Investitur von Pfarrer Winkel vor dem Pfarrhaus, 26. April 1936

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Festlich ist der Eingang des katholischen Pfarrhauses (Untere Hauptstr. 10) geschmückt. Eine Reisiggirlande mit weißen Papierblüten rahmt die Haustür ein, links und rechts des Treppenaufgangs stehen junge Tännchen. Davor hat sich der Kirchenchor versammelt. Die Sänger halten ihre aufgeschlagenen Liederbücher in den Händen, während Stadtpfarrer Robert Winkel (1897-1972) erhöht vor dem Eingang steht und den musikalischen Gruß entgegennimmt.

Der Anlass ist die feierliche Investitur des bisherigen Pfarrverwesers als Stadtpfarrer der katholischen Kirchengemeinde Löffingen. Passender könnte der Tag kaum gewählt sein: Es ist der Sonntag vom Guten Hirten. In der Chronik des Kirchenchores heißt es: »Da das Fest gerade auf den Sonntag des guten Hirten fiel, begrüßte der Kirchenchor den hochwürdigen Herrn Stadtpfarrer am Eingang seines Hauses bei der Abholung mit dem 32. Psalm ›Der Herr ist mein Hirt‹.« Geleitet wird der Chor von Hauptlehrer Emil Willig. Auch die anschließende Festmesse umrahmt der Kirchenchor musikalisch.

Hinter der feierlichen Zeremonie liegt eine dramatische Vorgeschichte. Am 23. Juni 1934 war Stadtpfarrer Guido Andris (1879-1974) von den Nationalsozialisten gewaltsam aus Löffingen vertrieben worden. Danach blieb die Pfarrstelle zunächst unbesetzt. Erst am 17. Januar 1935 übernahm Robert Winkel als Pfarrverweser die Leitung der Gemeinde. Mehr als ein Jahr später, am 3. April 1936, ernannte ihn Erzbischof Conrad Gröber zum Stadtpfarrer. Am 26. April wird er schließlich durch Dekan Bernhard Kromer aus Friedenweiler feierlich in sein Amt eingeführt.

Robert Winkel wurde am 31. August 1897 in Gernsbach bei Rastatt geboren und wuchs seit 1904 in Freiburg auf. Am 18. Juni 1922 empfing er durch Erzbischof Karl Fritz die Priesterweihe. Seine erste Stelle führte ihn nach Kirrlach bei Waghäusel, anschließend war er von 1923 bis 1931 Kaplan der Herz-Jesu-Gemeinde in Mannheim. Es folgten Stationen als Pfarrverweser in Kappel am Rhein, Spechbach bei Heidelberg und Steinbach bei Bühl, bevor er nach Löffingen kam.

Bei den Mitgliedern des Kirchenchores sind u.a. Joseph Benitz und Eugen Steidlinger zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.882621, 8.343363

Mitglieder des Schwarzwaldvereins, ca. 1960-1970

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rudi Straetker zur Verfügung.

Eine Personengruppe hat es sich im Gasthaus gemütlich gemacht und ist offenbar bester Laune. Man rückt eng zusammen, legt sich gegenseitig die Arme um die Schultern und lacht in die Kamera. Kurios sind die aufgespannten Regenschirme, denn die Männer und Frauen befinden sich in der Gaststube und damit im Trockenen. Jedenfalls sorgen die Schirme sichtbar für Heiterkeit.

1.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 Alfred Köpfler, 2 Albert Kienzler (1921-?)
2.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 Marta Adrion (geb. Fehrenbach, 1928-2019), 2 Joseph Benitz jun. (1928-2012), 3 Engelbert Straetker (1923-2017), 4 ???, 5 Theo Hasenfratz, 6 Gerhard Maier

Das Foto zeigt eventuell Mitglieder des Schwarzwaldvereins. Seine Aktivitäten bestehen nicht nur aus Wanderungen, dem Erneuern von Wegmarkierungen und dem gemeinsamen Naturerlebnis. Mindestens ebenso wichtig ist das gesellige Beisammensein nach einer Tour oder bei Vereinsabenden. Und wenn die Stimmung stimmt, wird aus dem Wanderverein schnell eine fröhliche Runde.

Das Foto wird vermutlich im Gasthaus »Ochsen« aufgenommen.

