Haus Schmutz in der Kirchstraße, ca. 1920

Sammlung Familie Waßmer

»Bekleidungsartikel – Komplette Betten« lautet der weiße Schriftzug, der auf der Schaufensterscheibe angebracht ist. Das Geschäft gehört dem Kaufmann Johann Schmutz, wie über der Ladentür zu lesen ist.

Johann Schmutz (1880-1949), eigentlich Johann Cölestin Schmutz, war der Sohn von Glaser Cölestin Schmutz und dessen Ehefrau Maria geb. Engesser. Er kam am 15. April 1880 zur Welt. Bis 1909 hatte er am unteren Rathausplatz gewohnt. Nachdem sein Haus dort 1909 abgebrannt war, hatte der 30-Jährige den Brandplatz 1910 an den Apotheker Otto Buisson verkauft. Er selbst erwarb 1913 das Haus Werne in der Kirchstraße, als der Metzgermeister Johann Werne seinerseits in die Demetriusstraße umzog. Das Haus war 1842 erbaut worden, nachdem sein Vorgängergebäude ebenfalls bei einem Brand zerstört worden war. Es ist auf dem Foto also rund 80 Jahre alt. Zu sehen ist der zweistöckige Wohnbereich mit dem Ladengeschäft. Der Ökonomiebereich, der sich zur Linken anschließt, ist auf Höhe des Scheunentores abgeschnitten.

Johann Schmutz betreibt sein Geschäft zusammen mit seiner Ehefrau Helene geb. Sigwarth (1882-1938), die aus Oberbränd stammt und vermutlich im Ladeneingang steht. Die beiden hatten 1905 in Beuron geheiratet und vier gemeinsame Kinder. 1928 verkauft das Ehepaar Schmutz das Haus an den Bäckermeister Robert Isele. Helene Schmutz stirbt am 21. Mai 1938 im Alter von 56 Jahren. Johann Schmutz folgt ihr 69-jährig am 30. August 1949.

Standort des Fotografen: 47.883452, 8.345120

Narrengruppe in der Unteren Hauptstraße, Fasnacht 1964

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Renate Fehrenbach zur Verfügung.

Eine Narrengruppe steht mitten auf der Unteren Hauptstraße. Die Narren sind als Soldaten kostümiert und spielen hochaktuell auf die so genannte Nagold-Affäre an. Die Fallschirmjäger-Ausbildungskompanie 6/9 war kurz zuvor aufgelöst worden, nachdem ein Rekrut bei einem Gewaltmarsch zu Tode gekommen war. Weitere Ausbilder hatten sich wegen der Misshandlung Untergebener vor Gericht verantworten müssen.

Die Narren gehören zum Turnerbund. Zu sehen sind v.l.n.r.: Alfons Schlenker, Klaus Wider, Horst Fehrenbach, ???, Heiko Keller, Willi Fehrenbach (1941-2018). Ganz rechts steht Fritz Sibold.

Unabhängig von der Narrengruppe im Vordergrund ist das Foto interessant, richtet man die Aufmerksamkeit auf zwei Details im Hintergrund.

Da ist zum einen das von der Narrengruppe halb verdeckte Schaufenster. Der Schriftzug lautet: »Siefert – Straetker«. Darunter ist »Sonderangebot« zu lesen. Die Modistin Ruth Straetker geb. Siefert (geb. 1930) hat das Hutgeschäft von ihrer Mutter Anna Siefert geb. Guth übernommen. Zusammen mit ihrem Ehemann Engelbert Straetker (1923-2017), der aus Westfalen stammt und Schneidermeister von Beruf ist, baute sie 1961 das Hutgeschäft zu einem Modegeschäft aus. 1972 modernisieren die Straetkers die Räumlichkeiten und erweitern die Verkaufsfläche. Hier ist noch das ursprüngliche Schaufenster zu sehen.

