4 Fotos: Umzugswagen »Santa Maria« in der Bahnhofstraße, Fasnacht 1961

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Helga Küßner und Christa Egle zur Verfügung.

Mit voller Kraft voraus steuert die »Santa Maria« durch die Bahnhofstraße. Der Umzugswagen des Fußballclubs ist als Dampfschiff gestaltet, mit Bullaugen, Anker, Schornstein, Mast und bunten Wimpeln. Gezogen wird das Narrenschiff von einem Traktor, an dessen Steuer Franz Isele (1933-2014) sitzt. Neben dem Wagen läuft »Kapitän« Hans Müller (1926-2014) und navigiert seine ungewöhnliche Besatzung durch das Städtchen.

An Bord sind u.a. zu sehen: Ernst Wehrle (»Wehrli Schniider«), Erich Adrion (»Drilli«, 1926-2001), Anton Maier, Bruno Schwanz, Erich Riedlinger (1936-1997), Hans Küßner (1937-2020), Emil Kopp (1932-2022)

An Bord herrscht ausgelassene Stimmung. Einige der Fußballer haben sich als Frauen verkleidet, andere geben mit breitkrempigen Hüten und dunklen Bärten finstere Seemänner oder Piraten. Gleich zwei Akkordeons sorgen für die passende musikalische Begleitung. Welche Lieder erklingen, wissen wir nicht – Seemannsromantik liegt Anfang der 1960er-Jahre jedenfalls im Trend. Freddy Quinn besingt seit Jahren die Ferne und das Meer, und mit »Seemann (Deine Heimat ist das Meer)« landet Lolita 1960 einen großen Schlagererfolg.

So verwandelt sich die Bahnhofstraße für einige Minuten in eine Hafenstraße. Die Fußballer gehen auf große Fahrt – auch wenn ihre »Santa Maria« das Baarstädtchen vermutlich nicht weiter verlässt als bis zum Ende der Umzugsstrecke.

Standort des Fotografen: 47.884009, 8.341860

Familie Benitz vor ihrem Haus, April 1935

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Familie Benitz hat sich vor ihrem Haus in der Alenbergstraße zum Gruppenfoto versammelt. Im Mittelpunkt sitzt Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), umgeben von ihren Kindern, Schwiegertöchtern und Enkelkindern. Die Haustür hinter ihnen ist mit Reisiggirlanden und weißen Papierblumen geschmückt, zwei Tännchen rahmen den Eingang ein. Der Anlass ist ein besonderer: Franz Benitz (1908-1944), rechts in der hinteren Reihe, feiert seine Heimatprimiz. Am 31. März 1935 wurde der 27-Jährige durch den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber zum Priester geweiht. Eine Woche später, am 7. April, zelebriert er in seiner Heimatgemeinde Löffingen erstmals die Messe. Familie und katholische Kirchengemeinde feiern den Neupriester, und auch das Elternhaus wird für diesen Tag festlich geschmückt.

Für Anna Benitz ist es ein Familienfest nach Jahren, in denen sie bereits schwere Schicksalsschläge hinnehmen musste. Seit 1919 ist sie Witwe. Mit ihrem Mann, dem Weinhändler Joseph Benitz (1859-1919), hatte sie sieben Kinder. Zwei von ihnen leben 1935 nicht mehr: Friedrich Benitz (1902-1908) starb bereits als Kind, die Tochter Anna (1896-1922) im Alter von 26 Jahren. Beim Großbrand von 1921 traf es die Familie besonders hart: Gleich vier ihrer Häuser wurden zerstört. Das Wohn- und Geschäftshaus in der Alenbergstraße, vor dem die Familie sich nun versammelt, entstand beim anschließenden Wiederaufbau.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz (1928-2012), 2 Hedwig Benitz (geb. Steidlinger, 1900-1995), 3 Elisabeth Benitz (verh. Burger, 1930-2019), 4 Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), 5 Josefine Benitz (geb. Klaus, 1903-1991), 6 Anna Maria Benitz (1934-2021), 7 [Maria Benitz (1911-?)?]
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz (1897-1981), 2 Albert Benitz (1905-1996), 3 Paul Benitz (1899-1979), 4 Franz Benitz (1908-1944)

