
Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.
Zwei Menschen sitzen nebeneinander, vor einem schlichten Vorhang, ohne jedes dekorative Beiwerk. Der Blick ist ernst. Es ist eines der wenigen Porträts von Buchbindermeister Anton Rebholz (1875-1946) – einem Mann, der sein Leben lang meist hinter der Kamera stand. Links sitzt seine Ehefrau Wilhelmine Rebholz (geb. Kaiser, 1880-1966).
Das Doppelporträt ist eigentlich eine Montage zweier Einzelaufnahmen. Beide wurden vor demselben neutralen Hintergrund fotografiert und später zusammengefügt – vielleicht, weil sich im Alltag selten Gelegenheit für ein gemeinsames Porträt bot. So entsteht nachträglich ein Bild des Ehepaares, das in dieser Form nie gemeinsam vor der Kamera saß.
Anton Rebholz wurde am 1. Oktober 1875 in Niedernau (Württemberg) geboren. Um 1895 kam er als junger Mann nach Löffingen. 1901 eröffnete er am Rathausplatz seine Buchbinderei und Buchdruckerei sowie eine »Photohandlung«. Von da an prägte er über Jahrzehnte das fotografische Gedächtnis des Städtchens. Die ältesten erhaltenen Aufnahmen stammen von der Jahrhundertwende um 1900. Hunderte, ja Tausende Ansichten, Ereignisse und Porträts hat er festgehalten – Straßen und Häuser, Menschen aller Generationen. Er selbst jedoch bleibt meist unsichtbar.
Anton Rebholz stirbt am 28. März 1946 im Alter von 70 Jahren. Seine Frau Wilhelmine überlebt ihn um zwanzig Jahre; sie stirbt am 14. März 1966 im Alter von 85 Jahren. Im Nachlass befinden sich mehr als 4.000 Glasplattennegative sowie ungezählte Rollfilm- und Kleinbildnegative – ein unschätzbarer Schatz für die Ortsgeschichte. 2019 würdigen Rosmarie Hauser-Metzger und Hans-Dieter Metzger in ihrem Bildband »Löffingen im Lichtbild 1900-1950« sein Werk mit den Worten: »Viele Einzelaufnahmen des Buchbindermeisters bestechen durch die Auswahl des Motivs, den durchdachten Bildaufbau und die professionelle Handhabung der Technik.«
Dieses stille Doppelporträt zeigt nicht nur ein Ehepaar. Es zeigt den Mann, dem Löffingen einen großen Teil seines visuellen Gedächtnisses verdankt. Der Bildband »Löffingen im Lichtbild 1900-1950« kann bei der Stadtverwaltung erworben werden.
Standort des Fotografen: 47.884079, 8.344578