Standort des Fotografen: 47.883998, 8.345311

Holzhauer im Wald, 1927

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Für einen Moment ruht die Arbeit im Stadtwald. Die Holzhauer haben sich zwischen den gefällten Stämmen aufgestellt und präsentieren sich dem Fotografen mit ihren Werkzeugen. Äxte, Beile und lange Sägen bestimmen das Bild. Einer der Männer hält ein Sägeblatt in die Kamera. Zwei andere Männer geben gerade vor, zu sägen. Auf ihrem Sägeblatt ist mit heller Farbe zu lesen: »Holzhauer G.W. Löffingen 1927«.

Ganz offensichtlich ist die Szene arrangiert. Die Männer stehen und sitzen so verteilt, dass möglichst jeder gut zu sehen ist. Einige lehnen auf ihren Werkzeugen, andere haben sich auf Baumstämmen niedergelassen. Im Vordergrund kniet ein Waldarbeiter an einer kleinen Kochstelle. Vielleicht wird dort gerade Kaffee gekocht oder eine Mahlzeit warm gemacht – auch die Pause gehört schließlich zum langen Arbeitstag im Wald.

Der Fotograf hat die Umgebung bewusst mit ins Bild genommen. Links ragt ein mächtiger Baum ins Foto, in dessen Stamm ein Beil eingeschlagen ist. Überall liegen Holzreste, Äste und bereits gefällte Stämme. So entsteht nicht nur ein Gruppenporträt der Männer, sondern zugleich ein anschauliches Bild ihres Arbeitsplatzes. Die Aufnahme zeigt eine Arbeitswelt, in der fast alles mit Muskelkraft geschieht. Motorsägen gibt es noch nicht; gefällt, entastet und zerteilt wird mit Axt und Handsäge. Umso stolzer wirken die Holzhauer, als sie für einen Augenblick die Arbeit niederlegen und sich mit ihrem Handwerkszeug ablichten lassen.

1.Reihe: 1 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???
4.Reihe: 1 ???

Standort des Fotografen: ???

Brautpaar Hepting / Jonner, ca. 1932

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Feierlich stehen Rupert Hepting (1905-1990) und Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995) für ihr Hochzeitsfoto beisammen. Die Braut trägt ein dunkles, langes Kleid, dazu einen weißen Schleier und einen Brautstrauß bestehend aus weißen Nelken und Asparagus. Der Bräutigam hat sich im dunklen Anzug mit Fliege herausgeputzt und hält seinen Zylinder in der Hand. Vermutlich entsteht die Aufnahme beim Alenbergwäldchen.

Dass die Braut nicht in Weiß heiratet, ist zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches. Ein dunkles Festkleid ist praktischer und lässt sich auch nach der Hochzeit noch zu besonderen Anlässen tragen. Der helle Schleier und der Brautstrauß machen dennoch auf den ersten Blick deutlich, dass hier Hochzeit gefeiert wird.

Rupert Hepting ist Landwirt und Drechsler von Beruf. Gemeinsam mit seiner Ehefrau übernimmt er das elterliche Anwesen Haus Nr. 251 (Dittishauser Str. 7). Dort gründen die beiden ihre Familie und verbringen viele Jahrzehnte miteinander. Was an diesem Tag als gemeinsamer Lebensweg beginnt, hält mehr als ein halbes Jahrhundert: 50 Jahre später können Rupert und Sofie Hepting gemeinsam das Fest der Goldenen Hochzeit feiern.

Standort des Fotografen: ???

2 Fotos: Abtransport der Holzkohle im Stadtwald, 1911

Verlag A. Rebholz, Löffingen | Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Der Meiler ist abgebrannt, die Holzkohle ausgekühlt – nun beginnt der Abtransport. Männer stehen auf den hoch beladenen Fuhrwerken und schichten die schwarzen, unregelmäßig gebrochenen Holzkohlestücke möglichst platzsparend auf. Mit Körben wird weiteres Material hinaufgereicht. Die hohen hölzernen Aufbauten der Wagen sorgen dafür, dass von der leichten, aber sperrigen Ladung möglichst viel mitgenommen werden kann.

