Herrenmannschaft der Tennisgilde, 1990

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Für das Gruppenfoto rücken die Tennisspieler auf dem Platz zusammen. Einige stehen, andere hocken mit Schlägern in der ersten Reihe.

Noch ist die Tennisgilde ein ganz junger Verein. Zwar wird in Löffingen bereits seit 1977 Tennis gespielt, als beim Waldbad die ersten Plätze angelegt wurden. Anfänglich ging es nur um gelegentliche Matchs. 1990 erfolgt dann die Vereinsgründung. 48 Mitglieder gehören der Tennisgilde im Gründungsjahr an. Die Herrenmannschaft bildet damit einen wichtigen Teil des neuen Vereins.

1.Reihe, knieend, v.l.n.r.: 1 Marc Brugger, 2 Michael Straetker, 3 Hermann Föhrenbach, 4 Frank Köpfler, 5 Thomas Hofmeier, 6 Axel Laule
2.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 Bruno Laule, 2 Norbert Brugger, 3 Dieter Küssner, 4 Wolfgang Schmitt, 5 Walter Föhrenbach, 6 Richard Kaltenbach, 7 Peter Rieck, 8 Franz Hofmeier

Standort des Fotografen: 47.900605, 8.333646

Reiter und Umzugswagen in der Oberen Hauptstraße zur Stadterhebung, 27. Mai 1951

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Ein Reiter in mittelalterlich anmutender Rüstung zieht durch die Obere Hauptstraße, hinter ihm folgt ein von zwei Pferden gezogener Festwagen. Schon auf den ersten Blick ist klar: Hier soll ein Kapitel aus der frühen Stadtgeschichte lebendig werden. Auf dem mitgetragenen und auf dem Foto schwer zu entziffernden Schild ist zumindest die Jahreszahl »1250« deutlich zu erkennen.

Anlässlich der Wiederverleihung der Stadtrechte wird ein großer Festumzug veranstaltet, bei dem zahlreiche Gruppen und Wagen Szenen aus der Geschichte Löffingens darstellen. Das Programmheft verrät, was hier gemeint ist: »Verleihung des freien Marktrechtes – Minnesänger Wachsmut von Künsingen – 1250«. Der Reiter verkörpert offenbar den Minnesänger, während der Wagen die mittelalterliche Szenerie ergänzt.

Minnesang bezeichnet die höfische, gesungene Liebeslyrik des Mittelalters, die vor allem im 12. und 13. Jahrhundert ihre Blüte erlebt. Wachsmut von Künsingen soll in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gelebt haben. Über seine Person ist nur wenig bekannt. Ein Bezug zu Löffingen oder zur Baar lässt sich nicht nachweisen; in der neueren Forschung wird er vielmehr dem Gebiet des heutigen Luxemburg zugeordnet. Wie kommt er dann in den Löffinger Festzug? Bereits 1885 erschien ein Aufsatz über einen angeblichen »Minnesänger der Baar«, der aus Löffingen stammen soll. Auch Karl Hasenfuß nimmt 1953 in seine Stadtchronik ein Wachsmut von Künsingen zugeschriebenes Minnelied auf. Die Vorstellung von einem heimischen Minnesänger verfestigte sich in der lokalen Geschichtserzählung.

Überhaupt bewegt sich der Festzug von 1951 bei der Darstellung des Mittelalters auf unsicherem historischen Boden. Schriftliche Belege für die Stadtgründung durch Graf Heinrich von Fürstenberg oder für eine Verleihung des Marktrechts im Jahr 1250 fehlen. Beim großen Jubiläumsumzug wird Geschichte deshalb nicht nur rekonstruiert, sondern auch mit einer Portion Phantasie ausgeschmückt.

Standort des Fotografen: 47.884496, 8.345928

Klasse 10b der Realschule, 1998

Archiv der Realschule

Dicht gedrängt stellt sich die Klasse 10b im Schulhof der Realschule zum Gruppenfoto auf. Einige sitzen vorne auf Stühlen, die übrigen stehen in mehreren Reihen dahinter. Diesmal kommt offenbar kein professioneller Schulfotograf zum Einsatz. Die digitale Fotografie hält Einzug: Mit einer Digitalkamera ist das Erinnerungsfoto schnell aufgenommen.

