Sterbebildchen für Kriegsgefallenen Eugen Biedermann, 1943

Verlag Spannagel & Todt, Villingen
Diese Fotos stellte dankenswerterweise Michael Guth zur Verfügung.

Nur 21 Jahre alt wurde Eugen Biedermann (1921-1943). Geboren wurde er am 1. Dezember 1921 in Bonndorf. Seine Eltern waren der Zimmermann Gotthard Biedermann (1876-1945), der aus Wellendingen stammte, und dessen Ehefrau Rosa Biedermann (geb. Schilling, 1881-1969). Als er ein Jahr alt war, zog die Familie nach Löffingen, dem Geburtsort seiner Mutter. Die Familie wohnte in der Kirchstraße. Eugen Biedermann besuchte bis 1936 die Volksschule. Er stammte aus einer katholischen Familie, die auch in der NS-Zeit an ihrem Glauben festhielt. Eugen Biedermann gehörte bis zu der erzwungenen Auflösung der katholischen Jugendorganisation Deutsche Jugendkraft (DJK) an. Sein Vater protestierte gegen die Vertreibung des Stadtpfarrers Guido Andris am 23. Juni 1934 und wurde deshalb verhaftet. Eugen Biedermann wollte Dekorationsmaler werden und absolvierte nach seiner Schulzeit eine Lehre bei dem Kunstmaler Danegger in Engen.

Dann musste er zum Arbeitsdienst und kam nach Straßburg. Im Sommer 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und kam im Zuge des Überfalls auf die Sowjetunion an die Ostfront. Im August 1942 war er zum letzten Mal auf Heimaturlaub. Am 18. August 1943 fiel er »bei den schweren Kämpfen« in Krasny. Am 2. September 1943 traf die Todesmitteilung bei seinen Eltern in Löffingen ein. Zu den Trauernden zählen, wie auf dem Sterbebildchen geschrieben steht, seine Eltern, Schwester und Schwager sowie seine Verlobte.

Totenaltar in einem Sterbezimmer, ca. 1910-1920

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Mitten in einem Wohnraum steht ein Altar. Die gemusterte Tapete, die Zimmertür links und das Möbelstück rechts – vermutlich ein Bett oder Sofa – weisen auf ein Schlafzimmer hin. Der Altar selbst ist reich geschmückt: Er besteht aus einer Kommode, die mit einer kunstvoll bestickten Spitzendecke bedeckt ist. Das Herzstück bildet ein großes Kruzifix, umgeben von Heiligenfiguren. Darüber thront ein dekorativer Bogen mit dem Bibelvers »Juble Sion siehe Dein Retter ist nahe«, der offenbar Trost zusprechen soll. Zahlreiche Kerzen, Tannenzweige und schwarz-weiße Fähnchen rahmen das Ganze ein: Schwarz als Farbe der Trauer, Weiß als Zeichen der Hoffnung und Auferstehung.

Es handelt sich um einen Totenaltar, wie er in katholischen Haushalten bei einem Todesfall errichtet wird. Menschen sterben meist zu Hause (und nur selten im Krankenhaus) im Kreis der Familie. Es wird versucht, noch rechtzeitig einen Priester herbeizuholen, um den Sterbenden mit den Heiligen Sakramenten (Beichte, Kommunion, Krankensalbung) zu versehen. Der Priester notiert dann später im Sterbebuch der Pfarrgemeinde, ob der Verstorbene »versehen« oder »unversehen« gestorben ist. Nach dem Tod wird der Verstorbene auf dem Sterbebett aufgebahrt. Die »Liechtladeri« geht von Tür zu Tür und informiert die Nachbar*innen über den Todesfall, damit sie Abschied nehmen können. Im Sterbezimmer ist ein Altar aufgebaut, zum Gebet und zur stillen Andacht. Das Foto dokumentiert damit ein stilles Zeugnis der Trauerkultur.

Standort des Fotografen: ???