Mailänder Tor, ca. 1972

Verlag C. Revellio KG, Villingen | Dieses Foto stellte dankenswerterweise Susanne Obergfell zur Verfügung.

An einem sonnigen Tag fällt der Blick aus der Unteren Hauptstraße auf das Mailänder Tor. Der Fotograf steht etwa auf Höhe des Hauses Geisinger (Untere Hauptstr. 4). Dort befindet sich der Friseursalon von Hermann Geisinger. Ein großes Werbeschild mit der Aufschrift »Damen – Salon – Herren« weist auf das Geschäft hin. Am Balkon darüber blühen Geranien, die zusammen mit dem hellen Sonnenschein das Straßenbild prägen.

Am benachbarten Gasthaus »Adler« (Untere Hauptstr. 2) sind gleich zwei Schilder zu sehen: das alte schmiedeeiserne Wirtshausschild, das weit über den Gehweg hinausragt, und darunter das moderne Schild der »Bezirkssparkasse«. Noch befindet sich die Bankfiliale im Erdgeschoss des Gasthauses.

Auf dem unteren Rathausplatz haben sich einige Passant*innen am Demetriusbrunnen versammelt. Man plaudert miteinander. Andere schlendern in Richtung Tordurchfahrt oder gehen zu ihren geparkten Autos. Der Platz wirkt belebt, beinahe wie eine kleine Flaniermeile. Zu sehen ist u.a. Cläre Grotz.

Das Mailänder Tor, das nach dem Großbrand von 1921 in seiner heutigen Form wiederaufgebaut wurde, präsentiert sich frisch renoviert. Die frisch gestrichene Fassaden, die roten Dachziegel und die blühenden Geranien an den Fenstern verleihen dem historischen Stadttor ein besonders gepflegtes Erscheinungsbild.

Standort des Fotografen: 47.883410, 8.343849

Franz Schweizer mit Kleinbus in der Rötengasse, ca. 1965

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Susanne Obergfell zur Verfügung.

Stolz steht Gipsermeister Franz Schweizer (1899-1971) neben seinem Kleinbus und posiert für den Fotografen. Die Türen des Wagens mit Neustädter Kfz-Kennzeichen sind weit geöffnet – als solle das Fahrzeug in seiner ganzen Pracht präsentiert werden. Der Kleinbus gehört zum Geschäft und dient vor allem als Transportmittel für Material und Werkzeug.

Doch der Bus ist nicht nur Arbeitsfahrzeug. Hin und wieder wird er auch für Ausflüge genutzt, besonders von den bereits erwachsenen Kindern der Familie Schweizer. So verbindet sich in diesem Fahrzeug Beruf und Familie, Arbeit und Freizeit.

Die Aufnahme entsteht in der Rötengasse, direkt vor dem Wohnhaus der Familie Schweizer (Rötengasse 2). Rechts sind das Haus Schwörer (Rötengasse 4) und das Haus Egle (Rötengasse 6) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.885316, 8.342181

Unterer Rathausplatz mit viel Schnee, ca. 1985

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Wenn das mal kein neues Ansichtskartenmotiv ist! Der untere Rathausplatz liegt tief verschneit. Vor der Metzgerei Butsch und rund um den Demetriusbrunnen türmen sich hohe Schneeberge. Auf den Dächern des Straßenzugs in der Demetriusstraße liegt eine geschlossene weiße Schneedecke. Sogar auf den Stufen der markanten Staffengiebel hat sich eine feine Schicht Schnee abgesetzt. Nur die Straße selbst ist bereits freigeräumt: Zwischen Café Fuß und Rathaus kommt der dunkle Asphalt wieder zum Vorschein.

Über dem Städtchen spannt sich ein hellblauer Winterhimmel. Die Sonne scheint mild, lässt den Schnee glitzern und taucht die Hausfassaden in ein warmes, fast postkartenhaftes Licht.

Standort des Fotografen: 47.883683, 8.343611

Haus Kuster in der Kirchstraße, ca. 1976

Stadtarchiv

Vieles hat sich verändert am Haus Kuster (Kirchstr. 14). Rund 15 Jahre zuvor wurde die rechte Gebäudehälfte grundlegend modernisiert. Dort, wo sich einst der Ökonomiebereich mit Stallungen befand, sind nun Garagen eingebaut. Darüber liegen zurückgesetzte Balkone mit schlichten Metallgeländern. Auch die linke Gebäudehälfte wurde verändert: Das Lebensmittelgeschäft erhielt einen neuen Eingang und breite Schaufenster zur Straße hin.