Die neue Technik hat allerdings noch ihre Grenzen. Die Auflösung ist vergleichsweise gering, sodass das Bild bei genauerer Betrachtung deutlich verpixelt wirkt. Immerhin bleiben die Gesichter der Schüler*innen gut genug erkennbar. Was heute mit jedem Smartphone in hoher Qualität möglich ist, ist 1998 noch keineswegs selbstverständlich.

Für die Jugendlichen der 10b steht das Ende ihrer Realschulzeit bevor. Das digitale Klassenfoto hält die Gemeinschaft noch einmal fest, bevor sich ihre Wege nach dem Schulabschluss trennen.

1.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Benjamin Schelb, 5 ???, 6 ???, 7 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Simon Fechti, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???

Zur Klasse gehören außerdem: Martin Authenrieth, Matthias Burger, Simon Huber, Jonas Jarvers, Goran Koren, Marco May, Thomas Morent, Stefan Müller, Patrick Nikolaus, Tobias Oschwald, Silvia Brunner, Sabrina Greuter, Isabel Henning, Mirijam Knöbel, Nadine Köhler, Nina Köhler, Mareike Lange., Birthe Löffler, Natalia Rollmann

Standort des Fotografen: 47.884016, 8.347403

Klasse 10a der Realschule mit Lehrer Jarvers, 1993

Archiv der Realschule

Für das Klassenfoto rücken die Schüler*innen der Klasse 10a im Schulhof zusammen. Vorne wird auf Stühlen Platz genommen, dahinter stehen die Mitschüler*innen in mehreren Reihen. Ganz rechts hat sich Klassenlehrer Wolfgang Jarvers dazugestellt. Der Schulfotograf ist vor Ort und arbeitet sich Klasse für Klasse durch die Realschule.

19 Schüler*innen sind hier versammelt. Für die Jugendlichen ist das letzte Schuljahr an der Realschule angebrochen. Bald werden sich ihre Wege trennen: Einige beginnen eine Ausbildung, andere besuchen weiterführende Schulen. Das Klassenfoto hält noch einmal die Gemeinschaft fest, bevor für alle ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 Klassenlehrer Wolfgang Jarvers
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???

Zum Jahrgang gehören: Frank Benz, Harald Benz, Roland Benz, Michael Blume, Tobias Bretzke, Sven Duri, Rainer Hasenfratz, Patric Kaltenbacher, Stefan Kramer, Harald Kuttruff, Christoph Rappenegger, Tobias Vogt, Claudia Bausch, Ulrike Frey, Ulrike Fürderer, Birgit Ganter, Katrin Kaltenbach, Tanja Sättele, Sandra Willmann

Standort des Fotografen: 47.883703, 8.347317

Närrinnen auf der Festhallenbühne, Fasnacht 1953

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Mondän haben sich die Närrinnen für ihren Auftritt herausgeputzt. In langen Kleidern im Biedermeierstil, mit passenden Hütchen und kleinen Schirmen stehen sie auf der Bühne der Festhalle. Körbe und Täschchen vervollständigen die Ausstattung. Selbst ein kleiner Hund gehört zur Gruppe und dürfte für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen.

An dieser Fasnacht findet in der Festhalle eine »Große Preis-Narren-Modenschau« statt – die Bühne wird zum närrischen Laufsteg. Die Teilnehmerinnen führen ihre Kostüme vor und hoffen auf eine Prämierung. Mit ihrer sorgfältig aufeinander abgestimmten Kleidung hat die Gruppe sicherlich gute Chancen.

Zu sehen sind u.a. Maria Kaufmann (geb. Vogelbacher), Olga Streit (geb. Fehrenbach) und Elisabeth Burger (geb. Benitz)

Für die musikalische Begleitung ist ebenfalls gesorgt. Vor der Kulisse aus dunklen Schwarzwaldtannen sitzen Musiker der Stadtmusik mit ihren Instrumenten bereit und warten auf ihren nächsten Einsatz. Am rechten Bildrand sind die beiden Stadtmusikanten Walter Müller und Eugen Hepting mit ihren Spitzhüten zu erkennen.

Am linken Bildrand sitzt hingegen Erich Adrion (»Drilli«) am Schlagzeug, der nicht der Stadtmusik angehört, sondern Musiker der Tanzkapelle »Rio Combo« ist. Zusammen mit Paul Siefert, Ewald Hepting und Andreas Nobs (»Pan«) spielt er Tanzmusik.

