2 Fotos: Aufführung auf der Fasnachtsbühne vor dem Rathaus, Fasnacht 1935

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Der Stempel »3. März 1935« auf der Vorderseite der beiden Fotos verweist auf das Aufnahmedatum: Es ist ein Sonntag. Auf dem oberen Rathausplatz wird an diesem Tag ein großes Fasnachtsspiel aufgeführt.

Das Motto lautet: »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«. Entsprechend wimmelt es auf der Bühne von »Indianern« und den gängigen Klischees, die sich die Löffinger Narren ausmalen. Sie entspringen der Fantasie – und den populären Romanen von Karl May (1842-1912), dessen fiktive Helden Winnetou und Old Shatterhand das Bild der indigenen Bevölkerung Nordamerikas in Deutschland bis weit ins 20. Jahrhundert hinein prägen. Die Darstellung reproduziert stereotype Bilder von der indigenen Bevölkerung und zeigt nicht die Realität, sondern eine europäische Projektion, die mit den tatsächlichen Lebenswelten und Kulturen kaum etwas zu tun hat.

Im Kreis sitzen einige Männer mit Federschmuck, die eine Friedenspfeife mit Kolumbus oder einem anderen europäischen Eroberer rauchen. Weitere Personen stehen im Halbkreis. Über allem wacht die steinerne »Schnitterin« auf dem Rathausbrunnen, die dem närrischen Treiben zu ihren Füßen zusieht. Im Hintergrund sind das Rathaus und die »alte Sonne« zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.883964, 8.344780

5 Fotos: Narrengruppe auf der Bühne in der Kirchstraße, Fasnacht 1959

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

»»» Trigger-Warnung

Dicht gedrängt stehen sie auf der Fasnachtsbühne in der Kirchstraße: eine laute, ausgelassene Narrenschar mitten im Trubel der Fasnacht. Ein Akkordeon wird gespielt, einer ruft dazwischen, alle reden durcheinander. Kinderwagen, Wäschekörbe, Vogelkäfige, Kittelschürzen und klappernde Milchkannen- ein wilder, bunter Haufen. Die Szenerie ist lebendig, überdreht, komisch – und typisch für die Straßenfasnacht, bei der sich ganze Gruppen gemeinsam beteiligen und ihrer Phantasie freien Lauf lassen.

Doch auf den zweiten Blick ist das Bild nicht so harmlos, wie es scheinen mag. Die Gruppe stellt sogenannte »Zigeuner« dar, also Sinti und Roma. Ihre Kleidung und das Verhalten sind klischeehaft überzogen, betonen ihre Armut und zeigen eine ungezügelte Wildheit. Was als Fasnachtsspaß gemeint ist, ist zugleich diskriminierend. Die Fotoserie zeigt auch, wie tief verwurzelte Vorurteile und rassistische Stereotype über Jahrzehnte hinweg tradiert und durch scheinbar harmlose Volksbräuche im Alltag weitergegeben und verfestigt werden. Mit dem Ende des NS-Regimes endete die Diskriminierung und Verfolgung der Minderheit der Sinti und Roma nicht.

Foto Nr. 1:
Der Polizist in der Bildmitte ist Arno Adrion (1924-1993). V.l.n.r. Gertrud Faller (geb. Schmid), Otto Schweizer, Hedwig Amann (geb. Geisinger), Olga Geisinger (geb. Schmutz, 1919-?, Irma Adrion (geb. Schmid, 1927-2019), Renate Schelb (geb. Adrion)

Zu der Narrengruppe gehören auch: Bärbel Benz, Gretel Jordan (verh. Ganter), Elise Hepting, Anni Jordan (verh. Kaiser), Ernst Krauß (1897-1978), Maria Schweizer, Edmund Laufer, Henriette Laufer, Anna Jordan

Foto Nr. 5:
Bei der Stadtmusik ist Lothar Zepf zu sehen. Daneben stehen Gertrud Geisinger (geb. Limb) und Gretel Jordan.

