Luftbild auf das Städtchen, ca. 1960

Foto: Cramer, Kunstanstalt K.G., Dortmund / Stadtarchiv

Aus ungewohnter Perspektive zeigt dieses Luftbild das Städtchen. Das Flugzeug, aus dem das Foto aufgenommen wird, kreist über dem Maienland. Der Blick fällt aus westlicher Richtung auf die Häuser am Alenberg, in der Maienland- und in der Bahnhofstraße. Der 1957 fertiggestellte neue Bahnhof steht bereits. Aber das Anfang der 1960er Jahre im Pfarrweg neu erbaute katholische Pfarrhaus ist noch nicht gebaut, wodurch sich das Foto recht genau datieren lässt. Auch der Kirchturm ist noch nicht verputzt.

Im Hintergrund ist der Altstadtring zu erkennen. Vor der »Hasle« stechen die Festhalle und Schule sowie die 1954 geweihte evangelische Kirche ins Auge.

Trümmerstätte am hinteren Alenberg nach dem Großbrand, 1921

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Inge Benitz zur Verfügung.

Am Tag danach – oder: in den Tagen nach dem verhängnisvollen Großbrand vom 28. Juli 1921 entsteht dieses Foto am hinteren Alenberg. Das Feuer war im Haus Heer in der heutigen Demetriusstraße ausgebrochen und hatte zunächst den gesamten Straßenzug und dann die angrenzenden Häuser am unteren Rathausplatz, in der Ringstraße, der Maienlandstraße, der Rötengasse und am unteren Alenberg eingeäschert.

Durch Flugfeuer sprang das entfesselte Element auf den hinteren Alenberg über, wo es die Häuser von Bürgermeister Kuster, Schreinermeister Limb, Schreinermeister Münzer, Landwirt Jonner und der Witwe Morath einäscherte. Auch das Alenbergwäldchen war zeitweise vom Feuer akut bedroht. Die Löscharbeiten waren dadurch erschwert, dass insbesondere hoch oben auf dem Alenberg Wassermangel herrschte. Gelöscht wurde in der Not mit Wasser aus dem Bittenbach, das mit Güllewagen hinauf transportiert wurde, aber auch mit Jauche. Auf dem Bild ist ein Güllewagen zu sehen. Gut möglich, dass er bei den Löscharbeiten im Einsatz war.

Gerüchte, dass dieser zweite Brandherd durch Brandstiftung entstanden war, bewahrheiteten sich nicht. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ergaben zweifelsfrei, dass der starke Südostwind für die Ausbreitung des Feuers verantwortlich war.

Am linken Bildrand ist die Brandruine vom Haus von Adolf Kuster (Alenbergstr. 18) zu sehen. Eine Lokalzeitung berichtete über den Brand: »Unvergeßlich wird jedem der schaurig-schöne Anblick bleiben, den der Brand des Hauses des Bürgermeister Kuster bot. Das ganze Haus war in dichte Rauchwolken gehüllt, bis mit einem male das ganze Dach von der Gewalt des Feuers gehoben wurde und zusammenbrach – und in wenigen Minuten war das schöne stolze Anwesen vernichtet.«

Standort des Fotografen: 47.886975, 8.343088

Bürgermeister Karl Kuster, ca. 1920-1925

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Konrad Kuster zur Verfügung.

30 Jahre lang amtierte Karl Kuster als Bürgermeister. Geboren wurde er 1847 als Sohn des Landwirts Johann Kuster und dessen Ehefrau Maria Brugger. 1870/71 war er einer der Löffinger Bürger, die als Soldaten in den deutsch-französischen Krieg zogen. 1872 heiratete er Karoline geb. Bader (1847-1918).

1890 wurde er zum Nachfolger des verstorbenen Bürgermeisters Adolf Schmutz gewählt. Während seiner Amtszeit erfolgte die Erweiterung des Krankenhauses, die Errichtung des Kriegerdenkmals auf dem Rathausplatz und der Bahnbau, der Kornmarkt wurde eingestellt, der Großbrand von 1907 äscherte die Demetriusstraße ein, die Kinderschule wurde gebaut und der Erste Weltkrieg wütete. Für seine Verdienste wurde Kuster 1901 vom badischen Großherzog mit dem Verdienstkreuz vom Zähringer Löwen ausgezeichnet.