Franz Benitz ist der einzige der Söhne, der Priester wird, doch die gesamte Familie ist sehr religiös und tief im katholischen Milieu verwurzelt. Familienmitglieder engagieren sich im kirchlichen Leben, etwa im Kirchenchor und im Stiftungsrat, und politisch in der Zentrumspartei. Gerade deshalb geraten sie nach der nationalsozialistischen Machtübernahme ins Visier der örtlichen Nationalsozialisten. Joseph Benitz (1897-1981) wurde im August 1933 für zwei Tage in sogenannte »Schutzhaft« genommen – eine willkürliche Inhaftierung, die der Einschüchterung politischer Gegner dient.

Als das Foto aufgenommen wird, ist es noch keine zehn Monate her, dass Stadtpfarrer Guido Andris am 23. Juni 1934 gewaltsam aus Löffingen vertrieben wurde. Joseph Benitz und Albert Benitz gehörten zu den mutigen Männern, die offen gegen das Vorgehen der Nationalsozialisten protestieren. Beide wurden daraufhin verhaftet. Vor diesem Hintergrund ist die Primiz von Franz Benitz im Frühjahr 1935 nicht nur ein Familienfest. Sie ist zugleich ein sichtbares Bekenntnis zum Katholizismus, der vom NS-Regime zunehmend unter Druck gesetzt wird.

Standort des Fotografen: 47.885270, 8.344131

Umzugswagen »Santa Maria« in der Unteren Hauptstraße, Fasnacht 1961

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elisabeth Müller zur Verfügung.

Bei strahlendem Sonnenschein liegt plötzlich das Schiff »Santa Maria« in der Unteren Hauptstraße vor Anker. Der Umzugswagen, von einem Traktor gezogen, ist mit Bullaugen, Anker, Schornstein, Mast und bunten Wimpeln als Dampfschiff gestaltet. Ob er gerade langsam durch die Straße fährt oder vor dem Geschäft »Konsum« (Untere Hauptstr. 7) einen kurzen Halt einlegt, lässt sich nicht erkennen.

An Bord drängt sich eine Schar Narren. Es sind Mitglieder des Fußballclubs, die für ihren Auftritt in Frauenkleider geschlüpft sind. Einer sitzt auf der Reling und lässt die Beine über die Bordwand baumeln, die anderen stehen dicht gedrängt dahinter. Auch der Mann vor dem Wagen gehört zur Inszenierung und gibt sich mit seiner Schirmmütze als Kapitän zu erkennen. Es ist  Kapitän ist Hans Müller (1926-2014).

Die Untere Hauptstraße bildet die Kulisse für das närrische Spektakel. Zu sehen sind der »Konsum«, das Gasthaus »Sonne«, die Brunnenstube und der Seitengiebel vom Kaufhaus Henzler – und mitten hindurch zieht das ungewöhnliche Narrenschiff. Welches Motto die Fußballer ihrem Wagen geben und wohin die närrische Seereise führen soll, ist leider nicht überliefert.

Standort des Fotografen: 47.883254, 8.343815

Hexen beim Umzug am »Scharfen Eck«, Fasnacht ca. 1966

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Mit ihren Reisigbesen und ihrer Fahne biegen die Löffinger Hexen am »scharfen Eck« um die Kurve. Vorneweg marschiert die Fahnenträgerin, dahinter folgt die Hexengruppe mit ihren markanten Holzmasken. Keine gleicht der anderen: Die Masken sind individuell geschnitzt und verleihen jeder Hexe ein eigenes Gesicht.

