Rathaus mit Hakenkreuzfahnen, 10. April 1938

Verlag A. Rebholz / Stadtarchiv

Am 10. April 1938 findet im Deutschen Reich eine Volksabstimmung über die Annexion Österreichs statt. Die Frage auf dem Stimmzettel lautet: »Bist Du mit der am 13. März 1938 vollzogenen Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich einverstanden und stimmst Du für die Liste unseres Führers Adolf Hitler?« Das Wahllokal befindet sich im Rathausgebäude.

Am Wahltag ist die nationalsozialistische Propaganda allgegenwärtig. An der Fassade des Rathauses zum oberen Rathausplatz hin sind fünf Hakenkreuzfahnen aufgehängt. Die Fenster im Erdgeschoss sind mit Propagandaplakaten dekoriert, auf denen Hitler zu sehen und die Parole zu lesen ist: »Ein Volk, ein Reich, ein Führer!« Dieselbe Parole wird auf zwei Bannern unter dem Fenstersims des ersten Obergeschosses wiederholt.

Standort des Fotografen: 47.884043, 8.344942

Pferde vor dem Haus Maier in der Kirchstraße, ca. 1932

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Erich Zepf zur Verfügung.

Schwer stampfen die Hufe auf dem Boden, die Pferde schnauben und schütteln unruhig die Mähnen. Vor dem Haus von Landwirt Karl Maier (Kirchstr. 7) stehen sie eingespannt, bereit zum Weiterziehen – doch für einen Moment wird innegehalten.

Ein Kind sitzt oben im Sattel: der kleine Erich Zepf (1929-2003). Er blickt nicht in die Kamera, sondern hebt den Kopf zu den Frauen, die neugierig aus dem geöffneten Fenster im ersten Stock herunterschauen. Es ist ein Augenblick voller Spannung: das Kind zwischen Stolz und Unsicherheit, die Pferde voller Kraft, die Szene belebt durch das Lachen und Rufen von oben.

Über der Haustür ist die Nummer 29 zu erkennen. Der Pferdebesitzer – vermutlich Franz Zepf – steht daneben, die Zügel fest in der Hand. Mit festem Griff und ruhigem Blick hält er die Tiere still.

Standort des Fotografen: 47.883762, 8.345301

Kühe am Brunnen in der Kirchstraße, 13. September 1936

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Anita Stephani zur Verfügung.

Es ist der 13. September 1936, ein Sonntag. Die Sonne steht warm über der Kirchstraße, und am alten Steinbrunnen sammeln sich die Kühe. Sie senken ihre Köpfe zum Wasser, während ein junger Mann danebensteht und das Treiben beobachtet. Für die Menschen im Städtchen ist das ein alltägliches Bild – und doch lohnt es sich, an diesem Tag den Fotoapparat hervorzuholen.

Der Brunnen dient seit vielen Jahren als Viehtränke. Immer wieder werden die Tiere aus den nahen Ställen hierhergetrieben, um ihren Durst zu stillen. Asphalt gibt es noch keinen, die Straße ist unbefestigt, nur rund um den Brunnen liegt ein Pflaster aus groben Steinen.

Fast alle Familien in der Kirchstraße betreiben eine Landwirtschaft, viele neben ihrem eigentlichen Beruf. Auf dem Foto sind links die Anwesen von Josef Heiler II (Kirchstr. 8), von Schmiedemeister Hermann Brunner (Kirchstr. 6), von Landwirt Theodor Hasenfratz (Kirchstr, 4) und Franz Zepf (Kirchstr. 2) zu erkennen. Rechts bewirtschaften Landwirt Johann Laufer (Kirchstr. 17), Kaufmann Theodor Walz (Kirchstr. 15), Bäckermeister Jakob Zahn (Kirchstr. 13) und Wagnermeister Adolf Schelling (Kirchstr. 11) ihre Landwirtschaft. Vieh, Werkstatt und Laden gehören hier selbstverständlich zusammen.

Standort des Fotografen: 47.883147, 8.344704

Oberer Brunnen in der Kirchstraße, ca. 1938-1945

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rudolf Heiler zur Verfügung.

Links im Bild steht der Landwirt Josef Heiler II (1910-1972) vor seinem Haus. Er hat seine Kühe wie üblich aus dem Stall gelassen, damit sie am oberen Brunnen in der Hafnergasse trinken. Sein Sohn steht sichernd im Vordergrund, damit die Tiere nicht weglaufen. Der Platz rund um den Brunnen, der heutzutage im Stettholz steht, ist gepflastert, aber die Straße und die Hoffläche bestehen aus gestampfter Erde.

Auffallend am Haus Heiler ist das steile hohe Dach mit breitem Dachüberstand. Nebenan sieht man das Haus Schlenker und das Haus Fehrenbach mit Ökonomie und Wohnhaus mit höher aufragendem Dach.

Standort des Fotografen: 47.883177, 8.344727

Umzugwagen vor dem Haus Schelling in der Kirchstraße, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Elisabeth und Franz Isele zu Verfügung.

