
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.
Mitten in freier Landschaft lassen sich Ernst Keller (1912-1985) und Otto Schweizer (1906-1992) neben einer auffälligen schwarz-weißen Richtungstafel fotografieren. Beide tragen Anzug und Krawatte, Otto Schweizer zudem einen Hut. Die beiden kennen sich schon seit ihrer Kindheit – aus der gemeinsamen Zeit im Turnerbund und im Fußballclub. Vermutlich befinden sich die beiden auf einem kleinen Spaziergang oder Ausflug – Ernst Keller hält jedenfalls einen Wanderstock in der Hand.
Die Richtungstafel mit ihren kräftigen schwarzen Pfeilwinkeln warnt vor einer scharfen Kurve und macht den Straßenverlauf schon aus größerer Entfernung kenntlich. Im Hintergrund öffnet sich eine unbebaute Landschaft mit Wiesen, Feldern und Wald.
Das Foto entsteht in den 1950er Jahren. Die NS-Diktatur und der Zweite Weltkrieg liegen noch gar nicht lange zurück, doch über die eigene Rolle in dieser Zeit wird vielfach nur ungern gesprochen. Für die Erwachsenen ist die Vergangenheit noch Teil der eigenen Biografie.
Auch der Lebensweg von Ernst Keller führt mitten hinein in diese Zeit. Er wurde am 2. Oktober 1912 in Rielasingen bei Singen als Sohn des Blechnermeisters Ernst Keller sen. geboren. Sein Vater fiel gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges als Soldat. Ernst Keller wuchs anschließend in Löffingen auf und besuchte dort die Volksschule. Mit 14 Jahren begann er in Freiburg eine kaufmännische Lehre, die er im Juni 1930 abschloss. Bis November 1931 blieb er als Gehilfe in seinem Ausbildungsbetrieb. Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage nahm er anschließend eine Stelle als Hilfsarbeiter im Sägewerk Benz an und stieg dort später zum Lohnbuchhalter auf. Seit Mai 1935 gehörte der 22-Jährige der SS an. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der SS-Rottenführer am 6. September 1939 zur Waffen-SS eingezogen. Am 1. Juni 1941 erfolgte die Beförderung zum SS-Unterscharführer, am 1. September 1943 zum SS-Oberscharführer. Während des Krieges heiratete er am 30. August 1941 Hilde Schmutz (1920-2013), die Tochter des Maurers Karl Schmutz und dessen Ehefrau Karolina Schmutz (geb. Hirt). Wo er während des Krieges eingesetzt war, ist nicht bekannt. Am Ende des Krieges geriet er in Gefangenschaft. Dort entdeckte Ernst Keller eine neue Leidenschaft: Er beobachtete einen Aquarellmaler bei der Arbeit und begann selbst zu malen. Seine Bilder verkaufte er an mitgefangene Kameraden – bezahlt wurde mit Zigaretten. In der Nachkriegszeit arbeitet er in der Firma Wider als Buchhalter. Während seiner Berufstätigkeit bleibt nur wenig Zeit für das Malen. Erst nach dem Eintritt in den Ruhestand 1975 greift Ernst Keller wieder häufig zu Pinsel und Farbe und malt Dutzende historische Stadtansichten von Löffingen. Er stirbt am 27. August 1985.
Standort des Fotografen: ???











