der Kaufmann Alfred Zimmermann und seine Ehefrau Ottilie geb. Stein betrieben das Geschäft lange Zeit. Jetzt ist es umbenannt: Über dem Schaufenster mit seiner Markise steht der neue Schriftzug: »KONSUM«.
Im Hintergrund steht das Gasthaus »zur Sonne« (Kirchstr. 29) mit der Brunnenstube (Kirchstr. 27) daneben. Vor dem kleinen Gebäude parken zwei VW Käfer. Dahinter ragt der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael in die Höhe.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gertrud Heizmann zur Verfügung.
Zwischen Rötenbach und Löffingen schlängelt sich die Straße, von Alleebäumen gesäumt, über Berg und Tal. Bis zum Bau der Umgehungsstraße ist dies die Bundesstraße 31, die Freiburg, Neustadt und Donaueschingen verbindet. Am Beginn der Gemarkung von Löffingen grüßt ein holzgeschnitztes Ortsschild die Besucher*innen. In Fraktur-Schrift steht darauf groß: »Stadt-Löffingen«. Die Schrifttype wurde wohl gewählt, weil sie historisch und altehrwürdig wirken soll. Darunter wirbt die Stadt für sich in kursiver Schrift als »Luft-Kurort«. Das Stadtwappen wird eingerahmt von einer Frau und einem Mann, die Tracht tragen, sowie von zwei Nadelbäumen, die Assoziationen zum Schwarzwald wecken sollen.
In den 1950er Jahren ist der Schwarzwald vor allem durch den Kinofilm »Schwarzwaldmädel« populär. In einer Filmrezension heißt es: »Die Trachten sind bunt und die Schwarzwaldtannen grün«. Diesen Wiedererkennungseffekt insbesondere für Kurgäste bietet das Ortsschild in Löffingen.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gaby Vogt zur Verfügung.
»Alles, was Du suchst auf Erden, / kann bei Limb gefunden werden«, so lautet das Motto und der Werbespruch von Friseurmeister Julius Limb (1883-1968). 1902 hatte er seinen ersten Friseursalon in Löffingen eröffnet, damals noch in seinem Elternhaus auf dem Alenberg. Zwei Jahre später erwarb er die linke Gebäudehälfte vom Gasthaus »Adler« in der Unteren Hauptstraße und eröffnete dort sein neues Geschäft. Neben seiner Tätigkeit als Friseurmeister handelte Limb mit allem, was man sich denken kann: Er führte Elektrogeräte, Fahrräder, Nähmaschinen und Drogerieartikel (»Drogen«).
Auf dem Foto steht Julius Limb zusammen mit seiner Ehefrau Maria Limb (geb. Nägele) und anderen Personen im weißen Friseurkittel vor seinem Geschäft. Das Mädchen rechts ist Hedwig Limb (verh. Vogt, 1919-2010). Ein Gartenzaun rahmt den kleinen Vorgarten ein. Die Fassade ist von einer Kletterpflanze eingewachsen. Werbeschilder sind an dem Lattenzaun angebracht: Sie preisen Kaffee (»Kathreiners Malzkaffee«) und »MAGGI Suppenartikel« an. Davor streunert Limbs Hund herum.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elisabeth Kriegisch zur Verfügung.
In der Festhalle findet eine Veranstaltung statt, die von einer kleinen Musikband musikalisch umrahmt wird. Auf der Bühne ist ein Gabentisch aufgebaut: Einige Lebensmittel, Haushaltswaren und Küchengeräte sind fein säuberlich aufgestapelt. Im Hintergrund hängt ein Plakat, das für Kaffee der Marke »Spavi« und einen Villinger »Kaffee-Import-Großhandel« wirbt. Links und rechts des Gabentisches sitzen zwei alte Damen mit Blumensträußen, die vom Ansager auf die Bühne gebeten wurden und gerade geehrt werden.
Die Dame links ist die damals älteste Einwohnerin Löffingens: Agnes Jeglitzka (geb. Schubert, 1871-1956) ist »Heimatvertriebene«. 1946 hatte sie ihre schlesische Heimat verlassen müssen und war nach Jever in Friesland umgesiedelt worden. 1953 war die 82-Jährige mit ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und ihrer Enkelin nach Löffingen gezogen. 1955 zogen sie nach Neustadt, wo Agnes Jeglitzka ein Jahr später stirbt. »Einen alten Baum verpflanzt man nicht«, meinte der Hausarzt.