1920 gab er das Amt auf. Zu seinem Nachfolger wurde sein Sohn Adolf Kuster gewählt. Das Wohnhaus der Kusters auf dem Alenberg wurde mit dem Hausnamen »s’Bürgermoasters« belegt. Es brannte beim Großbrand 1921 ab. Am 30. Oktober 1925 starb der Alt-Bürgermeister im Alter von 78 Jahren.

Standort des Fotografen: Freiburg.

Leo und Maria Münzer in ihrem Garten in der Alenbergstraße, ca. 1940

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Gerald Münzer zur Verfügung.

Das Ehepaar Münzer steht in seinem Garten am Alenberg. Leo Münzer (1871-1952), Schreinermeister von Beruf, wurde 1871 in Löffingen geboren. Er heiratete 1897 Maria Zirlewagen (1868-1944), die aus Bräunlingen stammte. 12 Kinder bekam das Paar. Nach längerer Krankheit stirbt Maria Münzer 1944 im Alter von 75 Jahren. Nach ihrem Tod heiratet Leo Münzer ein zweites Mal und gibt Hermine Bauer (1911-?) das Ja-Wort, die seine Frau vor ihrem Tod gepflegt hatte. Leo Münzer stirbt 81-jährig 1952.

Im Hintergrund links ist das Haus Kuster (Alenbergstr. 18) zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.886011, 8.343216

Blick von der »Breiten« auf das Städtchen, ca. 1923-1929

Verlag A. Rebholz
Stadtarchiv / Sammlung Familie Waßmer
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Im Bereich der heutigen Hebelstraße steht der Fotograf, um diese Gesamtansicht des Städtchens aufzunehmen. Noch ist das Gewann »Breiten« vollkommen unbebaut. Der Blick geht über Wiesen und Felder zur Rötenbacher Straße, wo er auf die ersten Häuser trifft: Die Villa Benz (Rötenbacher Str. 12), das Haus von Landwirt Josef Benz II (Rötenbacher Str. 10), das Forstamt (Rötenbacher Str. 8) und schließlich das Haus von Schreinermeister August Limb (Rötenbacher Str. 5).

Dahinter beginnt die Dächerlandschaft des Städtchens. Oben auf dem Alenberg sind die Häuser deutlich zu erkennen. Das Foto entstand zweifelsohne nach dem Großbrand 1921 und dem Wiederaufbau: Das Haus Benitz, aber auch die anderen Häuser bis hinauf zum Haus Kuster und zum Haus Jonner, sind allesamt neu gebaut. Die Aufnahme lässt sich aber zeitlich auch dahingehend eingrenzen, dass sie vor 1929 entstanden sein muss. Denn neben der katholischen Pfarrkirche St. Michael ist in der damaligen Hafnergasse der Giebel des Hauses von Sattlermeister Ernst Geisinger (Kirchstr. 21) auszumachen. Das Gebäude brannte aber zusammen mit den Nachbarhäusern beim Brand am 20. April 1929 ab.

Standort des Fotografen: 47.881611, 8.339160

Mehrbildkarte vom Café »Alenberg« in der Alenbergstraße, ca. 1970-1980

Schwarzwald-Verlag GmbH, Offenburg / Sammlung Familie Waßmer

Im Haus Alenbergstr. 28 betreiben Hans Jordan und Agathe Jordan geb. Köpfler das Café »Alenberg«, zu dem auch eine Pension gehört. Auf der Werbepostkarte sind zwei Ansichten abgebildet. Oben ist der Garten hinter dem Haus zu sehen, auf dem Sitzbänke und Sommerliegen zum Verweilen einladen. Für die kleinen Gäste gibt es einen Sandkasten. Unten ist ein Blick in den Cafébereich zu sehen. Ein modernes Fernsehgerät hängt im Hintergrund an der Wand.

