5 Fotos: Volkstrauertag auf dem unteren Rathausplatz, November 1999

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Traditionell findet das Totengedenken am Volkstrauertag auf dem unteren Rathausplatz statt. Am Mailänder Tor befinden sich seit 1930 die Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Der 1954 geschaffene Demetriusbrunnen erinnert zudem an die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Kirchgang versammelt sich hier die Gemeinde.

Der Volkstrauertag wurde 1922 als Gedenktag für die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs eingeführt. In der Bundesrepublik Deutschland wird er seit 1952 als staatlicher Gedenktag begangen und erinnert heute allgemein an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Dieses Gedenken ist jedoch nicht unproblematisch. Lange Zeit wurde pauschal der Gefallenen gedacht – und damit auch Soldaten eingeschlossen, die Teil eines verbrecherischen Angriffskrieges waren. Spätestens seit der Wehrmachtsausstellung von 1995, die in verschiedenen Städten gezeigt wurde und eine öffentliche Debatte entfachte, ist bekannt, dass nicht nur SS und Waffen-SS, sondern auch Teile der Wehrmacht an Kriegsverbrechen beteiligt waren und Mitverantwortung für den Holocaust trugen. Der Volkstrauertag steht seither stärker im Spannungsfeld zwischen persönlichem Gedenken, historischer Aufarbeitung und kritischer Erinnerungskultur.

Auf den Fotos ist die Gedenkfeier zu sehen: Die Stadtmusik spielt, die Feuerwehr tritt an und senkt die Fahne. Während sich die Anwesenden zum stillen Gedenken versammeln, hält Bürgermeister Frank Schmitt (1963-2005) eine Ansprache. Für ihn ist es eine Premiere: Erst seit Kurzem ist er Bürgermeister von Löffingen.

Standort des Fotografen: 47.883707, 8.343856

2 Fotos: Offener Stettbach in der Unteren Hauptstraße, 1999

Sammlung Famlie Waßmer

Seit rund 150 Jahren ahnt man ihn nur – den Stettbach, der einst offen durch das Städtchen floss. Heute verläuft er tief unter der Erde, verborgen in einem gemauerten Kanal. Erst hinter der katholischen Pfarrkirche taucht er wieder auf, im Gewann »Bitten«, wo er als Bittenbach an die Oberfläche tritt.

Doch im Sommer 1999 öffnet sich für kurze Zeit ein Fenster in die Vergangenheit. Bauarbeiten stehen an: Die Decke des Kanals muss erneuert und für den modernen Verkehr ertüchtigt werden. Eine Straßenhälfte der Unteren Hauptstraße wird aufgegraben – und plötzlich ist er wieder da, der Bach. Ein schmales Rinnsal, das leise durch das freigelegte Bett plätschert. Friedlich wirkt es, beinahe harmlos. Und doch: Mehrfach verursachte er Hochwasser und überflutete große Teile des Städtchens – etwa im Juni 1895, im Juli 1958 und zuletzt im Juli 1975.

Als man im Jahr 1828 das alte Rat- und Kaufhaus abbrach, um Platz für das heutige Gebäude zu schaffen, stand man plötzlich vor einem Problem: das hohe Grundwasser. Die Lösung bestand darin, das Bachbett des Stettbachs – vom Gasthaus »Adler« abwärts – tieferzulegen. Man führte ihn fortan kanalisiert und mit einem steinernen Gewölbe überwölbt durch die Stadt. Der offene Bachlauf verschwand und mit ihm ein Stück Stadtbild.

Doch zurück in das Jahr 1999. Bürgermeister Dr. Dieter Mellert (1941-2019) spielt mit dem Gedanken, den Stettbach offen zu lassen, der Gemeinderat aber ist mit großer Mehrheit dagegen. Besonders die Geschäftsleute der Unteren Hauptstraße argumentieren mit dem Wegfall von Parkplätzen.

Standort des Fotografen: 47.883630, 8.343828

2 Fotos: Supermarkt »Plus« in der Ringstraße, 1999

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Das Lebensmittelgeschäft »Plus« existiert schon seit mehr als zehn Jahren in den ehemaligen »Benz-Garagen« (Ringstr. 10). Die Kette gilt als »Soft«-Discounter und wirbt mit dem – aus den Buchstaben der Firma abgeleiteten – Slogan »Prima leben und sparen«. Gegründet wurde die Firma 1972 – aufgelöst wird sie 2010. So lange existiert die Filiale in Löffingen aber nicht. Das Foto entsteht im Zusammenhang mit der Berichterstattung in der Lokalzeitung zur geplanten Schließung. Später eröffnen hier zunächst ein »ZK Raiffeisen Martk« und später eine NKD-Filiale.

