Alemannengrab in der Alemannenstraße, April 1933

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Ein menschliches Skelett kommt beim Straßenbau am Alenberg zum Vorschein. Es liegt in einem schmalen, mit Steinen eingefassten Grab, das zuvor mit einer Steinplatte abgedeckt war. Der Fund sorgt für Aufsehen, doch völlig überraschend ist er nicht: Schon bei früheren Erdarbeiten wurden auf der Südseite des Alenbergs immer wieder Gräber entdeckt. Eine Lokalzeitung berichtet am 7. April 1933 über den neuerlichen Fund: »Das noch gut erhaltene Skelett eines erwachsenen Menschen von mittlerer Größe lag vom Westen nach Osten gerichtet, mit dem Gesicht der Erde zugewandt. Weitere Funde wies das Grab nicht auf.« Das Foto hält einen seltenen Moment fest, in dem die weit zurückliegende Vergangenheit Löffingens buchstäblich wieder ans Tageslicht kommt.

Zwei Jahre später werden bei erneuten Arbeiten am Alenberg weitere zwei Steinkistengräber freigelegt – ebenfalls ohne Beigaben. Der Löffinger Chronist Emil Ketterer vermutet deshalb in seiner 2005 erschienen Stadtchronik, dass das Gräberfeld am Alenberg aus christlicher Zeit stammt und um 650 n. Chr. angelegt wurde. Das im Heimatmuseum ausgestellte »Alemannengrab« zeigt vermutlich nicht das 1933 ausgegrabene Skelett, sondern eines der beiden Grabfunde aus dem Jahr 1935.

Die archäologischen Entdeckungen der 1930er-Jahre sind keineswegs die ersten Hinweise auf frühe Gräberfelder. Bereits 1881 stießen Arbeiter beim Anlegen eines Steinbruchs im Gewann »Käpellebuck« auf rund 30 Gräber. Sie waren mit Steinen ausgemauert und mit großen Steinplatten abgedeckt. Mit den Funden ging man damals wenig zimperlich um: Skelette und Schädel wurden teilweise zertrümmert und wieder verscharrt, Waffen und andere Beigaben als wertloses »rostiges Eisen« weggeworfen. Einige Stücke konnten nachträglich gerettet werden. Der »Kreuz«-Wirt Johann Hogg, Betreiber des Steinbruchs und selbst an Bodenfunden interessiert, sorgte dafür, dass unter anderem Reste eines Langschwertes, ein Langsax – eine lange, einschneidige Hiebwaffe –, ein Kurzschwert, zwei bronzene Ohrringe, ein Messer und ein verzierter Knopf in die Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen gelangten.

Standort des Fotografen: 47.885091, 8.346282

Frauengruppe in der Alemannenstraße, ca. 1943

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christoph Müller und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Eng zusammengerückt stehen sieben junge Frauen in der Alemannenstraße vor der Kamera. Einige haben sich untergehakt, andere legen einander den Arm um die Schulter. Die Sonne scheint ihnen ins Gesicht, sie lachen und wenden sich einander zu. Die Aufnahme entsteht vermutlich auf Höhe des »Alemannengrabes«; hinter der Gruppe steigen eine Bruchsteinmauer und der Hang empor.

Die jungen Frauen gehören alle dem Geburtsjahrgang 1924/25 an. Vermutlich haben sie gemeinsam die Schulbank gedrückt und sind Freundinnen. So ungezwungen die Szene wirkt, entsteht sie doch mitten im Zweiten Weltkrieg.

Wer erkennt die jungen Frauen?

V.l.n.r.: 1 Elisabeth Kaltenbrunner (verh. Roth, 1925-?), 2 Frieda Heckle (verh. Fehrenbach, 1925-2013), 3 [Johanna Egle (verh. Theiler, 1924-2014)???], 4 Maria Egle (verh. Geisinger), 5 [Hedwig Schmid (verh. Bayer, 1924-1996)???], 6 Anna Kuster (verh. Karrer), 7 Elvira Egle (verh. Fischer, 1925-2020)

Standort des Fotografen: 47.885109, 8.346196

Ehepaar Schlenker beim Wasserreservoir auf dem Alenberg, ca. 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Marie-Luise Schlenker zur Verfügung.

