Rathausplatz mit den Gasthäusern »Ochsen« und »Löwe« aus der Luft, ca. 1960

Deutsche Luftbild KG, Hamburg-München / Sammlung Familie Waßmer

Vom Flugzeug aus fällt der Blick auf den oberen Rathausplatz, der vom 1832 errichteten Rathausgebäude, dem früheren Gasthaus »zur Sonne« und vom ehemaligen Fürstenbergischen Amtshaus (Rathausplatz 2 und 3) eingerahmt wird. Im Mittelpunkt des Bildes stehen die beiden traditionsreichen Gasthäuser »zum Ochsen« (Rathausplatz 12) und »zum Löwen« (Rathausplatz 11).

Vor allem der »Ochsen« wird wenige Jahre vollständig umgebaut, sodass sich sein Aussehen vollkommen verändert: 1968 wird der Zwerchgiebel beseitigt, das ganze Gebäude um ein Stockwerk aufgestockt und ein Staffelgiebel zum »Löwen« aufgemauert.

Geschäftshaus Kuttruff am oberen Rathausplatz, 1976

Stadtarchiv

Der Rathausbrunnen mit der »Schnitterin« steht wie eh und je auf dem Rathausplatz. Längst dient der Platz aber nicht mehr als Marktplatz, sondern vor allem als Parkplatz für Autos. Der Blick fällt am Rathausgebäude vorbei auf das Wohn- und Geschäftshaus von Elektromeister Werner Kuttruff (Rathausplatz 3). Der Supermarkt Gottlieb GmbH ist einige Jahre zuvor ausgezogen. An Stelle von Lebensmitteln werden seit 1972 nun »Farb-Fernseh-Hifi-Studio-Elektrogeräte-Haushaltswaren« verkauft, wie auf einem Schriftzug im Schaufenster zu lesen ist.

Das Dach ist noch nicht ausgebaut, nur drei kleine Blechgauben lassen ein wenig Tageslicht in den Dachboden hinein. Zu den angrenzenden Nachbargebäuden gibt es noch keine Staffelgiebel, diese werden erst bei einer späteren Renovierung aufgemauert. Noch kann man erahnen, dass die Häuser Rathausplatz 3 und 2 früher zusammengehörten und einen großen Gebäudekomplex bildeten.

Standort des Fotografen: 47.883877, 8.344723

Blick auf den oberen Rathausplatz in Richtung Rathaus, 1976

Stadtarchiv

Nach dem Abbruch der »alten Sonne«, die den oberen Rathausplatz bis 1973 dominierte, und dem Neubau des modernen Geschäfts- und Wohnhauses (Rathausplatz 9 und 10) hat sich das Aussehen des Platzes stark verändert.

Am Rathausgebäude wurde der Schriftzug »Volksbank« abmontiert, nur die Löcher in der Mauer künden noch von der früheren Nutzung der Räumlichkeiten im Erdgeschoss. Die Volksbank hat ihre neuen Geschäftsräume in dem benachbarten Neubau bezogen. 

Es ist Weihnachtszeit. Ein Tannenbaum steht neben dem Rathausbrunnen. Über die Straßen ist die Weihnachtsdekoration gespannt. Am rechten Bildrand ist das Postamt (Rathausplatz 2) zu sehen. An der Ecke steht ein Telefonhäuschen, daneben parkt ein VW Käfer.

Standort des Fotografen: 47.884101, 8.345182

Oberer Rathausplatz mit Blick zum »Stadtbau«, 1976

Stadtarchiv

Am linken Bildrand ist das Postamt (Rathausplatz 2) zu sehen. An der Fassade hängt ein Schild mit dem Bundesadler, der das Postamt als untere Bundesbehörde ausweist. Noch ist die Post staatlich und nicht privatisiert.  Darunter hängt ein Briefkasten und ein Briefmarken-Automat. An der Einmündung zur Demetrisstraße steht ein gelbes Telefonhäuschen, das aber schon wenig später aus dem Stadtbild verschwinden wird. Infolge der flächendeckenden Einführung privater Haushaltstelefone verlieren öffentliche Telefonhäuschen an Bedeutung. Dahinter ist eine Litfaßsäule zu sehen, an der Werbung der Brauerei »Fürstenberg« und Zigarettenwerbung angebracht ist. Bereits seit 1974 durften Zigaretten im Hörfunk und Fernsehen der Bundesrepublik nicht mehr beworben werden.

Der Blick geht hinüber zum »Stadtbau« (Demetriusstr. 1), jenem stattlichen Gebäude, das nach dem Brand von 1907 errichtet wurde. Vor der repräsentativen Freitreppe steht eine Informationstafel mit dem Stadtplan des Städtchens. Daneben hängt an der Wand ein Anschlagskasten mit allerlei Ankündigungen der Stadtgemeinde. Im Erdgeschoss befindet sich der Friseursalon Studer, wie das Werbeschild unterhalb des Erkers verkündet.