Links neben dem »Plus« befindet sich die Bäckerei Gehri. Diese Filiale schließt zum 1. Oktober 2019.

Standort des Fotografen: 47.883111, 8.343333

3 Fotos: Schülerbefreiung am »Schmutzige Dunschdig«, Fasnacht 1999

Archiv der Realschule

Auf diesen Moment warten die Schüler*innen der Realschule (und vielleicht auch die Lehrer*innen?) schon sehnlichst den ganzen Vormittag: Die Stadtmusik und die »Hansele« kommen zur Schülerbefreiung! Erst ist die Grund- und Hauptschule an der Reihe, aber jetzt nähert sich der bunte Haufen endlich der Realschule. Gleich beginnen die Fasnachtsferien!

Der Blick fällt aus dem Fenster der Lehrerzimmers auf die Festhallenstraße. Fotografiert wird mit einer neuen Digitalkamera, deren Bildauflösung noch recht bescheiden ist.

Standort des Fotografen: 47.883688, 8.347804

Geschäftsübergabe bei der Metzgerei Butsch, 1999

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Drei Generationen der Familie Butsch sind auf diesem Foto vereint. Es wird nicht anlässlich des 50. Jubiläums der Metzgerei aufgenommen, das im November 1999 gefeiert wird. Vielmehr wird die Familie Butsch zum Jahreswechsel 1999/2000 fotografiert, als Metzgermeister Dieter Butsch, der das Geschäft seit 1972 in zweiter Generation mit seiner Ehefrau Uta Butsch betrieb, die Metzgerei an den Sohn Sebastian Butsch und dessen Ehefrau Sylvia Butsch übergibt.

Sebastian Butsch hatte 1980 seine Metzgerlehre begonnen. Nach der Gesellenprüfung hatte er fünf Jahre in Freiburg, Radolfzell, Mühlheim a.d.Donau und Stuttgart gearbeitet und Berufserfahrung gesammelt. Seine Meisterprüfung hatte er 1988 in Frankfurt am Main erfolgreich abgelegt. Sein Großvater Willy Butsch (1913-1991), der das Geschäft 1957 in Löffingen mit seiner Ehefrau Emma Butsch (geb. Satler, 1911-2006) eröffnet hatte, war 1991 gestorben.

V.l.n.r.: 1 Seniorchefin Uta Butsch, 2 Sebastian Butsch, 3 Sylvia Butsch, 4 Seniorchef Dieter Butsch, 5 Emma Butsch (geb. Satler)

Standort des Fotografen: 47.883779, 8.343465

Wandgemälde an der Brunnenstube in der Kirchstraße, 1999

Familie Waßmer

An der Fassade der Brunnenstube in der Kirchstraße ist ein Wandgemälde angebracht. Es erinnert daran, dass hier einst der Ferkelmarkt stattfand.

Seit 1828 hatte sich die Stadtgemeinde um die Erlaubnis zur Abhaltung von Ferkelmärkten bemüht. Erst 1861 erhielt sie die Erlaubnis, monatlich am zweiten Montag auch Schweine zu vermarkten.

Standort des Fotografen: 47.882970, 8.344008

Brunnenstube in der Kirchstraße, 1999

Sammlung Familie Waßmer

Unscheinbar steht es bis heute in der Kirchstraße, das kleine, einstöckige Häuschen, das sich im Besitz der Stadtgemeinde befindet. Nach dem Großbrand 1921 wurde das Häuschen gebaut. Seine Geschichte reicht aber viel weiter in die Vergangenheit zurück. Denn an dieser Stelle sprudelte früher eine Quelle. Zusammen mit anderen Quellen außerhalb des Städtchens lieferte sie Wasser für die Brunnen. Im angrenzenden Badhaus und später in der Bierbrauerei nutzte man die Quelle. Im Mittelalter wurde das Wasser der Brunnenstube gar als Heilwasser angesehen.

Die gebräuchlichsten Bezeichnungen für das Häuschen im 20. Jahrhundert waren »Brunnenhaus«, »Wasserpumpgebäude« oder »Wasserpumpwerk«.

Standort des Fotografen: 47.882970, 8.344008