Standort des Fotografen: 47.882923, 8.347877

Stadtmusik beim Umzug in der Bahnhofstraße anlässlich des Sängerfestes, 31. Juli 1927

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Die Bahnhofstraße ist festlich herausgeputzt. Girlanden aus Reisig sind entlang der Straße gespannt, an hohen Masten wehen Fahnen. Zwei Radfahrer sind am Straßenrand stehen geblieben und schauen dem herannahenden Festzug entgegen. Die Stadtmusik ist im Anmarsch. Vorneweg wird der Schellenbaum getragen, dahinter folgen die Musiker.

Anlass ist das große Sängerfest des Schwarzwaldgau-Sängerbundes, das drei Tage lang in Löffingen gefeiert wird. Zahlreiche Gesangvereine reisen dafür an. Beim großen Festumzug am 31. Juli 1927 ziehen schätzungsweise 4.000 bis 5.000 Teilnehmer*innen durch das Städtchen – für Löffingen ein außergewöhnliches Großereignis. Für drei Tage wird Löffingen damit zum Treffpunkt zahlreicher Sänger und Vereine aus der Region.

Die Aufnahme entsteht in der Bahnhofstraße beim Bahnübergang. Am rechten Bildrand ist ein Teil des katholischen Pfarrhauses (Untere Hauptstr. 10) angeschnitten. Weiter hinten ist der sogenannte »neue Benzbau« (Ringstr. 8) zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.882438, 8.343013

Alemannengrab in der Alemannenstraße, April 1933

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Ein menschliches Skelett kommt beim Straßenbau am Alenberg zum Vorschein. Es liegt in einem schmalen, mit Steinen eingefassten Grab, das zuvor mit einer Steinplatte abgedeckt war. Der Fund sorgt für Aufsehen, doch völlig überraschend ist er nicht: Schon bei früheren Erdarbeiten wurden auf der Südseite des Alenbergs immer wieder Gräber entdeckt. Eine Lokalzeitung berichtet am 7. April 1933 über den neuerlichen Fund: »Das noch gut erhaltene Skelett eines erwachsenen Menschen von mittlerer Größe lag vom Westen nach Osten gerichtet, mit dem Gesicht der Erde zugewandt. Weitere Funde wies das Grab nicht auf.« Das Foto hält einen seltenen Moment fest, in dem die weit zurückliegende Vergangenheit Löffingens buchstäblich wieder ans Tageslicht kommt.

Zwei Jahre später werden bei erneuten Arbeiten am Alenberg weitere zwei Steinkistengräber freigelegt – ebenfalls ohne Beigaben. Der Löffinger Chronist Emil Ketterer vermutet deshalb in seiner 2005 erschienen Stadtchronik, dass das Gräberfeld am Alenberg aus christlicher Zeit stammt und um 650 n. Chr. angelegt wurde. Das im Heimatmuseum ausgestellte »Alemannengrab« zeigt vermutlich nicht das 1933 ausgegrabene Skelett, sondern eines der beiden Grabfunde aus dem Jahr 1935.

Die archäologischen Entdeckungen der 1930er-Jahre sind keineswegs die ersten Hinweise auf frühe Gräberfelder. Bereits 1881 stießen Arbeiter beim Anlegen eines Steinbruchs im Gewann »Käpellebuck« auf rund 30 Gräber. Sie waren mit Steinen ausgemauert und mit großen Steinplatten abgedeckt. Mit den Funden ging man damals wenig zimperlich um: Skelette und Schädel wurden teilweise zertrümmert und wieder verscharrt, Waffen und andere Beigaben als wertloses »rostiges Eisen« weggeworfen. Einige Stücke konnten nachträglich gerettet werden. Der »Kreuz«-Wirt Johann Hogg, Betreiber des Steinbruchs und selbst an Bodenfunden interessiert, sorgte dafür, dass unter anderem Reste eines Langschwertes, ein Langsax – eine lange, einschneidige Hiebwaffe –, ein Kurzschwert, zwei bronzene Ohrringe, ein Messer und ein verzierter Knopf in die Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen gelangten.