Standort des Fotografen: 47.884042, 8.344801

Gasthaus »Ochsen«, Ausschnitt, 1906

Verlag R. Märklin, Freiburg / Sammlung Familie Waßmer

Im Jahr 1906 wird dieses Foto vom Gasthaus »zum Ochsen« aufgenommen. Nur ein Jahr zuvor war der »Ochsen«-Wirt Martin Gromann (1866-1905) im Alter von nur 39 Jahren verstorben.

Martin Gromann, 1866 als Sohn des Schumachers Fidel Gromann geboren, wuchs in der heutigen Demetriusstraße auf. Er war eigentlich Friseur. 1891 heiratete er Josefa geb. Sibold (1863-1937), die aus Seppenhofen stammte. 1898 erwarben die beiden den »Ochsen« am oberen Rathausplatz und betrieben zusammen die Gastwirtschaft im ersten Stock. Den Kellerraum im Erdgeschoss baute Martin Gromann zu einer Barbierstube aus. Ob die Werbetafel an der Hausfassade Reklame für sein Friseurgeschäft oder für die Gastwirtschaft macht, ist leider nicht zu entziffern.

Im Feuerversicherungsbuch von 1898 wird das Anwesen als dreistöckiges Wohnhaus mit Wirtschaftsgebäude, Gewölbe- und Balkenkeller, Scheuer und Stallung beschrieben. 1924 wird ein zweistöckiges Abortgebäude ergänzt.

Dieses Bild ist ein Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte. Die gesamte Karte finden Sie hier.

Standort des Fotografen: 47.884117, 8.345039

Umbau des Gasthauses »Ochsen«, 1968

Badische Zeitung (Fotograf: Maurer) / Sammlung Familie Waßmer

Das altehrwürdige Gasthaus »zum Ochsen« wird teilweise abgerissen und anschließend modernisiert wieder aufgebaut. Das Dach war schadhaft und das Gebälk in den beiden oberen Stockwerken vermodert. Im Zuge des Umbaus wird der Zwerchgiebel beseitigt und das Gebäude um eine Etage aufgestockt. Nach der Erweiterung wird mehr Platz für Übernachtungsgäste zur Verfügung stehen. Während der Zeit des Umbaus bleibt die Gastwirtschaft im Erdgeschoss geöffnet. Den Umbau leitet Helmut Köpfler. Seine Mutter, die »Ochsen«-Wirtin Anna Köpfler geb. Gromann, ist verreist, weil sie es vorzieht, den Teilabbruch nicht mitanschauen zu müssen.

Standort des Fotografen: 47.884154, 8.345263

Aufräumungsarbeiten in der Brandruine vom Haus Riegger am Rathausplatz, August 1921

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Während der Aufräumungsarbeiten nach dem Großbrand 1921 entstand dieses Gruppenfoto. Die Reichswehrsoldaten stehen in den Trümmern des Hauses von Metzger Johann Riegger (Rathausplatz 4). Dahinter ragt die Brandwand des angrenzenden Postamts (Rathausplatz 3) auf, das von der Feuerwehr gerettet werden konnte. Für den Erhalt des Postamtes und des Rathauses wurden alle verfügbaren Kräfte genutzt, weil man befürchtete, dass beim Abbrennen dieser beiden massiven Gebäude zwangsläufig weitere angrenzende Häuser und Straßenzüge zerstört würden.

Karl Bader, der Sohn des Feuerwehrkommandanten, erinnerte sich 1971, dass es während des Brandes enorm schwierig war, andere Wehren der Umgebung herbeizurufen, da die Fernleitung des Postamtes beschädigt und deshalb ausgefallen war. »Mit der Sirene des Sägewerkes versuchte man diese Alarmierungslücke zu überbrücken und so mischte sich weiterhin Sirenengeheul mit dem Läuten der Kirchenglocken, dem Prasseln des Feuers und dem Krachen der einstürzenden Dachstühle.«

Standort des Fotografen: 47.883986, 8.344299

Fronleichnamsprozession auf dem oberen Rathausplatz, 1955

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Cindy Küßner zur Verfügung.

Langsam bewegt sich die Fronleichnamsprozession über den oberen Rathausplatz. Der Zug steuert das frühere Gasthaus »zur Sonne« an, vor dem ein Stationenaltar aufgebaut ist. Eine Gruppe Frauen, die vermutlich dem katholischen Frauenverein angehört, trägt eine Marienfigur auf dem Prozessionsweg durch das Städtchen. Im Hintergrund ist das Gasthaus »zum Ochsen« (Rathausplatz 12) und das Haus vom »Zigarren-Vogt« (Rathausplatz 13) zu sehen. Der Kaufmann Wilhelm Vogt betreibt die Tabakwaren-Großhandlung.

