Umzug »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

»Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«, lautet das Fasnachtsmotto 1935. Dabei war Christoph Kolumbus gar nicht der erste Europäer, der den amerikanischen Kontinent betrat. Außerdem glaubte er bis zu seinem Tod irrtümlich, einen Seeweg nach Indien entdeckt zu haben. Folglich nannte er die indigene Bevölkerung Amerikas »Indianer«, ein kolonialistischer Begriff, der beibehalten wurde und teilweise bis heute verwendet wird.

Über den oberen Rathausplatz bewegt sich das Flaggschiff von Kolumbus, die »Santa Maria«. Viel Rauch steigt auf, schließlich sind Kanonen im Einsatz. Die Seefahrer kommen nicht als Entdecker, sondern als Eroberer. Davor marschiert eine Gruppe »Indianer«, wie man sich unzivilisierte »Wilde« vorstellt. Ganz vorneweg ist »Uncle Sam« zu sehen, eine Nationalallegorie für die Vereinigten Staaten. Er trägt einen Zylinder und eine – eigentlich gestreifte, aber hier – karierte Jacke.

Standort des Fotografen: 47.884122, 8.345024

Oberer Rathausplatz mit Rathaus und Postamt, ca. 1959

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Im früheren Fürstenbergischen Amtshaus (Rathausplatz 2 und 3) haben sich einige Veränderungen ergeben. Ursprünglich hatten beide Hälften des Doppelhauses eine Einheit gebildet. Dann wurde das Gebäude 1866 geteilt. Seitdem wurde vor allem die linke Gebäudehälfte baulich stark verändert, so dass kaum mehr zu erkennen ist, dass die Doppelhaushälften einst zusammengehörten.

1958 zog die Post aus der linken Hälfte in die rechte, wo ihr größere Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. Ein Schild mit der Aufschrift »POST« hängt an der Hauswand. Daneben steht an der Hausecke eine Litfaßsäule, an der Bekanntmachungen und Werbung angeschlagen wird. Die linke Gebäudehälfte erwarb die Freiburger Firma Gottlieb GmbH. Sie baute das Erdgeschoss zu seinem modernen Supermarkt aus. Eine breite Schaufensterfront ermöglicht es nun, die Waren darzubieten.

Standort des Fotografen: 47.884102, 8.345177

Rathausbrunnen mit der »Schnitterin«, ca. 1955-1958

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Das Wasser des Rathausbrunnens plätschert friedlich vor sich hin. Auf der Brunnensäule steht eine Bronzefigur aus dem Jahr 1869. Die junge Frau hält in der rechten Hand eine Sichel, im linken Arm ein Bündel Getreideähren. Die Figur ist eine Allegorie auf den Löffinger Kornmarkt, der einst auf dem Rathausplatz stattfand – aber auch in der Markthalle im Rathausgebäude.

Denn das Rathaus diente seit seiner Erbauung 1831 auch als Kaufhaus. Im Erdgeschoss befand sich eine große Halle (die »Fruchthalle«), die mit Klappläden in alle vier Himmelsrichtungen zu öffnen war. Mitte der 1930er Jahren bezog die Volksbank die Räumlichkeiten, die zum oberen Rathausplatz hin liegen.

Standort des Fotografen: 47.883907, 8.344795

Supermarkt »Gottlieb« am Rathausplatz, ca. 1959

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Das deutsche Wirtschaftswunder zeigt sich auch in Löffingen: Zehn Jahre nach der Währungsreform und der Einführung der D-Mark boomt die Wirtschaft, das Wohlstandsniveau steigt. Seit 1958 betreibt die Firma L. Gottlieb GmbH einen modernen Supermarkt am Rathausplatz. Der kleine Gemischwarenladen, der sich zuvor an dieser Stelle befunden hatte, ist verschwunden. Seine Räumlichkeiten wurden mit denen des Postamtes zusammengelegt, sodass ein großzügiger Raum für die Verkaufsfläche entstanden ist. Ein breites Schaufenster ermöglicht es, die Waren zu präsentieren. Zwei Passanten sind stehen geblieben und schauen sich die Auslage an.