Das Haus gehört Maria Kuster (geb. Häusle, 1921-2006). Bis 1972 führte sie hier den kleinen Laden weiter, den bereits ihre Schwiegereltern als »Kolonialwarenladen« betrieben hatten. Doch inzwischen ist das Geschäft geschlossen. Die Schaufenster wirken leer und dunkel. Kein Schild wirbt mehr für Kaffee, Mehl oder Zucker. Das Haus scheint sich in einer Übergangsphase zu befinden.

Auch der Platz davor hat sein Gesicht verändert. Seit 1975 steht hier der Hexenbrunnen, gestiftet von der Hexengruppe. Der Brunnen setzt einen neuen Akzent im historischen Stadtraum. Ansonsten dient die Kirchstraße inzwischen vor allem als Parkplatz. Mehrere Autos stehen dicht gedrängt rund um den Brunnen. Wo früher Holzbiegen lagerten, landwirtschaftliche Geräte abgestellt wurden und Hühner zwischen den Häusern herumliefen, prägt nun der zunehmende Autoverkehr das Bild des Städtchens.

Standort des Fotografen: 47.882947, 8.344283

Haus Butsch in der Demetriusstraße, ca. 1976

Stadtarchiv

Fotografien von der Jahrhundertwende bis in die Gegenwart zeigen, dass das Haus Butsch (Demetriusstr. 15) über lange Zeit hinweg erstaunlich unverändert geblieben ist. Auch die Fassade hat sich über Jahrzehnte kaum gewandelt. Seit 1957 ist dort der Schriftzug »Metzgerei Butsch« zu lesen; zuvor stand an gleicher Stelle in identischer Schrifttype »Metzgerei Werne«.

Im Jahr 1957 übernahm Metzgermeister Willy Butsch (1913-1991) das Anwesen und das Geschäft. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Emma Butsch (geb. Satler, 1911-2006) führte er die Metzgerei über viele Jahre. Eine Modernisierung erfolgte um 1964, als im Erdgeschoss ein breites Schaufenster eingebaut wurde. Abgesehen von diesem Eingriff blieb die äußere Gestaltung jedoch erhalten. 1972 ging der Betrieb an die nächste Generation über: Metzgermeister Dieter Butsch (1940–2023) übernahm das Geschäft und führt es seitdem gemeinsam mit seiner Ehefrau Uta Butsch.

Das Gebäude bildet den mittelalterlichen Stadtring. Seine Geschichte lässt sich weit in die Vergangenheit zurückverfolgen. Bereits 1494 ist an dieser Stelle das »11. Gut« des Klosters Friedenweiler erwähnt, das auch als »Uli Mayers Gut« bezeichnet wird. Dabei handelt es sich jedoch um einen Vorgängerbau, denn beim Stadtbrand von 1535 wurde das gesamte Städtchen – mit Ausnahme der Kirche – zerstört.

Standort des Fotografen: 47.883658, 8.343690

Hildegard Hepting vor einem Auto in der Dittishauser Straße, ca. 1955-1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Fröhlich lächelnd steht die kleine Hildegard Hepting (verh. Adrion, geb. 1949) vor einem hochmodernen Kleinstwagen. Stolz posiert sie vor der BMW-Isetta, dem sogenannten »Knutschkugel«-Auto, das in den 1950er Jahren zum Symbol des beginnenden Wohlstands wird. Der Wagen gehört Walter Diehr (?) und fällt mit seiner rundlichen Form sofort ins Auge. Für viele Familien ist ein eigenes Auto zu dieser Zeit noch keine Selbstverständlichkeit – umso größer ist die Faszination, besonders für Kinder.

Die BMW-Isetta wird von 1955 bis 1962 gebaut. Das Fahrzeug ist strenggenommen zwischen Motorrad und Auto einzuordnen. Das Foto entsteht in der Dittishauser Straße.

Wer weiß, wer damals in dem kleinen Haus wohnt, das am rechten Bildrand zu sehen ist?

Standort des Fotografen: 47.885210, 8.348854

Festzug anlässlich der Einweihung der evangelischen Kirche, 27. Mai 1954

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Irmela und Fritz Herrenbrück zur Verfügung.

Am Himmelfahrtstag 1954 erlebt Löffingen ein besonderes Ereignis: Die neu erbaute evangelische Johanneskirche wird eingeweiht. Vom Städtchen aus setzt sich die Festgemeinde in Bewegung. Voran gehen die Schulkinder, dahinter folgt ein langer Zug von Gläubigen, der sich durch die Obere Hauptstraße und die Festhallenstraße zieht.