Standort des Fotografen: 47.883974, 8.344918

Blick auf das eingerüstete Rathaus bei der Renovation, 1977

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Werner Lubrich zur Verfügung.

Das Rathaus ist eingerüstet, weil seine Fassade gerade renoviert wird. Der Rathausplatz ist von Autos zugeparkt. Dass hier frührer Märkte abgehalten wurden, ist kaum mehr vorstellbar. Nur die Brunnenfigur der »Schnitterin«, die aus dem Autoblech herausragt, erinnert noch daran. Die Zeiten, dass sich im Erdgeschoss des Rathauses die Markthalle befand, sind lange vorbei. Heute befinden sich dort die Kurverwaltung und die Stadtbücherei, wie auf den Fensterscheiben zu lesen ist.

Rita Bölle ergänzte in ihrem Kommentar diesen Text.

Standort des Fotografen: 47.883923, 8.344807

2 Fotos: Blick vom Kirchturm zur Vorstadtstraße und zum Alenberg, 1961


Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Karl Hauger zur Verfügung.

Der Kirchturm der katholische Pfarrkirche St. Michael ist 1961 eingerüstet, um verputzt zu werden. Diese Gelegenheit nutzt der Fotograf dieser Bilder, um auf den Turm zu steigen und eine Fotoserie von oben auf das Städtchen aufzunehmen.

Der Blick geht über die Dächer des Altstadtrings hinüber zur Vorstadt und zum Alenberg. Dominiert werden die Fotos von dem großen Gebäudekomplex der »alten Sonne« (Rathausplatz 9-10). Zu sehen ist die Rückseite mit der Wiederkehr zur Eggertenstraße hin. Das Gebäude, das in seiner Größe am ehesten dem Rathaus entspricht, wird 1973 abgerissen.

Standort des Fotografen: 47.882616, 8.344053

Blick auf den oberen Rathausplatz, ca. 1955-1960

Sammlung Familie Waßmer

Dieser Blick bietet sich Gästen, wenn sie nach Löffingen hineinfahren. Am »Stadtbau« mit seinem Erker vorbei fällt der Blick auf den oberen Rathausplatz mit dem massiven Rathausgebäude und dem früheren Gasthaus »zur Sonne«. Am Rathausbrunnen hat ein Auto mit einem Wohnwagen geparkt. Offenbar dient das Baarstädtchen Reisenden als Zwischenstopp auf ihrem Weg in den Urlaub.

Standort des Fotografen: 47.884245, 8.345250

NS-Kundgebung mit Reichststatthalter Robert Wagner, 24. Juni 1934

Erzbischöfliches Archiv Freiburg

Nach der gewaltsamen Vertreibung des katholischen Stadtpfarrers Guido Andris (1879-1974) am 23. Juni 1934 und der Verhaftung von 16 mutigen Einwohnern, die dagegen öffentlich protestiert hatten, fand am darauffolgenden Tag eine Kundgebung auf dem Rathausplatz statt. An ihr nahm der badische Reichsstatthalter Robert Wagner (1895-1946) teil, der sich wegen der »Sonnwendfeier« am Feldberg ohnehin in der Umgebung aufgehalten hatte und spontan in das Baarstädtchen gekommen war.

Große Hakenkreuzfahnen waren an der Fassade des Rathauses angebracht. Über dem Rathausbrunnen war eine Rednertribüne aufgebaut. Am Pult steht Wagner. Um ihn hat sich eine große Schar NS-Funktionäre sowie uniformierter SA- und SS-Männer aufgebaut. Ein Pfeil auf dem Foto markiert, wo NSDAP-Ortsgruppenleiter Dr. Richard Straub (1894-1938) steht. Auf den Bildrand ist in der rechten Ecke notiert, dass sich vor der Rednerbühne Angehörige des katholischen Vereins »Deutsche Jugendkraft (DJK)« versammeln mussten. Sie werden von NS-Aktivisten eingeschlossen. Die gesamte Kundgebung dient vor allem ihrer Einschüchterung und als Machtdemonstration gegenüber der Einwohnerschaft.

Wagner geht in seiner Rede auf das Verhältnis von Staat und Kirche ein, ohne die Vertreibung des Stadtpfarrers vom Vortag zu erwähnen. Er droht, die Feinde der nationalsozialistischen Ordnung würden in Zukunft mit »schonungsloser Schärfe« und mit »aller Strenge« bekämpft. Einige Einwohner zeigen ihren Unmut durch Zwischenrufe und Pfiffe.

Standort des Fotografen: 47.883917, 8.345045