»»» Trigger-Warnung

Die Pferde schnauben, der Wagen ruckelt durch die Kirchstraße, und hoch oben darauf tobt das wilde Treiben: Männer und Frauen mit bemalten Gesichtern, Federschmuck und Lanzen stellen »Indianer« dar. Ein Marterpfahl ragt in die Höhe, während die Darsteller die Arme in die Luft reißen und das Publikum am Straßenrand anfeuern. »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus« lautet das Fasnachtsmotto des Jahres 1935 – und die Darstellung folgt dem Klischeebild, das in Büchern oder Abenteuerfilmen populär geworden ist.

Die »Fremden« werden dabei exotisiert, ihre Darstellung schwankt zwischen Faszination und Verachtung. Sie erscheinen als wilde, ungezähmte Gestalten, über die man lacht, die man bestaunt, deren Wirklichkeit aber unsichtbar bleibt. So wie hier in Löffingen entstehen an Fasnacht Bilderwelten, die das Eigene stärken, indem sie das Andere zur Karikatur verzerren.

Im Hintergrund ist, fast verdeckt, das Haus von Wagnermeister Adolf Schelling (Kirchstr. 11) zu erkennen. In der linken Hälfte befindet sich der Wohnbereich, in der rechten Gebäudehälfte die Ökonomie.

Vorne am Wagen steht Karl Glunk mit einer weißen Zipfelmütze – vermutlich lenkt er die beiden Pferde, die den Wagen durch die enge Kirchstraße ziehen.

Standort des Fotografen: 47.883662, 8.345073

Familie Kuster am Tisch in der Stube, ca. 1930-1933

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Konrad Kuster zur Verfügung.

Die Stube ist schlicht, aber behaglich: geblümte Tapeten, ein Kruzifix an der Wand, eine elektrische Lampe, deren Stoffschirm tief über dem Tisch hängt. Unter ihr sitzt die Familie Kuster zum gemeinsamen Mahl. Der Tisch ist mit einer schweren Damastdecke gedeckt, Schüsseln mit dampfendem Essen stehen bereit. Die Blicke sind ernst, die Haltung aufrecht – der Fotograf hat einen besonderen Moment eingefangen.

Am oberen Tischende sitzt Adolf Kuster (1874-1946), der Hausherr. Er ist von 1920 bis 1933 Bürgermeister des Baarstädtchens, bis er durch die Nationalsozialisten im Zuge der »Gleichschaltung« abgesetzt wurde. Bis heute trägt das Haus der Familie auf dem Alenberg den Hausnamen »s’Bürgermoasters«. Neben ihm sitzen seine Ehefrau Maria Kuster (geb. Ehrath, 1883-1961), mit der er seit 1906 verheiratet ist, und mehrere Kinder.

V.l.n.r.: 1 Agathe Kuster oder Anna Kuster (abgeschnitten), 2 Franz Kuster (1913-1943), 3 Konrad Kuster (1921-?), 4 Adolf Kuster (1874-1946), 5 Maria Kuster (geb. Ehrath), 6 Anna Kuster (verh. Schelling 1919-2010)

Das Schicksal meint es nicht leicht mit der Familie: Beim Großbrand 1921 war ihr Anwesen auf dem Alenberg zerstört und danach neu erbaut worden. Die Absetzung als Bürgermeister kränkt den tiefgläubigen Katholiken Adolf Kuster bis an sein Lebensende. Und der Tod des Sohnes Franz Kuster als Soldat 1943 wird zum schwersten Schlag. Adolf Kuster stirbt am 23. Juli 1946 im Alter von 71 Jahren, seine Witwe Maria folgt ihm 1961.

Standort des Fotografen: 47.886337, 8.343333

2 Fotos: Fronleichnamsprozession in der Kirchstraße, ca. 1930-1935

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Pia Durst zur Verfügung.

Die beiden Fotos zeigen die Fronleichnamsprozession, die sich durch die Kirchstraße bewegt. Sie entstanden wenige Minuten hintereinander und dokumentieren somit den Verlauf der Prozession. Vorneweg schreitet die Stadtmusik. Dahinter laufen Mädchen in ihren weißen Kommunionkleidern. Dann folgt der Kirchenchor und die Ministranten, die Leuchter und Fahnen tragen. Unmittelbar hinter den Ministranten folgt der Pfarrer mit der Monstranz. Sie wird von einem »Himmel« genannten Stoffbaldachin beschirmt, der von vier Himmelträgern getragen wird. Dahinter reihen sich Honoratioren und die Angehörigen der Pfarrgemeinde an. Die Häuser sind mit Girlanden und Fahnen festlich geschmückt. Blumen schmücken die Prozessionsstrecke.