Das zweite interessante Detail ist am Nachbarhaus Bank (Untere Hauptstr. 1) zu sehen. Zur Eggertenstraße hin werden gerade Fenster in die Fassade gebrochen. Der Verputz ist abgeschlagen und das nackte Mauerwerk zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.883640, 8.343768

Supermarkt »Gottlieb« in der Demetriusstraße, 1976

Stadtarchiv

Noch kann man das Gebäude getrost als Neubau bezeichnen, denn es ist gerade einmal vier Jahre alt. Das Haus Fehrenbach wurde 1972 abgerissen und machte dem neuen »Gottlieb Markt« Platz. Die von dem Supermarkt zuvor genutzten Räumlichkeiten am oberen Rathausplatz waren zu eng geworden. Jetzt steht eine große Verkaufsfläche im Erdgeschoss zur Verfügung. Am Schaufenster und links und rechts der Automatiktür ist »Unser Wochenangebot« angeklebt. Die Preise bewegen sich zwischen 0,88 und 8,98 DM. Im ersten Obergeschoss und im Dachgeschoss des Neubaus befinden sich Mietwohnungen. Vor dem Supermarkt ist ein Parkplatz für die Kunden angelegt. Ein Fahrradständer steht ebenfalls bereit.

Links im Hintergrund sind die alten Garagen des Sägewerk Benz (Ringstr. 9) zu erkennen. Ihre Zukunft ist auch ungewiss, nachdem das Sägewerk bereits im Herbst 1972 seine Produktion eingestellt hat.

Standort des Fotografen: 47.883234, 8.343727

Eröffnung des Geschäfts Gnädinger in der Demetriusstraße, Mai 1981

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Irmgard Gnädinger zur Verfügung.

Einen richtigen Maibaum stellen Mitglieder des Turnerbunds im Mai 1981 in der Demetriusstraße auf. Anlass ist aber nicht der 1. Mai, sondern die Eröffnung der »Wollstube« von Irmgard Gnädinger (Demetriusstr. 9). Sie ist nicht nur aktives Mitglied bei den Turner*innen, sondern darüberhinaus begeisterte Hobby-Strickerin. Mit ihrer Ladengründung erfüllt sie sich einen langhegten Traum. Im ehemaligen Schuhgeschäft Laule, das an den oberen Rathausplatz umgezogen ist, führt sie mehr als 20 Jahre erfolgreich ihre »Wollstube«.

Als 2004 ihr Ehemann in Rente geht, entscheidet sie sich ebenfalls für den Ruhestand und verabschiedet sich schweren Herzens von ihren treuen Kund*innen. Sie übergibt ihr Geschäft an Maria Pöllmann-Bürgi, die es weiterführt.

Die Mitglieder des Turnerbunds sind u.a. Theo Hasenfratz (1934-2005), Franz Vogelbacher (1938-2017) und Fritz Sibold (1931-2004).

Standort des Fotografen: 47.884112, 8.344037

Metzgerei Nickel am Rathausplatz, ca. 1980

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Mittlerweile befindet sich die Metzgerei am Rathausplatz in zweiter Generation im Familienbesitz. 1938 hatte das Gebäude der Metzgermeister Max Rohrer und seine Ehefrau Maria geb. Saile käuflich erworben. Rund 40 Jahre später wird das Geschäft von ihrer Tochter Edeltraud Nickel geb. Rohrer und ihrem Ehemann Bernhard (1921-1999) übernommen und fortgeführt.

Erbaut wurde das Haus Nickel nach dem Großbrand 1921. Es wurde auf dem Brandplatz der zerstörten Häuser von Landwirt Johann Riegger und von Landwirt Anton Brunner nach den Plänen der Wiederaufbaukommission errichtet. Rieger betrieb darin dann eine »Metzgerei« und »Wursterei«. Erst viele Jahre später wurde die Ladenfront mit dem Schaufenster in das Erdgeschoss gebrochen. Es grenzt zur Linken an das Café Fuß (Rathausplatz 5) an.

Im Jahr 2009 wird das Gebäude bei einem Feuer beschädigt. Einen traurigen Anblick bietet sich dann viele Jahre. 2018 wird das Haus schließlich zwangsversteigert.