Standort des Fotografen: 47.883068, 8.344306

»Indianer« auf dem oberen Rathausplatz, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

»»» Trigger-Warnung

Vor dem früheren Gasthaus »Sonne« (Rathausplatz 9-10) sind »Indianer«-Zelte aufgebaut. Es ist Fasnacht und das diesjährige Motto lautet: »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«. Mit dem Motto wird an die breite Rezeption der »Indianer« angeküpft, die seit dem Kaiserreich in Deutschland populär ist. Insbesondere durch die »Winnetou«-Romane von Karl May erfreut(e) sich die Darstellung von »Indianern« größter Beliebtheit. Dabei geht es natürlich nicht um eine Beschäftigung mit realen indigenen Völkern Nordamerikas, sondern um ein Stereotyp, das sowohl verächtlich gemeint, als auch von Faszination und Bewunderung geprägt sein kann.

Auch diese drei Fasnachtsnarren haben sich – durchaus phantasievoll und mit viel Liebe zum Detail – als »Indianer« verkleidet. Sie folgen den Darbietungen auf der Fasnachtsbühne, die auf dem oberen Rathausplatz aufgebaut ist. Zu sehen sind u.a. Otto Schweizer (1906-1992).

Standort des Fotografen: 47.883864, 8.344718

Narrengruppe beim Gasthaus »Löwe«, Fasnacht 1975

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

»»» Trigger-Warnung

»So ebbis verrückt’s«, lautet das Motto der Fasnacht 1975. Diese Narrengruppe scheint sich aber weniger am vorgegebenen Motto zu orientieren, als vielmehr aus aktuellem Anlass ein anderes Thema aufzugreifen: Die Ölkrise von 1973 mit ihrem starken Ölpreisanstieg machte die Abhängigkeit der Industriestaaten von fossilen Treibstoffen und damit von den erdölexportierenden (arabischen) Ländern deutlich. Darum scheint es den Narren zu gehen, die am »Fasnet Mändig« mit ihrem Mercedes Benz durch das Städtchen kreuzen. Statt des KFZ-Kennzeichens ist eine Aufschrift in (pseudo?-)arabischer Sprache angebracht. Vorne auf dem Wagen sitzen Erdölscheichs, wie man sie sich klischeeweise vorstellt.

Die Kritik der Narren richtet sich aber nicht gegen die Förderpaxis der OPEC-Staaten und das »Ölembargo«, mit dem Druck auf westliche Länder ausgeübt wurde, die Israel unterstützten. Statt dessen wird ihre Kritik sexistisch verpackt. An der Seite des Autos ist gut lesbar der Schriftzug angebracht: »Wir haben Haremsdamen und Fabriken, um die westliche Welt zu ficken«. Schon im christlichen Europa des 18. und 19. Jahrhunderts übte die Institution des Harems eine starke Faszination aus. Und insofern ist es kein Zufall, dass hier von der Ölkrise, über das »F*cken« der »westlichen Welt« (also ein »Fertigmachen« und »Besiegen«) ein Bogen hin zu den »Haremsdamen« geschlagen wird, womit sexistische Klischees bedient werden. Ein paar verschleierte Frauen fahren im Auto mit.

Standort des Fotografen: 47.883703, 8.344967

Narrengruppe in der Maienlandstraße, Fasnacht 1975

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

»»» Trigger-Warnung

Es gibt Traditionen, bei denen zu wünschen ist, dass sie gepflegt und weitergegeben werden, und solche, bei denen es besser wäre, wenn mit ihnen bewußt gebrochen würde, damit sie aussterben. Das Beispiel auf diesem Foto zählt zur letzteren Kategorie. Natürlich ist an Fasnacht (fast) alles erlaubt und es geht nicht um »political correctness«. Und doch gibt es eine Grenze, an der etwas aufhört, lustig zu sein, und ins Rassistische kippt.

Diese Narrengruppe verkauft auf ihrem umgebautem Leiterwagen geräucherte Blutwurst. Und weil diese schwarz ist, haben sich die Narren als »Schwarze« kostümiert. Und die »frische« Blutwurst wird mit einem Begriff angepriesen, der auch 1975 bereits problematisch ist, da er das »N-Wort« benutzt. Darüber hinaus wird mit kannibalistischen Assoziationen gespielt. Wir wollen der Gruppe unterstellen, dass sie lustig sein will, auch wenn sie es in diesem Fall nicht ist.