Nach Tagen der Arbeit am rauchenden Kohlenmeiler ist damit der letzte Abschnitt erreicht. Die Holzkohle staubt und färbt Hände und Kleidung schwarz; beim Umladen knirschen und brechen die spröden Stücke. Vom Kohlplatz im Stadtwald geht es mit den Fuhrwerken zum Löffinger Bahnhof. Dort wird die Ladung erneut umgeschlagen und in Eisenbahnwaggons verladen, um weitertransportiert zu werden.

Über mehrere Generationen betreibt Familie Nägele das Köhlerhandwerk und ist deshalb im Städtchen als »s’Kohle Nägeles« bekannt. Konrad Nägele (1885-1960) gilt als letzter Köhler der Familie. Die beiden Fotos gehören zu einer ganzen Serie, die der Löffinger Buchbinder Anton Rebholz 1911 von der Köhlerei im Stadtwald aufnimmt. Auf den Abzügen sind sie handschriftlich mit den Nummern XIV und XVI bezeichnet. Gerade durch diese Bildfolge lässt sich anschaulich nachvollziehen, wie viel Arbeitsschritte nötig sind, bis aus Holz schließlich verkaufsfertige Holzkohle wird.

Standort des Fotografen: 47.909612, 8.323702

13 Fotos: Feuerwehreinsatz beim Flugzeugabsturz in Bachheim, Juli 1988

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Dichter schwarzer Rauch steigt über dem alten Sportplatz in Bachheim auf. Ein Kleinflugzeug liegt zerbrochen auf der Wiese, Tragflächen und andere Wrackteile sind weit verstreut. Die Feuerwehr rückt mit Blaulicht an, Schläuche werden ausgerollt und Wasser und Löschschaum auf das qualmende Wrack gespritzt. Was wie ein schweres Flugzeugunglück aussieht, ist allerdings sorgfältig inszeniert: In Bachheim finden Dreharbeiten für die ZDF-Fernsehserie »Schwarzwaldklinik« statt.

Für die Szene wird einiges aufgefahren. Ein Pyrotechniker sorgt auf Kommando für Rauch und Feuer, ein künstlich aufgeschütteter Erdhaufen stellt die Spur des abgestürzten Flugzeugs dar, sogar umgeknickte Bäume gehören zur Kulisse. Fahrzeuge der Löffinger Feuerwehr, ein Krankenwagen und ein Polizeiauto rasen mit Sirene und Blaulicht über das Gelände. Die Feuerwehrleute spielen dabei gewissermaßen sich selbst. Immer wieder wird die Szene wiederholt, bis Bewegungen, Löscharbeiten und Kameraperspektiven stimmen. Schließlich liegt das Wrack unter einer dicken Schicht Löschschaum.

In sicherem Abstand verfolgen Regisseur Hans-Jürgen Tögel (1941-2026) und sein Team das Geschehen. Die Dreharbeiten locken aber auch zahlreiche Schaulustige an. Der ungewöhnliche Einsatz wird auch Kreisbrandmeister Fritz Isele (1940-2024) lange in Erinnerung bleiben. Auf einem der Fotos steht Feuerwehrmann Rudolf (Rudi) Jordan (1942-2024) mit Helm vor dem ausgebrannten Wrack und blickt direkt in die Kamera.

Dass eine Folge der erfolgreichen Fernsehserie ausgerechnet hier entsteht, ist für Bachheim und Löffingen etwas Besonderes. In den 1980er-Jahren ist die »Schwarzwaldklinik« ein Publikumsliebling und macht den Schwarzwald weit über Deutschland hinaus bekannt. Entsprechend groß ist in vielen Gemeinden das Interesse, selbst einmal als Drehort aufzutauchen. Ein paar Minuten Fernsehzeit versprechen Aufmerksamkeit – und so wird auch der fingierte Flugzeugabsturz zu einem kleinen lokalen Ereignis.

Standort des Fotografen: 47.856530, 8.406805

Joseph Benitz beim Angeln an der Gauchach, August 1935

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Mitten im flachen Wasser der Gauchach steht Weinhändler Joseph Benitz (1897-1981) und hält konzentriert seine lange Angelrute über den Bach. Damit er trockenen Fußes im Wasser stehen kann, trägt er hohe Watistiefel. Jackett und Hut wirken für einen Angelausflug beinahe elegant – offenbar muss man auch beim Fischen nicht auf eine gewisse Form verzichten.