Emil Schlenker (1907-1992) und Mathilde Schlenker (geb. Fehrenbach, 1907-1980) lassen sich vor dem Wasserreservoir auf dem Alenberg fotografieren. Über der schweren Tür ist die Jahreszahl »1901« zu lesen – ein Hinweis auf das Baujahr des markanten Bauwerks. Da waren die beiden noch nicht geboren, sie kamen sechs Jahre später zur Welt.

Das Ehepaar lebt in der Bahnhofstraße und bewirtschaftet dort ein landwirtschaftliches Anwesen. Auf dem Foto jedoch stehen sie nicht in Arbeitskleidung vor der Kamera. Beide haben sich sichtbar herausgeputzt: Er im Anzug mit Weste, sie im Kleid und Handtasche. Es ist der »Sonntagsstaat«, wie man sagt.

Die Aufnahme wirkt bewusst gewählt – nicht beiläufig, sondern als kleines Erinnerungsbild. Vielleicht entsteht sie bei einem sonntäglichen Spaziergang? Das Wasserreservoir jedenfalls wird zur Kulisse eines Moments, der über den Alltag hinausweist.

Standort des Fotografen: 47.886314, 8.344718

2 Fotos: Sofie Jonner im Fasnachtskostüm, 1928

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Sofie Jonner (verh. Hepting, 1909-1995) hat sich für die Fasnacht als Teufel verkleidet – allerdings als ein recht freundlicher. Hörner trägt sie zwar, auch einen weit fallenden Umhang. Öffnet sie ihn, kommen Flammen zum Vorschein: In der Hölle geht es schließlich heiß zu! Doch ihr Gesichtsausdruck wirkt eher verschmitzt als furchteinflößend.

Die beiden Aufnahmen entstehen im Innenraum einer Wohnung, vermutlich im Wohnhaus der Familie Jonner (Alemannenstr. 1). Die Einrichtung ist schlicht: ein Sofa, darüber ein gerahmtes Porträtfoto, an der Wand eine Uhr, daneben ein ausgestopfter Waldkauz, der beinahe so wirkt, als gehöre er zum Kostüm dazu.

Das Haus Jonner ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht alt. Es wurde nach dem verheerenden Großbrand von 1921 wieder aufgebaut.

Standort des Fotografen: 47.886809, 8.343453

Albert und Katharina Jonner, ca. 1920

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Der Landwirt Albert Jonner (ca. 1873-1926) lässt sich zusammen mit seiner Ehefrau Katharina Jonner (geb. Thoma, 1875-1955) fotografieren. Die beiden stehen nebeneinander im Freien, ernst und aufrecht, wie es für solche Aufnahmen der Zeit typisch ist. Vermutlich ist das Foto in der Nähe ihres Anwesens am Alenberg entstanden.

Um 1905 heirateten Albert und Katharina Jonner und übernahmen das Elternhaus der Ehefrau (Alemannenstr. 1). Das landwirtschaftliche Anwesen wird beim Großbrand am 28. Juli 1921 zerstört, anschließend jedoch am selben Standort wieder aufgebaut. Nur wenige Meter entfernt befindet sich das 1901 angelegte Wasserreservoir auf dem Alenberg – möglicherweise wird hier das Foto des Ehepaares aufgenommen.

Katharina Jonner wurde am 25. Oktober 1875 als Tochter des Maurers Albert Thoma und dessen Ehefrau Maria Thoma (geb. Gromann) in Löffingen geboren. Ihr Ehemann stirbt am 25. Mai 1926 im Alter von nur 53 Jahren. Katharina Jonner überlebt ihn um fast drei Jahrzehnte und stirbt am 16. Februar 1955.

Standort des Fotografen: 47.886368, 8.344709

Johanna Ganter beim Wasserreservoir auf dem Alenberg, Frühjahr 1933

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Johanna Ganter (verh. Rebholz, 1913-2003) lässt sich im Frühjahr 1933 vor dem Wasserreservoir auf dem Alenberg fotografieren. Die 19-Jährige steht vor der schweren, schmiedeeisernen Tür, über der die Jahreszahl »1901« zu lesen ist – das Baujahr des Reservoirs.

Mit dem Bau der Anlage wurde ein drängendes Problem gelöst: Bis dahin war die Wasserversorgung im Städtchen häufig unzureichend. Erst die Hochdruckwasserleitung vom Waldgebiet bei der »Stierhütte«, verbunden mit Hausanschlüssen und dem Wasserbehälter auf dem Alenberg, brachte eine nachhaltige Verbesserung.

