Statue des Demetrius nach dem Bombentreffer, ca. 1953/54

Stadtarchiv

Der Knick in der Lanze des Heiligen Demetrius ist deutlich zu erkennen. Bei einem Bombenangriff am 25. April 1945, zwei Stunden vor dem Einmarsch der Franzosen, wurde der 1912 geschaffene Demetriusbrunnen auf dem unteren Rathausplatz vollständig zerstört. Aber die Figur des Demetrius stand fast unversehrt im Bombenloch, nur ihre Lanze war verbogen. Oswald Laufer und Valentin Mayer bargen die Statue und brachten sie im Rathaus in Sicherheit. Dort entsteht vermutlich diese Aufnahme.

Die Bronzefigur, von dem Karlsruher Bildhauer Wilhelm Sauer (1865-1929) geschaffen, stellt den Katakombenheiligen Demetrius fälschlicherweise als einen römischen Soldaten dar. Diese Darstellungsweise ist wohl darauf zurück zu führen, dass auch die in der katholischen Pfarrkiche St. Michael seit 1727 in einem Altar zur Schau gestellten Gebeine des Katakombenheiligen an einen römischen Soldaten erinnern: Neben seinem rechten Arm liegt ein Schwert, in seiner linken Hand hält er einen Palmzweig, das alte christliche Symbol eines Märtyrers.

Im Dezember 1953 beschließt der Gemeinderat, den Brunnen wieder aufzubauen, allerdings etwas kleiner und schlichter. Der Entwurf stammt von dem ehemaligen Gewerbeschullehrer Karl Ehret. Der Brunnen wird von Steinmetzmeister Karl Weiss aus Granit gefertigt. Die Firma Willi Burger richtet die lädierte Lanze des Demetrius wieder her. Am 22. August 1954 findet die Einweihung des neuen Demetriusbrunnens statt.

Standort des Fotografen: 47.883838, 8.344220

Hochzeitszug von Walter Fuß und Inge Horn vor dem Mailänder Tor, ca. 1958

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Gudrun Wörner zur Verfügung.

In einem großen Bogen bewegt sich der Hochzeitszug über den unteren Rathausplatz, vorbei am Mailänder Tor und der Bäckerei Fuß (Rathausplatz 5). Schließlich gibt der Bäckermeister Walter Fuß (1933-1999) heute seiner Frau Ingeborg geb. Horn (1932-1999) das Ja-Wort. Verwandte und Freunde begleiten das Paar zur Trauuung in der katholischen Pfarrkirche St. Michael und anschließend zur Hochzeitsfeier im Gasthaus »Linde«.

Blickt man durch den Bogen des Mailänder Tores, dann erkennt man das angebaute Haus Schultheiß (Maienlandstr. 1).

Standort des Fotografen: 47.883968, 8.343894

Blick auf den Unteren Rathausplatz, 1960

Verlag A. Rebholz
Sammlung Familie Waßmer

Keine Menschenseele ist auf diesem Farbfoto zu sehen. Fast gespenstisch leer mutet das Bild an. Der Fotograf wollte offenbar die gesamte Aufmerksamkeit auf die Häuser am Unteren Rathausplatz und in der Demetriusstraße lenken, und da hätten Menschen seiner Meinung nach eher gestört. Vom Rathaus mit dem Kriegerdenkmal wandert der Blick hinüber zur Bäckerei von Viktor Fuss (Rathausplatz 5), entlang des Straßenzuges der Demetriusstraße mit den Staffelgiebeln, hin zum Mailänder Tor. Deutlich sind an der Dacheindeckung des Tores noch die Spuren des Zweiten Weltkrieges zu erkennen. In der Mitte des Platzes steht der 1954 neu eingeweihte Demetriusbrunnen. Daneben parkt ein blauer VW Käfer, dem Symbol des westdeutschen Wirtschaftswunders der 1950er Jahre. Das Foto fand als Ansichtskarte Verbreitung.

Standort des Fotografen: 47.883717, 8.343686

Fronleichnamsprozession in der Unteren Hauptstraße mit Bombenkrater, 1946

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Beate und Franz Hofmeier zur Verfügung.

Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Aber die Kriegsschäden sind auch noch ein Jahr später im Städtchen sichtbar. Auf dem unteren Rathausplatz klafft ein großer Bombentrichter. Ein Volltreffer im Frühjahr 1945 hatte den (alten) Demetriusbrunnen zerstört und Teile der Bachüberdeckung aufgerissen. Inzwischen ist wieder Normalität eingekehrt. Die Fronleichnamsprozession zieht durch die Untere Hauptstraße in Richtung Maienland. Vom Mailänder Tor aus hat der Fotograf einen guten Blick auf die Gläubigen der katholischen Pfarrgemeinde, die vorüber ziehen.

Standort des Fotografen: 47.883960, 8.343670

Blick auf den unteren Rathausplatz und in die Untere Hauptstraße, ca. 1950

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Sigrid und Eugen Fehrenbach zur Verfügung.

Aus dem Torbogen des Mailänder Tores fällt der Blick auf den unteren Rathausplatz und in die Untere Hauptstraße. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht das Haus Siefert (Rathausplatz 6), in dem sich eine »Gottlieb«-Filiale befindet. Links und rechts vom Ladeneingang werden Waren dargeboten. Vor dem Laden stehen ein paar Leute, die einkaufen gehen und ein Schwätzchen halten. Mitten auf der Kreuzung steht ein Junge mit seinem Fahrrad, was die Straßenszene zusätzlich belebt.  In den Himmel ragt die Tanne vor dem Haus Siefert, aber auch der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael.  Da der Demetriusbrunnen auf dem Foto fehlt, muss das Foto in der Nachkriegszeit entstanden sein, bevor 1954 der neue Brunnen errichtet wurde.

Standort des Fotografen: 47.883990, 8.343660

2 Fotos: Närrisches Treiben der Lehrer, Fasnacht 1970

Sammlung Familie Waßmer

Nicht nur die Schüler*innen werden am Schmutzigen Dunschdig befreit, sondern auch die Lehrer*innen. Sie ziehen danach durch die Straßen und kehren auch in der ein oder anderen Wirtschaft ein. Auf dem unteren Rathausplatz entstehen diese beiden Gruppenfotos, die nicht nur wegen des bunten Treibens im Vordergrund, sondern auch wegen eines Details im Hintergrund interessant sind. Das – direkt neben dem Mailänder Tor gelegene – Haus von Mechanikermeister Karl Müller (Demetriusstr. 13) hat kurz vorher gebrannt. Nur noch die Brandruine steht. Sie wird später abgetragen und dann der Neubau der Bezirkssparkasse Neustadt errichtet.

Auf den beiden Fotos sind u.a. zu sehen: Hannelore Cremer, Siegfried Dieterle, Gertrud Dom, Gudrun Ewert, Siegfried Ewert, Karl Hauger, Theo Herbstritt, Gundula Hoede, Günter Leber, Sabine Reichhardt? Venatier, Helene Waßmer, Maria Waßmer.

Standort des Fotografen: 47.883711, 8.344253

Narrenschiff der Zwanzigjährigen auf dem unteren Rathausplatz, Fasnacht 1957

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Sigrid und Eugen Fehrenbach zur Verfügung.

Das Narrenschiff »Seebär« treibt durch die verschneiten Straßen des Städtchens. An Bord sind die Zwanzigjährigen mit ihrem Kapitän Eugen Fehrenbach (geb. 1937). Eben fahren sie vom Mailänder Tor kommend am Kriegerdenkmal vorüber. Die Stimmung an Bord ist gut.

Das Schiff wurde in der »Linden«-Scheune zusammengebaut. Als es aus der Scheune geschoben werden sollte, zeigte sich, dass es zu lang war. Es stieß an die Mauer der gegenüber liegenden Straßenseite. Der Bug musste abgetrennt und anschließend wieder angefügt werden.

Standort des Fotografen: 47.883675, 8.344309

Unterer Rathausplatz mit Demetriusbrunnen, ca. 1955-1960

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Sigrid und Eugen Fehrenbach zur Verfügung.

Scharf ragt sie in den Himmel hoch, die Speerspitze des heiligen Demetrius. 1953/54 wurde der neue Brunnen geschaffen, nachdem der alte Brunnen im Frühjahr 1945 durch einen Bombenvolltreffer zerstört worden war. »Sankt Demetrius beschütze uns«, steht als Inschrift auf der Brunnensäule. Der umgebende Platz ist noch nicht gepflastert oder geteert.