Standort des Fotografen: 47.885091, 8.346282

Personengruppe vor dem Haus Durst in der Ringstraße, 1956

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein gewöhnliches Familienfoto vor dem Haus Durst (Ringstr. 1). Doch die schwarze Kleidung der beiden Frauen erzählt von zwei Todesfällen in der Familie. Ganz rechts steht Frieda Durst (geb. Egle, 1929-1982). Sie ist erst seit wenigen Monaten Witwe: Ihr aus Rötenbach stammender Ehemann, der Betriebsschlosser Peter Josef Durst (1926-1956), ist am 3. März 1956 im Alter von nur 30 Jahren gestorben. Frieda Durst bleibt mit ihren beiden kleinen Söhnen zurück: Alfons ist vier Jahre alt, Michael erst ein Jahr.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Michael Durst (1955-2025), 4 Alfons (»Mobby«) Durst (geb. 1952), 5 Lina Egle (geb. Mäder, 1887-1966), 6 Frieda Durst (geb. Egle, 1929-1982)

Neben Frieda Durst steht ihre Mutter Lina Egle (geb. Mäder, 1887-1966). Auch sie trägt Schwarz und ist verwitwet. Ihr Ehemann, der aus Bräunlingen stammende Müller Gustav Egle (1880-1954), ist am 13. März 1954 im Alter von 73 Jahren gestorben.

Das große Fenster hinter der Personengruppe gehört nicht zur Wohnung, sondern ist ein Schaufenster. Im Erdgeschoss betreibt Frieda Durst eine kleine »Handlung« mit Textilwaren, Aussteuer und Wallfahrtsartikeln. Nach dem frühen Tod ihres Mannes muss die zweifache Mutter für den Lebensunterhalt ihrer Familie sorgen. Auch ihre Mutter trägt zum Einkommen bei: Lina Egle unterhält an der Wallfahrtskirche Witterschneekreuz einen Verkaufsstand.

So erzählt das Foto weit mehr als nur von einer Familie, die sich zu einem Gruppenfoto versammelt. Hinter der alltäglichen Szene vor dem Haus stehen zwei Generationen verwitweter Frauen, die ihren Lebensunterhalt selbst sichern müssen.

Standort des Fotografen: 47.884631, 8.344527

Umzugswagen »Römerwache« in der Bahnhofstraße, Fasnacht 1952

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Mitten durch die Bahnhofstraße verläuft plötzlich der Limes. Zwei Ochsen ziehen einen Umzugswagen, auf dem sich ein römischer Wachturm erhebt. Oben hat eine ganze »Römerwache« Aufstellung genommen. Männer und Frauen in antik anmutenden Kostümen blicken von der Plattform herab, einer der Wächter steht unten am Wagen und hält die Stellung. Hinter dem Wagen folgt der weitere Narrenumzug in der verschneiten Straße.

1.Reihe: 1 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???

Die Fasnacht steht in diesem Jahr unter dem Motto »Als die Römer frech geworden«. Dazu passt die »Römerwache« natürlich bestens. Ganz neu ist die Gruppe allerdings nicht. Kostüme und Wagen kommen bereits im Vorjahr beim Festumzug zur Stadterhebung 1951 zum Einsatz. Es wäre auch zu schade, wenn die aufwendigen Verkleidungen und der mächtige Wagen nach nur einem einzigen Auftritt wieder in der Versenkung verschwänden. So erhält das Ganze 1952 ein närrisches zweites Leben.

Der Wagen stellt einen römischen Wachturm aus dem 3. Jahrhundert dar. Für einen Augenblick wird die Bahnhofstraße damit zur Grenze des Römischen Reiches umgedeutet. Im Hintergrund ist der »neue Benzbau« (Ringstr. 8) zu erkennen, ein Mehrfamilienhaus für Arbeiter des Sägewerks Benz und ihre Familien. Daneben steht das Haus des Revierförsters Franz Rappenegger und seiner Ehefrau Josefa Rappenegger (geb. Roth) (Ringstr. 6).

Standort des Fotografen: 47.883316, 8.342488

Eugen Steidlinger mit Enkelinnen auf der »Linden«-Wiese, Pfingsten 1939

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Zwischen seinen beiden Enkelinnen steht Oberlehrer a. D. Eugen Steidlinger (1873-1939) auf der »Linden«-Wiese. Die Mädchen haben sich fein gemacht und halten kleine Blumensträuße in den Händen. Ihr Großvater trägt Mantel und Hut und blickt ernst in die Kamera.

Der Ort ist Eugen Steidlinger bestens vertraut. Rund 15 Jahre zuvor entstanden auf der »Linden«-Wiese ganze Serien von Klassenfotos, auf denen der Pädagoge jeweils mit seinen Schüler*innen für den Fotografen posierte. Nun ist der langjährige Lehrer im Ruhestand und lässt sich nicht mit einer Schulklasse, sondern mit seinen Enkelinnen fotografieren.