Für Johanna Ganter ist das Wasserreservoir auf dem Alenberg auch mit dem Beruf ihres Vaters verbunden, denn Blechnermeister Otto Ganter (1881-1960) ist auch als Wassermeister tätig. Zu seinen Aufgaben gehört auch die Kontrolle des Wasserreservoirs. Gut möglich, dass er sie als kleines Mädchen einmal hierher mitgenommen hat – und sie das Reservoir sogar betreten durfte.

Standort des Fotografen: 47.886323, 8.344697

Sofie Hepting beim Wasserreservoir auf dem Alenberg, ca. 1930

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Das Wasserreservoir auf dem Alenberg ist zwar kein architektonisches Schmuckstück – und doch wird es im Laufe der Zeit zu einem beliebten Fotomotiv. Spaziergänger*innen, die im Alenbergwäldchen unterwegs sind, lassen sich gerne vor der markanten Tür ablichten. So auch diese Frau, die mit Mantel und Tasche für einen Moment innehält. Es ist Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995), die direkt neben dem Wasserreservoir in ihrem Elternhaus (Alemannenstr. 1) aufgewachsen ist.

Über der schweren Eisentür ist die Jahreszahl »1901« zu erkennen. Sie verweist auf das Baujahr des Reservoirs. Bis dahin war die Wasserversorgung im Städtchen oft unzureichend. Abhilfe schuf der Bau einer Hochdruckwasserleitung vom Waldgebiet bei der »Stierhütte« bis in den Ort – mit Hausanschlüssen und dem Wasserbehälter auf dem Alenberg. Ein aufwendiges Projekt: Die Kosten beliefen sich auf 100.400 Mark.

Standort des Fotografen: 47.886323, 8.344697

Umbau des Hauses Egle in der Alemannenstraße, 1977

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Christa Egle zur Verfügung.

Das Gerüst steht, neu aufgemauerte Wände und ein frisch gedecktes Dach sind zu sehen – das Haus Egle (Alemannenstr. 21) wird grundlegend umgebaut. Der Bauherr Karl-Friedrich (»Fritz«) Egle (1929-2017), von Beruf Zimmermann, packt selbst kräftig mit an. Unterstützt wird er von seinem Bruder Alfred Egle (1920-2001), der Maurermeister ist. Viele Arbeiten erfolgen in Eigenregie, und Stück für Stück verändert sich das Gesicht des Hauses.

Das vormals einstöckige Gebäude erhält ein zusätzliches Stockwerk. Der Hauseingang, der zuvor nur über eine steile Treppe erreichbar war, wandert nach unten ins Erdgeschoss. Breitere Fenster lassen mehr Licht in die Räume, und auch die Fassade verändert sich sichtbar. Mit dem Umbau passt sich das Wohnhaus dem zeitgemäßen Standard an.

Auf dem Dach sind v.l.n.r.: 1 Christa Egle, 2 Otmar Egle, 3 Karl-Friedrich Geisinger, 4 Fritz Egle

Schaut man zurück, so reicht die Geschichte des Gebäudes bis in die Jahre nach dem verheerenden Großbrand von 1921. Damals wurde es als neues Zuhause für den Landwirt Wilhelm Brugger (1887-1955) und seine beiden unverheirateten Schwestern Mathilde Brugger (1880-1969) und Johanna Brugger (1881-1982) errichtet, die im abgebrochenen Mailänder Tor gewohnt hatten. Rund 55 Jahre später übernehmen Fritz Egle und seine Ehefrau Marianne Egle (geb. Jordan) das Anwesen und modernisieren es zunächst 1970, bevor schließlich der große Umbau 1977 folgt.

Standort des Fotografen: 47.886212, 8.349486

Geschäftsübergabe des Malergeschäfts Hepting, 1994

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Ein Kapitel Handwerksgeschichte geht zu Ende – und ein neues beginnt: Werner Hepting (1928-2011) übergibt das von seinem Vater gegründete Malergeschäft in der Alemannenstraße 19 an seinen Sohn Hans-Peter Hepting. Der Familienbetrieb wird damit in der dritten Generation fortgeführt.

Werner Hepting schloss 1946 seine Ausbildung mit dem Meisterbrief ab und übernahm anschließend das Geschäft von seinem Vater, dem Malermeister Karl Hepting (1893-1979). In den folgenden Jahrzehnten prägte er mit seinem handwerklichen Können das Stadtbild entscheidend mit. An zahlreichen Hausfassaden ist seine Handschrift bis heute sichtbar. Auch in vielen Kirchen in Löffingen und Umgebung war er für Malerarbeiten verantwortlich. Darüber hinaus vergoldete er unzählige Kreuze und Zifferblätter und gestaltete mit künstlerischem Anspruch das »Häs« der Narrenzunft »Hansele«.

