2 Fotos: Närrin in unterschiedlichen Kostümen, Fasnacht 1925

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

In der »Hintergasse« posiert eine Frau vor der Kamera – einmal im aufwendigeren Kostüm mit Samtweste, Knopfschmuck und gemustertem Hüfttuch, ein anderes Mal mit einfachem Kleid und großem Fransenschal. Die beiden Aufnahmen zeigen, dass sie sich für die Fasnacht gleich mehrfach verkleidet oder ihren Auftritt variiert. Der Schnee am Boden lässt erahnen, wie kalt es beim Fotografieren ist – lächelnd hält sie trotzdem still.

Das Fenster hinter ihr gehört zur Werkstatt der Buchbinderei und Buchdruckerei von Anton Rebholz (Rathausplatz 3). Vermutlich drückt er selbst auf den Auslöser: Als leidenschaftlicher Fotograf hält er das Löffinger Fasnachtstreiben auf Glasplatten- und Papierabzügen fest.

Wer weiß, wer die Frau ist?

Standort des Fotografen: 47.884200, 8.344369

Narrengruppe in der Demetriusstraße, Fasnacht 1925

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Zwei Frauen und ein Mann posieren zusammen für ein Gruppenfoto – die Gesichter ernst, als würden sie gleich für ein Familienporträt abgelichtet. Doch die Kleidung verrät das Gegenteil: reich verzierte Kostüme, große schwarze Hüte, Quasten und Bommeln, dazu ein angeklebter Schnurrbart, der den Mann verschmitzt wirken lässt. Die schweren Stoffe, die kunstvollen Stickereien, die Schärpen und Schleifen erinnern an ein spanisches oder südländisches Kostüm, wie man es aus Modezeitschriften oder Postkarten kennt. Es sind Verkleidungen, die den Alltag weit hinter sich lassen: statt Arbeitskittel und Schürze plötzlich Seide, Samt und Phantasie. Für einen Moment verwandeln sich die drei in stolze Tänzerinnen und Toreros.

1925 liegt der Erste Weltkrieg gerade einmal sieben Jahre zurück. Die Menschen haben schwere Zeiten erlebt, viele Familien trauern noch um Gefallene. Inflation und politische Krisen erschüttern die junge Weimarer Republik. Auch der Großbrand 1921, der das halbe Städtchen in Schutt und Asche legte, und der Wiederaufbau liegen erst kurze Zeit zurück. Doch gerade in solchen Jahren bedeutet die Fasnacht mehr als nur ein paar Tage Spaß.

Das Fenster hinter der Narrengruppe gehört zur Werkstatt der Buchbinderei und Buchdruckerei von Anton Rebholz (Rathausplatz 3).

Standort des Fotografen: 47.884200, 8.344369

Narrengruppe in der Demetriusstraße, Fasnacht 1925

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Drei junge Närrinnen haben sich in der »Hintergasse« für ein Foto aufgestellt. Links trägt ein Mädchen ein auffälliges Narrenkostüm mit breiten, geometrisch verzierten Stoffbahnen und einer hohen Kopfbedeckung mit Bommel. In der Mitte posiert ein als Junge verkleidetes Mädchen in kurzer Lederhose, weißem Hemd, Hosenträgern und Hut – fast schon in Tracht. Rechts steht ein Mädchen mit offenen Haaren, Weste und Rock, geschmückt mit Gürtel und Kette.

V.l.n.r.: 1 Agathe Beha (verh. Geisinger, 1906-1972), 2 Marie oder Emilie Beha, 3 Lina Beha

Das Fenster hinter ihnen gehört zur Werkstatt der Buchbinderei und Buchdruckerei von Anton Rebholz (Rathausplatz 3).

Standort des Fotografen: 47.884200, 8.344369

Ansichtskarte von der Kirche Witterschneekreuz, 1925

Kunstanstalt Franz Schemm, Nürnberg | Sammlung Familie Waßmer

Am 14. September feiert die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz ihr Patrozinium (Kreuzerhöhung). Traditionell findet an diesem Tag eine Wallfahrt statt. So auch 1925.

Am 14. September 1925 versendet ein junger Mann namens Albert diese Ansichtskarte an ein Fräulein Hilda, das in Schlatt (bei Bad Krozingen) wohnt. Mit einigen orthografischen Fehlern schreibt er: »Von hier aus herzliche Grüße. Ist auch mal schön bei einer Walfahrt [!].« Und weiter: »Sind jetzt am Fesbern [!], hab nähmlich [!] Hunger.« Ob er zu seiner Vesperpause in das Gasthaus »Engel«, »Witterschnee« oder »Pilgerhof« oder ob er doch in ein anderes Gasthaus im Städtchen eingekehrt ist, schreibt er leider nicht.