Standort des Fotografen: 47.887612, 8.342031

Aufräumarbeiten am Alenberg nach dem Großbrand, 1921

Verlag A. Rebholz / Stadtarchiv

Die Aufräumarbeiten nach dem Großbrand vom 28. Juli 1921 dauern nur bis Mitte September 1921. Die Gruppenpolizei V aus Müllheim leistet große Arbeit: Sie richtet das Trümmerfeld für den Wiederaufbau in nur 34 Arbeitstagen her.

Das Foto entsteht auf dem Alenberg. Durch Funkenflug verursacht brannten dort die Häuser von Bürgermeister Adolf Kuster, Schreinermeister August Limb, Schreinermeister Leo Münzer, Witwe Morath und Landwirt Albert Jonner ab.

Standort des Fotografen: 47.886650, 8.343239

Brennende Häuser am Alenberg beim Großbrand, 28. Juli 1921

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Inge Benitz und Franz Scholz zur Verfügung.

Am 28. Juli 1921 weht ein verhängnisvoller Südwestwind, der das Mitten im Städtchen ausgebrochene Feuer anfacht. Durch Funkenflug breitet sich das Feuer rasend schnell bis hinauf zum Alenberg aus. Die Häuser von Otto Ganter, Hermann Fehrenbach und Antonie Münzer überspringt es. Sie bleiben verschont. Aber die Häuser von Bürgermeister Adolf Kuster, von Schreinermeister August Limb, von Schreinermeister Leo Münzer sowie die beiden Häuser der Witwe Morath und von Landwirt Albert Jonner werden ein Raub der Flammen. 

Karl Bader, der Sohn des Feuerwehrkommandanten, erinnert sich 1962: »Das Wäldchen auf der Kuppe des Alenberges war damit auch in Gefahr gekommen, und hatte auch schon zu brennen begonnen, doch die Wehr von Bräunlingen bannte diese Gefahr des Verderbens.«

Das Foto entsteht in der Alenbergstraße, während das Feuer wütet. Feuerwehrmänner und Helfer sind zu erkennen. Insbesondere auf dem Alenberg ist die Wasserversorgung so schlecht, dass sie dem Feuer weitgehend hilflos gegenüber stehen. Zwei Männer haben ein Möbelstück vor den Flammen gerettet und tragen es über die Straße, um es in Sicherheit zu bringen.

Standort des Fotografen: 47.886157, 8.343366

Blick auf das Städtchen beim Großbrand, 28. Juli 1921

Verlag A. Rebholz / Stadtarchiv
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Inge Benitz, Eugen und Melitta Fehrenbach sowie Franz Scholz zur Verfügung.

Am 28. Juli 1921 bricht um die Mittagszeit mitten im Städtchen ein Feuer aus. Karl Bader, der Sohn des damaligen Feuerwehrkommandanten, erinnert sich 40 Jahre später an den Ausbruch des Feuers und die Brandkatastrophe: 

»So wies die Uhr die Mittagszeit. Die Straßen waren fast menschenleer, soweit die Arbeit es erlaubte, suchten die Menschen in den Häusern bei meist geschlossenen Fensterläden Schutz vor der Hitze. Kurz vor 2 Uhr ging das schreiende Rufen durch die Straßen: Es brennt. Und schon war auch die Sirene der Holzindustriewerke J. Benz zu hören, welche Großalarm gab. Die Alarmhörner und Kirchenglocken mischten sich in das Geheul der Sirene und ließen keinen Zweifel mehr aufkommen über die Gefährlichkeit der entstandenen Situation. Im Hause des Julius Heer, mitten im Städtchen, war ein Brand ausgebrochen.«

Als dieses Foto am Nachmittag von der »Breiten« aus aufgenommen wird, liegt bereits das halbe Städtchen in Schutt und Asche. Eine riesige Rauchwolke hängt über der Altstadt. Die Zerstörung reicht bis hinauf auf den hinteren Alenberg, wo u.a. das Haus von Bürgermeister Adolf Kuster in Trümmern liegt.

