Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.
Vor dem neu erbauten Einfamilienhaus in der Haslachstraße 9 posieren der Gendarmeriemeister Albert Vetter (1886-1962) und seine Ehefrau Agnes Vetter (geb. Bader, 1907-1998). Neben ihnen steht eine Kurgastfrau, die einige Wochen in Löffingen zur Erholung verbringt. Stolz steht das Ehepaar Vetter da, die Schürzen verraten Alltag, Arbeit und Gastfreundschaft zugleich. In den 1950er Jahren entwickelt sich Löffingen zum Kurort. Heimatfilme im Fernsehen tragen zur Popularität des Schwarzwaldes als Urlaubsziel bei. Viele Einheimische bieten Privatzimmer an – so auch die Vetters, die sich mit der Vermietung ein kleines Zubrot verdienen.
Das Haus Vetter gehört zu den Neubauten in der Siedlung »Neue Heimat«. Viele Familien träumten nach den Entbehrungen des Krieges vom eigenen Heim – für Albert und Agnes Vetter ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. Das Ehepaar ist alleinstehend. Denn die Ehe der Vetters blieb kinderlos, nicht aus freiem Willen, sondern weil Agnes Bader als 17-Jährige von den Nationalsozialisten zwangsweise sterilisiert wurde. Sie teilt dieses Schicksal mit etwa 400.000 Menschen im Deutschen Reich, die Opfer der sogenannten »Erbgesundheitspolitik« wurden. Dieses Stigma wirkt auch in der Nachkriegszeit fort. Man tuschelt hinter dem Rücken, macht Andeutungen. Den Betroffenen wurde nicht nur die Möglichkeit genommen, Kinder zu bekommen – oft war ihnen auch der Weg zu einer gleichaltrigen Ehe verbaut. So nahm auch das Leben von Agnes Bader einen anderen Verlauf, als sie es sich wohl erträumt hätte. Sie heiratete den 21 Jahre älteren Gendarmeriemeister Albert Vetter, der aus dem Elsass stammte.
Im Hintergrund erkennt man das Elternhaus von Agnes Vetter – das Haus Bader (Obere Hauptstr. 17), das nur wenige Meter entfernt steht.
Standort des Fotografen: 47.884355, 8.349685