Zwei Männer am Bahnhof, ca. 1940-1945

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Es sieht nach einem Abschied aus. Ein älterer Mann steht vor dem Löffinger Bahnhofsgebäude und unterhält sich mit einem jüngeren Mann. Dieser trägt einen langen Mantel, Feldmütze und militärische Ausrüstung – unübersehbar ist, dass die Aufnahme während des Zweiten Weltkrieges entsteht.

Vermutlich ist er (Hermann ???) für einige Tage auf Heimaturlaub in Löffingen und muss nun wieder zu seiner Einheit zurückkehren. In Kriegszeiten bekommen Abschiede am Bahnhof eine besondere Bedeutung: Niemand kann wissen, wann – und ob – man sich wiedersehen wird. Möglicherweise wird der Urlauber deshalb bis zum Zug begleitet.

Auch am linken Bildrand herrscht Aufbruchsstimmung. Ein Junge läuft mit einer Ledertasche und einem verschnürten Paket am Bahnhof entlang. Hinter den beiden Männern steht ein Auto. Der Bahnhof ist ein Ort des Kommens und Gehens, der Abreise und der Rückkehr.

Das Foto erhält noch aus einem anderen Grund dokumentarischen Wert. Das Bahnhofsgebäude, vor dem die beiden Männer stehen, existiert nicht mehr lange: Bei einem Luftangriff am 22. Februar 1945 wird es vollständig zerstört.

Standort des Fotografen: 47.883783, 8.342082

Stadtmusik beim Umzug auf dem unteren Rathausplatz, Fasnacht 1956

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Dicht gedrängt stehen die Zuschauer*innen am Straßenrand und verfolgen den Narrenumzug. Warm eingepackt trotzen sie der winterlichen Kälte. Eine geschlossene Schneedecke liegt auf dem unteren Rathausplatz, auch die Dächer in der Demetriusstraße sind weiß. Selbst der Adler auf dem Kriegerdenkmal für den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 trägt eine Haube aus Schnee.

Vom Mailänder Tor kommend marschiert die Stadtmusik über den Rathausplatz. Vorneweg geht Dirigent Rupert Hepting. Unter den Musikern sind Franz Rosenstiel (Posaunist), [Ernst Heiler] (Hornist), Konrad Sibold und Hans Kaufmann (Hornist) zu erkennen.

Hinter der Stadtmusik folgen die weibliche Narrenpolizei und die Hanselegruppe. Weiter hinten ist eine Pferdekutsche zu erkennen, in der vermutlich die Ehrennarrenräte Platz genommen haben. Trotz Schnee und Kälte säumen zahlreiche Menschen die Umzugsstrecke.

Standort des Fotografen: 47.883714, 8.344179

Unterer Rathausplatz beim Hochwasser, 10. Juli 1975

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Matthias von Dungen zur Verfügung.

Ein VW Käfer steckt mitten auf dem unteren Rathausplatz im Wasser fest. Ein Mann versucht, den Wagen aus den Fluten zu bewegen. Ringsum stehen zahlreiche Schaulustige und beobachten das Geschehen. Das Unwetter ist vorüber, die Sonne scheint wieder – doch die Spuren des gewaltigen Wolkenbruchs sind unübersehbar.

Am Donnerstag, dem 10. Juli 1975, geht über Löffingen ein heftiges Sommergewitter nieder. Innerhalb von nur drei Stunden fallen 86 Liter Regen pro Quadratmeter. Der eingedolte Stettbach kann die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Was sonst unterirdisch durch das Städtchen fließt, schießt nun über die Straßen und strömt in mächtigen Wellen durch das Mailänder Tor.

Als der Regen nachlässt, kommen die Menschen aus den Häusern. Manche wollen den entstandenen Schaden in Augenschein nehmen, andere packen bei den Aufräumarbeiten mit an. Auf dem Rathausplatz bleiben viele zunächst in sicherer Entfernung stehen und beobachten, wie das Hochwasser langsam zurückgeht. Die kurze Dauer des Unwetters täuscht nicht darüber hinweg, welche Gewalt die Wassermassen innerhalb weniger Stunden entfalteten.

Standort des Fotografen: 47.883783, 8.343675

Mailänder Tor, ca. 1972

Verlag C. Revellio KG, Villingen | Dieses Foto stellte dankenswerterweise Susanne Obergfell zur Verfügung.