In seiner Freizeit zieht es Joseph Benitz immer wieder an die Gauchach. Er lässt Weinfässer und Geschäftskorrespondenz hinter sich und steht mitten im Bach. Zwischen bewaldeten Hängen und Wiesen sucht er sich einen ruhigen Platz und versucht sein Glück. Das Wasser ist klar und flach. Ob an diesem Augusttag tatsächlich ein Fisch anbeißt, verrät das Foto allerdings nicht.

Standort des Fotografen: ???

3 Fotos: Prozession mit Primizant Franz Benitz vom Bahnhof zur Pfarrkirche, 6. April 1935

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Ein »großer Bahnhof« wird Franz Benitz (1908-1944) bei seiner Ankunft in Löffingen bereitet. Ministranten, Geistliche, Familienangehörige und zahlreiche Gemeindemitglieder holen den Neupriester am Bahnhof ab und begleiten ihn in feierlicher Prozession zur katholischen Pfarrkirche St. Michael. Franz Benitz ist erst wenige Tage zuvor, am 31. März 1935, durch den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber zum Priester geweiht worden. Am folgenden Tag wird er in seiner Heimatgemeinde die Primiz feiern.

Obwohl es bereits April ist, liegt noch Schneematsch auf dem Boden. Die Häuser entlang des Weges sind festlich herausgeputzt: Reisiggirlanden und Fahnen schmücken die Fassaden. Kurz vor der Pfarrkirche entstehen mehrere Aufnahmen. Zu sehen sind das katholische Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) und der »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8). Am rechten Bildrand fällt der Blick auf die weniger repräsentative Rückseite der Ökonomie des Gasthauses »Sonne« (Kirchstr. 29). Vor dieser Kulisse ziehen Ministranten und Geistliche vorüber – ein feierlicher kirchlicher Zug mitten durch das vertraute Straßenbild.

Am Vorabend der eigentlichen Primiz findet in der katholischen Pfarrkirche St. Michael zunächst eine Andacht statt. Erst am nächsten Tag steht Franz Benitz selbst am Altar, zelebriert erstmals in seiner Heimatgemeinde die Messe und erteilt den Primizsegen. Nicht nur für ihn, sondern auch für seine Familie und die katholische Gemeinde ist dies ein besonderes Ereignis – und die große Beteiligung beim Einzug zeigt, welche Bedeutung eine Heimatprimiz besitzt.

Bei den Zuschauer*innen am Straßenrand sind u.a. zu erkennen: Hilda Schultheiß (verh. Vögtle), Josefa Roth (verh. Rappenegger)

Standort des Fotografen: 47.882660, 8.343996

Hochzeitsgesellschaft Meßmer / Kaier, 22. November 1927

Fotograf: Leo Molitor, Neustadt | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Heute wird im Gasthaus »Linde« Hochzeit gefeiert – und diesmal ist der Wirt selbst der Bräutigam. Ernst Meßmer jr. (1897-1950), Sohn der Wirtsleute Ernst Meßmer sen. (1869-1943) und Josephine Meßmer (geb. Benitz, 1867-1932), heiratet Paula Kaier (1903-1984). Für das Erinnerungsfoto versammelt sich die Hochzeitsgesellschaft auf dem heutigen »Linden«-Parkplatz.

Braut und Bräutigam stehen in der Mitte der großen Gruppe. Die Braut trägt ein helles Brautkleid mit Schleier und hält einen üppigen Blumenstrauß in den Händen. Der Bräutigam ist in einen dunklen Anzug gekleidet. Um sie herum haben sich Angehörige beider Familien aufgestellt. Unter den Gästen befindet sich auch Stadtpfarrer Josef Schlitter (1877-1942), der das Paar in der Pfarrkirche getraut hat. Zwei weitere Geistliche sind ebenfalls auf dem Foto zu sehen. Ihre Anwesenheit verweist auf die enge Bindung der Familie Meßmer an die katholische Kirche und das katholische Milieu.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 »Linden«-Wirt Ernst Meßmer sen. (1869-1943), 4 ???, 5 ???, 6 »Linden«-Wirtin Josephine Meßmer (geb. Benitz. 1867-1932), 7 Stadtpfarrer Josef Schlitter (1877-1942), 8 ???, 9 ???, 10 Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Braut Paula Meßmer (geb. Kaier, 1903-1984), 5 Bräutigam Ernst Meßmer jr. (1897-1950), 6 Joseph Benitz (1897-1981), 7 Hedwig Benitz (geb. Steidlinger, 1900-1995), 8 ???, 9 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Vikar ???, 2 Vikar ???, 3 ???, 4 Paul Benitz (1899-1979), 5 ???, 6 Albert Benitz (1905-1996), 7 ???, 8 ???, 9 Franz Benitz (1908-1944), 10 ???

