Trauerfeier in der Pfarrkirche, 1942

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

In der katholischen Pfarrkirche St. Michael ist der Altarraum in ein dichtes Blumenmeer verwandelt. Zahlreiche Gestecke umgeben eine erhöhte Mitte, aus der Kerzen und ein Kruzifix aufragen. Zwischen den Blumen ist das Porträt eines jungen Mannes aufgestellt – im Zentrum des stillen Gedenkens.

Es handelt sich um ein Seelenamt, eine feierliche Totenmesse. Ob sich unter dem Blumenschmuck ein Sarg befindet oder lediglich eine Tumba (eine Sargattrappe) aufgebaut ist, lässt sich auf der Aufnahme nicht eindeutig erkennen. Auffällig ist, dass der Mann auf dem Foto Zivilkleidung und keine Soldatenuniform trägt. Auch die Gestaltung der Trauerfeier entspricht nicht den üblichen Formen für Kriegsgefallene, die fern der Heimat bestattet werden und denen oft mit schlichteren Symbolen – etwa einem einfachen Feldkreuz – gedacht wird. Alles spricht dafür, dass es sich um einen zivilen Todesfall handelt.

Möglicherweise wird hier Karl Friedrich Meßmer (1903-1942) betrauert. Geboren wurde er am 28. Mai 1903 als Sohn des »Linde«-Gastwirts Ernst Meßmer und dessen Ehefrau Josefine Meßmer (geb. Benitz). Seit Kindertagen litt er an Rachitis, der »englischen Krankheit«, wie es damals heißt. Als lediger Sohn arbeitet er im elterlichen Betrieb mit. Nach einer schweren Verletzung, die ihm ein Ochse zufügt, stirbt er am 10. August 1942 im Alter von 39 Jahren.

Ob es sich tatsächlich um die Trauerfeier für Karl Friedrich Meßmer handelt, bleibt offen. Sicher ist jedoch: Das Foto hält einen Moment intensiver Anteilnahme fest – eine Gemeinde, die sich inmitten des Kriegsjahres 1942 versammelt, um einem ihrer Angehörigen die letzte Ehre zu erweisen.

Standort des Fotografen: 47.882539, 8.344539

2 Gedanken zu „Trauerfeier in der Pfarrkirche, 1942

  1. Hallo Familie Waßmer, die Recherche klingt sehr plausibel, das würde auch erklären, warum sich dieses Foto in einem Album unserer Familie befindet, Josefine Meßmer geb. Benitz war die 20 Jahre jüngere Cousine meiner Ururgroßmutter Sofie Selb geb. Fischer und somit nur 8 Jahre älter als meine Urgroßmutter Anna Bader geb. Selb. Der besagte Betrauerte wäre demnach im Alter von Karl Bader und meinem Opa Franz, zur Linde wurden immer sehr freundschaftliche Beziehungen gepflegt, bis heute und das rührt vermutlich aus der damaligen Verwandtschaft.

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