An einem sonnigen Tag fällt der Blick aus der Unteren Hauptstraße auf das Mailänder Tor. Der Fotograf steht etwa auf Höhe des Hauses Geisinger (Untere Hauptstr. 4). Dort befindet sich der Friseursalon von Hermann Geisinger. Ein großes Werbeschild mit der Aufschrift »Damen – Salon – Herren« weist auf das Geschäft hin. Am Balkon darüber blühen Geranien, die zusammen mit dem hellen Sonnenschein das Straßenbild prägen.

Am benachbarten Gasthaus »Adler« (Untere Hauptstr. 2) sind gleich zwei Schilder zu sehen: das alte schmiedeeiserne Wirtshausschild, das weit über den Gehweg hinausragt, und darunter das moderne Schild der »Bezirkssparkasse«. Noch befindet sich die Bankfiliale im Erdgeschoss des Gasthauses.

Auf dem unteren Rathausplatz haben sich einige Passant*innen am Demetriusbrunnen versammelt. Man plaudert miteinander. Andere schlendern in Richtung Tordurchfahrt oder gehen zu ihren geparkten Autos. Der Platz wirkt belebt, beinahe wie eine kleine Flaniermeile. Zu sehen ist u.a. Cläre Grotz.

Das Mailänder Tor, das nach dem Großbrand von 1921 in seiner heutigen Form wiederaufgebaut wurde, präsentiert sich frisch renoviert. Die frisch gestrichene Fassaden, die roten Dachziegel und die blühenden Geranien an den Fenstern verleihen dem historischen Stadttor ein besonders gepflegtes Erscheinungsbild.

Standort des Fotografen: 47.883410, 8.343849

Franz Schweizer mit Kleinbus in der Rötengasse, ca. 1965

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Susanne Obergfell zur Verfügung.

Stolz steht Gipsermeister Franz Schweizer (1899-1971) neben seinem Kleinbus und posiert für den Fotografen. Die Türen des Wagens mit Neustädter Kfz-Kennzeichen sind weit geöffnet – als solle das Fahrzeug in seiner ganzen Pracht präsentiert werden. Der Kleinbus gehört zum Geschäft und dient vor allem als Transportmittel für Material und Werkzeug.

Doch der Bus ist nicht nur Arbeitsfahrzeug. Hin und wieder wird er auch für Ausflüge genutzt, besonders von den bereits erwachsenen Kindern der Familie Schweizer. So verbindet sich in diesem Fahrzeug Beruf und Familie, Arbeit und Freizeit.

Die Aufnahme entsteht in der Rötengasse, direkt vor dem Wohnhaus der Familie Schweizer (Rötengasse 2). Rechts sind das Haus Schwörer (Rötengasse 4) und das Haus Egle (Rötengasse 6) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.885316, 8.342181

Unterer Rathausplatz mit viel Schnee, ca. 1985

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Wenn das mal kein neues Ansichtskartenmotiv ist! Der untere Rathausplatz liegt tief verschneit. Vor der Metzgerei Butsch und rund um den Demetriusbrunnen türmen sich hohe Schneeberge. Auf den Dächern des Straßenzugs in der Demetriusstraße liegt eine geschlossene weiße Schneedecke. Sogar auf den Stufen der markanten Staffengiebel hat sich eine feine Schicht Schnee abgesetzt. Nur die Straße selbst ist bereits freigeräumt: Zwischen Café Fuß und Rathaus kommt der dunkle Asphalt wieder zum Vorschein.

Über dem Städtchen spannt sich ein hellblauer Winterhimmel. Die Sonne scheint mild, lässt den Schnee glitzern und taucht die Hausfassaden in ein warmes, fast postkartenhaftes Licht.

Standort des Fotografen: 47.883683, 8.343611

Haus Kuster in der Kirchstraße, ca. 1976

Stadtarchiv

Vieles hat sich verändert am Haus Kuster (Kirchstr. 14). Rund 15 Jahre zuvor wurde die rechte Gebäudehälfte grundlegend modernisiert. Dort, wo sich einst der Ökonomiebereich mit Stallungen befand, sind nun Garagen eingebaut. Darüber liegen zurückgesetzte Balkone mit schlichten Metallgeländern. Auch die linke Gebäudehälfte wurde verändert: Das Lebensmittelgeschäft erhielt einen neuen Eingang und breite Schaufenster zur Straße hin.