Am Rathaus auf der anderen Straßenseite ist eine Uhr angebracht sowie ein Werbeschild für die Volksbank, die seit Mitte der 1930er Jahre eine Filiale im Erdgeschoss des Rathauses unterhält.

Standort des Fotografen: 47.884055, 8.344699

Kind am Rathausbrunnen, ca. 1956

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Ulrike Rheiner zur Verfügung.

Ein kleines Mädchen steht auf dem Rand des Rathausbrunnens. Während des Balanceaktes hält es sich an den Brunnenröhren fest. Bei dem Mädchen handelt es sich um Bärbel Zahn (1954-1957), die Tochter von Bäckermeister Jakob Zahn und dessen Ehefrau von Anna geb. Brilisauer, die am 19. September 1957 im Alter von drei Jahren stirbt.

Im Hintergrund ist das kleine Gemischwarengeschäft von Viktor Heinrich und das Eingangsportal des Postamtes zu erkennen. Der Post steht bis zu seinem Tod der Postassistent Wilhelm Jester (1894-1955) vor. 1958 zieht das Postamt wenige Meter weiter in die rechte Gebäudehälfte desselben Doppelhauses (Rathausplatz 2). Die Räumlichkeiten des kleinen Gemischtwarengeschäft und der Post werden zusammengelegt und die Firma L. Gottlieb GmbH eröffnet darin einen Supermarkt.

Standort des Fotografen: 47.883899, 8.344744

Rathausplatz mit den Gasthäusern »Ochsen« und »Löwe« aus der Luft, ca. 1960

Deutsche Luftbild KG, Hamburg-München / Sammlung Familie Waßmer

Vom Flugzeug aus fällt der Blick auf den oberen Rathausplatz, der vom 1832 errichteten Rathausgebäude, dem früheren Gasthaus »zur Sonne« und vom ehemaligen Fürstenbergischen Amtshaus (Rathausplatz 2 und 3) eingerahmt wird. Im Mittelpunkt des Bildes stehen die beiden traditionsreichen Gasthäuser »zum Ochsen« (Rathausplatz 12) und »zum Löwen« (Rathausplatz 11).

Vor allem der »Ochsen« wird wenige Jahre vollständig umgebaut, sodass sich sein Aussehen vollkommen verändert: 1968 wird der Zwerchgiebel beseitigt, das ganze Gebäude um ein Stockwerk aufgestockt und ein Staffelgiebel zum »Löwen« aufgemauert.

Geschäftshaus Kuttruff am oberen Rathausplatz, 1976

Stadtarchiv

Der Rathausbrunnen mit der »Schnitterin« steht wie eh und je auf dem Rathausplatz. Längst dient der Platz aber nicht mehr als Marktplatz, sondern vor allem als Parkplatz für Autos. Der Blick fällt am Rathausgebäude vorbei auf das Wohn- und Geschäftshaus von Elektromeister Werner Kuttruff (Rathausplatz 3). Der Supermarkt Gottlieb GmbH ist einige Jahre zuvor ausgezogen. An Stelle von Lebensmitteln werden seit 1972 nun »Farb-Fernseh-Hifi-Studio-Elektrogeräte-Haushaltswaren« verkauft, wie auf einem Schriftzug im Schaufenster zu lesen ist.

Das Dach ist noch nicht ausgebaut, nur drei kleine Blechgauben lassen ein wenig Tageslicht in den Dachboden hinein. Zu den angrenzenden Nachbargebäuden gibt es noch keine Staffelgiebel, diese werden erst bei einer späteren Renovierung aufgemauert. Noch kann man erahnen, dass die Häuser Rathausplatz 3 und 2 früher zusammengehörten und einen großen Gebäudekomplex bildeten.