Malerisch ist der Altstadtring, der den Demetriusbrunnen einrahmt: Das Mailänder Tor und die angrenzenden Häuser der Demetriusstraße, die alle nach dem Großbrand 1921 mit Staffelgiebeln neu erbaut wurden. Die Bäckerei und das Café im Haus Rathausplatz 5 ist seit 1935 im Besitz von Viktor Fuss und seiner Ehefrau Ottilie geb. Meßmer. Mitte der 1960er Jahre übergeben sie das Geschäft an ihren Sohn Walter Fuss.

Standort des Fotografen: 47.883727, 8.343706

Demetriusbrunnen auf dem unteren Rathausplatz, ca. 1960

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Zu den ersten farbigen Ansichtskarten, die nicht nachträglich coloriert wurden, zählt diese Ansicht des unteren Rathausplatzes mit dem Demetriusbrunnen, dem Mailänder Tor und den Häusern in der Demetriusstraße mit ihren charakteristischen Staffelgiebeln. Mal ehrlich: ein buntes Städtchen ist schon auch schön, verglichen mit den alten Schwarz-Weiß-Fotografien, oder? Dabei waren die Fassaden damals längst nicht so bunt gestrichen wie heute. Aber nicht zuletzt der Blumenschmuck am Demetriusbrunnen kommt hübscher zur Geltung.

Standort des Fotografen: 47.883736, 8.343711

2 Fotos: Modell des neuen Demetriusbrunnens aus Schnee, 1953/54

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Neun Jahre nach der Zerstörung des alten Demetriusbrunnens bei einem Fliegerangriff im Zweiten Weltkrieg steht wieder ein Brunnen auf dem unteren Rathausplatz. Er ist allerdings sehr vergänglich, denn er besteht vorerst nur aus Schnee und Eis. Es ist ein Modell des neuen Brunnens, den der Steinmetzmeister Josef Weiß (1913-?) schaffen wird. Weiß ist der Schwiegersohn des Bildhauers und Steinmetzmeisters Karl Häusle (1878-1956). Am 22. August 1954 wird dann der neue Brunnen mit der Statue des heiligen Demetrius eingeweiht und die Leerstelle im Städtchen verschwindet dauerhaft.

Im Hintergrund ist die Metzgerei von Johann Werne (Demetriusstr. 15) zu sehen. 1955 kaufen Willi und Emma Butsch geb. Maier die »Werne-Metzgerei«.

Standort des Fotografen: 47.883769, 8.343838

Hexengruppe vor dem Mailänder Tor, ca. 1983

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Sigrid und Eugen Fehrenbach zur Verfügung.

Fasnacht ist zwar noch weit, wie die blühenden Geranien am Fenster des Mailänder Tores zeigen. Aber das hält die Hexengruppe nicht ab, sich ins »Häs« zu werfen und sich zu einem Gruppenfoto am Demetriusbrunnen zu versammeln. Schließlich wird im kommenden Jahr das 50. Gründungsjubiläum der Hexengruppe gefeiert. Da braucht man ein aktuelles Gruppenfoto. Bei sommerlichen Temperaturen muss es ganz schön warm unter der Holzmaske sein!

Direkt unter dem Teufel, der die Brunnenfigur des Demetrius verdeckt, steht Eugen Fehrenbach.

Standort des Fotografen: 47.883735, 8.343751

2 Fotos: Weibliche Narrenpolizei auf dem unteren Rathausplatz, ca. 1950

Dieses Fotos stellte uns dankenswerterweise Beatrix Russo zur Verfügung.

Vor dem Haus Siefert (Rathausplatz 6) marschiert die weibliche Narrenpolizei vorbei. Vornweg laufen zwei Kinder, ein Clown und ein kleiner Scheich. Die weibliche Narrenpolizei wurde 1937 ins Leben gerufen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde keine Fasnacht veranstaltet, erst 1948 gibt es wieder eine »fünfte Jahreszeit«.

Wer weiß, wie die jungen Polizistinnen und die Kommandantin heißen?

Im Haus Siefert im Bildhintergrund befindet sich nicht nur die Kohlehandlung von Wilhelm Siefert, sondern auch ein Modegeschäft seiner Ehefrau Anna Siefert geb. Guth sowie eine »Gottlieb«-Filiale. Vor dem Haus ist ein Gärtchen mit einer großen Tanne, die das Gebäude überragt.

Standort des Fotografen: 47.883746, 8.343869