
Verlag A. Rebholz, Löffingen | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Käthe Kaufmann und Rita Willmann zur Verfügung.
Der Meiler ist fast fertig aufgebaut. Mächtig erhebt sich der rundliche Holzstoß auf dem »Kohlplatz« im Stadtwald. Die großen Scheite liegen bereits dicht an dicht, doch an einigen Stellen sind noch Hohlräume geblieben. Konrad Nägele (1885-1960) beugt sich über den Meiler und schiebt kleinere Holzstücke in die Zwischenräume. Je dichter und gleichmäßiger das Holz geschichtet ist, desto besser lässt sich später der Verkohlungsprozess steuern.
Noch liegt das Holz offen da. Im nächsten Arbeitsschritt wird der Meiler mit Reisig, Erde und Rasensoden abgedeckt, sodass nur wenig Sauerstoff eindringen kann. Dann wird er entzündet und über mehrere Tage hinweg aufmerksam überwacht. Aus dem aufgeschichteten Holz entsteht schließlich Holzkohle.
Die Nägeles betreiben das Köhlerhandwerk über mehrere Generationen und sind deshalb im Städtchen als »s’Kohle Nägeles« bekannt. Der Platz im Stadtwald, auf dem ihre Köhlerhütte steht und die Meiler abgebrannt werden, trägt den Namen »Kohlplatz«. Konrad Nägele gilt als letzter Köhler der Familie. Während der Sommermonate lebt die Familie mit den Kindern zeitweise direkt am »Kohlplatz«. Denn sobald ein Meiler brennt, darf er nicht sich selbst überlassen bleiben: Tag und Nacht muss kontrolliert werden, ob er gleichmäßig glimmt und an keiner Stelle zu viel Luft eindringt.
Die Aufnahme gehört zu einer Fotoserie, die der Löffinger Buchbinder Anton Rebholz 1911 von der Arbeit der Köhler-Familie anfertigt. Dieses Bild trägt die handschriftliche Nummer V. Zusammen mit den übrigen Aufnahmen dokumentiert es Schritt für Schritt ein Handwerk, das wenig später aus dem Alltag verschwindet.
Standort des Fotografen: 47.909612, 8.323702
Der Mann ist Konrad Nägele (1885-1960).
Danke für die Ergänzung!