V.l.n.r.: 1 Lioba Benitz (verh. Andritzke, geb. 1936), 2 Eugen Steidlinger (1873-1939), 3 Elisabeth Benitz (verh. Burger, 1930-2019)

Eugen Steidlinger wurde am 13. November 1873 in Stuttgart geboren. 1905 kam er von Östringen bei Bruchsal an die Volksschule Löffingen. Täglich hatte er 150 bis 160 Schulkinder zu unterrichten. Nach der Gründung der Gewerblichen Fortbildungsschule übernahm er auf Drängen der örtlichen Handwerksmeister nebenamtlich auch deren Leitung. 1922 wurde der Hauptlehrer zum Oberlehrer befördert. Bis zu seiner Pensionierung am 1. Februar 1934 begleitete er mehrere Generationen Löffinger Kinder durch ihre Schulzeit und sprang bei Erkrankungen von Kollegen auch in den Filialgemeinden Seppenhofen und Dittishausen ein. Anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums verlieh ihm die Stadt Löffingen 1930 in Anerkennung seiner Verdienste die Ehrenbürgerwürde. Auch außerhalb der Schule war Steidlinger fest im Gemeindeleben verankert: Von 1917 bis 1932 leitete er als Dirigent den katholischen Kirchenchor. Am 12. Dezember 1939 stirbt er im Alter von 66 Jahren.

Standort des Fotografen: 47.883368, 8.347403

Umzugswagen »Rosenkorb« in der Maienlandstraße zur Stadterhebung, 27. Mai 1951

Foto Leofa, Neustadt | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Der Festzug eilt durch die regennasse Maienlandstraße. Regenschirme sind aufgespannt, die Straße glänzt vom Regen – ausgerechnet an diesem besonderen Tag spielt das Wetter nicht mit. Löffingen feiert die Wiedererlangung seiner Stadtrechte, doch die Feierlichkeiten fallen im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Vor dem Haus Honold (Maienlandstr. 2) zieht der Festwagen »Rosenkorb« vorbei. Von hinten ist vor allem die große Fahne mit dem Löffinger Wappen zu sehen. Auf dem von einem kräftigen Pferd gezogenen Wagen türmt sich ein gewaltiger Berg aus Rosen. Die Blüten sind allerdings nicht echt: Fritz Adrion sen. (1897-1971) und Rosa Adrion (geb. Berger, 1898-1973), und ihre Familie haben sie in mühevoller Arbeit aus Papier gefertigt.

Auch das Haus Honold (Maienlandstr. 2) ist für den Festtag geschmückt. Eine Reisiggirlande hängt an der Fassade, daneben weht die badische Fahne in Gelb-Rot-Gelb. Baden-Württemberg gibt es noch nicht: Löffingen gehört 1951 zum Land Baden. Am 9. Dezember 1951 folgt die Volksabstimmung über die Bildung eines »Südweststaates«. Im folgenden Jahr schließen sich Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern dann zum neuen Land Baden-Württemberg zusammen.

Hinter dem »Rosenkorb« folgt die Stadtmusik. Die Musiker scheinen angesichts des Dauerregens weniger um ihre Uniformen als um ihre Instrumente besorgt zu sein. Statt gemächlich zu paradieren, wird an diesem nasskalten Maitag eher zügig marschiert.

Standort des Fotografen: 47.884323, 8.343460

»Baaremer Quartett«, ca. 1930

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Vier Männer sitzen nebeneinander auf einer Gartenbank und schauen ausgesprochen ernst drein. Dabei sorgen sie sonst gerade für gute Unterhaltung: Als »Baaremer Quartett« treten die vier Sänger bei Festen und geselligen Veranstaltungen auf. Sie sind gewissermaßen die Löffinger Ausgabe der berühmten »Comedian Harmonists«. Doch von ausgelassener Sangesfreude ist auf dieser Momentaufnahme wenig zu spüren.

V.l.n.r.: 1 Metzgermeister Fritz Seilnacht (1901-1987), 2 Schneidermeister Hermann Ganter (1895-1957), 3 Friseurmeister Julius Limb (1883-1968), 4 Kaufmann Albert Benitz (1905-1996)

Schon die unterschiedlichen Berufe der Sänger zeigen: Das gemeinsame Singen ist kein Broterwerb, sondern Freizeitvergnügen – allerdings offenbar auf einem Niveau, das ihnen Auftritte und einen eigenen Namen einbringt. Bis 1939 tritt das »Baaremer Quartett« gemeinsam auf.

Standort des Fotografen: ???