Wir zögern bei solchen Fotos, sie auf unserer Website zu veröffentlichen, da wir die rassistischen Bilder eigentlich nicht weiter reproduzieren wollen. Es würde aber auch ein unvollständiges Bild der Fasnacht zeigen, würde man sie einfach weglassen. Vielmehr scheint es uns wichtig, dass – auch in Löffingen – über Rassismus an Fasnacht reflektiert wird.

Standort des Fotografen: 47.885253, 8.342649

Narrengruppe in der Demetriusstraße, Fasnacht 1925

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

»»» Trigger-Warnung

Die Fasnacht dient traditionell auch dazu, innerhalb der närrischen Tage gegen die herrschende Ordnung zu rebellieren und sich über die Obrigkeit lustig zu machen. Häufig legen sich die Närrinnen und Narren jedoch nicht etwa mit den Mächtigen aus Staat, Gesellschaft und Kirche an, um sie zu karikieren, sondern sie machen sich über Minderheiten und Randgruppen lustig. Teilweise ist die Darstellung der »Anderen« und »Fremden« sogar gehässig.

Hier ist eine Narrengruppe zu sehen, die hinter der Werkstatt des Buchbinders Anton Rebholz in der Demetriusstraße steht. Die Narren sind komplett schwarz gekleidet und geschminkt, einer trägt sogar eine schwarze Perücke auf dem Kopf. Über ihren schwarzen Kostümen tragen sie stilisierte Baströckchen und haben sich Ketten umgehängt. In den Händen halten sie Speere. Einige sind auch mit Messern bewaffnet.

Natürlich sind diese Narren, die sich als unzivilisierte Schwarze präsentieren, »Kinder ihrer Zeit«. Wie sehr die Zeit Mitte der 1920er Jahre noch von kolonialrassistischen Vorstellungen geprägt ist, lässt sich an diesem Gruppenfoto deutlich erkennen.

Standort des Fotografen: 47.884230, 8.344436

3 Fotos: Einmarsch der Fußballer auf dem Sportplatz, Fasnacht 1950

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

»»» Trigger-Warnung

Fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird wieder Fasnacht gefeiert. Das Motto lautet: »Völkertreffen in Löffingen, der Zentrale Europas«. Die Fußballer des FC Löffingen haben sich am »Fasnetsunntig« als Angehörige verschiedener Nationen verkleidet. Zwei Mannschaften sind vom Bahnhof aus in einem Umzug durch das Städtchen zum Sportplatz hochgezogen, um dort gleich ein Fußballspiel auszutragen.

In der Fotoserie ist der Einmarsch der beiden kostümierten Fußballmannschaften zu sehen. Hinter der britischen Flagge (»Union Jack«) marschieren »Schotten«, eindeutig am karierten Schottenrock zu erkennen. Dazu tragen sie ihre Fußballsocken und -schuhe. Angeführt wird die Gruppe von Alfred Egle (1920-2001), der gleich hinter der Fahne läuft. Dahinter folgt eine zweite Fußballmannschaft, die als exotische Wilde kostümiert ist. Dabei offenbart sich der koloniale Blick auf die Völker im »Orient«.

Das Fussballspiel endet wohl 1:1, wobei einer Mannschaft nachgesagt wird, sie habe mit 12 Mann gespielt.

1.Bild
Zu sehen sind u.a. Alfred Egle (1920-2001), Walter Ratzer und Karl Götz (1934-2018)

2. Bild:
Zu sehen sind u.a. Fritz Egle (1929-2017), Albert Kienzler, Werner Schiehle (1929-2009) und Paul Siefert.

3. Bild:
Zu sehen sind u.a. Fritz Egle (1929-2017), Richard Funk (1932-2006), Karl Götz (1934-2018), Karl Keller (1920-2003), Helmut Münzer (1926-2015) und Paul Siefert.

Standort des Fotografen: 47.882743, 8.350698

2 Fotos: Narrengruppe vor dem »Gebertsaal«, Fasnacht 1959

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Christa Egle und Alexandra Scholl zur Verfügung.

»»» Trigger-Warnung

Es ist Fasnacht und wieder einmal haben sich Närrinnen und Narren zu einer Gruppen zusammengetan und als »Zigeuner« verkleidet, wie die Minderheit der Sinti und Roma 1959 noch genannt wird. Es ist ein beliebtes Sujet, das auch in den Jahren zuvor immer wieder an Fasnacht bemüht wurde. Ein gesellschaftliches Bewußtsein, dass dies angesichts der Jahrhundertelangen Diskriminierung und Verfolgung dieser Bevölkerungsgruppe, die in der NS-Zeit sogar in einem Völkermord gipfelte, zumindest unpassend sein könnte, besteht in den 1950er Jahren (noch) nicht.