Sechs Lehrlinge bildete Werner Hepting im Laufe seiner Berufsjahre aus und gab sein Wissen und Können an die nächste Generation weiter. Nun überlässt er seinem Sohn das Ruder – doch ganz zurückziehen wird er sich nicht. Solange es seine Kräfte erlauben, hilft er auch weiterhin im Betrieb mit. Für sein jahrzehntelanges Wirken im Handwerk wird Werner Hepting 2006 mit dem Diamantenen Meisterbrief ausgezeichnet. Am 11. Mai 2011 stirbt er im Alter von 82 Jahren.

Standort des Fotografen: 47.886239, 8.349296

Familie Hepting vor ihrem Haus in der Alemannenstraße, ca. 1930

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Hans-Peter Hepting und Christa Egle zur Verfügung.

Malermeister Karl Hepting (1893-1979) und seine Ehefrau Elisabeth (geb. Münzer, 1897-?) posieren gemeinsam mit ihrem Sohn Werner Hepting (1928-2011) vor der Haustür ihres Wohnhauses in der Alemannenstraße, das 1921 erbaut wurde. Der kleine Werner, in ein dunkles Mäntelchen gekleidet, steht zwischen seinen Eltern. Später wird er wie sein Vater Malermeister und den elterlichen Betrieb übernehmen.

Karl Hepting lehnt dabei lässig an der Hauswand, die Hände tief in den Taschen seiner karierten Strickjacke vergraben. Er trägt Hemd und Krawatte. Seine Frau Elisabeth steht an seiner Seite, elegant gekleidet mit Mantel, Pelzkragen und Cloche-Hut – ganz im Stil der späten 1920er Jahre. Sie lächelt freundlich in die Kamera. Die Aufnahme fängt einen Moment aus dem Familienleben ein.

Standort des Fotografen: 47.886202, 8.349375

Haus Hepting in der Alemannenstraße, ca. 1970-1975

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Hans-Peter Hepting und Christa Egle zur Verfügung.

Ziemlich genau 50 Jahre ist das Haus Hepting (Alemannenstr. 19) alt. Es entstand im Rahmen des ersten Bauprojekts der am 24. April 1921 gegründeten Baugenossenschaft. Insgesamt acht Häuser wurden damals in der heutigen Alemannenstraße und Dittishauser Straße gebaut. Das Richtfest konnte am 10. Dezember 1921 gefeiert werden.

Das Haus von Malermeister Karl Hepting (1893-1979) und seiner Ehefrau Elisabeth (geb. Münzer, 1897-?) trug anfangs die Hausnummer 240. Noch in der Nachkriegszeit hieß die Straße Friedhofstraße, sie wurde erst später in Alemannenstraße umbenannt – und aus der Nr. 240 wurde schließlich die Nr. 19.

Äußerlich hat sich das Haus in den vergangenen 50 Jahren wenig verändert. Die Fassadenmalerei neben der Eingangstür ist noch erhalten und der Spalierbaum ist in die Höhe gewachsen. Verschwunden ist nur die Werkstatt mit ihrem Tor, die sich ursprünglich in der linken Gebäudehälfte befand.

Standort des Fotografen: 47.886243, 8.349519

Elisabeth Münzer im Fotostudio, ca. 1917

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christa Egle und Hans-Peter Hepting zur Verfügung.

Die junge Frau trägt eine elegante weiße Bluse und einen Strohhut, der mit kleinen Blüten geschmückt ist. Um ihren Hals hängt ein zartes Medaillon. Sie stützt sich locker auf die Rückenlehne eines kunstvoll verzierten Holzstuhls, was dem Bild eine fast lässige Anmutung verleiht.

Elisabeth Münzer ist noch ledig, als sie sich im Fotoatelier ablichten lässt. Geboren wurde sie am 23. September 1897 als Tochter des Schreiners Leo Münzer und dessen Ehefrau Maria geb. Zirlewagen. Am 23. Juni 1921 heiratet sie Malermeister Karl Hepting (1893-1979). Das frisch vermählte Ehepaar baut ein Einfamilienhaus in der Alemannenstraße (Nr. 19).

Standort des Fotografen: ???