Das »Häs« ist dagegen bereits einheitlich gestaltet. Entworfen hat es Hans Kaufmann. Die Löffinger Hexe kommt nicht in bunten Flecken oder Punkten daher: Unter der gelben Schürze trägt sie einen braunen, schwarz karierten Rock, dazu einen dunkelgrünen Kittel und ein rotes Halstuch. Unter dem Rock schauen die Rüschen der langen weißen Unterhosen hervor, darunter rot-weiße Ringelsocken. An den Füßen trägt die Hexe handgefertigte Strohschuhe. Der Reisigbesen darf natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Hinter der Gruppe ragt die »große Hexe« auf ihrem Wagen über die Köpfe hinweg. Seit 1958 gehört der Hexenwagen zu den Umzügen. Die riesige Figur auf diesem Foto ist allerdings nicht mehr die ursprüngliche Hexe, sondern bereits die dritte Ausführung.

Im Hintergrund sind die Küferei Jordan (Obere Hauptstr. 5), die Stadt-Apotheke (Obere Hauptstr. 7) und das Gasthaus »Gebert« (Obere Hauptstr. 9) zu sehen. Am rechten Bildrand ist der Fritschi-Brunnen zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.884482, 8.345563

Familie Hepting mit Verwandten vor dem Haus Benz in der Oberen Hauptstraße, ca. 1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Hepting zur Verfügung.

Für das Familienfoto rücken mehrere Generationen zusammen. Rupert und Sofie Hepting stehen mit ihren Kindern Ewald und Inge vor dem Haus Benz in der Oberen Hauptstraße. Mit dabei sind Sofies Mutter Katharina Jonner sowie weitere Verwandte.

Dass inzwischen Krieg herrscht, ist auf dem Familienbild unübersehbar. Rupert Hepting (links) trägt ebenso wie der rechts stehende Hermann ??? Wehrmachtsuniform. Zwischen den beiden Soldaten stehen die Frauen und Kinder in ihrer Alltags- und Sonntagskleidung – eine familiäre Momentaufnahme, in die der Zweite Weltkrieg hineinragt.

Zu Besuch ist auch die Nichte Margret Bammert, Tochter von Adolf Bammert und Agathe Bammert (geb. Jonner), die mit ihrer Familie in Neustadt lebt. Noch nicht identifiziert sind Else ??? und Hermann ???.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Margret Bammert, 2 Inge Hepting (verh. Mayer, geb. 1939), 3 Ewald Hepting (1933-2010)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Rupert Hepting (1905-1990), 2 Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995), 3 Katharina Jonner (geb. Thoma, 1875-1955), 4 Else ???, 5 Hermann ???

Im Hintergrund steht das Anwesen des Landwirts Otto Benz (Obere Hauptstr. 14). Bis 1929 bewirtschaftet er einen Hof in der Bittengasse. Nachdem dieser beim Großbrand in der Kirchstraße zerstört worden ist, errichtet er hier in der Oberen Hauptstraße einen Neubau. Links daneben ist das Haus Berger (Obere Hauptstr. 16) zu erkennen. Ein großes Werbeschild an der Fassade wirbt für Autoreifen – ein kleines Detail, das auf das Geschäft von Schlossermeister und Automechaniker Leopold Berger hinweist.

Standort des Fotografen: 47.884618, 8.348240

Männergruppe im Pavillon auf dem Alenberg, März 1944

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

Eigentlich sind es noch keine Männer. Gerade einmal 16 oder 17 Jahre alt, drängen sich die Jugendlichen im Eingang des hölzernen Pavillons auf dem Alenberg zusammen. Einer legt seinem Freund den Arm um die Schulter, ein anderer verbirgt lachend das Gesicht in den Händen. Sie hängen miteinander herum und genießen einen unbeschwerten Moment. Doch schon am nächsten Tag beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt: Ihre Einberufung zum Reichsarbeitsdienst steht an.

