Diese Fotos stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.
Dicht gedrängt stehen die Gläubigen vor der Wallfahrtskirche Witterschneekreuz. So viele Menschen sind gekommen, dass längst nicht alle im Kircheninneren Platz finden. Vor allem Männer und »Jungmänner« aus Löffingen und der Umgebung nehmen an der Wallfahrt teil, dazwischen sind auch einige Frauen zu erkennen. Am rechten Bildrand steht eine große Limousine – mit ihr ist Erzbischof Conrad Gröber (1872-1948) zur Kirche gefahren.
Der Freiburger Erzbischof ist an diesem Sonntag zu Gast in Löffingen. Am Vormittag spendete er in der Pfarrkirche St. Michael das Sakrament der Firmung. Am Nachmittag begann um 14.30 Uhr eine weitere große kirchliche Veranstaltung: die Wallfahrt der Männer und »Jungmänner« zum Witterschneekreuz. Gröber hielt zunächst in der Pfarrkirche die Wallfahrtspredigt. Anschließend setzte sich die Prozession in Bewegung. Während die Gläubigen zu Fuß durch das Städtchen und das Maienland hinauszogen, legte der Erzbischof den Weg mit dem Auto zurück.
An der Wallfahrtskirche angekommen, kann die Menschenmenge nicht vollständig aufgenommen werden. Es findet aber ohnehin nur eine kurze Segensandacht statt. Das Foto vermittelt eindrucksvoll, welche Anziehungskraft das Witterschneekreuz als Wallfahrtsort besitzt und welche Bedeutung der Besuch eines Erzbischofs für die katholische Gemeinde hat.
Stadtpfarrer Robert Winkel (1897-1972) mahnte seine Pfarrangehörigen vor dem Besuch des Erzbischofs ausdrücklich: »Nicht öhmden!« Mit »Öhmd« ist der zweite Grasschnitt des Jahres gemeint. Er forderte sie auf, an diesem besonderen Sonntag die Feldarbeit ruhen zu lassen. Wenn der Erzbischof durch Löffingen zieht, soll sich die Pfarrgemeinde offenbar von ihrer besten katholischen Seite zeigen – arbeitende Bauern auf den Wiesen hätten da ein denkbar schlechtes Bild abgegeben.
Standort des Fotografen: 47.893117, 8.337014