Das Foto ist eine Rarität – nicht etwa wegen der Narrengruppe und des Sujets, sondern aus einem ganz anderen Grund: »Lichtspiel Theater« lautet der Schriftzug, der über dem Eingang des »Gebertsaals« (Obere Hauptstr. 11) prangt. Es ist das einzige bislang bekannte Foto, auf dem die zeitweilige Nutzung des 1925/26 erbauten Saalbaus als Kino erkennbar ist.

Wer erkennt die Närrinnen und Narren auf dem Foto?

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Renate Adrion (verh. Schelb), 2 Bärbel Benz, 3 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Gretel Jordan (verh. Ganter, Mitte), 3 ???, 4 ???, 5 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Gertrud Schmid (verh. Faller), 5 Elise Hepting, 6 Anni Jordan (verh. Kaiser), 7 Ernst Krauß (1897-1978), 8 Maria Schweizer, 9 Otto Schweizer (mit Schellenbaum, 1906-1992), 10 Olga Geisinger (geb. Schmutz, 1919-?)
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 Henriette Laufer, 2 Irma Adrion, 3 Hedwig Geisinger (verh. Amann), 4 ???, 5 ???, 6 Anna Jordan

Standort des Fotografen: 47.884460, 8.346886

2 Fotos: Fußballer als »Schotten» und »Iraker« in der Bahnhofstraße, Fasnacht 1950

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Pia und Alfongs Durst sowie Christa Egle und Cindy Küßner zur Verfügung.

»»» Trigger-Warnung

Der Zweite Weltkrieg ist seit fünf Jahren zu Ende und auch die Fasnacht findet wieder statt. Am »Fasnet Mändig« (20. Februar 1950) zieht ein außergewöhnlicher Narrenumzug durch die Bahnhofstraße in Richtung Städtchen. Die Fußballer des FC Löffingen haben sich als Angehöriger verschiedener Nationen verkleidet, schließlich lautet des Fasnachtsmotto in diesem Jahr: »Völkertreffen in Löffingen, der Zentrale Europas«.

Die eine Mannschaft war in Seppenhofen in der Zug gestiegen, die andere in Rötenbach. Vom Bahnhof Löffingen marschiert man gemeinsam zum Sportplatz, wo man gleich ein Fußballspiel austragen wird.

Hinter der britischen Flagge (»Union Jack«) marschiert eine Mannschaft, die als Schotten kostümiert ist, eindeutig am karierten Schottenrock zu erkennen. Dazu tragen sie ihre Fußballsocken und -schuhe. Angeführt wird die Gruppe von Alfred Egle (1920-2001), der gleich hinter der Fahne läuft. Außerdem sind zu sehen u.a.: Paul Bader.

Hinter den »Schotten« ist die Fahne des Königreichs Irak zu erkennen, bei der allerdings oben und unten vertauscht ist. Sie zeigt drei Streifen und ein Trapez, in dem sich zwei weiße, siebenzackige Sterne als Symbol der Araber und der Kurden befinden. Doch um diese Feinheiten geht es den Fußballern ohnehin nicht. Die kostümierte Fußballmannschaft, die der Fahne folgt, offenbart den kolonialen Blick auf die Völker im »Orient«. Die Iraker werden als exotische Wilde dargestellt. Zu erkennen sind u.a. Karl Keller (1920-2003), Fritz Egle (1929-2017) und Werner Schiehle (1929-2009).

Kinder laufen neben den beiden Fußballmannschaften her, darunter Gerda Stöhr und Helga Stöhr. Im Hintergrund sind der »neue Benzbau« (Ringstr. 8) und das Haus Rappenegger (Ringstr. 6) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.883517, 8.342424

Narrengruppe »Zigeunerprimas« auf dem Rathausplatz, Fasnacht 1937

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Carola Hannes zur Verfügung.