Die farbige Ansichtskarte zeigt zwei Mädchen, die knien und beten. Ihr Gebet zur Muttergottes Maria ist darunter im Wortlaut zu lesen. Das Altarbild, vor dem sie knien, ist eine schwarz-weiß Ansicht der Wallfahrtskirche, die von Blumen eingerahmt ist. Ein Engel schwebt über ihnen. »Gruß aus Löffingen« ist daneben zu lesen.

Standort des Fotografen: 47.892999, 8.336784

Narrengruppe in der Demetriusstraße, Fasnacht 1925

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

»»» Trigger-Warnung

Die Fasnacht dient traditionell auch dazu, innerhalb der närrischen Tage gegen die herrschende Ordnung zu rebellieren und sich über die Obrigkeit lustig zu machen. Häufig legen sich die Närrinnen und Narren jedoch nicht etwa mit den Mächtigen aus Staat, Gesellschaft und Kirche an, um sie zu karikieren, sondern sie machen sich über Minderheiten und Randgruppen lustig. Teilweise ist die Darstellung der »Anderen« und »Fremden« sogar gehässig.

Hier ist eine Narrengruppe zu sehen, die hinter der Werkstatt des Buchbinders Anton Rebholz in der Demetriusstraße steht. Die Narren sind komplett schwarz gekleidet und geschminkt, einer trägt sogar eine schwarze Perücke auf dem Kopf. Über ihren schwarzen Kostümen tragen sie stilisierte Baströckchen und haben sich Ketten umgehängt. In den Händen halten sie Speere. Einige sind auch mit Messern bewaffnet.

Natürlich sind diese Narren, die sich als unzivilisierte Schwarze präsentieren, »Kinder ihrer Zeit«. Wie sehr die Zeit Mitte der 1920er Jahre noch von kolonialrassistischen Vorstellungen geprägt ist, lässt sich an diesem Gruppenfoto deutlich erkennen.

Standort des Fotografen: 47.884230, 8.344436

Narrengruppe vor einer Hauswand, Fasnacht 1925

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Laut der Chronik der »Laternenbrüder« findet 1925 gar keine Fasnacht statt, weil die Fasnacht im Vorjahr sehr aufwändig gefeiert worden war. Aber ein bisschen Fasnacht geht immer, scheinen sich diese Närrinnen gesagt zu haben. Nur wenige von ihnen sind kostümiert. Aber das hält sie nicht davon ab, sich bei der Straßenfasnacht unter der närrische Volk zu mischen. Untergehakt posieren sie für ein Gruppenfoto.

V.l.n.r.: ???, ???, ??? vermutlich Karolina Fehrenbach (verh. Vogelbacher 1906-1993), ???, ???, ???

Vermutlich wird das Foto vor dem Gasthaus »Adler« (Untere Hauptstr. 2) aufgenommen.

Standort des Fotografen: 47.883591, 8.343763

Hermann Ganter mit seiner Tochter Else, 1925

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Mit »September 1925« ist dieses Foto datiert. Das zweijährige Mädchen, das mit einem weißen Hemdchen bekleidet ist, ist Else Ganter (verh. Egle, 1923-2011). Sie sitzt auf der Fensterbank ihres Elternhauses neben ihrem Vater, dem Schneidermeister Hermann Ganter (1895-1957).

Das Fenster geht in Richtung Städtchen, zum Nachbargrundstück hinüber, das noch unbebaut ist und auf dem erst Mitte der 1930er Jahre von dem Arzt Dr. Gugelberger eine Villa erbaut wird.

Standort des Fotografen: 47.885127, 8.342709

Kommunionkinder des Jahrgangs 1914/15 bei der Kirche, 1925

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christa Egle und Gerda Isele zur Verfügung.

Nur gut, dass dieses Foto mit Kommunionkindern in mindestens zwei Familien über Generationen hinweg aufbewahrt wurde. Denn das eine Exemplar ist stark verschmutzt, stockfleckig und so verblichen, dass kaum Details mehr zu erkennen sind, während das andere Exemplar sehr gut erhalten ist.