Standort des Fotografen: 47.883989, 8.344575

Unterer Rathausplatz mit Demetriusbrunnen und viel Schnee, ca. 1955

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Hoch türmen sich die Schneeberge auf dem unteren Rathausplatz. Der 1954 neu geschaffene Demetriusbrunnen thront Mitten in der weißen Pracht. Im Haus Siefert (Rathausplatz 6) befindet sich eine Filiale des Lebensmittelgeschäfts »Gottlieb«. Ein paar Lebensmittel stehen links und rechts vor der Tür. Bei den eisigen Temperaturen dient die Außenfläche wohl zugleich als Kühlschrank. Die Tanne, die vor dem Haus steht, verleiht dem Foto gleich eine weihnachtliche Note.

Der Blick fällt die Untere Hauptstraße entlang bis zur katholischen Pfarrkirche St. Michael, deren Kirchturm über dem verschneiten Dach des Kaufhauses A. Zimmermann (Untere Hauptstr. 7) emporragt. Begrenzt wird das Foto auf der rechten Seite durch das Gasthaus »Adler«, das angeschnitten ist. Aber das schmiedeeiserne Wirtshausschild ist komplett zu sehen und kommt vor dem weißen Hintergrund schön zur Geltung.

Standort des Fotografen: 47.883800, 8.343713

Oberer Rathausplatz, ca. 1969

Sammlung Familie Waßmer

Der Fotograf steht auf dem oberen Rathausplatz, vis-à-vis vom Rathaus, in dessen Erdgeschoss sich die »Volksbank« befindet. Noch steht die »alte Sonne« (Rathausplatz 9-10), wie am linken Bildrand zu erkennen ist. Sie wird 1973 abgerissen. An ihrer Stelle wird ein Neubau errichtet, in dem auch die »Volksbank« neue moderne Geschäftsräume beziehen wird.

Am rechten Bildrand ist das Lebensmittelgeschäft »Gottlieb« (Rathausplatz 3) zu sehen, über dessen Schaufenster eine gestreifte Markise angebracht ist. Das Geschäft scheint geschlossen, obgleich die Uhr am Rathaus 9.45 Uhr anzeigt. Vermutlich wird das Foto an einem Sonntag aufgenommen.

Der Rathausplatz ist noch nicht gepflastert und er ist auch nicht von der umgebenden Straßenfahrbahn abgesetzt. Der Rathausbrunnen steht mittig auf dem Platz. Nur direkt um sein Becken herum findet sich ein Stück Pflaster. Bäume, die Schatten spenden, sucht man auf diesem Teil des Rathausplatzes vergebens.

Standort des Fotografen: 47.884062, 8.345049

Blick von oben auf den unteren Rathausplatz, ca. 1985

Sammlung Familie Waßmer

Aus ungewöhnlicher Perspektive zeigt sich hier der untere Rathausplatz mit dem Rathaus, dem Haus Straetker (Rathausplatz 6), dem Haus Schmid (Rathausplatz 7) und dem Haus Willmann (Rathausplatz 8). Das Foto wird aus luftiger Höhe aufgenommen.

Drohnen für Hobbyfotografen sind in den 1980er Jahren noch nicht im Einsatz. Für eine Flugzeugaufnahme ist das Bild nicht hoch genug aufgenommen. Einen Hinweis, von wo aus fotografiert wird, bietet der Asphalt auf dem Rathausplatz. Er ist nass. Offenbar ist hier die Feuerwehr in Aktion und hat nicht nur mit Wasser gespritzt, sondern auch ihre Drehleiter ausgefahren. Dazu passt, dass die Schaulustigen unten interessiert nach oben schauen.

1982 bekommt die Freiwillige Feuerwehr Löffingen vom Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald eine Drehleiter zur Verfügung gestellt.

Standort des Fotografen: 47.883841, 8.344017

5 Fotos: Klaus Benitz mit Weinfass, 2008

Sammlung Familie Waßmer

Im gepflasterten Hof der 1824 gegründeten Weinhandlung Joseph Hogg (Alenbergstr. 7/9) demonstriert Klaus Benitz (1938-2015), wie er fachmännisch die Fassreifen vom Holzfass löst und den Fassdeckel öffnet.