Standort des Fotografen: 47.884299, 8.346942

Hochzeitsgesellschaft Hasenfratz / Münzer vor dem Gasthaus in Unadingen, 27. März 1965

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Hans-Peter Hepting und Christa Egle zur Verfügung.

Kein Zweifel: Hier wird Hochzeit gefeiert. In der Mitte steht die Braut Ursula Hasenfratz (geb. Münzer) mit einem großen Blumenstrauß im Arm. Bei dem jungen Mann im schwarzen Anzug neben ihr hat sie sich untergehakt – Kurt Hasenfratz ist der Bräutigam. Auch viele der Hochzeitsgäste haben sich mit kleinen Blumen oder Festabzeichen am Revers für den besonderen Tag herausgeputzt.

Ursula Hasenfratz wurde in Heidelberg geboren und kam im Alter von sechs Jahren nach Hüfingen, wo sie aufwuchs. Kurt Hasenfratz wurde in Oberndorf geboren und wuchs bei Adoptiveltern in Unadingen auf. Das Paar gibt sich in der Konvikt-Kapelle in Donaueschingen das Ja-Wort. Die Braut ist zu diesem Zeitpunkt schwanger. In der konservativ-katholisch geprägten Zeit wird von einer schwangeren Braut erwartet, nicht in Weiß zu heiraten. Entsprechend trägt Ursula Hasenfratz ein dunkles festliches Kleid.

Für das Gruppenfoto hat sich die Hochzeitsgesellschaft vor dem Gasthaus »Ochsen« in Unadingen versammelt. Der Eingang ist mit einer Reisiggirlande geschmückt, aus der geöffneten Tür schauen weitere Gäste heraus. Rechts und links rahmen Fenster mit hölzernen Fensterläden den Eingang ein. An der Fassade hängt ein rundes Werbeschild »Trink Coca-Cola« – ein kleines zeittypisches Detail, das die Aufnahme in die Nachkriegsjahrzehnte verweist. Links ragt ein VW Käfer ins Bild. Gut möglich, dass er an diesem Tag eine besondere Aufgabe übernimmt und als Hochzeitsauto dient.

Im Jahr 2025 können Ursula Hasenfratz und Kurt Hasenfratz das Fest ihrer Diamantenen Hochzeit feiern.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Braut Ursula Hasenfratz (geb. Münzer, geb. 1946), 5 Bräutigam Kurt Hasenfratz, 6 ???, 7 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Elisabeth Hepting (geb. Münzer, 1897-?), 5 ???, 6 ???, 7 ???, 9 ???
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???
5.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???
6.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???

Standort des Fotografen: Unadingen

Kinder des Jahrgangs 1921/22 bei einem Ausflug, ca. 1928

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Christa Egle zur Verfügung.

Heute bleibt die Schulbank leer. Die Kinder des Jahrgangs 1921/22 sind zu einem Ausflug ins Grüne aufgebrochen und versammeln sich für ein Erinnerungsfoto auf einer Wiese. In drei Reihen sitzen und stehen sie dicht beieinander. Dabei ist die Geschlechtertrennung kaum zu übersehen: Vorne haben ausschließlich die Mädchen Platz genommen, während die Jungen in den beiden hinteren Reihen stehen und sitzen. Einzige Ausnahme ist ein Mädchen, das in der Mitte der dritten Reihe steht.

Auch die Kleidung erzählt von ihrer Zeit. Gleich mehrere Jungen tragen Matrosenanzüge mit dem charakteristischen breiten Kragen. Diese Kindermode ist im Kaiserreich außerordentlich beliebt, hält sich aber noch lange darüber hinaus. Die Mädchen tragen Kleider und Schürzen, manche mit großen weißen Kragen oder Schleifen im Haar.