Es ist eine der ältesten Gruppenfotos, die Kommunionkinder am »Weißen Sonntag« zeigen. Zusammen mit dem Pfarrer haben sich die Jungen und Mädchen neben der katholischen Pfarrkirche St. Michael aufgestellt. 29 Mädchen und nur 19 Jungen sind darauf zu sehen. Sie gehören vermutlich dem Jahrgang 1914/15 an. Der Pfarrer müsste Josef Schlitter (1877-1942) sein, der von 1923 bis 1927 in der Pfarrgemeinde Löffingen wirkte.

Wer erkennt die Erstkommunionkant*innen?
1.Reihe, v.l.n.r.:
2.Reihe, v.l.n.r.:
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???, 11 Erwin Egle, 12 ???, 13 Conrad Bader
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Hermann Schelling (1914-1998)

Zu dem Jahrgang gehören auch u.a. Josef Honold (1915-1967) und Willi Schmutz (1915-1992), der später Priester wird.

Besonders interessant ist der Hintergrund, der zwischen den hohen Bäumen durchschimmert. Das Gebäude links, von dem nur das Scheunentor zu erkennen ist, steht in der Bittengasse: Es ist das Haus von Landwirt Otto Benz und wird beim Brand in der Hafnergasse (Kirchstraße) 1929 zerstört. Hinter den Jungen in der letzten Reihe ragt das Dach des kleinen Schlachthauses (Bei der Kirche 3) hoch. Nur wenige Jahre später wird sich auch das »Hasle«-Wäldchen insofern verändern, als dass ein Teil der Bäume gefällt wird, um Platz für den Neubau der Festhalle und der Volksschule zu schaffen.

Standort des Fotografen: 47.882745, 8.344502

Narrengruppe »Schlempentaler Revolutionsmusik«, Fasnacht 1925

Verlag A. Rebholz, Löffingen | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Heike Soldan-Bölle und Werner Lubrich zur Verfügung.

In der »Hintergasse«, der heutigen Demetriusstraße, haben sich diese sieben Fasnachtsnarren aufgestellt. Sie stehen vor dem Werkstattfenster der Buchbinderei und Buchdruckerei von Anton Rebholz (Rathausplatz 2). Er ist es denn auch, der dieses Bild fotografiert. Am rechten Rand ist das kleine Tor im Haus von Metzgermeister Johann Riegger (Rathausplatz 3) zu sehen, das zum Rathausplatz führt.

Wer diese geschminkten und kostümierten Gesellen sind, ist unbekannt. Unklar ist auch, warum sie sich selbst als »Schlempentaler Revolutionsmusik« bezeichnen. Wohnen die meisten von ihnen im »Schlempental«? Warum und inwiefern beziehen sie sich auf die Revolution? Denkbar ist, dass diese Gruppe protestiert. Denn eigentlich findet 1925 keine Fasnacht statt.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Robert Rosenstiel (1900-?), 4 Edmund Jordan (»Bartli«, 1907-1970), 5 ???, 6 ???, 7 ???

Standort des Fotografen: 47.884197, 8.344402

Motorisierte Narrengruppe auf dem Rathausplatz, Fasnacht 1925

Verlag A. Rebholz, Löffingen | Stadtarchiv | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Hermann Egle sowie Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Mitte der 1920er Jahre hat es Seltenheitswert, wenn an Fasnacht eine Narrengruppe motorisiert unterwegs ist. Hier fahren gerade sechs kostümierte Narren auf einem Kraftfahrzeug am früheren Gasthaus »Sonne« (Rathausplatz 9-10) vorbei. Drei von ihnen musizieren auf Musikinstrumenten. Im Hintergrund ist das Rathaus mit seinem hölzernen Eingangsportal zu erkennen. Offiziell findet 1925 gar keine Fasnacht statt, aber diese Vollblut-Narren lassen es sich offensichtlich trotzdem nicht nehmen, sich ins »Häs« zu werfen. Es erklärt aber, warum die Passanten nicht verkleidet sind. Das Foto findet als Ansichtskarte Verbreitung. Der Titel lautet: »Schmutzige Dunnstig z’Löffingen«.

V.l.n.r.: 1 Hermann Berger (?-?), 2 Schlossermeister Leopold Berger (1878-1952), 3 Friseurmeister Julius Limb (1883-1968), 4 Schmiedemeister Otto Fürst, 5 Steinmetzmeister Karl Häusle (1878-1956), 6 Schneidermeister Hermann Ganter (1895-1957)

Der Junge, der vorne auf der Kühlerhaube sitzt, ist Karl Berger.

Standort des Fotografen: 47.883805, 8.344747