Standort des Fotografen: 47.881288, 8.341317

Blick über die Bahngleise zum Kindergarten, ca. 1953

Verlag A. Rebholz / Sammlung Familie Waßmer

»   -Kindergarten« lautet die Inschrift auf dem Schild an dem Gebäude Bahnhofstr. 9. Es wurde 1907 erbaut und diente von Anfang an als »Kinderschule«. Das Schild ist deshalb interessant, weil es die Entnazifizierung nach dem Ende der NS-Herrschaft zeigt. Bis 1945 hatte auf dem Schild »NSV-Kindergarten« gestanden, da der Kindergarten der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) unterstand. Damit war bei Kriegsende Schluß und die Buchstaben »NSV« wurden auf dem Schild weiß übermalt. Zurück blieb eine leere weiße Stelle.

Im Vordergrund sind die Bahngleise zu sehen. Holzbiegen sind aufgeschichtet. Schuppen stehen entlang der Bahnhofstraße. Sie dienen als Lager der Kohlenhandlung von Wilhelm Siefert. Hier werden Kohle und Briketts von Bahnwaggons zwischengelagert, daher auch die Klappen.

Der Giebel, der über die Schuppen ragt, gehört zum Haus Bahnhofstr. 11. Darin wohnt die Witwe Emma Willman geb. Gratwohl (1880-?). Sie ist eine Kriegerwitwe: Ihr Ehemann, der Bauunternehmer Robert Willmann (1874-1917), ist 1917 im Kriegslazarett Freiburg an den Folgen einer Gasvergiftung verstorben. 

Standort des Fotografen: 47.885528, 8.340140

Haus Ganter in der Maienlandstraße, ca. 1935-1940

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Else Egle und Hermann Egle zur Verfügung.

Dicht zugewachsen präsentiert sich das Haus des Schneidermeisters Hermann Ganter (1895-1957) und seiner Ehefrau Anna geb. Hepting (1900-?). An der der Straßenseite zugewandten Hauswand ist der Eingang zur Werkstatt zu erkennen: Über der kleinen Holztür mit zwei Fenstern links und rechts, stehen die Worte geschrieben: »H. Ganter- Damen- & Herrenschneiderei«. 

Hermann Ganter ist nach der Befreiung vom NS-Regime für kurze Zeit Bürgermeister. Die französische Besatzungsmacht überträgt ihm dieses Amt in dem Wissen, dass er Distanz zum NS-Regime gewahrt hatte. So hatte er beispielsweise auch noch dann geschäftliche Kontakte zu Juden gepflegt, als dies nicht mehr opportun war und er dafür öffentlich angefeindet wurde. Während des Krieges versammelte man sich bei Ganters, um den verbotenen englischen Sender zu hören.

Am oberen rechten Bildrand ist das Haus Kuster (Alenbergstr. 18) zu sehen. Der Hausname lautet: »s’Bürgermoasters«, weil zwei Generationen der Familie Kuster über viele Jahre als Bürgermeister die Geschicke des Städtchens bestimmten: Karl Kuster (1847-1925) war Bürgermeister von 1890 bis 1920, sein Sohn Adolf Kuster (1874-1946) amtierte von 1920 bis zu seiner Absetzung durch die Nationalsozialisten 1933.

Standort des Fotografen: 47.885018, 8.342702

Haus Kuster beim Großbrand, 28. Juli 1921

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Luzia Bader, Inge Benitz und Franz Scholz zur Verfügung.

Nur wenige Fotos werden während des Großbrandes vom 28. Juli 1921 aufgenommen. Zu sehr sind die Menschen mit den Löscharbeiten und dem Retten von Hab und Gut beschäftigt. Erst in den Tagen nach dem Brand wird das Ausmaß der Zerstörung fotografisch dokumentiert.

Anders bei diesem Foto, das während des Brandes aufgenommen wird: Zu sehen ist das Haus von Bürgermeister Adolf Kuster oben auf dem Alenberg.  Durch Funkenflug ist das Gebäude in Brand geraten. Festgehalten wird der dramatische Augenblick, als sich der Dachstuhl hebt und lichterloh brennt. Der aufsteigende Rauch zeigt, wie stark der Wind an diesem Tag ist.

Standort des Fotografen: 47.886180, 8.343484