Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.
Auf der kleinen Brücke hinter dem Oberwiesenweg haben sich im Sommer 1996 Schaulustige versammelt. Seit dem Bau der Bahnlinie spannt sie sich hier über die Gleise – unscheinbar, aber mit weitem Blick in die Landschaft. Heute ist sie Logenplatz.
Unten ziehen sich die Schienen schnurgerade entlang. In der Ferne kündigt sich Rauch an. Eine historische Dampflok ist unterwegs – ein seltener Anblick in einer Zeit, in der längst moderne Züge den Takt bestimmen. Man wartet gespannt auf das langsame Heranschnaufen, das rhythmische Stampfen, die Dampfwolke über den Wiesen.
Links hat jemand ein Stativ aufgebaut, eine Filmkamera der Marke ARRI darauf montiert. Der Moment soll auf Film festgehalten werden. Daneben steht eine Familie: Eine Mutter hält ihr Kind auf dem Arm, ein anderes Kind klettert neugierig ans Geländer und späht hinunter auf die Gleise. Alle Blicke richten sich in dieselbe Richtung. Im Hintergrund liegen – eingebettet in die weite Landschaft – das Haus Kiechle (Beim Schneekreuz 1), das frühere Gasthaus »Engel« und daneben die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz.
Mehr als zwanzig Jahre später, im Februar 2019, verschwindet die Brücke. Im Zuge der Elektrifizierung der Höllentalbahn und der Tieferlegung der Gleise am Bahnhof wird sie abgerissen. Aus Kostengründen entscheidet sich die Stadt gegen einen Neubau. Mit ihr geht nicht nur ein Bauwerk verloren, sondern auch ein beliebter Fußweg – und ein Aussichtspunkt, von dem aus man Züge kommen und verschwinden sehen konnte.
Standort des Fotografen: 47.888903, 8.338132
