Paula Schweizer mit Tochter vor dem Haus Diesberger, 1943

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Paula Veith zur Verfügung.

Vor dem Haus Diesberger (Maienlandstr. 12) steht eine Frau mit ihrer kleinen Tochter auf dem Arm. Das Haus gehört seit 1941 dem Küfermeister Hermann Diesberger (1909-1945), der aus Reiselfingen stammt, und dessen Ehefrau Mathilde (geb. Vogt, 1911-?). Zu sehen sind die Stalltür und Haustür, die von geschnitzen Holzelementen im Jugendstil eingerahmt sind – und der holzverschindelte erste Stock. Hermann Diesberger ist zu diesem Zeitpunkt Obergefreiter in der Wehrmacht. Er fällt am 24. Januar 1945 in der Nähe des elsässischen Wittelsheim und hinterlässt seine Frau und die beiden Kinder Herbert (geb. 1940) und Sigrid (geb. 1945).

Die Frau und das Kind auf dem Foto gehören indes nicht zur Familie Diesberger, sondern wohnen vis-à-vis: Es ist die Nachbarin Paula Schweizer (geb. Jordan, 1904-1980) mit ihrer Tochter Brigitte Schweizer (verh. Sahr, geb. 1941).

Standort des Fotografen: 47.885502, 8.342464

2 Fotos: Hochzeitszug Eggert / Klaus beim Rathaus, 31. Mai 1943

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Klaus Eggert zur Verfügung.

Ein Hochzeitszug zieht Mitten durch das Städtchen. Braut und Bräutigam kommen mit ihrer Hochzeitsgesellschaft von der katholischen Pfarrkirche her, wo das Paar getraut wurde, und gehen in Richtung Gasthaus »Linde«, wo die Hochzeitsfeier stattfinden wird. Der Bräutigam ist Willi Eggert (1912-?), der Sohn des verstorbenen Schrankenwärters Konrad Eggert (1870-1942) und dessen Ehefrau Theodora (geb. Frei, 1877-1964). Die Braut ist Emma Eggert (geb. Klaus, 1918-1950), die gebürtig aus Engen stammt und als Kontoristin in der Weinhandlung Hogg / Benitz arbeitet.

Die Fotos werden aus dem Haus Rebholz am oberen Rathausplatz aus aufgenommen. An der Fassade des Rathauses, an der die Hochzeitsgesellschaft soeben vorüber zieht, ist das Schwarze Brett der NSDAP-Ortsgruppe angebracht. Ein »Aufruf« und ein NS-Propagandaplakat sind angeschlagen. Es ist schon dreieinhalb Jahre Krieg. Die Zeit der »Blitzkriege« und »Blitzsiege« ist vorbei. Die Schlacht von Stalingrad ist verloren und die deutsche 6. Armee vernichtet. Die Stimmung in großen Teilen der Bevökerung verschlechtert sich, Zweifel am »Endsieg« breiten sich aus.

Aber heute geht es nicht um Politik, sondern um das private Glück zweier Menschen, die sich geloben, füreinander da zu sein, »in guten und in schlechten Zeiten«.

Standort des Fotografen: 47.884075, 8.344566

Brautpaar Willi Eggert und Emma Klaus in der Festhallenstraße, 31. Mai 1943

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Klaus Eggert zur Verfügung.

Der Elektroingenieur Friedrich Wilhelm (»Willi«) Eggert (1912-?) und Emma Klaus (1918-1950) heiraten am 31. Mai 1943. Sie stehen neben dem Haus Selb (Obere Hauptstr. 12), an der Einmündung der Festhallenstraße in die Obere Hauptstraße. Vermutlich findet die Hochzeitsfeier im Gasthaus »Linde« statt. Zwei Kinder stehen schräg hinter dem frischvermählten Ehepaar und halten stolz die Schleppe der Braut.

Willi Eggert (1912-?) ist der Sohn des verstorbenen Schrankenwärters Konrad Eggert (1870-1942) und dessen Ehefrau Theodora geb. Frei (1877-1964). Er ist später Direktor des Fürstlich Fürstenbergischen Elektrizitätswerkes in Donaueschingen.

Emma Eggert geb. Klaus (1918-1950), die gebürtig aus Engen stammt, ist die neun Jahre jüngere Schwester von Josefine Benitz geb. Klaus. Sie arbeitet als Kontoristin in der Weinhandlung Hogg / Benitz. Im Alter von nur 32 Jahren stirbt sie am 15. März 1950 im Diakonissen-Krankenhaus in Freiburg. Vier Tage später wird sie auf dem Friedhof in Löffingen beerdigt.

Standort des Fotografen: 47.884310, 8.347093

NSV-Kindergarten in der Bahnhofstraße, 1943

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Helga Horn zur Verfügung.

Vor dem Eingang zum Kindergarten hat sich eine Schar Kinder zu einem Gruppenfoto mit ihrer »Tante« aufgestellt. »NSV-Kindergarten« steht in großen Buchstaben an der Fassade der 1908 eröffneten Kinderschule. Ursprünglich wurde sie von Ordensschwestern vom heiligen Vincenz von Paul geführt. In der NS-Zeit, als der Kindergarten der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt unterstand, leiteten ihn junge Frauen, die der Partei angehörten.

Wer weiß, wer die Kinder sind?