Wer weiß, wie die Dame rechts heißt? Sie soll ebenfalls eine »Heimatvertriebene« gewesen sein und viele Kinder gehabt haben.
Nach Vollendung der Umbauarbeiten 1982 verbreiteten die Wirtsleute Jupp und Anita Hoitz diese Ansichtskarte ihres Gasthauses. Die Mehrbildkarte zeigt oben in der Mitte die Außenansicht des renommierten »Schwarzwaldgasthauses«. Sein Dach zierte ein Türmchen, in dem die »Josefsglocke« hing, die zu besonderen Anlässen, wie z. B. an Weihnachten und Silvester sowie vorüber ziehenden Wallfahrten, geläutet wurde. Oben links ist das schmiedeeiserne Wirtshausschild und oben rechts ein hölzener Wegweiser zu erkennen.
Darunter sind zwei Ansichten aus dem Städtchen zu sehen: Links das Mailänder Tor und dem Straßenzug in der Demetriusstraße mit seinen Staffelgiebeln. Rechts die Kirchstraße mit dem 1975 errichteten Hexenbrunnen.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hanni Thoma zur Verfügung.
»Malermeister Karl Sibold« steht in großen Buchstaben über der Haustür – ein stolzes Firmenschild, das zeigt, dass hier seit Jahrzehnten ein Handwerksbetrieb zuhause ist. 1928 war Karl Sibold (1899-1975) mit seiner Ehefrau Luise Sibold (geb. Durler, 1898-?) ins Maienland gezogen und hatte sein Malergeschäft eröffnet. Auf dem Foto steht er in weißer Arbeitskleidung vor dem Haus, flankiert von seiner Frau und der ältesten Tochter Johanna Sibold (verh. Thoma, geb. 1930).
V.l.n.r.: 1 Karl Sibold (1899-1975, 2 Luise Sibold (geb. Durler, 1898-?), 3 Johanna Sibold (verh. Thoma, geb. 1930)
Rechts neben der Eingangstür fällt das moderne Schaufenster ins Auge, in dem die damals begehrten Produkte beworben werden: »Tapete« und »Putzmittel« steht in klaren Lettern geschrieben. Für viele Kinder aus der Nachbarschaft ist es ein kleines Abenteuer, bei Sibolds am Laden vorbeizugehen oder gar einen Blick hineinzuwerfen. Denn aus dem Geschäft strömt ein ganz eigener Duft – der ungewohnte Geruch von Waschmitteln, der etwas ganz Besonderes ist.
Links neben der Haustür ist die Stalltür zu sehen, denn neben der Malerwerkstatt verfügt das Haus Sibold auch noch über eine kleine Landwirtschaft.
Dieses Foto stelte uns dankenswerterweise Theo Walz zur Verfügung.
Den Blick, wie er sich auf dieser Fotografie darbietet, gibt es heute nicht mehr. Aufgenommen wurde das Foto von der Bahnhofstraße aus: Der Blick geht über die Ringstraße hinweg in Richtung Mailänder Tor. Heute versperrt der 1923/24 erbaute »Benzbau«, in dem sich zahlreiche Mietwohnungen befinden, diese Perspektive.
Am linken Bildrand ist der Seitengiebel des Hauses Strobel (Ringstr. 6) zu erkennen, vor dem ein Spalierbaum wächst. Rechts daneben ist das Haus Fritsche (Ringstr. 5) zu sehen, wie es vor dem Großbrand 1921 aussah. Es ist leicht verdeckt durch das Haus des Landwirts Ferdinand Schultheiß (Maienlandstr. 1). Davor in der Ringstraße steht ein kleines weißes Häuschen, an dessen Giebel die Aufschrift »Wage« angebracht ist. Offenbar diente es als Gemeindewaage. Rechts daneben ist die Wiederkehr an der Rückseite vom Haus des Kaufmanns Heinrich Walz zu erkennen. Kaum mehr zu entziffern ist auf der mehr als 100 Jahre alten Fotografie der Schriftzug »Heinr. Walz Eisenhandlung«. Es schließt sich rechts daneben die Rückseite der »Adler«-Scheune an, die zum gleichnamigen Gasthaus gehörte.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Emilie Albrecht zur Verfügung.
In einem weißem Arbeitskittel steht der Optiker und Uhrmachermeister Wilhelm Maier vor seiner Ladentür, über der die Hausnummer 14 prangt. Maier wurde 1889 in Rötenbach geboren und betreibt seit 1919 seinen Laden in der Unteren Hauptstr. 5.