Ein besonders schönes Detail trägt der Junge ganz links in der hinteren Reihe bei sich: An einem Riemen hängt ihm eine kleine Blechdose vor dem Bauch. Vermutlich steckt darin sein Proviant für unterwegs. Schließlich macht ein Wandertag hungrig.

Wo der Ausflug hinführt, ist nicht bekannt. Dichter Wald und Gebüsch bilden die Kulisse. Für die Kinder dürfte es ein kleines Abenteuer sein – und das Gruppenfoto hält einen jener besonderen Schultage fest, an denen einmal nicht Lesen, Schreiben und Rechnen auf dem Stundenplan stehen.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Hedwig Egle (1921-1929), 4 ???, 5 Agathe Köpfler (verh. Jordan, 1922-1982), 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Mathilde Wider (verh. Schwörer, 1921-2015), 4 Karl Benz (1921-2010), 5 ???

Zum Jahrgang gehören auch: Gertrud Brugger (verh. Heitzmann, 1921-2005), Elisabeth Gebert (verh. Keller, 1921-2006), Hildegard Heizmann (verh. Pfeifer, 1922-2008), Maria Honold. (verh. Göhry, 1921-1997), Hedwig Thoma (1921-2006), Hans Geisinger (1921-1993), Karl Heiler (1921-2007), Martin Mayer (1922-2008), Fritz Straub (1921-2007), Fritz Fritsche (1922-1968)

Standort des Fotografen: ???

Männergruppe im Gasthaus XXX, ca. 1925-1930

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Eng zusammengerückt sitzt eine Männergesellschaft an einem langen Tisch. Ob es sich um einen regelmäßigen Stammtisch, eine gesellige Runde oder vielleicht doch um eine Arbeitsbesprechung handelt, ist nicht bekannt. Auffällig ist jedenfalls, dass mit Bürgermeister Adolf Kuster (1874-1946) und den Lehrern Eugen Steidlinger (1873-1939) und Alfred Zwingert (1880-1938) mehrere bekannte Persönlichkeiten des Städtchens vertreten sind. Auch ein uniformierter Mann sitzt mit am Tisch. Zu welcher Organisation er gehört, lässt sich auf dem Foto nicht sicher erkennen. Denkbar wäre etwa ein Beschäftigter der Reichsbahn.

Der Aufnahmeort bleibt also vorerst ein Rätsel. Dabei bietet die Wirtsstube zahlreiche Hinweise. Der untere Teil der Wände ist mit Holz vertäfelt, links steht ein aufwendig verzierter Kachelofen. An den Wänden hängen Reklametafeln für »Fürstenberg Bier« und »Stern-Brezel«, außerdem ein Werbeplakat des Löffinger Maschinenhändlers Christian Faller. Rechts ist ein Fahrplan der Reichsbahn angebracht. Ob die Aufnahme deshalb im Bahnhofslokal entsteht? Dagegen spricht, dass die Fenster nicht recht zu bekannten Ansichten des 1945 zerstörten Bahnhofsgebäudes passen.

Schade ist, dass auch die an der Wand befestigte Zeitung nicht besser zu erkennen ist. Wären Schlagzeilen oder Erscheinungsdatum lesbar, ließe sich die Aufnahme genau datieren. Adolf Kuster ist von 1920 bis 1933 Bürgermeister in Löffingen. Alfred Zwingert wird 1932 zum Oberlehrer in Bühlertal ernannt und verlässt das Städtchen. Das Foto muss also davor entstanden sein. Es bleibt nur die Einordnung zwischen 1925 und 1930 – und die Hoffnung, dass vielleicht jemand die Wirtsstube oder weitere Männer der Runde erkennt.

V.l.n.r.: 1 Lehrer Eugen Steidlinger (1873-1939), 2 ???, 3 [Alfred Köpfler (1880-1939)?], 4 ???, 5 Lehrer Alfred Zwingert (1880-1938), 6 ???, 7 ???, 8 Bürgermeister Adolf Kuster (1874-1946), 9 [Konrad Bader (1868-1958)?]

Standort des Fotografen: ???