1.Reihe, v.l.n.r.: ???, ???, ???, Eugen Fehrenbach, Berthold Fehrenbach
2.Reihe, v.l.n.r.: ???, ???, Inge Sauter (verh. Benitz), ???, ???, Margret Beha (verh. Marx), Irmgard Guth (verh. Zepf), Irma Zepf (verh. Hasenfratz).

Standort des Fotografen: 47.885509, 8.340839

Familie Münzer in ihrer Stube, 1943

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Gerald Münzer zur Verfügung.

Am Esstisch in der Stube sitzt das Ehepaar Münzer. Der Schreinermeister Leo Münzer (1871-1952) ist seit 1897 mit Maria Zirlewagen (1868-1944) verheiratet, die aus Bräunlingen stammt. 12 Kinder hat das Paar bekommen, die längst alle erwachsen sind. Hinter dem Ehepaar steht auf dem Fensterbrett ein Volksempfänger. Der Radioapparat wird im Volksmund auch »Goebbelsschnauze« genannt, aufgrund der NS-Propaganda, die darüber verbreitet wird. 

Mit auf dem Bild ist Hermine Bauer (1911-?). Da Maria Münzer seit vielen Jahren krank und zunehmend dement ist, führt Hermine Bauer den Haushalt und übernimmt die Pflege. Maria Münzer stirbt 1944 im Alter von 75 Jahren. Nach ihrem Tod heiraten Leo Münzer und Hermine Bauer.

Standort des Fotografen: 47.885974, 8.343294

Frauenlöschgruppe, 1943

Sammlung Familie Waßmer

Als im Zweiten Weltkrieg die wehrfähigen Männer der Freiwilligen Feuerwehr eingezogen waren und die Wehr kaum mehr einsatzfähig war, rief Feuerwehrkommandant Wilhelm Maier 1942 eine Frauenlöschgruppe ins Leben. 25 junge Frauen stellten sich in den Dienst der Feuerwehr. Ihre Ausbildung und Leitung übernahm Brandmeister Karl Glunk. Im darauffolgenden Jahr nahm Franziska Fritsche an einem Lehrgang der Feuerwehrschule in Schwetzingen teil und wurde dann Gruppenführerin.

Auf dem Bild haben sich die Frauen zu einem Gruppenfoto vor dem Feuerwehrhaus versammelt. Sie tragen sehr weite Luftschutzanzüge als Uniform. Damit sie nicht wie Ballons aufgebläht sind, haben sie sich Feuerwehrgurte umgebunden. Drei Männer sind mit auf dem Foto: Karl Götz, Ernst Krauß und Julius Zepf.

V.l.: Käthe Beha (verh. van den Heuvel), Johanna Egle (Theiler), Gertrud Brugger (Heitzmann), Elise Bader (Walter), Theresia Fehrenbach (Mayer), Ursula Selb (Geisinger), Mathilde Geisinger (Schmid), Maria Häusle (Kuster), Liesel Brunner (Wagner), Josepha Kopp (Kasprowicz), Irma Egle (Steiger), Maria Egle (Geisinger), Rosel Hasenfratz (Schopferer), Hildegart Heizmann (Pfeifer) und Franziska Fritsche (Heiler).

Standort des Fotografen: 47.884820, 8.348108

2 Fotos: Prozession der Kommunionkinder in der Seppenhofer Straße, 1943

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Lydia Zepf zur Verfügung.

Die Prozession der Kommunionkinder zieht durch die Seppenhofer Straße in Richtung Kaplanei. Vorneweg schreiten Ministranten mit Fahnen. Es folgen die Jungs in schwarzen Anzügen. Neben ihnen geht mit gefalteten Hände Vikar Gerhard Schnetz. Dann folgen die Mädchen in weißen Kleidern und eine Schar Ministranten. Ganz am Ende des Zuges geht Pfarrer Robert Winkel (1897-1972). Er wirkt von 1935 bis 1945 in der katholischen Pfarrei.

Im Hintergrund ist das Haus Zepf (Untere Hauptstr. 9) zu sehen, das bei einem Fliegerangriff im Frühjahr 1945 komplett zerstört wird.

Bei den Kommunionkindern ist Albin Zepf (1934-2009) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.882499, 8.343843

Bahnschlitten in der Unteren Hauptstraße, 1943

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Carola Hannes zur Verfügung.

Vier Pferde ziehen den Bahnschlitten durch die winterliche Untere Hauptstraße. Durch seine Dreiecksform drückt der Schlitten den Schnee auf beiden Seiten weg. Lag der Schnee noch höher, spannte man weitere Pferde vor. Sie müssen Schwerstarbeit leisten. Ihre Rücken sind mit Planen abgedeckt. Außer dem Fuhrmann begleiten weitere Männer mit Schaufeln das Gespann. Auf dem Bahnschlitten sind beiderseits Sitze montiert. Wenn der hölzerne Schlitten nicht tief genug im Schnee schürft, setzen sich die Männer darauf und beschweren mit ihrem Gewicht den Schneepflug.

Im Hintergrund sind v.l.n.r. folgende Häuser zu sehen: Das Warenhaus »zum Kasten« (Untere Hauptstr. 7), das von dem Kaufmann Alfred Zimmermann und seiner Ehefrau Ottilie geb. Stein betrieben wird; das Kaufhaus Scheuregger (Kirchstr. 25); das Brunnenhaus oder Wasserpumpwerk, das der Stadtgemeinde gehört; und das Gasthaus »Sonne« (Kirchstr. 29) im Besitz von Gastwirt Wilhelm Faller jr.

Standort des Fotografen: 47.883184, 8.343646