Standort des Fotografen: 47.883877, 8.344723

Blick auf den oberen Rathausplatz in Richtung Rathaus, ca. 1976

Stadtarchiv

Nach dem Abbruch der »alten Sonne«, die den oberen Rathausplatz bis 1973 dominierte, und dem Neubau des modernen Geschäfts- und Wohnhauses (Rathausplatz 9 und 10) hat sich das Aussehen des Platzes stark verändert.

Am Rathausgebäude wurde der Schriftzug »Volksbank« abmontiert, nur die Löcher in der Mauer künden noch von der früheren Nutzung der Räumlichkeiten im Erdgeschoss. Die Volksbank hat ihre neuen Geschäftsräume in dem benachbarten Neubau bezogen. 

Es ist Weihnachtszeit. Ein Tannenbaum steht neben dem Rathausbrunnen. Über die Straßen ist die Weihnachtsdekoration gespannt. Am rechten Bildrand ist das Postamt (Rathausplatz 2) zu sehen. An der Ecke stehen ein Telefonhäuschen und eine Litfaßsäule, daneben parkt ein VW Käfer.

Standort des Fotografen: 47.884101, 8.345182

Aufräumungsarbeiten in der Brandruine vom Haus Riegger am Rathausplatz, August 1921

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Während der Aufräumungsarbeiten nach dem Großbrand 1921 entstand dieses Gruppenfoto. Die Reichswehrsoldaten stehen in den Trümmern des Hauses von Metzger Johann Riegger (Rathausplatz 4). Dahinter ragt die Brandwand des angrenzenden Postamts (Rathausplatz 3) auf, das von der Feuerwehr gerettet werden konnte. Für den Erhalt des Postamtes und des Rathauses wurden alle verfügbaren Kräfte genutzt, weil man befürchtete, dass beim Abbrennen dieser beiden massiven Gebäude zwangsläufig weitere angrenzende Häuser und Straßenzüge zerstört würden.

Karl Bader, der Sohn des Feuerwehrkommandanten, erinnerte sich 1971, dass es während des Brandes enorm schwierig war, andere Wehren der Umgebung herbeizurufen, da die Fernleitung des Postamtes beschädigt und deshalb ausgefallen war. »Mit der Sirene des Sägewerkes versuchte man diese Alarmierungslücke zu überbrücken und so mischte sich weiterhin Sirenengeheul mit dem Läuten der Kirchenglocken, dem Prasseln des Feuers und dem Krachen der einstürzenden Dachstühle.«

Standort des Fotografen: 47.883986, 8.344299

NS-Kundgebung mit Reichststatthalter Robert Wagner, 24. Juni 1934

Erzbischöfliches Archiv Freiburg

Nach der gewaltsamen Vertreibung des katholischen Stadtpfarrers Guido Andris (1879-1974) am 23. Juni 1934 und der Verhaftung von 16 mutigen Einwohnern, die dagegen öffentlich protestiert hatten, fand am darauffolgenden Tag eine Kundgebung auf dem Rathausplatz statt. An ihr nahm der badische Reichsstatthalter Robert Wagner (1895-1946) teil, der sich wegen der »Sonnwendfeier« am Feldberg ohnehin in der Umgebung aufgehalten hatte und spontan in das Baarstädtchen gekommen war.

Große Hakenkreuzfahnen waren an der Fassade des Rathauses angebracht. Über dem Rathausbrunnen war eine Rednertribüne aufgebaut. Am Pult steht Wagner. Um ihn hat sich eine große Schar NS-Funktionäre sowie uniformierter SA- und SS-Männer aufgebaut. Ein Pfeil auf dem Foto markiert, wo NSDAP-Ortsgruppenleiter Dr. Richard Straub (1894-1938) steht. Auf den Bildrand ist in der rechten Ecke notiert, dass sich vor der Rednerbühne Angehörige des katholischen Vereins »Deutsche Jugendkraft (DJK)« versammeln mussten. Sie werden von NS-Aktivisten eingeschlossen. Die gesamte Kundgebung dient vor allem ihrer Einschüchterung und als Machtdemonstration gegenüber der Einwohnerschaft.

