
»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921
Unmittelbar am Bahnübergang steht das Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a). Mit seinem hohen, doppelt abgewalmten Dach wirkt es wie ein Gegenstück zum katholischen Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Zusammen bilden die beiden Gebäude ein markantes Ensemble am südlichen Ausgang des Städtchens. Beide Häuser werden als Barockhäuser bezeichnet, da die doppelt abgewalmten Dächer an die Bauformen Spätbarocks im 18. Jahrhunderts erinnern. Im Vordergrund sind die Gleise und die Schranke des Bahnübergangs zu erkennen.
Das Haus Kaus wurde 1803 errichtet. Ab 1892 wohnten darin der Bierwirt und Kaufmann Wilhelm Kaus (1853-1892) und dessen Ehefrau Theresia Kaus (geb. Kaier, 1860-1935). Das Gebäude wird am 25. Februar 1945 bei einem Fliegerangriff vollständig zerstört. Nach Kriegsende wird es nicht wieder aufgebaut. Damit verschwindet eine Hälfte des einstigen architektonischen Ensembles am Bahnübergang.
Die Aufnahme erscheint 1921 als Bild Nr. 25 in der Zeitschrift »Badische Heimat« unter der Überschrift »Gegenüberliegendes Barockhaus am Ausgang nach Göschweiler«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) führt seine Leser*innen darin anhand von 28 Fotografien durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich der Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens.
Gerade die beiden Barockhäuser begeistern Wingenroth. Zum Abschluss seines Rundgangs schreibt er: »Wir wollen unsere leider kurze Besichtigung mit Erfreulicherem schließen, dessen es gerade in Löffingen noch genug gibt.« Zu diesen erfreulichen Beispielen zählt er ausdrücklich die beiden Häuser am Bahnübergang, die »jeder Stadt eine Zierde wären«. Besonders hebt er ihre »doppelt abgewalmten Dächer« hervor – ein deutliches Beispiel dafür, welche Bauformen der Heimatschutz jener Zeit als vorbildlich und erhaltenswert ansieht.
Standort des Fotografen: 47.882415, 8.342536