Das Haus gehört Maria Kuster (geb. Häusle, 1921-2006). Bis 1972 führte sie hier den kleinen Laden weiter, den bereits ihre Schwiegereltern als »Kolonialwarenladen« betrieben hatten. Doch inzwischen ist das Geschäft geschlossen. Die Schaufenster wirken leer und dunkel. Kein Schild wirbt mehr für Kaffee, Mehl oder Zucker. Das Haus scheint sich in einer Übergangsphase zu befinden.

Auch der Platz davor hat sein Gesicht verändert. Seit 1975 steht hier der Hexenbrunnen, gestiftet von der Hexengruppe. Der Brunnen setzt einen neuen Akzent im historischen Stadtraum. Ansonsten dient die Kirchstraße inzwischen vor allem als Parkplatz. Mehrere Autos stehen dicht gedrängt rund um den Brunnen. Wo früher Holzbiegen lagerten, landwirtschaftliche Geräte abgestellt wurden und Hühner zwischen den Häusern herumliefen, prägt nun der zunehmende Autoverkehr das Bild des Städtchens.

Standort des Fotografen: 47.882947, 8.344283

Haus Butsch in der Demetriusstraße, ca. 1976

Stadtarchiv

Fotografien von der Jahrhundertwende bis in die Gegenwart zeigen, dass das Haus Butsch (Demetriusstr. 15) über lange Zeit hinweg erstaunlich unverändert geblieben ist. Auch die Fassade hat sich über Jahrzehnte kaum gewandelt. Seit 1957 ist dort der Schriftzug »Metzgerei Butsch« zu lesen; zuvor stand an gleicher Stelle in identischer Schrifttype »Metzgerei Werne«.

Im Jahr 1957 übernahm Metzgermeister Willy Butsch (1913-1991) das Anwesen und das Geschäft. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Emma Butsch (geb. Satler, 1911-2006) führte er die Metzgerei über viele Jahre. Eine Modernisierung erfolgte um 1964, als im Erdgeschoss ein breites Schaufenster eingebaut wurde. Abgesehen von diesem Eingriff blieb die äußere Gestaltung jedoch erhalten. 1972 ging der Betrieb an die nächste Generation über: Metzgermeister Dieter Butsch (1940–2023) übernahm das Geschäft und führt es seitdem gemeinsam mit seiner Ehefrau Uta Butsch.

Das Gebäude bildet den mittelalterlichen Stadtring. Seine Geschichte lässt sich weit in die Vergangenheit zurückverfolgen. Bereits 1494 ist an dieser Stelle das »11. Gut« des Klosters Friedenweiler erwähnt, das auch als »Uli Mayers Gut« bezeichnet wird. Dabei handelt es sich jedoch um einen Vorgängerbau, denn beim Stadtbrand von 1535 wurde das gesamte Städtchen – mit Ausnahme der Kirche – zerstört.

Standort des Fotografen: 47.883658, 8.343690

Hildegard Hepting vor einem Auto in der Dittishauser Straße, ca. 1955-1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Fröhlich lächelnd steht die kleine Hildegard Hepting (verh. Adrion, geb. 1949) vor einem hochmodernen Kleinstwagen. Stolz posiert sie vor der BMW-Isetta, dem sogenannten »Knutschkugel«-Auto, das in den 1950er Jahren zum Symbol des beginnenden Wohlstands wird. Der Wagen gehört Walter Diehr (?) und fällt mit seiner rundlichen Form sofort ins Auge. Für viele Familien ist ein eigenes Auto zu dieser Zeit noch keine Selbstverständlichkeit – umso größer ist die Faszination, besonders für Kinder.

Die BMW-Isetta wird von 1955 bis 1962 gebaut. Das Fahrzeug ist strenggenommen zwischen Motorrad und Auto einzuordnen. Das Foto entsteht in der Dittishauser Straße.

Wer weiß, wer damals in dem kleinen Haus wohnt, das am rechten Bildrand zu sehen ist?

Standort des Fotografen: 47.885210, 8.348854

Festzug anlässlich der Einweihung der evangelischen Kirche, 27. Mai 1954

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Irmela und Fritz Herrenbrück zur Verfügung.

Am Himmelfahrtstag 1954 erlebt Löffingen ein besonderes Ereignis: Die neu erbaute evangelische Johanneskirche wird eingeweiht. Vom Städtchen aus setzt sich die Festgemeinde in Bewegung. Voran gehen die Schulkinder, dahinter folgt ein langer Zug von Gläubigen, der sich durch die Obere Hauptstraße und die Festhallenstraße zieht.

