Das Backsteingebäude in der Bahnhofstraße gehört der Deutschen Bundesbahn. Gebaut wurde es im Zuge des Bahnbaus 1901. Als »Dienstwohnungsgebäude« der Reichsbahn war es für Bahnmitarbeiter und ihre Familien bestimmt. Doch die Zeiten sind längst vorbei. Heute wohnen in dem Mehrfamilienhaus Mieter*innen, die nicht bei der Bahn arbeiten.
Aus ungewohnter Perspektive zeigt dieses Luftbild das Städtchen. Das Flugzeug, aus dem das Foto aufgenommen wird, kreist über dem Maienland. Der Blick fällt aus westlicher Richtung auf die Häuser am Alenberg, in der Maienland- und in der Bahnhofstraße. Der 1957 fertiggestellte neue Bahnhof steht bereits. Aber das Anfang der 1960er Jahre im Pfarrweg neu erbaute katholische Pfarrhaus ist noch nicht gebaut, wodurch sich das Foto recht genau datieren lässt. Auch der Kirchturm ist noch nicht verputzt.
Im Hintergrund ist der Altstadtring zu erkennen. Vor der »Hasle« stechen die Festhalle und Schule sowie die 1954 geweihte evangelische Kirche ins Auge.
Mit dem Bau der 1901 eröffneten Bahnlinie und des Bahnhofs entstand auch die Bahnhofstraße mit einer Reihe von Neubauten. Rechts steht das 1913 errichtete Wohn- und Geschäftshaus des Drehers und Maschinenhändlers Christian Faller (Bahnhofstr. 3). Hinter einem niedrigen Gartenzaun erhebt sich der Neubau mit seinem weit heruntergezogenen Dach. Links daneben steht das Dienstwohnungsgebäude der Reichsbahn (Bahnhofstr. 4). Die Architektur der neu erbauten Häuser unterscheidet sich deutlich von den älteren Häusern im Städtchen.
Unter der Überschrift »Maschinenlager Christian Faller am Bahnhof« wird die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 20 in der Zeitschrift »Badische Heimat« veröffentlicht. Sie gehört zu den 28 Ansichten, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seinen neunseitigen Rundgang durch Löffingen illustriert. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift interessiert sich dabei keineswegs nur für historische Gebäude. Gerade an Neubauten zeigt sich für Wingenroth, ob moderne Architektur seiner Vorstellung von einer landschafts- und ortstypischen Bauweise entspricht.
Das Haus Faller besteht seine Prüfung. Es zeuge von den »gleichen guten Absichten« wie der wenige Jahre zuvor errichtete Apothekenbau am unteren Rathausplatz. Ganz anders urteilt Wingenroth über das benachbarte Bahngebäude. Der Backsteinbau mit seinem »harten Schweizerdach« wolle »in unsere Gegend gar nicht passen«. Er beklagt, dass im Schwarzwald eine Zeitlang »völlig fremde Bauformen in der merkwürdigsten Mischung« verwendet worden seien. Deutlicher lässt sich sein vom Heimatschutz geprägtes Ideal kaum erkennen: Auch moderne Gebäude sollen sich nach seiner Vorstellung an regionalen Bautraditionen orientieren.