Die Weinhandlung gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Denn im Vorjahr hat der Traditionsbetrieb seine Pforten geschlossen. Klaus Benitz und seine Ehefrau Inge geb. Sauter verabschieden sich in ihren Ruhestand. Klaus Benitz kann auf insgesamt 52 Berufsjahre zurückblicken: 52 Jahre im Außendienst und rund 30 Jahre im Familienunternehmen, denn von 1976 bis 2007 führten er und seine Frau die Weinhandlung.

Da kommt schon ein wenig Nostalgie auf, wenn er für den Fotografen nochmal Hand an das Weinfass anlegt.

Standort des Fotografen: 47.885273, 8.344139

Rathaus und Geschäft »Gottlieb«, ca. 1960

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Von der Ecke am Gasthaus »Löwe« wird dieses Foto aufgenommen, der Kastanienbaum, der dort steht, ragt noch ins Bild. Der Blick fällt auf das Rathaus, in dessen Erdgeschoss die Volksbank ihre Räumlichkeiten hat. Auf dem Platz steht der Rathausbrunnen mit der »Schnitterin«. Früher herrschte auf dem Platz reges Markttreiben. Jetzt erinnert nur noch die Brunnenfigur an den bedeutenden Kornmarkt, der Löffingen vor der Jahrhundertwende war. Eine schmucklose Straßenlaterne ragt daneben in die Höhe. Im Hintergrund ist das Lebensmittelgeschäft »Gottlieb« (Rathausplatz 3) zu sehen. 1958 verlegte das Freiburger Einzelhandelsunternehmen seine Filiale vom unteren Rathausplatz an den oberen.

Standort des Fotografen: 47.883863, 8.344891

Angestellte vor dem Geschäft »Gottlieb« am oberen Rathausplatz, ca. 1970

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Tanja Raufer zur Verfügung.

Das Haus Rathausplatz 3 hat eine bewegte Geschichte. Früher war hier einmal der Ökonomiebereich des Fürstenbergischen Amtshauses. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert befand sich hier das Geschäft des Buchbinders Anton Rebholz und das Postamt. Seit 1958 unterhält das Lebensmittelgeschäft »Gottlieb« hier eine Filiale.

In die Fassade im Erdgeschoss ist ein breites Schaufenster hineingebrochen worden, über das ein Flachdach gezogen ist. Vor dem Fenster sowie links und rechts des Eingangs werden frisches Obst und Gemüse dargeboten. Werbetafeln stechen ins Auge: »Landcervelatwurst« gibt es gerade zu einem »Sonderpreis« von 88 Pfennig à 100 Gramm. Vor dem Eingang stehen fünf Angestellte des »Gottlieb«-Marktes, die in weiße Kittel gekleidet sind.

V.l.n.r.: Marktleiter Karl Heiler (1921-2007), Ernst Keller, ???, Gisela Spar (geb. 1941, Dittishausen), Traudel Raufer (Göschweiler)

Einige Jahre später zieht der »Gottlieb«-Markt um und eröffnet eine neue Filiale in dem neu erbauten Haus Demetriusstr. 18.

Standort des Fotografen: 47.884026, 8.344530

Stadtmusik beim Narrenumzug, Fasnacht 1970

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Genoveva Kienast zur Verfügung.

Im Schneegestöber zieht die Stadtmusik über den Rathausplatz. Gerade kommt sie am Lebensmittelgeschäft »Gottlieb« (Rathausplatz 3) vorbei. Es ist Fasnacht und der Narrenumzug bewegt sich durch das Städtchen. Vielleicht spielen die Musiker gleich den Narrenmarsch?

Wer erkennt die Musiker?
1.Reihe: Rolf Bank
2. Reihe, v.l.n.r.: Jutta Adrion verh. Knöpfle, Werner Hepting
3.Reihe: Karlheinz Götz, Jürgen Zepf
4.Reihe: Karl Bank
5.Reihe:
6. Reihe: Lothar Zepf (mit Flügelhorn)

Hinter der Stadtmusik folgen die Laternenbrüder, erkennbar an der Standarte mit der Laterne, die über den Köpfen emporragt.

Standort des Fotografen: 47.884017, 8.344533