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) ist keineswegs nur ein Arbeitseinsatz. Seit 1935 ist er für junge Männer verpflichtend und streng militärisch organisiert. Neben körperlicher Arbeit gehören Drill, Lagerleben und nationalsozialistische Erziehung dazu. Im Krieg wird der RAD immer stärker für militärische Aufgaben herangezogen und dient zugleich als Vorbereitung auf den anschließenden Kriegsdienst. 1944 werden angesichts des wachsenden Soldatenbedarfs auch die jüngeren Jahrgänge immer früher eingezogen.

Für die Jugendlichen auf dem Foto ist der RAD deshalb meist nur eine Zwischenstation. Danach folgt die Einberufung zur Wehrmacht. Walter Köpfler (1927-1944) meldet sich freiwillig zur Waffen-SS und wird SS-Panzergrenadier. Noch im selben Jahr wird der 17-Jährige schwer verwundet und stirbt in Belgien an seinen Verletzungen. Die anderen überleben den Kriegsdienst. Bis sie aber alle wieder zurück in Löffingen sind, vergehen Jahre. Rudolf Egle (1927-1992) gerät in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrt erst 1954 nach Hause zurück. Ein Wiedersehen dieser Runde, so wie sie hier im Frühjahr 1944 zusammensitzt, wird es nach dem Krieg nicht mehr geben.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Walter Maier (1927-?), 2 Ernst Egle (1927-1947), 3 Rudolf Egle (1927-1992), 4 Walter Köpfler (1927-1944)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Franz Rosenstiel (1927-2006), 2 Ernst Egy

Standort des Fotografen: 47.885695, 8.344761

Familie Hepting beim Gräberbesuch auf dem Friedhof, ca. 1930-1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Still stehen drei Angehörige der Familie Hepting vor einem Grab. Der Mann links hat seinen Hut abgenommen und hält ihn vor sich in den Händen, die Frau in der Mitte blickt zu Boden. Auch der jüngere Mann rechts verharrt schweigend. Für einen Moment wird ein sehr persönlicher Augenblick des Gedenkens fotografisch festgehalten – Aufnahmen auf dem Friedhof sind eher selten.

Um welches Grab es sich handelt und wem der Besuch gilt, ist bislang nicht bekannt. Frisch angelegt scheint es nicht zu sein. Auch an Allerheiligen entsteht das Foto nicht: Die Bäume tragen noch dichtes Laub, und auf den Gräbern blühen Blumen. Alle drei sind dunkel gekleidet. Ob dies Ausdruck der Trauer ist oder ihrer gewöhnlichen sonntäglichen Kleidung entspricht, lässt sich nicht entscheiden.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???

Im Hintergrund steht die Friedhofskapelle. Sie wurde 1862 errichtet – als Ersatz der Antoniuskapelle an der Landstraße nach Rötenbach, die bereits 1842 abgebrochen worden war. Sogar deren Glöcklein fand in der neuen Kapelle eine weitere Verwendung.

Standort des Fotografen: 47.885312, 8.347165

5 Fotos: »Wieberfasnet« im Gasthaus »Linde«, Fasnacht 1962

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Für einen Abend verwandelt sich die Wirtsstube des Gasthauses »Linde« in ein Klassenzimmer. Sechs »Schülerinnen« haben auf einfachen Bänken Platz genommen und breiten ihre Hefte und Bücher vor sich aus. Dann betritt die »Lehrerin« den Raum – heute in Gestalt von Maria Hall. Die Klasse erhebt sich und der Unterricht kann beginnen.

Doch mit einer gewöhnlichen Schulstunde hat das Ganze natürlich wenig zu tun. Die Frauen führen einen Sketch bei der »Wieberfasnet« auf, die seit 1954 stattfindet und damit bereits zum neunten Mal gefeiert wird. Das Programm wird von Frauen für Frauen gestaltet. Der Mimik der Lehrerin nach zu urteilen, erweist sich ihre Klasse als ausgesprochen anstrengend: Mal scheinen die Schülerinnen begriffsstutzig, mal bringen sie ihre Lehrerin mit Fragen an den Rand des Nervenzusammenbruchs.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Marta Adrion, 2 Ursula Kopp, 3 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Margret Adrion, 2 Luise? Kienzler, 3 Olga Streit