Die Feierlichkeiten haben bereits am frühen Nachmittag begonnen. Im bisherigen provisorischen Kirchenraum hält Pfarrer Herbert Wäldin (1912-1988) aus Bonndorf den Gottesdienst. Gegen 15 Uhr bricht die Gemeinde schließlich auf zur neuen Kirche, deren Grundstein erst im Juli 1953 gelegt worden war. Der Festzug wird vom Geläut der Glocken der katholischen Pfarrkirche St. Michael begleitet – ein schönes Zeichen des Miteinanders der Konfessionen. Gerade ziehen die Kinder am Haus Selb (Obere Hauptstr. 12) vorbei. Im Vordergrund ist die Miste des landwirtschaftlichen Anwesens zu sehen. Links öffnet sich die »Linden«-Wiese beim Gasthaus »Linde« (Obere Hauptstr. 10).

Vor der Johanneskirche angekommen, findet die Schlüsselübergabe an Pfarrer Wäldin statt. Die Einweihung wird feierlich begleitet von der Stadtmusik, dem Männergesangsverein »Eintracht« und sogar dem katholischen Kirchenchor – keine Selbstverständlichkeit im mehrheitlich katholisch geprägten Städtchen. Die Festpredigt hält Oberkirchenrat Dr. Hans-Wolfgang Heidland (1912-1992) aus Karlsruhe. Damit auch die vielen Teilnehmer außerhalb des Kirchenraums folgen können, wird die Feier über Lautsprecher übertragen.

Ein Tag, der nicht nur für die evangelische Gemeinde, sondern für das ganze Städtchen von Bedeutung ist.

Standort des Fotografen: 47.884215, 8.347622

Rückseite vom Haus Scholz in der Ringstraße, ca. 1989

Stadtarchiv

Von der Ringstraße aus zeigt sich die Rückseite des Hauses Scholz (Demetriusstr. 7), in dem der Schuhmachermeister Gerhard Scholz (1925-1998) mit seiner Ehefrau Anneliese Scholz (geb. Wehrle, 1924-2011) lebt. Neben seinem Beruf engagiert sich Gerhard Scholz in der katholischen Pfarrgemeinde – unter anderem als Meßmer. Es ist ihm daher ein besonderes Anliegen, jedes Jahr zum Palmsonntag einen »Palmen« anzufertigen.

Auf dem Foto ist dieser gut zu erkennen: Neben der Tordurchfahrt bei der ehemaligen Molkerei (Demetriusstr. 6) ragt er hoch in den Himmel – schlicht gebunden, aber eindrucksvoll in seiner Höhe. Ein stiller Hinweis darauf, wie lebendig religiöse Bräuche auch im Alltag verankert sind.

Standort des Fotografen: 47.884435, 8.344030

2 Fotos: 20-Jährige beim Sammeln für den Fasnetfunken, Fasnacht 1973

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilie Runge zur Verfügung.

Ein letzter großer Auftritt, bevor die Fasnacht endgültig zu Ende geht: Die 20-Jährigen des Jahrgangs 1953 fahren mit einem voll beladenen Heuwagen durch das Städtchen. Der Traktor zieht gemächlich durch die Untere Hauptstraße, vorbei am Gasthaus »Adler«. Auf dem Anhänger sitzen die jungen Frauen und Männer dicht gedrängt zwischen Heu, Holz und Pappkartons, lachen in die Kamera, winken vielleicht Bekannten am Straßenrand zu.

Fast wirkt es wie eine späte Heuernte – doch das Ziel ist ein anderes. Das trockene Gras wird gebraucht für den »Fasnetfunken«, der am »alten Fasnetsunndig« auf der »Wanne« entzündet wird. Mit diesem Feuer verabschiedet sich die närrische Zeit.

Der Narrenbaum, den die 20-Jährigen am »Schmutzigen Dunschdig« unter großem Kraftaufwand aufgerichtet haben, ist bereits wieder gefällt. Ein Stück des Stammes liegt noch vor dem »Adler« auf dem Gehweg – sichtbares Zeichen dafür, dass sich der Kreis schließt. Aufstellen, feiern, abbauen, verbrennen.

Wenn der Funken schließlich lodert, ist die Fasnacht 1973 Geschichte.

Standort des Fotografen: 47.883725, 8.343923

Holländische Gäste auf dem Unteren Rathausplatz, Mai 1932

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gertrud Heitzmann zur Verfügung.

Das Automobil steht quer auf dem Unteren Rathausplatz, als wäre es gerade erst zum Stehen gekommen. Daneben haben sich die Reisenden aufgestellt, geschniegelt und gut gekleidet, ein wenig stolz auf das Gefährt, das sie hierhergebracht hat. Besuch aus den Niederlanden sorgt für Aufmerksamkeit und verleiht Löffingen für einen kurzen Moment internationales Flair.

