Walpurgisnacht auf dem Rathausplatz, Fasnacht 1939

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Ein gleißender Feuerschein zerreißt die Dunkelheit über dem Rathausplatz. Rauch zieht in Schwaden durch die Nacht, Funken stieben in die Höhe. Es ist Fasnacht 1939 – und seit wenigen Jahren gehört die »Walpurgisnacht« zum festen Bestandteil des närrischen Programms. Seit 1934 führt die Hexengruppe dieses schaurige Spiel auf. Den Text verfasste Leo Ratzer (1881-1948). Was hier geboten wird, ist ein schaurig-schönes Spektakel.

Der Blick fällt über den oberen Rathausplatz in Richtung des Gasthauses »Löwe« (Rathausplatz 11). Details verschwimmen im Halbdunkel, doch gerade das macht den Reiz der Aufnahme aus. Schemenhaft sind Figuren zu erkennen – vielleicht der Teufel mit erhobenem Arm, vielleicht Hexen, die um das Feuer tanzen. Das Licht der Flammen wirft flackernde Schatten auf die Fassaden, während sich die Menge im Vordergrund dicht um die Fasnachtsbühne drängt.

Solche Fotografien sind selten. Die »Walpurgisnacht« findet in der Dunkelheit statt, und die technischen Möglichkeiten der 1930er Jahre machen Nachtaufnahmen zu einer Herausforderung. Umso kostbarer ist dieses Bild. Eine echte Rarität!

Erst rund zwei Jahrzehnte später entsteht jene Musik, die seither alljährlich bei der »Walpurgisnacht« von der Stadtmusik gespielt wird. Komponiert wird sie vom Musikpädagogen und Komponisten Dr. Hermann Regner (1928-2008). Von 1958 bis 1964 wirkt er als Dozent an der Hochschule für Musik in Trossingen. In dieser Zeit – vermutlich 1961 – kommt es auf Initiative von Rupert Hepting (1905-1990), dem Dirigenten der Stadtmusik, zur Zusammenarbeit: Regner komponiert die Musik zur »Walpurgisnacht« – und nebenbei auch den Löffinger Narrenmarsch, der bis heute zum festen Repertoire gehört.

Standort des Fotografen: 47.884084, 8.344622

2 Gedanken zu „Walpurgisnacht auf dem Rathausplatz, Fasnacht 1939

  1. Guten Tag Herr Wassmer.

    Die Musik zur Walpurgisnacht wurde nicht (wie im ursprünglichen Kommentar) von Hermann Reger, sondern von Hermann Regner (geb. 1928 in Marktoberdorf – gest. 2008 in Großgmain-Salzburg) in den 1950er Jahren geschrieben.
    Ich hatte Mitte der 1970er Jahre das Glück, als Lehrgangsteilnehmer bei einem mehrtägigen Kurs in Trossingen, bei diesem prominenten Gastdozenten dabei zu sein. Hermann Regner war zu dieser Zeit als Professor am Mozarteum, sowie am Carl Orff – Institut tätig. (In seiner Ausbildungszeit war Hermann Regner ein Schüler von Carl Orff).

    Während meiner Lehrgangszeit in Trossingen sagte mir Hermann Regner:
    „Mit zwei Mann sind die Löffinger damals nach Trossingen gekommen. Mit dabei war der Dirigent Rubert Hepting. Sie wollten die Musik für „Hexentänze“ und einen Narrenmarsch. Für DM 200,– habe ich ihnen zu ihren mitgebrachten Textvorlagen diese Stücke geschrieben.“

    Ende der 1970er Jahre haben wir (die Stadtmusik Löffingen) diese Kompositionen mit einer der besonderen Tonbandmaschinen der Fa. REVOX, auf Band aufgespielt.
    Professor Regner war hin und wieder als Urlauber bei seinem langjährigen Freund, Leopold Winterhalter sen., im „Gasthaus Traube“ in Waldau zu Gast. Eine kleine Delegation der Stadtmusik (Lothar Zepf und Bernhard Adrion) hatte sich bei Hermann Regner angemeldet, und ihm während einer Vesperstunde dieses bespielte Tonband zu übergeben. Er war sehr erfreut darüber, auch weil seine Musik in Löffingen noch immer aufgeführt wird.

    Ein weiterer Hinweis zur Walpurgisnach!
    Hermann Regner war auch mit dem Chef des großen Hörfunk Unterhaltungsorchester des SWF-Baden-Baden, Hubert Deuringer aus Empfingen / Neckar, befreundet. Auch dieser war Dozent an der Musikschule in Trossingen. Beide kannten sich aus dieser Zeit.
    Während TV-Aufnahmen in den 1980er Jahren im Fersehstudio in Saarbrücken, hatte ich als Stockmihli- Musikant oft Gelegenheiten um mit Hubert Deuringer über die schwäbisch- allemanische Fasnet zu reden. Er kannte sich zu diesem Thema besonders gut aus. Als ich ihm von der Löffinger Walpurgisnacht und von Professor Regner erzählte, wurde er hellhörig.
    So habe ich ihn zur Aufführung der Hexentänze für den Fasnemendig nach Löffingen eingeladen.
    Er kam 1985 mit seiner Frau und Freunden gerne nach Löffingen um sich das Schauspiel anzusehen. Die Empfinger Gäste waren begeistert, obwohl leider genau zum Zeitpunkt der Aufführung ein Schneesturm einsetzte. Die musikalische Arbeit von Professor Hermann Regner hatten dem Orchesterchef Hubert Deuringer besondert gut gefallen.

    Auch heute noch – viele Jahrzehnte nach meinen Begegnungen mit den beiden großen Musikern,
    wird dieses Schauspiel und die besondere Musik sehr bewundert – nicht nur von Löffingern!

    Viele Grüße: Bernhard Adrion

    1. Lieber Herr Adrion, wie immer herzlichen Dank für die fundierten Hintergrundinfos. Ich hatte vermutet, dass es sich um Hermann Regner (1928-2008) handelt, war aber davon ausgegangen, dass es schon von Anfang an (also ab 1934) die Musik gab – und da passten die Lebensdaten nicht. Aber wenn die Musik erst zwei Jahrzehnte später komponiert wurde, dann macht natürlich alles Sinn! Der Narrenmarsch soll übrigens 1961 komponiert worden sein

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