Auch die Ausstattung der Wirtsstube fällt ins Auge. In der Ecke stehen ein großer Radioapparat und darüber ein Fernsehgerät. Radio und Fernsehen halten damit längst Einzug in die Gaststube – zu einer Zeit, in der noch keineswegs jeder Haushalt einen eigenen Fernseher besitzt. Bei besonderen Übertragungen kann das Gasthaus so zum gemeinschaftlichen Fernsehraum werden. Fußballspiele, Unterhaltungssendungen oder aktuelle Nachrichten lassen sich gemeinsam verfolgen. Ob auf diesem Bildschirm im Jahr zuvor etwa die Bilder vom Bau der Berliner Mauer zu sehen waren, wissen wir nicht – möglich wäre es jedenfalls.

Für die »Wieberfasnet« bleibt der Fernseher an diesem Abend jedoch dunkel. Das Unterhaltungsprogramm findet unmittelbar davor statt – und wird von den Frauen selbst bestritten.

Standort des Fotografen: 47.884277, 8.346539

Hochzeitszug beim Rathausportal, ca. 1951

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christoph Müller und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Eine festlich gekleidete Hochzeitsgesellschaft zieht am Rathaus entlang in Richtung unterer Rathausplatz. Am Portal steht ein geschmücktes Tännchen – ein sichtbares Zeichen dafür, dass im Rathaus eine standesamtliche Trauung stattfindet. Braut und Bräutigam befinden sich außerhalb des Bildausschnitts, sodass sich nur schwer bestimmen lässt, welches Paar hier heiratet.

Vielleicht ist die Gesellschaft auf dem Weg zur kirchlichen Trauung, vielleicht geht es bereits zum Gasthaus, in dem gefeiert wird. Neben dem Hochzeitszug läuft eine ganze Schar Kinder mit. Sie wollen einen Blick auf das Brautpaar erhaschen – und hoffen womöglich darauf, den Weg mit einem Seil versperren zu können. Erst gegen die Zahlung eines kleinen »Wegezolls« darf der Hochzeitszug dann weiterziehen.

Fast ebenso auffällig wie die Festgesellschaft sind die vier großen Zifferblätter, die an der Rathauswand lehnen. Offenbar wird die Rathausuhr gerade renoviert. Die Zeit steht gerade still.

Standort des Fotografen: 47.883718, 8.344233

20-Jährige, Fasnacht 1947

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christoph Müller und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Dicht gedrängt stellen sich die jungen Frauen und Männer des Jahrgangs 1927 zum Gruppenfoto auf. In der Mitte sitzt ein junger Mann mit dem Akkordeon. Schnee liegt auf der Straße, doch die Stimmung ist fröhlich. Die 20-Jährigen feiern, obwohl die Fasnacht von der französischen Besatzungsmacht noch nicht wieder erlaubt ist.

Nach den Kriegsjahren wollen die 20-Jährigen nicht länger auf das närrische Treiben verzichten. Statt bei der französischen Kommandantur um Erlaubnis zu bitten, suchen sie Stadtpfarrer Karl Weickhardt auf. Der Geistliche gibt ihnen seinen Segen und beruhigt sie: Sollten die Franzosen Schwierigkeiten machen, könnten sie diese zu ihm schicken.

Ganz ohne politischen Spott geht es nicht. Die Gruppe schmückt einen Leiterwagen mit Heu und einem Holzfass und nimmt damit den verbreiteten Tauschhandel sowie das Ernährungsamt aufs Korn. Dessen Mitarbeiter sollen nach einer feuchtfröhlichen Dienstfahrt mit ihrem Opel an mehreren Hausecken angeeckt und schließlich im Bombentrichter auf dem unteren Rathausplatz gelandet sein. Auf dem Wagen steht der doppeldeutige Spruch: »Helfet und schmieret, hilft es nicht bei den Karren, so hilft es bei den Herren.«

Am »alten Fasnetsuntig« ziehen die 20-Jährigen außerdem mit einem Heuwagen durch das Städtchen und sammeln Stroh für den Fasnetfunken. Ihr Ruf lautet: »Strauh, Strauh, Fasnetkiechle au!« Stroh bekommen sie reichlich, Fasnetküchle dagegen kaum. Am Abend feiern sie gemeinsam im Gasthaus »Hirschen« in Seppenhofen – heimlich hinter zugezogenen Vorhängen. Wie es der Löffinger Brauch verlangt, werden sie als 20-Jährige vereidigt.