Deutlich zu erkennen ist, dass die Häuser auf der rechten Seite der damaligen Hafnergasse Neubauten sind. 1929 waren sie abgebrannt und danach neu gebaut worden. Das Haus von Sattler Karl Koch (Kirchstr. 21) hat noch keine Schaufenster im Erdgeschoss. Die linke Gebäudehälfte wird noch als landwirtschaftliche Ökonomie genutzt.

Standort des Fotografen: 47.883098, 8.343835

Uhrmachermeister Maier vor seinem Geschäft, ca. 1930-1935

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Emilie Albrecht zur Verfügung.

In einem weißem Arbeitskittel steht der Optiker und Uhrmachermeister Wilhelm Maier vor seiner Ladentür, über der die Hausnummer 14 prangt. Maier wurde 1889 in Rötenbach geboren und betreibt seit 1919 seinen Laden in der Unteren Hauptstr. 5.

Ein liebevoll gestaltetes Reklameschild zeigt zwei Reisende, die mit einem Koffer zum Bahnhof eilen. Es weist darauf hin, dass das Geschäft neben Uhren und Schmuck auch »Reiseandenken« im Angebot hatte. Die Kunden kommen aber noch aus einem weiteren Grund zu Maiers: Auf dem Emailleschild links vom Eingang ist zu lesen, dass sich in den Geschäftsräumen auch eine »Annahmestelle der Bezirkssparkasse Neustadt/Schw.« befindet. 

Im Nachbarhaus betreibt Friedrich Seilnacht (1901-1987) seine Metzgerei und Wursterei.

Standort des Fotografen: 47.883303, 8.343788

Umzug des BDM vor dem Haus Geiger in der Unteren Hauptstraße, ca. 1935-1940

Privat

Der Bund Deutscher Mädel (BDM) war in der NS-Zeit der weibliche Zweig der Hitlerjugend. Darin organisiert waren Mädchen im Alter von 10 bis 18 Jahren. Ab 1936 war die Mitgliedschaft verpflichtend.

Die Aufnahme zeigt eine BDM-Formation, die in der Unteren Hauptstraße am Haus des Kaufmanns Franz X. Geiger (Untere Hauptstr. 1) vorbeimarschiert, dessen Fensterläden im Erdgeschoss geschlossen sind. Im ersten Stock sind die Fenster mit Tannenreisig geschmückt, das mit kleinen Hakenkreuz-Fähnchen dekoriert ist.

Standort des Fotografen: 47.883536, 8.343800

Familie Johann Fehrenbach, 9. November 1939

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Anni Zumstein zur Verfügung.

Die Angehörigen der Familie Fehrenbach, die in der Demetriusstraße 18 zu Hause sind, lassen sich vor dem benachbarten Garten der Bäckerei Straub fotografieren. Alle tragen schwarze Kleidung und blicken ernst in die Kamera. Der Anlass ist kein fröhlicher, sondern die Beerdigung von Anna Fehrenbach (geb. Schropp), der Ehefrau und zehnfachen Mutter. Geboren 1872 in Löffingen, ist sie am 6. November 1939 im Alter von 67 Jahren verstorben. Drei Tage später wird sie beerdigt. Im Totenbuch der Pfarrgemeinde notiert Stadtpfarrer Robert Winkel, dass sie »sehr fromm und betend« gewesen sei.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Marie Federer (geb. Fehrenbach), 2 Witwer Johann Fehrenbach I, 3 Rosa Schwan (geb. Fehrenbach)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Emma Stricker (geb. Fehrenbach), 2 Ernst Fehrenbach (1902-?), 3 Anna Schropp (geb. Fehrenbach), 4 August Fehrenbach, 5 Johanna Bernauer (geb. Fehrenbach, 1912-?), 6 Josef Fehrenbach (1900-1945), 7 Frieda Müller (geb. Fehrenbach, 1907-?)

Standort des Fotografen: 47.883315, 8.343655

Familie Fehrenbach vor ihrem Haus in der Demetriusstraße, ca. 1936

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Anni Zumstein zur Verfügung.

Vor ihrem Haus in der Demetriusstraße steht die Familie Fehrenbach.

V.l.n.r. Landwirt Johann Fehrenbach I (1871-1943), Johann Fehrenbach (1932-1976), Fuhrmann Josef Fehrenbach (1900-1945), Anna Fehrenbach geb. Schropp (1872-1939), Johanna Fehrenbach (verh. Bernauer), Maria Fehrenbach geb. Spehl (1902-?).

Standort des Fotografen: 47.883247, 8.343523

Schweineschlachten vor dem Haus Fehrenbach in der Demetriusstraße, ca. 1930-1940

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Anni Zumstein zur Verfügung.

Ein Schwein wird geschlachtet. Es liegt über einem großen Zuber. Dampf steigt auf, weil es gerade abgebrüht wurde. Metzger Adam Leitold (1869-1959), der gebürtig aus Riedböhringen stammt, macht sich, assistiert von zwei Frauen, an die Arbeit. Eine Katze sitzt daneben und schaut unberührt zu.

Standort des Fotografen: 47.883346, 8.343464