So sieht das Klischee von »Zigeunern« und »Zigeunerinnen« aus, wie man es sich in Löffingen vorstellt. Es ist Fasnacht, wir schreiben das Jahr 1937. Diese Narrengruppe, die auf der Fasnachtsbühne posiert, nennt sich selbst »Zigeunerprimas«, was eigentlich den ersten Geiger und Solisten einer »Zigeunerkapelle« meint. Inspiriert wurden die Narren vielleicht von der gleichnamigen Operette, die 1912 uraufgeführt worden war.  Mit den real lebenden Sinti und Roma und ihrer Situation im nationalsozialistischen Deutschland hat dieses Klischee freilich wenig zu tun.

1938 ist das Jahr, in dem der Reichsführer-SS Heinrich Himmler am 8. Dezember eine »Regelung der Zigeunerfrage aus dem Wesen dieser Rasse« ankündigt. Vier Jahre später erlässt Himmler dann am 16. Dezember 1942 den so genannten »Auschwitz-Erlaß«: Die Angehörigen der seit Jahrhunderten in Deutschland lebenden Minderheit der Sinti und Roma werden nach Auschwitz deportiert. Die meisten von ihnen werden ermordet. Was auf dem Löffinger Rathausplatz so harmlos wirkt, endet vier Jahre später im Völkermord.

1.Reihe, v.l.n.r.: Franz Bader (1901-1986), Erna Bader geb. Mutterer (1908-1969), ???, Cäcilie (Lina) Rosenstiel geb. Winterhalder (1901-?), Rosa Adrion, Anna Studer (1897-1978), ???, ???, ???, ???, Fritz Adrion

2.Reihe, v.l.n.r.: Karoline Auer geb. Greuter, ???, ??? Neuberger, ??? Mündle, Albert Henzler, Rosa Henzler geb. Winterhalder, Eugen Hepting

Standort des Fotografen: 47.883911, 8.344723

Narrengruppe »Zigeunerinnen« beim Narrenumzug, Fasnacht 1959

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Heike Soldan-Bölle zur Verfügung.

In den Narrenumzug haben sich Anna Jordan (1907-?) und Gertrud Schmid (1925-2005) eingereiht. Die beiden aktiven Fasnachtsnärrinnen, die sich häufig mit viel Witz und in phantasievollen Kostümen an der Straßenfasnacht beteiligen, sind in diesem Jahr als »Zigeunerinnen« kostümiert.

Seit jeher sind Kostüme, die vermeintlich fremde »Völker« wie z.B. »Indianer« und »Eskimos« darstellen, beliebt. Dieses Foto ist auch deshalb ein besonderes Zeitzeugnis, weil es beispielhaft zeigt, dass in der deutschen Nachkriegsgesellschaft kein Bewußtsein für den rund zehn Jahre zuvor verübten Völkermord an den Sinti und Roma vorhanden war. Stereotype Vorstellungen und auch Vorurteile gegenüber der Minderheit der »Zigeuner« existierten fort.

Standort des Fotografen: 47.883723, 8.343953

Narrengruppe zur »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Heike Soldan-Bölle zur Verfügung.

»Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«, lautet das Fasnachtsmotto 1935. Auf dem oberen Rathausplatz ist eine Menschenmenge vor dem früheren Gasthaus »Sonne« versammelt. Im Vordergrund stehen drei kostümierte Närrinnen erhöht auf einer Bühne. Sie gehören der Damenriege des Turnerbunds an. Entsprechend des Mottos haben sie sich als »Indianer« verkleidet. Freilich geht es ihnen nicht um eine Beschäftigung mit realen indigenen Völkern Nordamerikas, sondern um ein Stereotyp.

Bereits im Kaiserreich hatte sich in Deutschland eine breite Rezeption der »Indianer« entwickelt. Sie fand ihren Ausdruck in der Literatur, vor allem in den »Winnetou«-Romanen von Karl May, in Völker- und Wild-West-Schauen, aber auch in den ersten Western-Filmen, die im Kino liefen. Indianer- und Cowboyspiele erfreuten sich seitdem größter Beliebtheit und die Darstellung von »Indianern« gehört bis heute zum festen Repertoire von Fasnachtskostümen. Charakteristisch für das »Indianerbild« ist, dass es zwischen Verehrung und Verächtlichmachung schwankt.

Standort des Fotografen: 47.883821, 8.344842