Erst 1948 erlaubt die französische Besatzungsmacht wieder offiziell närrische Aktivitäten und die Wiedergründung der Narrenzunft.

1.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Walter Maier (1927-?), 3 Theo Walz (1927-2015), 4 Elisabeth Egle (verh. Müller, 1927-2020), 5 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Berthold Ganter (1928-2006), 2 Irma Schmid (verh. Adrion, 1927-2019), 3 Eugen Schreiber, 4 ???, 5 Lina Kirner (verh. Hörner), 6 Maria Benz (verh. Benz), 7 Lore Hahn (verh. Sibold, 1928-2022)
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Eugen Mayer, 2 ??? Längin, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???

Zum Jahrgang gehören u.a. Otto Selb (1927-2021)

Standort des Fotografen: evtl. Seppenhofen

Frauengruppe in der Alemannenstraße, ca. 1943

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christoph Müller und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Eng zusammengerückt stehen sieben junge Frauen in der Alemannenstraße vor der Kamera. Einige haben sich untergehakt, andere legen einander den Arm um die Schulter. Die Sonne scheint ihnen ins Gesicht, sie lachen und wenden sich einander zu. Die Aufnahme entsteht vermutlich auf Höhe des »Alemannengrabes«; hinter der Gruppe steigen eine Bruchsteinmauer und der Hang empor.

Die jungen Frauen gehören alle dem Geburtsjahrgang 1924/25 an. Vermutlich haben sie gemeinsam die Schulbank gedrückt und sind Freundinnen. So ungezwungen die Szene wirkt, entsteht sie doch mitten im Zweiten Weltkrieg.

Wer erkennt die jungen Frauen?

V.l.n.r.: 1 Elisabeth Kaltenbrunner (verh. Roth, 1925-?), 2 Frieda Heckle (verh. Fehrenbach, 1925-2013), 3 [Johanna Egle (verh. Theiler, 1924-2014)???], 4 Maria Egle (verh. Geisinger), 5 [Hedwig Schmid (verh. Bayer, 1924-1996)???], 6 Anna Kuster (verh. Karrer), 7 Elvira Egle (verh. Fischer, 1925-2020)

Standort des Fotografen: 47.885109, 8.346196

Darbietung von vier Turnern beim »Bunten Abend«, Fasnacht ca. 1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Renate Fehrenbach zur Verfügung.

Vier Turner*innen stehen in weißen Kellnerjacken auf der Bühne und halten große Flaschen in die Höhe. Mit schwarzen Fliegen, dunklen Hosen und Turnschuhen wirken sie wie eine ungewöhnliche Bedienungsmannschaft. Auf den Tischen im Hintergrund stehen weitere Flaschen bereit.

Was die vier Mitglieder des Turnerbundes beim »Bunten Abend« in der Festhalle aufführen, ist nicht überliefert. Vielleicht handelt es sich um einen kurzen Theatersketch, bei dem der Wirtshausbetrieb gehörig durcheinandergerät. Ebenso denkbar ist eine akrobatische Einlage, bei der die Flaschen als Requisiten dienen. Ihre weit auseinanderstehenden Beine und die gleichförmige Haltung lassen jedenfalls vermuten, dass gleich Bewegung in die Szene kommt.

V.l.n.r.: 1 [Paula Schweizer (verh. Veith)?], 2 Elke Bleuel (geb. ???), 3 ???, 4 ???

Standort des Fotografen: 47.882868, 8.347843