Die Feierlichkeiten haben bereits am frühen Nachmittag begonnen. Im bisherigen provisorischen Kirchenraum hält Pfarrer Herbert Wäldin (1912-1988) aus Bonndorf den Gottesdienst. Gegen 15 Uhr bricht die Gemeinde schließlich auf zur neuen Kirche, deren Grundstein erst im Juli 1953 gelegt worden war. Der Festzug wird vom Geläut der Glocken der katholischen Pfarrkirche St. Michael begleitet – ein schönes Zeichen des Miteinanders der Konfessionen. Gerade ziehen die Kinder am Haus Selb (Obere Hauptstr. 12) vorbei. Im Vordergrund ist die Miste des landwirtschaftlichen Anwesens zu sehen. Links öffnet sich die »Linden«-Wiese beim Gasthaus »Linde« (Obere Hauptstr. 10).

Vor der Johanneskirche angekommen, findet die Schlüsselübergabe an Pfarrer Wäldin statt. Die Einweihung wird feierlich begleitet von der Stadtmusik, dem Männergesangsverein »Eintracht« und sogar dem katholischen Kirchenchor – keine Selbstverständlichkeit im mehrheitlich katholisch geprägten Städtchen. Die Festpredigt hält Oberkirchenrat Dr. Hans-Wolfgang Heidland (1912-1992) aus Karlsruhe. Damit auch die vielen Teilnehmer außerhalb des Kirchenraums folgen können, wird die Feier über Lautsprecher übertragen.

Ein Tag, der nicht nur für die evangelische Gemeinde, sondern für das ganze Städtchen von Bedeutung ist.

Standort des Fotografen: 47.884215, 8.347622

Rückseite vom Haus Scholz in der Ringstraße, ca. 1989

Stadtarchiv

Von der Ringstraße aus zeigt sich die Rückseite des Hauses Scholz (Demetriusstr. 7), in dem der Schuhmachermeister Gerhard Scholz (1925-1998) mit seiner Ehefrau Anneliese Scholz (geb. Wehrle, 1924-2011) lebt. Neben seinem Beruf engagiert sich Gerhard Scholz in der katholischen Pfarrgemeinde – unter anderem als Meßmer. Es ist ihm daher ein besonderes Anliegen, jedes Jahr zum Palmsonntag einen »Palmen« anzufertigen.

Auf dem Foto ist dieser gut zu erkennen: Neben der Tordurchfahrt bei der ehemaligen Molkerei (Demetriusstr. 6) ragt er hoch in den Himmel – schlicht gebunden, aber eindrucksvoll in seiner Höhe. Ein stiller Hinweis darauf, wie lebendig religiöse Bräuche auch im Alltag verankert sind.

Standort des Fotografen: 47.884435, 8.344030

2 Fotos: 20-Jährige beim Sammeln für den Fasnetfunken, Fasnacht 1973

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilie Runge zur Verfügung.

Ein letzter großer Auftritt, bevor die Fasnacht endgültig zu Ende geht: Die 20-Jährigen des Jahrgangs 1953 fahren mit einem voll beladenen Heuwagen durch das Städtchen. Der Traktor zieht gemächlich durch die Untere Hauptstraße, vorbei am Gasthaus »Adler«. Auf dem Anhänger sitzen die jungen Frauen und Männer dicht gedrängt zwischen Heu, Holz und Pappkartons, lachen in die Kamera, winken vielleicht Bekannten am Straßenrand zu.

Fast wirkt es wie eine späte Heuernte – doch das Ziel ist ein anderes. Das trockene Gras wird gebraucht für den »Fasnetfunken«, der am »alten Fasnetsunndig« auf der »Wanne« entzündet wird. Mit diesem Feuer verabschiedet sich die närrische Zeit.

Der Narrenbaum, den die 20-Jährigen am »Schmutzigen Dunschdig« unter großem Kraftaufwand aufgerichtet haben, ist bereits wieder gefällt. Ein Stück des Stammes liegt noch vor dem »Adler« auf dem Gehweg – sichtbares Zeichen dafür, dass sich der Kreis schließt. Aufstellen, feiern, abbauen, verbrennen.

Wenn der Funken schließlich lodert, ist die Fasnacht 1973 Geschichte.

Standort des Fotografen: 47.883725, 8.343923