Wagner geht in seiner Rede auf das Verhältnis von Staat und Kirche ein, ohne die Vertreibung des Stadtpfarrers vom Vortag zu erwähnen. Er droht, die Feinde der nationalsozialistischen Ordnung würden in Zukunft mit »schonungsloser Schärfe« und mit »aller Strenge« bekämpft. Einige Einwohner zeigen ihren Unmut durch Zwischenrufe und Pfiffe.

Standort des Fotografen: 47.883917, 8.345045

Zwei Fotos vom Unfall des NSDAP-Parteiautos auf dem Rathausplatz, ca. 1933-1938

Verlag A. Rebholz / Stadtarchiv

Ganz offensichtlicht hat da jemand zu früh die Kurve nehmen wollen! In der Berichterstattung der Lokalzeitungen konnte bislang leider trotz intensiver Recherchen kein Hinweis auf diesen Verkehrsunfall gefunden werden. Vermutlich entschied man sich gegen eine Berichterstattung, da der Unfall etwas heikel erschien. Schließlich handelte es sich um ein NSDAP-Parteiauto, das mitten im Städtchen von der Straße abgekommen war. Wenn da mal nicht Alkohol am Steuer im Spiel war! 

Das Auto mit dem KFZ-Kennzeichen »IVB 153362« kam an der Hauswand vom Haus Riegger (Rathausplatz 3) zu stehen. Über der Eingangstür ist der Schriftzug »Metzgerei Johann Riegger Wursterei« zu lesen. 1938 übernahm Metzgermeister Max Rohrer das Haus und die dazugehörige Metzgerei. Rechts daneben ist der Laden von Buchbinder Anton Rebholz (Rathausplatz 2) zu sehen, der mit einer Hakenkreuz-Fahne geschmückt ist. Schaulustige stehen herum, die das Unfallgeschehen kommentieren.

Standort des Fotografen: 47.883981, 8.344419

3 Fotos: Fasnetgruppe »Scherenschleifer« auf dem oberen Rathausplatz, ca. 1930-1940

Diese Fotos stellten uns dankenswerterweise Inge Benitz sowie Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Die kostümierten Narren, die hier die Straßenfasnacht bereichern, nannten sich die »Scherenschleifer«. Das war die Bezeichnung für Handwerker, die durch das Land zogen und stumpfe Messer, Scheren und anderes Schneidwerkzeug schärften und reparierten. Das Scherenschleifen galt als typischer Beruf des fahrenden Volkes und zählte insbesondere zu den traditionellen Berufen der Jenischen. Die Mehrheitsbevölkerung betrachtete dieses Gewerbe in abwertender Weise: Scherenschleifer waren in ihren Augen Taugenichtse.

Die »Scherenschleifer« auf dem Foto führen das Hauptwerkzeug, einen Schleifstein, mit sich. Drei von ihnen haben auch Musikinstrumente bei sich, eine Geige, eine Querflöte und ein Akkordeon, auf denen sie musizieren. Julius Limb (1883-1968) fidelt gerade auf der Geige und Hermann Ganter (1895-1957) spielt die Flöte. Sie geben einen Bänkelgesang zum Besten, in dem sie politische, aber auch persönliche Anekdoten in Versform vortragen. Darauf deutet auch die Schnitzelbank hin, die im Hintergrund zu sehen ist. So hieß die Schautafel, auf der die Moritat szenisch dargstellt war. Um was für eine Geschichte es sich handelte, ist leider nicht ersichtlich. Die beiden Fotos entstanden auf dem oberen Rathausplatz vor dem ehemaligen Amtshaus und dem Postamt.

Standort des Fotografen: 47.884044, 8.344640