Agathe Brugger ist mit dabei. Sie stammt aus Löffingen, lebt und arbeitet jedoch inzwischen in Den Haag. Dort steht sie im Dienst eines holländischen Ehepaares, das sie nun auf dieser Reise begleitet. Zuvor waren sie gemeinsam in Italien unterwegs, auf der Rückfahrt legen sie einen Zwischenstopp im Schwarzwald ein. Der Besuch ist etwas Besonderes – nicht nur wegen der weiten Reise, sondern auch wegen des Automobils, das in diesen Jahren noch kein alltäglicher Anblick ist.

Links im Bild ist der Demetriusbrunnen zu erkennen, dahinter erhebt sich das Rathaus mit seiner repräsentativen Fassade. Der Platz wirkt aufgeräumt und weit, das Pflaster zieht sich bis an die Gebäude heran. Am rechten Bildrand steht die »alte Sonne«. Seit mehr als einem Jahrzehnt wird sie nicht mehr als Gasthaus genutzt, stattdessen befinden sich dort nun die Stadtmühle und Wohnungen.

Für Agathe Brugger ist es ein Besuch in ihrer Heimat und ein Wiedersehen mit vertrauten Orten. Doch seit dem Großbrand von 1921, der weite Teile des Städtchens zerstört hatte, hat sich das Stadtbild im Zuge des Wiederaufbaus deutlich verändert.

Standort des Fotografen: 47.883738, 8.343706

4 Fotos: Jäger nach der Treibjagd am Ochsenberg, 1974

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Beate Lubrich zur Verfügung.

Ein kalter Wintertag im Jahr 1974 am »Ochsenberg«. Der Schnee liegt flächendeckend auf der Anhöhe, die Luft ist klar, die Schritte knirschen unter den Stiefeln. Die Treibjagd ist beendet, und die Jäger haben sich um die Strecke versammelt. In der Mitte liegen die erlegten Tiere, sorgfältig ausgelegt und mit Fichtenzweigen eingerahmt – ein stiller Moment, auch des Respekts vor den getöteten Tieren, nach der Anspannung des Jagdtages.

Ringsum stehen die Männer dicht beisammen, in schweren Mänteln, mit Hüten und Gewehren. Viele sind mit ihren Autos vorgefahren, wie der Fuhrpark im Hintergrund zeigt. Die Treibjagd dient der Bestandsregulierung und dem Schutz von Wald und Flur. Gleichzeitig ist sie eingebettet in feste Regeln und Bräuche – und auch ein gesellschaftliches Ereignis.

Zur Jagdgesellschaft gehören u.a. Ludwig Storz (1902-1987), Heinz Hauger (Treiber), Ernst Rudigier (1922-1981, Göschweiler), Karl Sibold (1937-2016), Gerhard Raufer (Göschweiler), Klaus Allinger, Rudolf Heer (Treiber, Göschweiler), Hermann Reichert und Rudolf Jordan (1942-2024).

Standort des Fotografen: 47.883285, 8.326631

3 Fotos: Ausflugsverkehr zum Wildpark, 27. März 1989

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Es ist Ostermontag – ein Feiertag, an dem die Sonne vom Himmel strahlt und der Frühling seine ersten warmen Tage schickt. Genau das richtige Wetter für einen Familienausflug in den Wildpark. Und so strömen Besucher*innen aus Nah und Fern nach Löffingen, die allermeisten mit dem Auto.

Doch der Ausflug hat seine Tücken: Eine Umgehungsstraße existiert nicht, und die Blechlawine rollt zum Leidwesen der Anwohner*innen durch das Städtchen und dann die Maienlandstraße entlang – auf dem Weg zum Wildpark und später wieder zurück. Der Parkplatz beim »Schwarzwaldpark« füllt sich im Nu. Bald gibt es keinen offiziellen Stellplatz mehr, und die Autofahrer*innen weichen notgedrungen auf die Wiesen entlang der »Ziegelhütte« und der Jungviehweide aus. Privatgrundstücke werden kurzerhand zu improvisierten Parkflächen – ein Zustand, der für die Anwohner*innen nicht tragbar ist.

Der Unmut wächst. Die Menschen in der Maienlandstraße lassen sich nicht länger vertrösten: Sie organisieren eine eigene Verkehrszählung, sammeln Unterschriften und machen deutlich, wie dringend eine bessere Verkehrsführung für die Besucher*innen des Wildparks gebraucht wird. Der Druck zeigt schließlich Wirkung. 1994 wird eine neue Zufahrtsstraße gebaut, und im Frühjahr 1995 wird sie für den Verkehr freigegeben.

Standort des Fotografen: 47.897361, 8.336667