Ein liebevoll gestaltetes Reklameschild zeigt zwei Reisende, die mit einem Koffer zum Bahnhof eilen. Es weist darauf hin, dass das Geschäft neben Uhren und Schmuck auch »Reiseandenken« im Angebot hatte. Die Kunden kommen aber noch aus einem weiteren Grund zu Maiers: Auf dem Emailleschild links vom Eingang ist zu lesen, dass sich in den Geschäftsräumen auch eine »Annahmestelle der Bezirkssparkasse Neustadt/Schw.« befindet.
Im Nachbarhaus betreibt Friedrich Seilnacht (1901-1987) seine Metzgerei und Wursterei.
Verlag Gebrüder Ebner, Oberkirch in Baden | Verlag Johann Schmutz, Löffingen | Sammlung Familie Waßmer
Mitten auf dem unteren Rathausplatz steht der alte Trogbrunnen. Seit jeher versorgt der Laufbrunnen an dieser Stelle die Einwohner*innen mit Wasser und dient zugleich als Viehtränke. Als Zeichen des technischen Fortschritts trägt die steinerne Brunnensäule eine Gaslaterne. Der Brunnen steht deutlich weiter links als der heutige Demetriusbrunnen, der ihn 1912 ersetzen wird, und ragt in die Untere Hauptstraße hinein.
Rechts erhebt sich das mächtige Gebäude des Gasthauses »Adler« (Untere Hauptstr. 2). Das schmiedeeiserne Wirtshausschild spannt sich an der Hausecke über die Straße. 1907 erwarb der Friseurmeister Julius Limb die linke Hälfte des Hauses, um dort seinen Friseursalon (Untere Hauptstr. 4) einzurichten. Die Umbauarbeiten sind auf der Aufnahme offenbar noch im Gange. Damit lässt sich auch die Entstehungszeit des Fotos recht eng eingrenzen.
Am linken Bildrand steht das Haus Schmutz (Rathausplatz 6). Auch ihm bleibt nicht mehr viel Zeit: Am 11. Dezember 1909 brennt es ab und wird anschließend durch einen Neubau im Jugendstil ersetzt. Hoch über die Häuserzeile links ragt der »Kasten« (Untere Hauptstr. 7), der ehemalige fürstenbergische Kornspeicher, mit seiner zur Straße gerichteten Giebelfront und dem markanten Dach.
Der Blick folgt der leicht gekrümmten Hauptstraße bis zum Gasthaus »Lamm« (Kirchstr. 29), dessen Giebel den Straßenraum im Hintergrund abschließt. Noch gibt es kaum Verkehr, und die Straße gehört Fußgängern, Handwerkern, Fuhrwerken und dem Vieh. Zugleich kündigen Gaslaterne und Geschäftsumbauten bereits an, dass auch im alten Löffingen die moderne Zeit Einzug hält.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Georg Willmann zur Verfügung.
Mit seiner großen Scheuneneinfahrt sieht das Haus Straub noch wie ein Bauernhaus aus. Das zweistöckige Haus unterscheidet sich von den umstehenden höheren Gebäuden. Darin befand sich über Jahrzehnte hinweg eine Bäckerei und eine Bierwirtschaft. Seit 1910 betrieb der Bäckermeister Ernst Straub (1881-1935) nur noch die Bäckerei. Er war gebürtig aus Bräunlingen und hatte am 1. Februar 1910 nach Löffingen eingeheiratet. Seine Frau war Johanna Straub geb. Faller (1885-?).
Neben der Eingangstür zum Geschäft weist ein schmiedeeisernes Schild mit einer Brezel darauf hin, dass sich hier ein Bäckerladen befindet. Zwei Gauben zeigen, dass ein Teil des Dachgeschosses ausgebaut ist und als Wohnraum genutzt wird. Der Stromständer auf dem Dach beweist, dass das Haus an das neu installierte Stromnetz angeschlossen ist.
Der Besitzer des Wohngebäudes (Untere Hauptstr. 8) im Hintergrund links ist Sägewerkbesitzer Josef Benz. Das Haus wird »alter Benzbau« genannt, um es vom »neuen Benzbau«, einem Mehrfamilienhaus in der Ringstraße, zu unterscheiden.
Das Foto wird 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat« veröffentlicht.